'^^^ :k^ t/ ;a ^^^^^r^ .'^ ^_>-^^ 31 ! Jl 1 0= xz -^^ in ^^^^ >,....?r7 1|. iDi .III ,1 .'- >iii iir !Pl||i ! ,, '.'1-'^" ' ,/ j;i -/'"'r >^^.?'^ X i ^... . ; x/ ' .A.i.t ' "...;:i :.!, /'S " ..; V' '" C, ' I -,,../ i ,.,li' -"*;;"' '' |i'i '"i',,,ii '" I '' " ''' tu*' , )' .11, '"":i '!*'' iii / iii.;'iii /., 'k, V ^^ % ' Redigiert von Dr. H. Potonie -->- K^SH- DRITTER BAND --^> (Oktober 1888 bis Mrz 1889). -^ "^-"HraH "^^ BERLIN. Verlag von Hermann Riemann. Inhalts-Verzeiehnis. Seite Allgemeines und Verseliiedenes. Dreher, Philosophie und Natur- wissensi'haft Orth, Ueber Dolontvervvenduiig' bei der Bodeukultur Eau, Ueber den Urgrund des Wissens. Vogt, Das Studium der Naturge- scliiclite egiiff der Kraft in der modernen Wisseusoliaft Die Philosophie und der vierdimen- sionale Eauin Farlienwahrnehmnngsvermgen der alten Griechen Melliuit llikrochemische Keaktion atif ver- holzte Membranen resp. Holzpapier Mikroskopirlampe (mit Abbildung) . Schwankungen im Salzgehalte der Ostsee Specifisches Gewicht des Seewassers vor der Kongo-Mndung .... Uebertragung von Abbildungen auf Holz 33 7 105 147 160 78 69 104 138 208 45 152 56 64 Ursache des Abbltterns der Ziegel- steine Zoologie. Friedel iindEngelhardt, Heimat der Weiubergsschuecke .... 38 Kar seh, Ueber Leichenwnner (mit Abbildungen) 89 Keller, Aus dem Sinnesleben der Tiere 36, 42 Kor sc hei t, Ueber den Bau und das S\'stem der Glasschwmme (Hexac- tinelliden), nebst ihren Beziehun- gen zu den brigen Spongien (mit Abbildungen) 171 Kriipelin, Die Bedeutung der natur- historischeu insonderheit der zoolo- gischen Museen 74, 85, 90 Lachmann, Mein Dnrchlftungs- apparat fr Zimmeraquarien (mit Abbildmig) 197 Seewasseraquarien 179 von Martens. Ist helix poinatia in Norddeutschland einheimisch? . . 17 Nehrinir. Die Fauna eines masuri- schen Pfalilbaus (mit Abbildung) . 9 Heimat des Meerschweinchens . 143 Schaff, Ueber die Einwanderung der Steppenhhner im Jahre 1888 (mit .Abbildungen) 4 Seitir Staby, Schweben und Kreisen der Vgel (Berichtigung) 16 Sulzer, Bewegung der Wasser- schuecken an der Oberflche des Wassers 55 Bedeutung des Vogelschwanzes beim Fliegen . "1 Das Mikroskop im entomologischen Museum 12 Die Kreuzotter l'^ Ein Feind der Orangen 175 Einfhrung des Bennet'schen Kn- guru in Deutschland 38 Geeigneter Inhalt fr Aquarien . . 210 Geschlechtsvernderung der Tiere, die diu-ch Schmarotzer bewirkte . 7 Grnspan an Insektennadeln ... 40 Haussperling auf Neuseeland ... 63 Insekten auf Stachys betonica . . 48 NaturwissenschaftlicheForschungauf Ceylon 93 Parasitre Kastration 7 Eeblausbeobachtungen 22 Schdling des Weinstocks .... 117 Sclmabeltier 101 Seewasser-Extrakt 128 Steppenlmlm, Verbreitung und biolo- gische Verhltnisse ... 22, 24, 70 Sumpfschildkrte, ein neuer Fundort . 45 Triton helveticus und R;ina agilis, ihr Vorkommen in Deutschland ... 93 Tylenchus devastatrix, ein Pflanzen- schdling 53 Ursachen der GeschlechtsbUdung . 133 Berichtigung 162 Wanderungen des Eichhrnchens und des Tannenhhers 101 Weinbergsschnecke .... 17, 38, 63 Wie prpariert man Spinnen fr die Sammhmg 39 Zerstrung der Engerlinge . . 184, 210 Zwei interessante Flle von Symbiose . 151 Botanik. Ascherson, Silene cretica, ein vor- geschichtliches Leiuunkraut auch heut noch diesseits der Alpen . . 91 Baenitz, Herbarium europaeum . 72 Hennings, Der Hausscliwamm (Me- rulius Lacrymans Fi'.), ein Brger uuseier Wlder 188 Kreusler. AusdemErniirungsiiaus- halt der Pflanzen 195,204 1 j I) w. Anleitung zu bltenbiologischen Heiibachtuugeu 113. 121 Berichtiguna; 128 Seite Mittmann, Die bakteriologischen Untersuchungsmethoden (mit Ab- bildungen) 129, 139, 149 Nachtrag 170 Form, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien (mit Abbildungen) 25, 35 Nachtrag 120 Philipps on, Ueber den Anbau der Korinthe in Griechenland . . 173 Potonie, Die Bedeutung der Stein- krper im Fruchtfleische der Bir- nen (mit Abbildungen) 19 Die Begriffe Hydrom, Hydroide, Hydi-o-Stereide 103 S c h w e n d e n e r, Ueber Eichtungen und Ziele der mikroskopisch-bota- nischen Forsclumg . . . .49, 57, 67 Werter maier, Ziu' Frage der Wasserbewegiuig in den Pflanzen . 99 Beziehungen zwischen der Zahl im Kiu-ztrieb und dem Querschnitt liei den Pinusnadeln 185 Blthenprparation ziu- Bestimmimg der Pflanzen (mit Abbildimg) . . 63 Equisetum maximum bis 2 m hoch! 86 Extraflorale Nectarien b. Compositen. 152 Gletscherbakterien 101 Holzgewchse fi" rauchige Bezirke . 93 Haussclnvamra 53, 188 Homopa.tische Wirkgn. im Pflanzen- reich 117 Kellerbakterien 159 Pflanzen und Schnecken . . . . 111 Eeinkulturen von Pilzen auf einem neuen, festen Nhrboden .... 70 Wurzelknllchen der Leguminosen. 134,143 Zwei neue photogene Pilze .... 101 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Mickwitz, leber die Bildung der Schlifttchen au den sogenannten Dreikanteru (mit Abbildungen) . 203 Mller, Gottfried, Das Vorkommen von Eudisten am nrdlichen Harz- rand 160 Nehring, Fossiles Vorkommen von Helix pomatia in Deutschland . . 63 Potonie, Die systematische Zuge- hrigkeit der versteinerten Hlzer (vom Typus Araucarioxylon) in den palaeolitischen Formationen (mit Abbildiuigen) 163 Stapff, Das ,,glaziale'- Dwykakou- irlomerat Sdafrikas (mit Abbil- dungen) ... 97. 10^. 116, 125, 140 Seite Wahn schaffe. Berichtigung zu Ai'tikel b. Kanteugerlle in Bd. II. 19,56 Der Charakter d. Karstlandschaft (mit Abbildungen) 155 Erdbeben, Meiniaugen ber die Ur- sachen derselben 29 Erdbeben und Messung derselben . 46 Erdl, ziu' Bildung desselben ... 63 Fayolia und Palaeosyiis 193 Kertagpferd der sclningarei whrend der Quarternrzeit in Europa . . 45 Papier- oder Blatterkohle, Dj'sodil . 159 Prparatiou von Kiesel-Versteine- rungen 170 Vulkanische Eruption auf Japan 53 Physik. Gutzmer, Ueber die Darstellung des Glases fr optische und andere wissenschaftliche Zwecke . . 157, 166 Jordan, Logische Bedenken gegen die Annahme einer allgemeinen An- ziehungskraft 181 Beweis, dass nicht reflektiertes Licht Tmsichtbar ist (mit Abbildung) . . 127 Blasenbildung auf der Oberflche des Wassers durch auftalleuden Eegen . 86 Das vom Meeresspiegel reflektierte Bild der Sonne (mit Abbildungen) . 70 Diifuse Reflexion des Lichts . . . 135 Eine Wirkung dei' strahlenden Wrme (mit Abbildung) 47 Ein scheinbares mechanisches Para- doxon ... 145 Elektrische Influenz, Versuch ber . 54 Elektrische Strme, entstanden durch elastische Deformation 30 Elektrochemische Radiophone . . . 127 Elektromotorisches Verhalten von Amalgamen . . 95 Glhen fester Krper (mit Abbil- dung) 184 luduktionskreisel 102 Kohlensure, Versuche mit flssiger und fester 54 Kjystallisation dui'ch Bewegung . . 55 Leuchtersclieinung beim Schlagen von Zucker 208 Seismometrische Messungen an der neuen Taybrcke 152 Mathematik. Schubert, Das Eeclinen an den Fingern und an den Maschinen (mit Abbildung) 2, 13, 27 Mathematische Klassiker .... 79 Astronomie. Plassmaun, Algol und Sirius. 168, 177 Wyss, Die Farbe des Himmels (mit Abbildung) 189 Ableitung der Eotatiousdauer der Sonne ans Positionsbestimmungen von Fackeln 47 Astronomisches Chronometer (mit Abbildung) 39 August-Meteore im Jahre 1888 . . 55 Beginn der Beobachtungsthtigkeit auf dem Mont Hamilton .... 70 Einfluss der Farbe der Blendglser . 16 Seite Fixsterne 201 Kein Sauerstoft" auf der Sonne . . 63 Meteorsteine 136 Mira Ceti 31 Neues Riesenfernrolu- in Amerika . 161 Xeues ber die Planeten .... 153 Neues ber die Simne 118 Totale Sonnenfinsternis vom 1. Januar 1889 153 Sternsclinuppen 185 Vier Kometen am Himmel .... 23 ZodiakalUcht 178 Meteorologie. von Bezold, Die Bedeutung der Luftschiftfahrt fr die Meteorologie 81 Wagner, Der Wert der Wetter- prognose mit Hilfe des feuchten Thermometers 6 Barometer-Reduktion 102 Cirrus, Cumulus und Stratus ... 47 Kugelblitze 94 Luftdruck und Wetter Vi Messung der erdmagnetischen Kraft . 86 Monatliche Periode der erdmagneti- schen Erscheinungen 102 Neues Quecksilberbarometer . . . 152 Spii'alnebel 71 Zahl der Staubteilchen der Atmo- sphre 184 Chemie. Bragard, Ueber Ptomaine Alkaloide aus den Betelnssen Bestimmung des Kupfers auf elektrO' lytischem We.ge .... Beziehungen zwisclien Atropin und Hyoscyamin Chemische Einwirkung fester Krper aufeinander Chlorsilber, photocliromatische Eigen- schaften desselben . . . Einfluss fremder Beimengungen auf die Gte des Handelskupfers Ein neues Element Isatropylkokain , ein Neljenalkaloi' des Kokains ...... Kokain, Darstellung nnd Synthese Philothion Quantitative chemisclie Analyse auf Polaristrobometrischem W^ege Uebelstnde beim Brennen von dena- turiertem Spiritus . . . Umwandlung von Hyoscyamin in Atropin durch Basen . . Zur Kenntnis des Frbungsvorganges Ziu' Konstitution der Lsungen id 60 159 144 111 8 54 38 168 46 127 22 23 145 .30 117 127 Geographie. o e n e c k e , Profile durch denBrocken (mit Abbildungen) 73 Expedition nach Tlbet 144 Deutsch-Wituland 29 Flnthwelle des stillen Ozeans im Mrz 1-888 193 Grnlands Durchquerung .... 78 Kaiser Wilhelms-Land 110 Korallenriff-Entstehung (mit Abbild.). 144 Meyers ostafrikanische Expedition. 101, 144 Pelorus-Rlft" 176 Seite Medizin, Hygiene und Verwandtes. Anteil des Herzens an der Respi- rations-Arbeit 206 Ein neues Mittel gegen Cholera . . 174 Eijiwirkimg der Lichtstrahlen auf Bier 86 Genuss des Fleisches tuberkulser Tiere 29 Gesimdheitsgefhrliclikeit der Kon- servenbchsen 151 Gift 7 Gymnena silvestre, piiysiologische Wirkung von 22 Haarkuren 142 Hintergrund des menschlichen Auges sichtbar zu machen 110 Homopathie, was versteht man imter? 31 Kefiranwendung 175 Hygienisch-vorteilhafte Wirkung des Tabakrauchens ...... 110 Kefirdarstellnng 183 Leichenkonservierung 159 Lejn'a 210 Lungenschwindsuchtshehandlung von Halter 100 Mechanik des Saugens 30 Mikrobie der epidemischen Ruhr. . 93 Prophylaxe der Lungenschwindsucht . 174 Quecksilberchlorid als Heilmittel gegen asiatische Cholera .... 100 Saccharin 200, 207 Sport und krperliche Uebiuig . . 16 Stofi'e wasserdicht zu machen, ohne die Durchlssigkeit der Luft auf- zuheben 21 Tata-Eiweiss 132 Vergiftung durch ehromsauies Blei . 175 Zusatnmenhang zwischen molekularen Eigenschaften anorganischer Ver- blndimgeu und ihrer Wirkung aitf belebte Materie 101 Biographieen, Nekrologe u. dergl. Vereinswesen. Krause, Prshewalski f 65 Schneider, Heinrich von Decheu . 187 Emil du Bois-Rej'mond zum 70. Ge- biu'tstag 41 Ohm Denkmal 202 Zum 1.50. Geburtstage William Her- schels 76 Baderzte-Kongress 178 Humboldtakademie 23 Medizinische Kongresse 119 Litteratur und Bcherschau. Appelt, Pflanze und Boden ... 201 Brutigam, Kurze Zusammenstel- lung der hauptschlichsten und fr Apotheker leicht ausfhrbaren Me- thoden der Bakterienforsrliung . 209 Christenseu, Der moderne Bil- dungsschwindel 104 Clerke, Geschichte der Astronomie whrend des 19. .Tahrhunderts . . 80 38SJ4 Seite Dietel, Verz. der Urediaeen nach Fam. ihr. Nhrpfl. geordnet ... 48 D z i b e k , Die mathematisclien Theo- rien der Planetenbeweguugen . . 185 Engel, Auf der Sierra Nevada de Merida 111 Engler u. Prantl, Die natrlichen Pflauzenfamilien 194 Frerichs, Die Hypothesen d. Physik. 178 Glazebrock u. Shaw, Einfhrung in das physikalische Praktikum . 194 Heims, Das Leben in den Tropen . 95 Hess, Waldschutz und Schutzwald . 170 Kenngott mid Rolle, Naturge- schichte des Mineralreichs . . . 154 Kordes und Bamberg, Klimatolo- gische Karte von Eui-opa . . . 169 Khne, praktische Anleitung zum mikroskopischen Nachweis der Bak- terien im tierischen Gewebe . , 128 Lachmann, Das Terrarium . . . 209 Die Giftschlangen Europas . . 71 Liudemann, lieber Molekularphysik. 23 Mautegazza. Die Ekstasen des Menschen . 87 Marshall, Die Tiefsee n. ihr Leben (mit Abbildungen) 119 Martus, Astronomische Geographie . 39 Melde, Chladnis Leben und Wirken . 64 Neumayr, Erdgeschichte . . . l'il Paul, Das russische Asien und seine w-tschaftUche Bedeutung . . . 202 Pelman, Nervositt und Erziehung . 31 P i s s n , Lehrbuch der analytischen Meehauik 170 Remsen, Grundzge der theoreti- schen Chemie 112 Renault, Les plantes fossiles . . 145 Seite Schenk, Die fossilen Pflanzenreste . 145 Solms-Laubach, Einleitung in die Palophytologie ... ... 145 Spannert, Die wissenschaftlichen Benennungen der europischen Grossschmetterlinge 185 Stokes, Das Licht 136 Thome, Flora von Deutschland . . 178 Tschirch, Angewandte Panzen- anatomie ...... ... 103 West er maier. Die wiss. Arbeiten d. botan. Lastitut der kgl Univers, zu Berlin in den ersten 10 Jahren seines Bestehens 55 Zum Studium der Geologie Nord- deutschlands 146 Allgem. naturwissenscliaftl.Bibliothek. 96 Bcherschau. 8, 16, 24. 32, 40, 48, 56, 64, 72, 80, 88, 96, 103, 112, 120, 128, 136, 146, 154, 162, 170, 178, 186, 194, 202, 209 Verzeiclinis der Abbildungen. Abbildungen zur Demonstration der Entstehung der Dreikanter . . . 203 Apparat zur Demonstration des Be- weises, dass nicht reflektiertes Licht unsichtbar ist 127 Apparat zui- Demonstration und Wir- kung der strahlenden Wrme . . 47 Apparat fr Experim. ber das Glhen fester Krper 184 Apparat zurUntersuchung von Boden- Bakterien 151 Asspirator zur Untersuchung der Bak- terien in der Luft 150 Astronomisclies Chronometer ... 39 Bakterienformen 26 Seite Bii-nen 20 Dampfsterilisierungscylinder . . .130 Doline aus dem Karstgebiet von Triest 155 Dunn's Kartenskizze von Sdafrika 1886 108 Diu'chlftungsapparat tr Zimmer- aquarien 199 Einsiedlerkrebs mit Seerosen . . . 120 Green' Profil von den Zwarteberg bis Molteno in Sdafrika. ... 98 Gerll mit Gletscherschrammen . . 97 Homkem von Bos primigenius . . 9 Karte und Profile des Brockens . 73, 74 Korallen-Atoll. Die Clarkinsel . . 144 Leicheuwrmer 89, 90 Mikroskopierlanipe 208 Prparierraikroskop 63 Profile durch Korallenriffe .... 144 Rmisches Rechenbrett . ... 14 Schematische Spongien ... 171, 1>72 Saccopharyns pelecanoides . . . . 119 Spongienstammbume 173 Steppenhuhn 1, 5 Strich- und Stich-Kulturen von Bak- terien 131 Syrrhaptes paradoxus 1, 5 Tischartige Erosionsform aus dem silurischen Kalkplateau v. Esthland. 156 Tylodendron, Markkrper von Arau- caria mid Artisia 164 Unterlage fr Bakterienkultnren (Eis- Apparat) 132 Vegetationskasten fr Bakterienkul- turen 132 Vom Meeresspiegel reflektiertes Licht der Sonne 70 Walchia pinifornis 165 Druck von (lehr. Kiesau. Berlin SW.. Kochstr. 73. Redaktion: ^ Dr. H. Potonie. ^.^-^ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz IL III. Band. Alonlag; den 1. Oktober 1888. Nr. 1. Abonnement: Mau abonniert bei allen Biiclihandlungen und Post- y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grssere Auftrge anstauen, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist -It 3. ; ejgi entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 15 -j extra. A annalime bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expeditjoo. Abdruck ist nur mit volli^tiiudiger (Quellenangabe gestattet. Asiatisches Steppenhuhn (Syrrliaptes paradoxus Fall.) Nach der Natur gezeichnet vun Dr. E. SeliiU'f, vcni der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. 1. Das Rechnen an den Fingern und an Maschinen \ .,11 l'lnf. |ir. 1. .Icilei', der liiiigere Zeit unter wenigvi- kultivierten Vlkern gelebt und mit ihnen verkelu-t hat, wird gewiss heoljaehtet hab(Mi, dass dicscll)en vielmehr als wir beim Zahlen und Rechnen die Finger und andere Hilfsmittel wie Rechenbretter, Peiischniire, Muscheln und deigleichen benutzen. Whrend wir uns beim Zlden und Rechnen mehr auf unser Gedchtnis und auf die zu Papier ge- bracliten und methodisch zusaumiengestellten Ziffern ver- lassen, besitzen namentlich die handeltreibenden Neger- vlker eine so gi'osse Gewandtheit, sowohl ihre Finger wie auch andere als Recheneinheit geltende Dinge beim Rechnen zu verwerten, dass wir nns wundei'n mssen, wie solche Vlkei', ohne den gewaltigen Vorteil unserer Rechenmethoden, so schnell das bei'echnen knnen, was sie im Handel von uirs zu fordern haben. Ebenso be- gegnen wir auch bei den Russen und bei den Chinesen einci' derartigen Geschi<;klichkeit im instrumentalen Rech- nen, d. h. im Rechnen mit Hilfe der F^inger, des Rechen- brettes oder hnlicher Hilfsmittel. Ueber diese Erschei- nungen knnen wir uns nicht wundein, wenn wir daran denken , dass unsere Kinder an den Fingern oder an Rechenstbchen zhlen und rechnen lernen, und dass bei-haupt unsei'e auf der Grundzahl Zehn beiuhende Zhlweise in nichts anderem ihren Ursprung hat, als darin, dass der Mensch nun einmal zehn Finger besitzt und auf niedrigster Kulturstufe lediglich mit Benutzung seiner F^ingei' oder anderer Dinge, die ihm leicht zur Hand waren, zhlen und rechnen gelernt hat. Wiesich unkultivierte Vlker beim Fingerrechnen zu helfen wissen, wenn die zu bestimmende Zahl ber zehn hinausgeht, ei zlilt .Schrumpf in der Zeitschrift der deutschen niorgen- lndischen Gesellschaft, Band Kl, 8. 403 bei der Be- schreibung eiui'i' siidafi'ikan Ischen Vlkei'schaft in folgen- der Weise. ,,Beim Aufzhlen, wenn es !)er hundeit geht, mssen in der Regel immer drei Mann zusammen die schwere Arbeit veriichten. Einer zhlt dann an den i'^ingern, welche ei- einen nach dem anderen aufhebt und damit den zu zhlenden (iegcnstand andeutet und wo- mglich berhrt. Der Zweite hebt seine Finger fr die Zehner auf, immer mit dem kleinen F^inger der linken Hand beginnend und Ibitlaufend bis zum kleinen F''inger der rechten Hand. Der diitte Mann endlich hat die Hunderter durch seine F'inger darzustellen". Von ande- ren Vlkerschaften erzhlt man, dass sie sich die Ab- zahlung von mehr als zehn Dingen dadurch erleichtern, dass sie in der Uichfung des Zhlens abwechseln. Ist niiiidich mit dem kleinen F'ingei' der rechten Hand die Zehn angedeutet, so beginnt man mit ebendemselben, allein aul'gehiiben, die nchste Zelur/ahl, um dieses Mal nach links sie fortzusetzen, d. h. der kleine l'^iiiger dei' linki'n Hand vollendet die Zwanzig und wiid zugleich wieder Anfang dei- nchsten Zehn/.abl. Natiuiich niuss H. Schubert, bei dieser Zahlenang-abe, wenn es nicht um ein allmh- liches Entstehen, sondern um ein einmaliges Ausdrcken einer Zahl sich handelt, besondei's angedeutet werden, dass und wie oft Zehn vollendet wuide, was etwa so geschehen kann, wi(^ bei den Zulukaffern, die in solchem l'^alle beide Hnde mit ausgestreckten Fiugein wiedei'holt zusammenschlagen. AN'enngleich die letztgenannte Methode der Versinnlichung einer Zahl insofern einfach ist, als sie nur die Hnde eines F]inzigen beschftigt, so steht sie doch begrifHich viel tiefei', als die vorher beschriebene von Schrumpf ei'zhlte Methode, bei welcher drei oder gai- mein- Menschen ntig sind, um die Zahl klarzustellen. Denn der Einzelne konnnt durch die Zehnzahl der mensch- lichen Finger allerdings dazu, die Gruppe zehn als eine besonders hervortretende zu erkennen, aber, wie oft diese Gruppe selbst auch erzeugt werde, jede Neu-Erzeugnng ist fr ihn der anderen ebenbrtig. Ganz anders bei der Methode stufenmssiger Darstellung durch mehrere Personen. Wie der F]rste, so hat der Zweite und der Dritte nur je zehn F'ing-er; aber whrend jeder Finger des Ei'sten nur eins bedeutet, stellt jeder Finger des. Zweiten eine zehnmal so grosse Einheit dar, und jeder Finger der Dritten gilt wieder das Zehnfache von dem, was ein Finger des Zweiten galt. Man erkennt deutlich, dass dies(> Ali des Zhlens an den F^iugern unmittelbar zu dem fhrt, was wir jetzt Zahlensystem nennen, sobald man nur das Verfahren seiner Umstndlichkeit entkleidet, und den einfachen Grundgedanken heraus- schlt. Aehnlich den modernen Naturvlkern, haben auch alle Kulturvlker des Altertums sowohl ein Fingerrechnen wie auch ein instrumentales Rechnen gehabt. Ja, sie haben die Praxis des Rechnens mit diesen Hilfsmitteln sogar oft zu einer hohen Vollkomnieiiheit enluickelt. Es drfte deshalb von kulluigeschichtlichem Interesse sein, die verschiedenen Vlker hinsichtlich ihres F"'ingeiTechnens nher zu beleuchten, soAvie die Entwicklung der Rechen- maschine kennen zu lernen, von dem einfachen mit Stein- chen bedeckten Brett bis zu den komi)lizierten, aber usserst i)i'aktischen Rderwerken, welche man Arithmo- im^ter oder Rechenmaschinen moderner Konstruktion nennt. Das lteste Kulturvolk, ber das wir einigermassen Bescheid wissen, die Aegypter, galten in den Volkssagen der Griechen als die F]rlinder der Rechenkunst. So er- zhlt Diogenes J^aertius, dass die Aegypter das Fi'ld- messen, die Sternkunde und die yVrithmetik erfunden liiltten. Ferner schi'eibt Philo im Phdros dem Gott Thot der Aegypter die blrtinduiig der Zahl, des Rechnens, der Geometi'ie und der Asti'onomie zu. Auch Aristoteles bezeichnet in seiner Metaphysik Aegypten als die Heimat der Rechenkunst, und ei'klrt die 'riiatsache, dass vorzugs- wise die gyptischen Piiester dii' Kechenkunst und die MatheniMlik iitlegten, damit, dass Priester am meisten Zeit haben, (iegen die Ansicht, dass die Aegypter die Nr. 1. Natiirwissenscliaftliclie Wocliens(;Iirift. .'5 Rechenkunst erfanden htten, giebt .losi'iiliiis zwiii' zu, (lass die Aegypter die Rechenlehrer der Grieclien gewesen seien, beiiaiiptet aber weiter, dass die Aegypter die Arithmetik von Abiuhani gelernt htten, der diese Wissen- schaft ebenso wie die Astronomie von Chalda geholt nnd nach Aeg-ypten gebracht htte. Doch ist diese B(nnerkung des .losephus, den Zeugnissen des Piato und des Aristoteles gegenlii.'r. nicht bloss als komisch, soiuh'i'n auch als vllig irrig anzusehen. Dass nun das alte Ivulturvolk der Aegypter, das jedenfalls den Griechen als Lehrmeister im Reciinen galt, in ltester Zeit das Fingerrechnen ge- pflegt haben muss, geht mit grsster Wahrscheinlichkeit ans den Abbildungen hervoi-, welche R. Lepsius in den Abhandhingen der Eeiliner Akademie 1865 verffentlicht hat, und welche sich auf die altgyptische Elle und iiire Einteilung lieziehen. Auf diesen Ellen, die in mehreren Exemplaren vorhanden sind, sind die Zahlen von eins bis fnf durch die fnf Finger der linken Hand, welche allmhlich vom kleinen Finger an, ausgestreckt werden, dargestellt. Zur Bezeichnung der Zahl sechs dient dann die rechte Hand mit ausgestrecktem Daumen bei sonst geschlossenen Fingern u. s. w. Man hat darauf aufmerk- sam genuicht, dass die dieser Zahlbezeichnung zu Gi'unde liegende Zhlweise vom kleinen Finger links, der eins bedeutet, bis zum kleinen Finger rechts, der zehn be- deutet, in berraschender Weise mit der oben beschrie- benen Zhhveise sdafrikanischer Negersfmme berein- stimmt, und hat darin einen neuen Beleg dafr sehen wollen, dass die Bildung in Afiika eine nordsdliche Richtung genommen hat, indem bei der geringen geistigen Bildung der Negeriassen die altgyptischen Methoden Jahrtausende brauchten, um bis in die sdlichsten Breiten allmhlich durchzusickern. Der gesunde Menschenveistand wird einer derartigen, mehr khnen als durchdachten Hypothese sofort gegenberhalten, dass kein (irund vor- handen ist, warum nicht das Fingei'rechnen berhaupt bei allen Vlkern durchaus urwchsig sein soll, da der Mensch doch nun einmal allenthalben Finger besitzt, und dass die Uebereinstimmung in der Reihenfolge, wo doch nur zwei Mglichla-'iten der Reihenfolge, von links nach icchts oder von reclits nach links, denkbai' sind, ebenso wahrscheinlicli ist wie die Nicht-Uebereinstimmung. Viel- leicht spricht fr das Fingerrechnen der alten Aegypter auch die in einer Pariser Sammlung gyptischer Alter- tmer vorhandene rechte Hand mit teilweise umgelegten Fingei'n. .Sicherer nocii als das Fingerrechnen ist das instrumentale Rechnen bei den Aegyptern festgestellt. Denn Herodot berichtet aus eigener Anschauung (Bd 11, S. 3G), dass die Aegypter mit Benutzung von Steinen sich das Rechnen erleichterten, indem sie die Steinchen in ihrer Lage zu einander veinderten. Ob sie die Stein- chen dabei auf einem Rechenbrett, wie die Griechen und Rmer, bewegten, ist zweifelhaft. Doch ist dies anzunehmen, wenn man den Begriff des Rechenbrettes etwas weiter fasst. Man kann nmli(;h das Gemeinsame in den verschiedenen Formen, welche bei so vielen V'lkern und in fern licgiMidi'ii Zeiten als Rcciienhilfsmittcj dirutcn, darin erkennen, dass auf irgend e'mo. Weise bezeichnete Rume hergestellt sind, auf denen jedes Zeichen einen Erinnerungsweii erhlt, ablingig sowohl von dem Zeichen selbst als auch von dem Orte, wo es sich befindet. Das Wesentliche in dem Begriff des Rechenbrettes ist also die Benutzung zweier Dimensionen, um dem Gedchtnis beim Rechnen zu Hilfe zu kommen. Dass die Aegypter in diesem weiteren Sinne Rechenbretter gehabt haben, geht, wenn nicht aus der erwhnten Stelle des Herodot, so doch wohl aus einem Papyrus hervor, auf dem uns eine Rechnung aus der Zeit des dem vieizehnten Jahi'- hundert vor Christo angehrigen Knigs Meneptah I. eihalten ist, eine Rechnung, auf welcher die Zahlen durch kleine Ki-eise dargestellt sind, die in hnlicher Weise angeordnet sind, wie die Steinchen auf einem Rechenbrett. In noch weiterer Bedeutung des Wortes kann man auch sagen, dass die alten Peruaner in ihren Knotenschnren das Prinzip des Rechenbrettes benutzten. Die Schnre waren oft von verschiedener Farbe. Die rote Schnur bedeutete alsdann Soldaten, die weisse Silbei', die grne GJetreide u. s. w., und die Knoten an den Schnren bedeuteten, je nachdem sie einfach, doppelt oder noch mehrfach verschlungen wai'en, je zehn, hundert oder tausend u. s. w. Aehnlicher Knotenschnre bedienten sich frher die Chinesen. Ob man hierin das Pi'inzip des Rechenbrettes angewendet sehen will odei' nicht, hngt davon ab, wie weit man den Begriff desselben ausdehnt. Das Rechenbrett im engei'en Sinne setzt nm- lich voraus, dass der Wert, welchen eine einheitliche Bezeichnung, sei es ein Strich oder ein Steinchen oder was auch immer, an unterschiedenen, leicht erkennbaren Stellen erhlt, sich nach den aufeinanderfolgenden Stufen des zu Grunde gelegten Zahlsystems verndert, dass also im Dezimalsysteme bei wagerechter oder senkrechter An- ordnung der Reihen, in welchen die Steinchen gelegt werden, jedes solches Steinchen einer Verzehnfachung unterworfen wird, sofern es von einer Horizontali'eihe, beziehungsweise von einer Vei'tikalreihe, in die benach- barte Reihe gleicher Ai't verschoben wii'd. Derartige Rechenbretter waren, wenn nicht in Aegypten und Babylonien, so doch in Giiechenland allgemein blich. Es lohnt sich, auf das instrumentale Rechnen der Griechen, ber das wir ziemlich genau Bescheid wissen, etwas nlu'r einzugehen. Die Kolumnen des griechischen Rechi'ubiettes waren senkrecht gegen den Rechner gezogen. Die zur Verwendung kommenden Steinchen hiessen t'')}?")!. 1 )ass aus diesem Wort das Verbum (/r^^i^sc-^. welches berhaupt rechnen" bedeutet, abgeleitet wurde, ist wohl ein Be- weis dafr, dass das Rechenbrett nicht bloss von Malhe- matikern benutzt wurde, sondern in allg-emeinem Gebrauch war. Das Rechenbrett selbst liiess '/J^f, ein Wort, ber dessen Etymologie sich die Gelehrten nicht einig sind. Die Einteilung in Kolumnen knnen wir deutlich an deui aus griechischer Vorzeit uns erhaltenen Gemlde der Naturwlssfiiscliiiftliclie Woclieiisclirift. Nr. 1. Darius-Vase in Neapel erkennen. Auf dieser N'a.se sieht man einen Recliner, der auf einer Tafel den Tribut zu buchen scheint, welcher dem Darius dargebracht wird. Jede Kolumne hat ein frh -griechisches Zahlzeichen als Ueberschrift. Diese Zeichnung spricht natiiich nicht dafr, dass ein Rechenbrett bei den Pei-sein blieh war, sondern dafr, dass die Giiechen es handhabten, da ja anzunehmen ist, dass der K'nstler griechisehe Gewohn- heiten ins Ausland bertrug, unbekmuieit dai'um, ob er damit vielleicht der Wahrheit widersprach. Dass die Kolumnen auf den griechischen Rechenbrettern wirklich den Zweck hatten, den zum Rechnen dienenden Marken einen in verschiedenen Kolumnen verschiedenen kStellungs- wert zu verleihen, das bezeugen uns mehrere Schrift- steller. Von Selon \\inl uns mitgeteilt, er habe den- jenigen, der bei Tyrannen vVnsehen besitze, mit dem Steine beim Rechnen verglichen, der bald mehr, bald weniger bedeute, ebenso wie jemand bald mehr, bald weniger Achtung bei Tyrannen geniesse. Einen hnlichen Yer- g-leich stellt der im zweiten .lahrhundeit vor Christo lebende (ieschiclitsschreibei- Polybios (im fnft:Mi iluche) an. Derselbe fgt dann hinzu, dass die Marken auf dem Abax bald einen Chalkus, bald ein Talent bedeuteten. Ein solches Rechenbrett fr Geldbciechnungen befindet sich auch auf einem uns eihaltenen griechischen Denk- male, der Tafel von Salamis, welche sog-ar neun Kolumnen enthlt, die erste fr Talente, d. h. 6000 Drachmen, und die weiteren fr 1000, 100, 10, 1 Diachmen, sowie fr ein Obolos, d. h. ein sechstel Draeliine, halbe Obole, drittel Obole und secihstel Obole oder Chalkus. Dass ausser dem Rechnen auf dem Abax auch das Finger- rechnen in Grieclienland blich war, geht vielleicht schon aus der Existenz des V'erbums -^n-iix^n = zhlen her- vor; denn dieses Verbum kommt von dem gi-iechischen Worte fr fnf und \iTrt daher, dass man zum Zhlen die fnf l^'inger jt-der Hand gebrauchte. Deutlieher noch drckt dies eine Stelle in den Wespen" des Aiistoi)hanes aus, welche ausspricht, dass man Rechnungen mit kieineren Zahlen au den Fingern auszufhren pHegte. Sonst findet sicli in der klassischen griechischen Litteratur keine An- deutung ber das Fingeri'echnen. ^^'ohl aber hat der im 14, .lalirhundert lebende Gelelirte Riiabda von Smyrna eine niehrfaeh gedruckte Abhandlung ber das Finger- rechnen geschrieben. Rhabda schildcit ausfhrlich, wie man dineh Beugung der Finger die einzelnen Zahlen darstellte. Die Finger der linken Hand dienten zur PjC- zeichnung der Einer und Zehner, die der rechten Hand zur Rezeichnung der Hunderter und Tausendei-, und zwar war die Aufeinanderfolge des Stellenwerts von links nach rechts deiart festgehalten, dass der kleine J^'inger, der Ringfinger und der Mittelfinger der linken Hand fr die Einei-, der Zeigefinger und dei' Daumen dei'selhen Hand fr die Zehner in Bewegung gesetzt wurden, dagegen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand fr die Hunderter und endlich die drei letzten h'inger die Tausender zu vertreten hatten. So konnte man durch die zehn Finger mit Benutzung der Beugung derselben .schliesslich alle Zahlen unter zehntausend darstellen, was fr den praktischen Gebrauch ausreichen musste und berdies mit den Umstnden bereinstimmte, dass in der griechischen Sprache das Wort fr zehntausend das hchste einfache Zalilwoit wai'. Freilich g-alt diese von Rhabda beschriebene Benutzung der Finger mehr einei' Daistellung und Mitteilung der Zahlen, als einem wii'k- lichen Rechnen. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Einwanderung der Steppenhiiner im Jahre 1888. Vun Dr. Ya- 25 Jahre nach dem ersten bekannt gewordenen Auftreten der Steppenhhner in Deutschland hat nun- mehr in diesem Jahr wieder ein grosser Wandeizug der genannten Vgel aus ihrer asiatischen Heimat nach Europa hin stattgefunden. Durch die Tagesbltter ist bald nach dem ersten Erscheinen der fremden Gste auf dieses hchst interes.sante Vorkommnis aufmeiksam gemacht worden. P.ald aber ist in den Zeitung-en anderes in den Nordeigrund getreten. Ijnger nahmen die Steppen- hhner das Interesse der Jagdzeitungen in Anspruch und es finden sich vom ersten Auftauchen des seltsamen Vogels bis etwa zum Juli eine gro.sse Zahl einzelnei- Beobachtungen in Fachblttein. Es liegt in dei' Natur der Sache, dass in ornilhologischen Zeitschriften ein- gehende Arbeiten ber den diesjhrigen Wanderzug der Steppenhhner noch nicht erschienen sind, einer- seits wegen der Krze der Beobaclitungszelt im all- gemeinen, andererseits, da eine sehr wesentliche Frage, ob nmlich die Einwanderer sich dauernd niederlassen weiden und wie sie sich beim Eintreten der klteren 11 st Scluitf. Jahreszeit verhalten werden, vorlufig noch unent- schieden ist. Immerhin wird es von Jnteresse .sein, aus den zerstreuten Mitteilungen ein kurzes Bild der diesjhrigen p]inwanderung von Syrrhaptes paradoxus Fall. zusammenzustellen, soweit das bisher zusammengebrachte Material reicht.*) Die ersten diesjhrigen Beobachtungen ber Steppenhhner in Ost-Europa datieren vom 18. A|)ril. Zu dieser Zeit wurden die ersten der fremden Vgel in Galizien angetroffen. Etwa 8 Tage spter wurden sie in Siebenbrgen, Ungarn und Polen bemerkt. Der eiste Durchzug durch die stlichen Lnder Europas ist aber nicht beachtet worden, denn schon am 17. April kommen Nachi'ichten aus Schleswig-Holstein, ungefhr zur gleichen Zeil aus Mecklenburg und Hannover. Im letzten Drittel des April wurden fast berall im nrdlichen und mitt- leren Deutschland Steppenhhner beobachtet. Anfang' Mai trefi'en wir sie auf den dnischen Inseln, sowie im *) Ich lialjL' im /(iiiloyisclui G'arti-ii (Nr. li des laiitVmlcii .laliryaii^i's) eine //iisiiinniciistelluiiy fies Vdrkommciis vom Stoiiprii- Nr. 1. NiitiirwisstMiscliaft liehe Woeliensclirift. sclliclien Scliweden, Mitte Mai sogar in Norwegen. Vom wH'stlielien Deutscliland aus kamen die Vogel nach J-Jelg-ien und Grossbritanien. In England wurden sie iast in allen Grafschaften vom ussersten Sden an, in Schott- land hinauf zur Nordspitze bis zu den Oikney-lnscln beobachtet. Ebenso liegen Nachrichten aus liland vor. [n Holland hii'Iten sich die Vg-el hauiitsiiehlieh in den sandigen Kstenstrichen und auf di'U Inseln, /.ahheieh z. B. auf Tei'schelling-, wo sie auch brteten. In lielgien waien sie seit Ende .Juni in vielen Teilen des Landes zu linden. Ende Mai wuiden bei Calais in der Vendee, und bei Nantes in Fiankreieh Steiipenhhner gesehen. Selbst aus Italien liegen Nachrichten voi' und zwar schon vom 1. Mai an. Aus diesen kurzen Zusannnenstellungen ist ersicht- lich, dass ungefhr in smtlichen Lndern Europas mit Ausnahme Spaniens und der Balkanhalbinsel Sleiiiien- hhner erschienen sind. Die wenigen in Italien beoi)ach- teteii Exemplare mgen einem versprengten Schwrm angehi't liab(Mi. Der Hauptschwarm zog durch das niittleie ]<]uropa in ziemlich westlicher, zuweilen mehr noidliclier Ivichtung. Es wre falsch, zu glauben, dass sich die Vgel bei'all da, wo sie bemeikt wurden, lnger aufgehalten oder gar anscheinend dauernd niedei'gelassen htten. An vielen deijenigen Orte, aus denen Nacli- lichten verffentlicht wurden, sind die Vgel nur im Fluge beobachtet worden, an anderen zwar auch auf dem Boden der Nahrung nachgehend, aber nur kurze Zeit. Die Tiei'e haben offenbar Gegenden gesucht, welche ihrer Heimat glichen. Thatschlich haben sie sich auch bei-all an ents|)rechenden Lokalitten lnger aufgehalten und sind dort sogar noch zu treffen, z. B. an den Ksten der Nord- und Ostsee und auf den Inseln. Aber auch an manchen Stellen des Binnenlandes halten sich noch jetzt Steppenlihner auf, whlend sie an vielen Orten, wo sie gesellen waren, verschwunden sind. Es ist dies duichaus nicht zu verwundern, denn es wre geradezu merkwrdig und unerklrlich, wenn ein so ausgesprochener Steppenvogel wie es Syri-liaptes paradoxus ist, sich an Gegenden mit viel Wasser oder Sumpf oder mit aus- gedehnten Wldern oder auch nur mit starkem Acker- bau wohl fhlen wrde. Ueber das Brten sind eine Anzahl Nachrichten bekannt gemacht, welche jedoch zum Teil, \vi" nach- zuweisen war, auf Irrtmern beruhten. Dass aber an manchen Orten Avirklich Gelege vorhanden waren und auch ausgebrtet worden sind, ist Tliatsaclie. Mit Genugthuung ist zu bemerken, dass es gelungen ist, die Regierungen, sowie die Jg-erwelt fr das Steppen- liulin zu interessieren, so dass demselben eine weit bessere Aufnahme zu teil geworden ist, als bei der I]in- wanderung- im Jahre 1863. Damals geschah fast nichts zum Schutz der eingewanderten Vgel ; im Gegenteil, last berall wurde ihnen unbarmherzig' nachgestellt. Trotzdem hielten sich damals vereinzelte Exemplare noch bis zum nchsten Jahr. Es drfte also Ilolfnung \or- lianden sein, diesmal an sonst geeigneten Lokalitten die Fremdlinge festzuhalten und einzubrgern. Freilich lsst sich der Erfolg der Schutzmassregeln nicht mit absoluter Sicherheit vt)rliei'sag'en. lOiiie g^ewisse (iefalir liegt in der Gewohnheit der Str[ipeiililiner, in ihrer Heimat zu gewissen Jahreszeiten auf weite Strecken hin fortzustreichen, und in der ausserordentlichen Flugfliig- keit. Die langen stiitzen Flgel und die sehr starken Brustmuskeln belhigen den Vogel zu einem erstaunlich raschen und andauernden Flug. Im Jahre 1863 trat die Hauptmasse der mit dem lieben davon gekommenen Exemplare Ende September und Anfang' Oktober den Rckzug- an. Ob dies infolge klimatischer Vernderungen geschah oder wegen der Nachstellungen, denen die Tiei'e ausg-esetzt waren, ist nicht zu entscheiden, erstei'es jedoch kaum anzunehmen, da die Steppenlihner gegen Klte abgehrtet und voitreftlich gesclit'/.t sind. Man knnte annehmen, dass damals herbstliche Regengsse die trockene Steppen bewohnenden Vrig'el vertrieben htten. Bedenkt man aber, dass tiotz des beraus vielen und andauernden Regens, die Steppenlihner doch noch nicht an einen Rckzug gedacht haben, so wird man wohl jene Annahme aufgeben. Nheres ber den Zug vom Jahr 1863 braucht hier nicht angefit zu werden, es gengt, auf Brehm's Tierleben zu verweisen. Auch ber die Gestalt, Farbe und Lebensweise findet man in dem genannten Werk ge- ngende Auskunft. Die dem vorliegenden Aufsatz bei- gegebene Abbildung 1 habe ich nach einem im hiesigen Zoologischen Garten befindlichen Mnnchen und mit Hilfe einiger in der Zoologischen Sammlun.g der Kgi. landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin vorhandener aus- gestopfter Exemplare angefertigt. Das im Vordergrnde be- findliche Exemplar ist genau in halber Lebensgrsse darge- stellt, das zweite Exemplar ist durch das Fehlen des Brustbandes als Weibchen zu erkennen. Die Abbildung 2 der Unterseite des Fusses ist in natiliclier Grsse gegeben. Die Fussbildting' ist in der That ausserordentlich merkwrdig: die drei Vorderzehen sind ganz miteinander ver- wachsen und haben eine gemeinsam krnige oder chagrinartige Sohle, welche nur am Vorderrande, wo die Ngel hervorragen, ihre Zusammensetzung aus drei Zehen erkennen lsst. Im brigen ist der ganze Fuss dicht befiedert. Ueber die sj'steinatische Stellung des Steppenhuhns sind die Ansichten verschieden. Whrend ltere Autoren Syrrliaptes zu den Hhnern stellten, (anfangs war der Gattungsname sogar statt Syrrliaptes Tetrao!) \yollten andere Verwandtschaft mit den Tauben erkennen. Aehnlichkeit im Aussehen, in der Art des Trinkens und einigen anderen l'unkten lsst sich nicht verkennen, doch sprechen zu grosse Verschiedenheiten, sowohl in anatomischer als auch in biologischer Beziehung gegen die Zugehrigkeit zu den Tauben. Am richtigsten drfte die jetzige Ansicht sein, die Steppenlihner als besondere Familie in die Nhe der regenpfeiferartigen Vgel zu stellen. Naturwissenscliaftliclie Woctiensclirift. Nr. 1. Der Wert der Wetterprognose mit Hilfe des feuchten Tiiermometers. V(jii Di\ Ell liii den Wert einer Vursclirift zu Prognosenzwecken bemessen zu knnen, ist die vorurteilsfreie Prfung zu- verlssiger lieobachtung-en die einzige Mglielikeit, und liiiltc ieh es daiier nicht fr ganz unwesentiicli, dass siclr die lieser diesei' Zeitschrift durch geeignetes Material selbst ein Urteil zu bilden vermgen. Durch die schtzenswerten Untei-sucliungcn des Pro- fessor E. Wollny*) an der landwirtschaftlichen Versuchs- station in Mnchen sind wir in dei- Lage, die in Nr. 9, lid. IT, dieser Zeitschrift angegebenen Methoden zur Vorausbestimnuing des Nachtfrostes auf ihre i)raktische Verwendbarkeit untersuciiiMi zu knnen. Teil bemerke zunchst, dass die gewhnliche Methode zur Vorhersage des Nachtfrostes in der Pestimnumg des zu ei waltenden Taupunktes besteht, d. h. in der Er- mittelung derjenigen Tempeiatui-, welche eintiefen niuss, um die geradein der umgebenden Atmosiihie betindliche Menge von Wasserdarapf zur Kondensation zu bringen, womit die Taubildung am Boden und auf den I'Hauzen eingeleitet wird. Liegt nun der vorausbestimnite Tau- punkt der Luft ber dem Gefrierpunkt, so ist Nachtfrost nicht zu befrchten. Reif ist dagegen wahrscheinlich, wenn der Taupunkt unteiO" liegt. Am leichtesten wird dieser Taupunkt duicli die ]5estimmung des Dunstdruckes mit Hilfe des Psychrometers eimittelt. Neuerdings hat Kammermann**) das bei-eits mit- geteilte Veifahren angegeben, welches als ein lein em- l)irisches zu betrachten ist, da eine befriedigende theore- tische Deutung desselben bishei' nicht gegeben wurde, aber wie das Folgende zeigen wird, auch nicht gut mglich ist. Bei den grossen Werten, welche die durch Nacht- frost gefhi'dcten Wein-, Obst- und Gartenkultuien re- prsentieren, denn diese kommen am meisten in Bctiacht, da es nur bei diesen sich verlohnt, durch knstliche Wolkenbiklung den drohenden Schaden abzuwehren, bedarf es einer durchaus zuverlssigen Voraussage. Wie weit nun die ltere Taupunktsmethode und die von Kammermann sich als zuverlssig bewhrt haben, zeigen die sehr sorgfltigen Eimittelungen von Wollny, die vom April bis September 1887 angestellt wurden. Das i'sychnimeter, sowie ein Minimumlhermometer befanden sich in geeigneter Httenaufstellung 1,5 m ber ih'iM Erdboden, ausserdem wurden Minimumthermometer i (w hoch ber je 2 qm grossen Parzellen von Torf, Thon, {^uarzsand, Kalksand, humosem Kalksaiul, und auf angesetem Grase aufgestellt. Die Prognose wurde stets um 5 Uhi' nachmittags gestellt, die Ablesungen der Minimumtheimometei' g(>schahen am nchsten Morgen *) Frscluingen auf dein Celiii-tc dc'r .'\t;i-iUiiltui-|ilivsik XI, Heft 1 und 2, Seite 133. **) Zuerst jiulili/.iert in den Arcliives des sciences pliysiques et iiaturollos". fioiteve 1885. . t \\';ln II IT. um 7 Uhr. Die Resultate, die auf den verschiedenen Podenarten, sjieciell ber Gras eiiialten wurden, sind deswegen von besondei'em Wei te, weil sie allein im Stande sind, ein Bild von dei' wiiklichen Abkhlung des liudens und der Pflanzen whrend dei' nchtlichen Strahlung zu geben, welche ja durch die angegebenen Methoden iiirlit in Rechnung gezogen werden kann. Vor allem ist zu bemerken, dass die Betrachtung der nionalliclien Mittel durchaus kein Mass des AVei-tes der Prognose abgeben kann, da es gerade auf die einzelnen Flle ankommt. Prfen wir nun die Tabellen von W oll ny nur auf die Frostnchte, so ergiebt sich, dass in den sechs Monaten die Taiiiiunktsmethode sechsmal Nachtfrost voraussagte, whrend in Wirklichkeit siebzehnmal Luft- temperaturen in 1,5 in Hhe unter 0" vorkommen, und ber Grasboden in 3 o Hhe sogar 27 mal die Temiieratur unter 0" herabging. Ijctztei-e Zahl ist aber jedenfalls die W'ichtigste, da sie sich auf lebende Pflanzen, also auf das am meisten in Fi'age kommende Objekt bezieht. IMan sieht wie weit die Prognosen liinter der Wirklichkeit zurckbleiben, denn auch die Karamermann'.sche Hess nur in sieben ['"'allen Nachtfrost erwarten, so dass eben nur Vi aller Flle vorhergesagt wurde, wenn Avir das Minimum der Temperatur ber Grasboden zu Grunde legen. Dies zeigt, dass auch diese Methode nur wenig zuverlssig sein kann. Wie gross die Abweichungen im einzelnen Falle werden knnen, zeigt der Umstand, dass in 24 Nchten, wo Frost ber Gi'asboden eingetreten war, die mittleie Abweichung 6. So gegen die Prog- nose des Taupunktes betrug, und zwischen 4.0" und lO.Gi' schwankte. Was speziell die Kammermann'sche Methode be- tiift't, so war die Dilferenz des Minimums der Luft- temiieratui' gegen die Angabe des feuchten Tliei-mo- meters am Nachmittage vorher durchaus nicht konstant, wie die Zahlen fr Genf ( 3.8" im Jahresmittel nach Kammerraaun) und Schneeberg im p]rzgebirge ( 4.1o nach Pjcithold) erwarten Hessen. Fi\v Mnchen stellte sich der Wert im Mittel der sechs Monate zu 5.01" mit monatlichen Abweichungen von 0.06" bis -f-0.5:{fi. Sonst stimmen die Zahlen nach Kammermann etwas besser als nach der Taupuuktsmethode, tibgleich auch die Abweichungen in den einzelnen Fllen noch gi'oss genug sind; doch gelten im- diese dieselben Einwnde wie vorhin. .Aus diesen Zahlen geht also hervor, dass bei der Taubildung die bei der Kondensation des Wasserdampfes frei werdende \\'rnie liedeutend berschtzt wird, und zu dauernder Temiieiatuierhhung nicht geeignet erscheint. Die verschiedenen i'^rdiuten zeigen die Strahlungswirkung in hnlichem Masse wie der Grasboden und es erklrt sich aus den obigen Resultaten auch die autt'alleiule Thatsache, dass bei Mooibden die Nachtfrste viel Nr. 1. Natunvissenscliaftllche AVocliensclii'ift. liufiger als auf anderen Bodenarten auch nocli wlnend des iSommers auftreten, trotzdem die Luft ber denselben wegen der staiken Verdunstung- reiclilicli mit Feuclitig- keit angefllt ist und der Tauiiunkt daher hoch gelegen sein nui.ss. Kin interessantes lieispiel dafr ist dei' Nachtfrost vom 5. August 188G, weldier vom Sdrande der Lnebui'ger Heide bis in die Magdebni-gei' Biiide und die Gegend von Genthin die Feldfrchte eilieblicli beschdigte, so dass z. l. in der Gegend von (fhorn 1800 Morgen Buchweizen total erfroren. Wir knnen daher Wollny nur beistimiueu, wenn er den Grundsatz aufstellt, dass bei den hohen Werten, welche die in Frage kommenden Kulturen repisentieren, man sich nicht mit einer mglichst hohen Zahl von Trelfern begng-en kann, sondern dass die Praxis eine absolut sichei'c Voraussage veilangt, und so lange die- .selbe nicht mglich ist, sich daher bis auf weiteres besser auf die aus der L^rfahiung (Mitlehnten Kennzeichen des Kintrittes von Nachtfrost verlilsst. Wenn hiei'nach so vielfach untersuchte Methoden, wie "die oben geschildeiien der Walniieit noch so fern bleiben, kann man es fglich erklrlich finden, wenn die Vorausbestimmung der mittleren Tagestempeiatur nach der Metiioile von Troska sich nicht bei' den Wert eines Rechenexempels erheben drfte. Denn die Annalnncn, auf welche Trosica seine Ijestinuiumgen basiert, entferntwi sich im ein/,eln(!U oft betrchtlich \()n der Wirklichkeit, wie ein Blick auf eine grssere Anzahl von Regislrier- thei-mometeikurven lelirt, deren Tagesniittel von den aus einigen Terminbeobachtungen gewonnenen um mehrere Giade abweichen knnen. AVie schon gezeigt, heben sich hierbei in den Monatsmitteln, wie in den meisten anderen Fllen, die grossen positiven und negativen Ab- weichungen auf, so dass die Uebereinstimmung scheinbar eine sehr gute ist, whrend sie im einzelnen oft gnzlich mangelt, so dass die nach solchen Regeln entworfene Ijokalprognose sich zwar, nach mathematischem Sprach- gebrauch als ein elegantes" Veil'alin'n bezeichnen lsst, abei- sonstige Vorzge kaum haben drfte. Kleinere Mitteiliing'en. Ueber Dolomitverwendung bei der Bodenkultur. Wlirciul iiiaii im Anfange des Jalirlniiulert.s die Magnesia im linden fr nachteilig' hielt mit Bezug- auf Vegetation, hat die neuere l'liysiologie die Notweiulig'-keit dersell)en fr l'Hanzenentwicklung- liestimmt nachgewiesen, die Analyse hat auch ergehen, dass der Samen vielfach mehr Jlagnesia als Kalkerde enthlt. Und so spielen auch die gebra?inten Uolomite hei der Erden- kultur vielfach eine wichtige Rolle und sind in manchen Gegenden sehr geschtzt. Die dolomitischen Zechsteinkalke aus der Gegend von Ostrow-Mgeln im Knigreich Sachsen werden unter dem Namen der niederschsischen Graukalke" vielfach in Sachsen, aber auch im sdlichen Teile der Mark Brandenhurg mit Erfolg verwendet und sind seit Jahren in hohem Ansehen. Wie weit die Zufuhr von Kainit und Garnallit mit erhehlichem Jlagnesiagehalt zum Boden hierauf EinHuss haben wird, wird die Erfahrung erst zu ergehen haben. Grosse Massen der Magnesia werden in Form von gebranntem Dolomit in den Boden gebracht. Als besonders interessant ist zu erwhnen, dass auch in ]?ra- silien gebrannter Dolomit mit anderen ]\Iineralsto1fen mit grossem Erfolg auf langjhrigem ausgeraubtem Katfeeboden verweiulet ist, in welchem die Analyse einen sehr geringen Gehalt an Alagnesia ergeben hatte, wie Herr Ingenieur Stein zu Bonn krzlich bei Ge- legenheit der Ausstellung der deutschen Landwiitschafts-Gesellschaft zu Breslau im Juni d. .1. mitgeteilt hat. Nheres darber ist bei Herrn Stein zu Bonn zu erfahren. l'rof. Dr. A. Orth. Gift. Ueber den Begriff des Wortes Gift" ist sclnui viel diskutiert worden. Das Wort hat freilich auch nur eine relative Bedeutung, indem ein und dieselbe Substanz das eine Jlal giftig, das andere Mal nicht nur nicht g-iftig, sondern sogar heilbringend wirken kann, l^s kommt hierbei wesentlich auf die jlenge resp. die Konzentration der einwirkenden Substanzen an. Im allgemi'inen nennt man diejenig'e Substanz Gift", welche bei ihrer Anwendung auf den tierischen Krp(.'r gesundheitsstiijend" einwirkt. Ueber die Wirkungsweise der Gifte auf den tierischen Krper hat man nocIi nicht die notwendige Aufklrung gewonnen. I'.ekannt ist die Wirkung der tzenden Substanzen, weh'he zer- strend auf die tierischen Gewebe einwirken. Von vielen in der inneren Medizin gebruchlichen Mittchi, welche zur K'ategoiie der (iifte gehren, kennt man zwar die Wirkung auf den Oiganismus als solche, auch die einzelnen Krpei'organe, wosellist sie ihre Wirkung ausben: jedoch ist es noch nicht erforscht, worin diese Wirkung auf die tierischen Gewebe besteht. O. Low versuchte eine Erklrung' und Einteilung der Gifte zu bringen. Derselbe vertritt die Ansiclit, ilass das Albumin der lebenden Zelle eine labile Aldehydnatur besitze, welche die Ursache der labilen Tektonik des lebenden Prot o|)lasma sei. Er unterscheidet die Gifte in: 1. allgemeine Gifte, welche auf alles l'rotoplasnui ohiu' Ausnahme ttlich wirken, und in 2. spezielle Gifte, deren Wirksamkeit sich nicht auf alle Organismen erstreckt. Derselbe stellt folgende Stze auf: a) Jede Substanz, welche noch bei grosser Verdnnung- mit Aldehyden reagiert, ist ein Gift. Beispiel; Hydro xylauin. l'henyl- hydrazin. b) Basen mit primr gebundenem .Stickstoff sind unter gleichen Verhltnissen schdlicher als solche mit secundr g-ebundenem. Beispiel : Xanthin, Dimethylxanthin (Theobromin) und Trimethylxanthin (Cotfein) bilden eine Iteihe von absteig'-ender (fiftigkeit. c) Wird in einem (fte durch Kinflu-en gewisser Gruppen oder Aenderung der Atondageruug der chemische Charakter labiler, so nimmt der Giftcharakrer zu, im entgegengesetzten Falle ab. Beispiel: die Giftigki'it nimmt ab von den Trioxybenzolen zu den Dioxybenzolen nach dem lonoxybenzol (Phenol). d) Von demselden Gifte wird dasjenige l'rotoplasma am schnellsten gettet, welches die grsste Leistuugsfhig-keit entwickelt. In einem kcunpliziiMten Organismus werden vor allem die Gang-lien- zellen und Nerven angegriffen. Dr. L. S. Die durch Schmarotzer bewirkte Geschlechtsver- nderung der Tiere (parasitre Kastration). Da die Schnurrotzer dem von ihnen befallenen Tieri' die fr ilir Leben not- wendigen .Sfte entziehen, so greifen sie strend in die organischen Ver- richtung-en des Wirtes ein und knnen, wenn sie ihn stark heimsuchcTi, eine Hemmung in der Ausbildung, ja eine llckliildinig einzelner Orgau- systeme herbeifhren. Zuerst von allen wird dasji^nige rgansysteni angegriffen, welches nicht unmittelbar fr die Erhaltung des Einzel- wesens erforderlich ist: d.is Cieschlechtssystcm; und zwar geht im Gebiete desselben nicht nureiue lickliildung der inneren (iescldechts- werkzenge vor sich, sonileru diMuiichst aucli eine solche der usseren das Geschlecht kennzeichnenden Eigentmliiddieiten eine Erscheinung, welcher der eifrige Krforsclier derselben, A. Giard, den Namen der parasitren Kastration" beigelegt hat. Diesellie tindct sich bei verschiedenen zehnfssigen Krustern (dekaiioden Criistaceen), bi'i denen sie durch schmainlzende Asseln hervorgerufen wird. Hier nehmen die befalleneu MnncheM mehr oder minder den Charakter der Weihchen an. und z. B. hei der tiattnng Hippolyte (zu den Garnelen gehrig) in so hohem (Srade. dass einige Fdrsclier die Mnnchen als besondeie Fcu-nien d(>r Weibchen besidirieben haben, Besnmlers anziehend und lehrreich ist die dnridi Sclimarotzer bewirkte tJeschlechtsvermleruiig bei den Synopren (.Seewalzen) uiul .\mphinra S((uamata , eiiwin lelicndig gebrenden .Schlangensterri. weil diese Ecliino{lernien (.Stachelhuter) Zwitter sind, die infolgi; des Einllusses der .Schmarotzer den Charakter von Mnnchen aniu'hmeii, und weil anden^ l'jchinodernien, bei denen die (ieschlechter get rcMiii t Natufwissenscliaftlirlii ^^'oic Kxpeditioii der ,,Ntiii'wi8!ien!chaftii4-1ieii Wocliensclirift". Zur j\siehi*ielit. Die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" stellt sich die Aufgabe aus der Naturwissenschaft im weitesten Sinne ber die Fortschritte und ihrer prak- tischen Anwendung (also auch z. B. der Medizin) zu orientieren und bringt allgemein -interessante Gegenstnde zur Sprache, und zwar soweit mg- lich in allgemein-verstndlicher Form, um dem grossen Leserkreise sowohl gelehrter wie anderer Berufsarten auf alle Flle gerecht zu werden. Die ,,N. W." bietet Original-Mitteilimgen, Referate, Be- sprechungen aus der Litteratur, eine ausfhrliche Liste aller im Buchhandel erscheinenden Schriften, beantwortet gestellte Fragen und bringt die wich- tigsten Nachrichten aus dem wissenschaftlichen Leben. Wo Abbildungen erwnscht erscheinen, werden solche gebracht. Was wir bereits im letzten Bande erreicht haben, die klangvollen Namen der neugewonnenen zahl- reichen Mitarbeiter aus allen Gebieten, sowie das Wohlwollen, das der N. W." auch von den hchsten wissenschaftlichen Kreisen entgegenge- bracht wird, brgen fr eine gedeihliche Weiter- entwickiung. Eedakoii und Verlag. iilialt: l'rof. Dr. 11. Schubert: Das Rechnen an di'U Fingern und an Jlascdiiiien. Dr. Kriisl Schlt; rdicr dii' thnwaiidening der Steiipenhhner im .lahre l.ss.S. (Mit Abbild.) Dr. Ernst Wagner; Der WiTt der Wetterprognose mit Hilfe des feuchten Thermometers. Kleinere Mitteilungen: Ueber Dcdomitverwendung bei der Hodenkuliur. (iift." Die diiich Schmamtzer bewirkte Ge.'chlccbtsvermleriing der Tiere (parasitre Kastration). Chemische Minwirknng fester Krper anfcinaiider. Bcherschau. Zur Nachricht. Venuilwiirtlicher Redakteur: Dr. Henry l'otonie Verlag: lirinann Riemann. Dniek: Gebrder Kiesau. Smtlich in lierlin. Ilierxn eine ltcila;i'e, w'l<'lie wW licNOiuler.s xii beacliien bitten. Redaktion: '' Dr. H. Potonie. .^-^ ^""-^s^ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. IIL Band. Sonntag-, den 7. Oktober 1888. Nr. Abonnement: iMan alionniert bei allen Biichliandlungeu und Post- aiistalten, wie bei der Expedition. Der Vieiteljahrs)ireis ist Jt 3. ; Biingegeld bei der Post 15 j extra. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Debereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdrnck ist nnr mit vollstndiger Quellenangabe gestattet. Die Fauna eines masurischen Pfahlbaus. Von Prof. l)r. A. Nehriiiff. Im Augu.st 1887 liat Herr Prof. Heydeck zu Knij.jsbeii,'- im .sdlic.licn Teile Ma.sui'en.s zwei interessante Pfalilbauten unteisuclit, und zwar im Auftrage der Knigsberger Altertumsgesellscliaft Prus.sia" und mit Untcr.stiitzung Sr. Excellenz des Herrn Ku]tn.ministers von Gosslcr. Die Ausbeute war eine sehr ri'iclic; sie kann di'n Ausgiabungs-Resulta- ten vieler sehweizeri- sclier Pfalilbauten an die Seite gestellt werden. Herr Prof. H e y d I ' c k erstattete darber in der.Prussla- Sitzung vom 28. Mrz 1888 einen vorlufigen Beliebt, dem ich Fol- gendes entnehme: Die eiste Unter- suchung erstreckte sich auf einen l'falil- bau am Szontag- See, 2 km nrdlich von der Sdbahnstation Jucha, also in der (iegeud zwischen Ltzen und Lyck. Vor 10 .Taliren wav der Wasserspiegel des Sees um etwa 1,5 w* gesenkt und das gewonnene Land zur Ackeruiig in Pacht gegeben. Herr Skotnik- Sczeczinowen hatte auf seinem Teile mehrfach arch- ologische Spureil bekundet, und auf die von Ileri'ii Major von Streng - Berghof eingezogene Benachrichtig-ung Rechter HornUern eines Bus priniigenius, in zwei Teile zertrennt, mit vielen Spuren iienschlicber Bearbeitung. Aus dem IMahlbau des Szontag-Sees. (Jezeichnet von Herrn Dr. E. Schuf f. wiu'de die nhere Erforschung unter wirksamer Beihilfe des Hen-n Rektor Krawlitzki-Neu-Juclia unternommen. Der Pfahlbau hatte so lange bereits trocken gelegen, dass nur noch die unter dem Horizont des Grundwassers liegenden Stcke gut erhalten zu Tage gefrdert werden konnten. Die darber liegenden Teile waren stark zersetzt , und es durfte sonach auf Funde an Faserstoffen, Cerealien etc. von vornherein nicht gerechnet wer- den. Der Bau hatte eine Ausdehnung von 13 und 15 m im Ge- viert; er war durch- selmittlich 1,20 m tief und hnlich konstruiert wie die Pfahlbauten im Aiys-, Czarnikock- uiid Tulewo-See: Horizontale kreuz- weise Holzpackung mit nach der Land- seite geneigter Ver- pfhlung. Die Vertikalplahle, 3,5 n lang, 17 bis 22 cwi stark, aus EicluMi oder Kiefer, gut zugespitzt, standen zu zweien und dreien. Die llurizontallager waren aus dnne- ren, weichen Hlzern, wie Birken, Kllern, Weiden, nnr selten aus Eichen und Eschen g'ebildet. Weil in enger Bucht gelegen und sicher gegen Strmung und Wellen- splung, waren sie ohne schtzende Verpfhliiug ausser- 10 Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. liiilb. Eine Ptii]ill)rcke nach dem festen Lande war nicht ci'kennljar, docli liatte eine selcJK^ vcrmntlicli fVlier sicli am sdiiclien Ende befunden. Die Funde selbst haben sein' zerstreut und ver- sehiedi'U tief iiclrocn, meist aber au dem Rande nach dem See zu. esuuders ei'whnenswert sind: 3 Stein- hnnner, ein runder Stein von ,r,(Vi Durchmesser, auf einer Seite mit halbkuKelfrmif^ei' Vertiefuue- , wahr- scjieinlich als \Viderla^(T fr Di-ehhautieruni^-, 14 Feuer- steinnu'sser, 12 meisselartijie Spne von Feuei'stein, viele aiidei'e Feuersteinspiine, Nnsskei'nschalen und sonsti-e Abflle. Schleifsteine von feinkrnigem Sandstein, ein Schleif- und Polirstein von Ciranit, Knocheusehlg-er, walzenfrmig zugeschliftene Schleudersteine, Mhlstein- stcke und Lufer zum Zermahlen von Getreide und zu Schleifzweckeu. Von Metall fand sich nur eine ruud(> bronzene Zierscheibe mit Oese in dei- Mitte und Puuktverzierun<;en : an Knochengerthen: 5 Nadeln mit Bohrlchern, wie heutige Stopfnadeln, Haar- und Gewanduadeln, ein Schaber, 35 kleine und 15 grosse Pfriemen, 8 Speerspitzen, 4 gewhnliche und 2 rhren- frnnge Meissel, Eberzhne, 2 Hornhnnner, bearbeitet(^ Geweihsprossen zum Durcldinhren von TTuteu, vielleicht auch als Watten. Ferner sind vorhanden: 19 ziemlich vollstndige Ge fasse aus gebranntem Thon von 5 35 oh Durch- messer, 14 aus Scherben wiederhergestellte Gefsse nt Randlchern und 50 andere ohne solche. (Auffallend wenig Verzierungen, nur Fingernagel-Eindrcke und eine Strichverzierung in Form eines lateinischen N.) Alle sind ohne Drehscheiben gefertigt; die Kochtpfe zeigen eine rauhe Aussenflche. Ferner: 4 Flotthlzer aus Ki(^f(n-nrinde, 5 spitze angebrannte dnne Hlzer, wohl zum Feuei'anmachen, halbgebi'annte Lehmstcke mit Holzabdr'cken vom Feuer- herde. An Kchenabfllen fanden sich : zerschlagene Knochen, Nsse und Nussschalen, aber keine Spuren von Getreide. Die Funde deuten unzweifelhaft auf ein sidu' hohes Alter, da kein Eisen und von Pronze nur das oben er- whnte Zierstck vorg'ekommen ist. Die Pfhle mssen hidess mit einer Metallaxt, wohl einem bronzenen Kelt, zugespitzt sein. Die Hnnner von Hirsch- und Rehhoin dienten zum Sjiallen der Feuersteine, da Hmmer von hilrterem Material dieselben zertrmmern, welchen Zweck Herr ProfeshHn- Hey deck durch seine lu'aktischen Unter- suchungen zuerst festgestellt hat." Sehr zahlreich sind die im Pfahl bau d(\s Szontag- Sees gefundenen Tierknochen. Auf Wunsch des Vorsitzendi'u der ,, l'rnssia", des Herrn (iynniasial-Oberlehi'ei's Dr. ujack, habe ich die P.estiunnung ders(dben bernommen und erlaube mir darber hiei- folgende kurze, vorlufige Bemerkungen mitzuteilen. Es konnten \on mir 25 Arten von Wirbeltii'ren , festgestellt werden, und zwar 17 Sugetiere, C. Vgel, 2 Fische. Diese Fauna setzt sich folgendermassen zusammen : I. Sugetiere: a) wilde 1. Wolf (Canis luinis) 1 Individuum. 2. Fuchs (Canis vulpes) 1 3. Wildkatze (Felis eatus fer.) . . 12 Individuen. 4. Fischotter (Lutra vulgaris) .... 1 lndi\ idnum. 5. Br (Ursus ai'ctos) 1 . P.ibcr (Castor fiber) 12 Individuen. 7. Hase (Lepns s]).) 2 8. Wildschwein (Sns scropha fer. | . . 1 Individuum. 0. Ur-Rind (1)0S primigenius) ... 1 10. Edelhirsch (Cervus elaiihus) . . . zaldreich. 11. Reh (Cervus capivohis) ziend. b) zahme 12. Haushund (Canis familiaris) ... 1 Individuum. 13. Pferd (Equus caballus) 2 Individuen. 14. Hausschwein (Sus scropha domest.) sehr zahlreich. 15. Hausr'ind (lios taurus) zieml. 16. Hausschaf (Ovis aries) ,, 17. Hausziege (Capra liircus) . . . 3--4 Individuen. II. Vgel: 18. Auerhuhn (Ti^rao ui-ogallus) ... 3 Individuen. 19. Birkhuhn (Tetrao tetrix) .... 1 Individuum. 20. Ente (Anas sp.) 2 Individu(Mi. 21. Krhe (Corvus sp.) 1 Individuum. 22. Ein Tagraubvogel (wahrscheinlich ein Hhneiliabicht) 1 23. Eine Eule von der Grsse des Wald- kauzes 1 IH. Fische: 24. Hecht (Esox lueius) zahlreich. Wels (Silurus glauis) 1 Individuum. Im Einzelnen ist ber diese Fauna noch Folgendes zu bemerken. Die Hauptmasse der Knochen i'iihrt von den Haus- tieren hei'; namentlich hat das Hausschwein stark dazu beigetragen. Unter den wilden Sugetieren sind nur Hii'sch und Reh durch zahlreiche Kuochenreste vertreten; die brig-en Arten haben wenige Ueberbleibsel zurck- gelassen. Die Mehrzahl der markhaltigon Knochen ist zerschlagen, so dass gewhnlich nur die oberen luul unteren Gelenkt(ule vorliegen. Doch siiul selten irgend welche schai'fe Schlagmarken von Steinkeilen oder der- gleiclien Instrumenten zu bemerken; man scheint die Rhi'eidcnochen meistens mit stumpl'en Steinen quer Z(>r- schlagcsn zu haben. Lngsspaltung ist relativ selten zu beobachten. Ls ist hier nicht der Ort, ber die einzelneu Arten genaue .Vngaben und Heschreibungen zu li(dern; doch kann ich es mir nicht versagen, einige bestimmtere Notizen ber dieselben hinzuzufgen. 1. Der \\i\\i' ist aus drei Fussknochen mit Sicliiu'- heit zu erkennen; dieselben lassen aid' ein sehr grosses, schlankgebautes Iiulividuum schliessen. Nr. 2. Natiii-wissenschaftliclie Wochensclirift. 11 J. Di'i' K uclis ist (lurcli rini' zii'iTichi' Scli;ii]rll<;ips('l imtl rille ('iits)irccliriiili" LTntci'idi'rciiill'ti' anLicilriiti't. 3. Die Wildkatze crkciuii' ich in oincm Sciitlcl und zwei UntcraniisknoclKni , wclclu' auf ein Kxciiiiijar von msKig-er Strke sclilie^sen lassen. 4. Die Fischotter ist nur durch eine (vei'let/,te| Unterkiefei'lilfte anii'edeutet. 5. Del' li'enieine ]5iir. Ein unterer Eckzahn niiil zwei Fiissknochen lassen ein massig' starkes Exemplar erkennen. 6. Dei' Jiiber. Zwei unterem Na^ezlme und der Untersclienkid-Knoclien eines jngeren Individuums. 7. I)ei- }[ase. Nur divi Kimchen von zwei Indi- vitluen. (_)b dieselben dem gemeinen Feldhasen oder dem Schneehasen auKehren, waye ich nicht zu sairen. 8. Das Wildscli wein. Sicher erkennbar nur durch den untei'en Eckzahn (Hauer) eines offenbar kolossalen Keilei-s. Derselbe zt-ifit bri,''ens einen etwas abweichenden Erhaltungszustand; er ist viel scliwerer und erscheint mehr fossil (versteinert), ais die brigen Reste. 9. Das Ur-Rind (Bus inimigenius) ist nur durch den Hornkern t'ines recliten Ifornes vertreten. Derselbe hat an der Basis einen Umfang von '65 an; seine Lnge betrgt, der usseren Krmmung nacii gemessen, 60 (in. Er erscheint veriiltnismssig- kurz und dick, weshalb ich Um einem l^ullen zuschreiben mchte. Sein' merk- wrdig sind die zalilreichen, sehr schon ei'hal- tenen Schnitte und sonstigen Spuren mensch- licher Bearbeitung an diesem tlornkerne. Man sieht zunchst rings um die i'aulie Jiasis herum eine Reihe von scharfen Einschnitten, welche vermutlich beim Abhuten des betreffenden Ur-Bullens entstanden sind. Demnchst hat man den Hornkern nebst dem Home vom Schdel abgeschlagen oder abgebrochen, und nachdem man spter (durcli zeitweises Maceriren oder mit Hte von Insekten?) das Hrn von dem knchernen ffornkerne hi'rnntergezogen, hat man di'U letzteren nicht nur in zwei Stcke getrennt, sondern auch an diesen vielfticli liei'umgearbeitet. Und zwar scheint diese Bear- beitung mit Steinraeisseln untl Schabern gescheiu'ii zu sein; dii3 vllig deutlich erkennbai'en Einschnitte, Hiebe und Abschahungen deuten auf wc^niger schneidige Instru- mente hin, als dasjenige war, mit welchiMU die scharfen schraak^n Einschnitte rings um die Basis ausgefhrt sind. Vergl. die Abbildung. Beide Stcke, in welche nuui den Hornkern quer zertrennt hat, passen ganz genau aneinander. Wir haben in diesem Hornkerne wiedei'um einen Beweis fr das Zusammenleben des Men- schen mit Bos primigenius vor uns. 10. Der Edelhirsch ist (lureh zahlreiche Reste von a]t(>n und jungen Individuen vertreten. Untei- den Geweihstcken ist eines, welches von einem starken 14-Ender herrhrt; andere stanniien von scliwchei'en , resp. jngeren Hirschen. Manche sind von abgeworfenen Geweihen entnommen. Fast alle Geweihstangen zeigen zahlreiche, deutliche Schnitte an denjenigen Stellen, wo man Spnissen und sonstige Stiudce aliL'i'trennt hat. Offenbar lialien die ilirschgeweihe unter den Bewohnern des J'fahlbaus im Szontag-See bei Herstellung von Instru- menten etc. eine grosse Rolle gespielt. 11. Auch vom Reli sind zahlnuehe Reste vor- handen, sewiihl \nn alten als auch \iin jngeren Exem- [ilai'en. Die Gehi'ne, unter denen sich ein abgeworfenes belimlet, rhren meist von Sechser-Bcken her; besondei'S starke Gelirne sind nicht dabei. Ich betone, dass ich keinen einzigen Rest vom Rentiere unter den zahlreicluni Cerviden-Rosten beob- achtet habe. Es ist dieses auch sehr nati'lich; wo das Reh gedeiht, da gedeillt das Rcmtier im allgemeinen nicht. Freilicli hat Heri' Prof. Stieda drei Knochen (zwei Schulterbltter und einen Oberarm) aus dem Pfahlbau Kownatken unweit Neidenburg auf Rentier bestimmt und daneben andere Knochen auf Reh und Edelliirsch. Man knnte alier die Frage aufwerfen, ob die l)eti'ef- fenden Knochen, falls sie unzweifelhaft vom Rentier iiei'i'hren, nicht \iell(Mclit in einem etwas tieferen Niveau als die Rehknochiui gefunden sind. Ich muss betonen, dass ich das ZnsammiMi\orkonniii'n di's Rentiers mit Ridi, Hausschwein, Hausiind etc. noch niemals bei meinen zahlreichen Untersuchungen prhistorischer Funde halio konstatieren knnen. 12. Der Haushund ist durch einen einzig-en Schdel nebst den zugehrigen Unterkieferhlften vertreten. Genau genommen ist es nur der Schnauzenteil eines Schdels; die (jiehirnkapsel fehlt, ebenso die hinteren Teile der Unterkieferhlften. Nach dar Bescliattenheit der Schdel- nhte und der Zhne ist der betrettende Hund kaum ein Jahr alt gewesen, als ihn der Tod ereilte; vermutlich starb er keines natrlichen Todes, sondern wui'de zu kulinarischen Zwecken \erwertet. Das Gebiss ist auf- fllig krftig gebaut und zeigt einen entschiedenen Wolfstypns. 15ei einer Gaumenlnge von nur 90 mm und einer grssten Oberkieferbreite von nur D'.i); hat der obere Fleischzahn (Sectorius) eine Lng(^ von 21 mm, whrend die beiden oberiui Hckei'zhne zusannnen 20,8 mm lang sind. Die Formen dieser Zhne sind sehr scharf und markiert, bei relativ g-rosser Dicke. 13. Vom Pferd finden sich Reste zweier Individuen. Sie beweisen, dass es sich um eine ziei'liche Pony-Race handelt. Veriiuttlich war dieses Pferd gezhmt. Nach der Beschallen lieit iler Knochen lsst sich dieses aber nicht mit Sicherheit sagen; die Knochen sind ebenso fest und glatt, wie bei wilden Pfei'den. 14. Ganz ausserordentlich zahlreich sind die Reste des Hausschweines. Nach den Dimensionen der Skelet- teile und den Formen des Gebisses gehren dieselben zu der kleini'u Rasse, welche ich als Siis scrofa nauus beschrieben habe,-") und welche ich als eine durch |)ii- mitive Domestikation aus dem euroiiischen Wildschwein hervorgegangene Zwergrasse ansehe. Leider sind dii' *) ,Sit/.iiiig-sl). d. (ius. iKitiul'. I'"ivinul(> /.. Burliii v. l. .Jiui. ISS-i. 12 Naturwissenscliaftliclie Wodiensdirift. Nr. I iScIidcl smtlieli zersclila.('ii. Mit Vurlicbc liat man Exemplare von 6 8 Monaten und \(hi iVa 2 Jaliren verzelirt; docli fehlt es auch nicht an Resten von yanz juufren und recht alten Individuen. Die Mehrzahl der lteren Exemplare ist weiblich; di(; berzhligen Mnn- chen hat man wohl mei.sten.s schon als Ferkel verspeist. 15. Das Hausrind ist viel weniger zahlreich ver- treten, als das Hausschwein. Man kann nach den Ge- bissen 4 5 alte, 2 dreijhrige und 2 ca. sechsmonatliche Exemplare unterscheiden. Feber di(> Rasse etwas zu sagen, ist schwierig und wrde eine lngei-e Auseinander- setzung erfordern, wofr liiei- nicht der geeignete Platz ist. Ich bemerke nur ganz kurz, ilass ich dieselbe als eine kleine Primigenius-Rasse ansehe. Im allgemeinen sind die Skeletteile krftiger, als diejenigen der von Rtimeyer, Naumann, 8tuder u. a. beschriebenen sogenannten Torfkuii; sie bleiben aber bedeutend hinter den ykeletteilen der modernen l'rimigenius-Rassen Nord- deutschlands zurck, wie sie durch die vervollkommnete Zucht und Pflege in den hetzten Jahrhunderten erzielt sind.*) 16. Das Hausschaf ist ungefhr ebenso zahlreicli oder noch etwas zahlreichei- verti-eten, wie das Hausrind. Nach der Form der HornkiMiie scheint dasselbe der so- genannten Haidschnucke hnlich gewesen zu sein. Die Hornkerne der Bcke sind dick, von stumpf di-eiseitigeni Querschnitt; ihre Richtung geht meistens einfach schrg nach hinten, ohne deutliche spiralige Drehung. Auch die Winbchen waren gehrnt; ihre Hornkerne sind schw- cher und glatter gebildet und mehr lundlich (elliptisch) im (^)uerschnitt, als die der Bcke. Das Hausschaf aus dem Pfahlbau des zontag-Sees reprsentiert eine andere Rasse, wie das von Rtimeyer beschriebene ziegen- hrnige" Schaf der schweizerischen Pfahlbauten. 17. Von der Hausziege konnte ich mehrere Exemplare feststellen. Es nniss eine ziemlich krftige Rasse gewesen sein, vei-hltnismssig grsser und krftiger als Pferd, Schwein, Rind und Schaf waren. ]'a'[ pi'imitiven Veililtnissen der landwirtschaftlichen Tier- zucht kann man es fter beobachten, dass die Ziege relativ gut gedeiht, auch wenn die anderen Haustiere klein und zu- rckgeblieben erscheinen. Es mag dieses wohl mit dem leli- haften, unabhngigen Wesen der Ziege zusaiiniieniingen. 18. Vom Auerhuhn fand ich Reste dreier krftiger l<]xeni]i!are vor; es sind zwei liinie und eine Henne. 11). Das Birkhuhn ist nui' durch ein weibliches Individuum vertreten. 20. Eine Enten-Art ist durch zwei Knoclien an- gedeutet, welche von zwei verscliiedeiien Individuen her- rhren. Der (irsse nach kann man sie auf die wilde Mrz- oder Stdckente (Anas boschas) beziehen, also auf die wilde Stanunail unserei- gewhnlichen Hausente. 21. Eine Krhen -Art ist durch einen fast voll- *) T)U'. priUiistiirisclieii, fiiililiishirisclieii und initti'laltorlichen Rinder unserer (ii'cfoiulen wanMi diinlnvi'g mein- Ddcr wi'iiir ver- kmmert. iiifoli,'(' mangelliartcr Ziic-litiiii',>- und iiaclililssiger Tficge. stndig erhaltenen Untei-schnaliel angedeutet. \Vahr- scheinlich handelt es sich um Corvus cornix, die soge- nannte Nebelkrhe. 22. Ein Tagraubvogel von der (irsse eines Hhnerhabichts ist durch eine wohlerhaltene Tiliia ver- treten. 23. Eine Eule von der Grsse des Waldkauzes er- kenne ich in einer Ulna und einer Tibia. 24. Der Hecht ist durch zalreiche Reste vertreten. Diesellien rhren zumTeil von sein- starken Exeni[)laren hei'. 25. Der Wels ist, wie es scheint, nur in einem Individuum von mittlerer Grsse angedeutet; es sind eine Gehirnkapsel und viele sonstige Kopfknochen vdi'handen, welche eine sicliei'e Bestinnnung erlauben. Ueberblicken wir obige Fauna aus dem ITalilliau des Szontag-Sees, so bemerken wir viele Aehnliclikeiten mit der Fauna der Pfahlbauten in dei' Schweiz, sowie auch namentlich derjenigen im Starnberger See, wie sie von Rtimeyer, Studer, Naumann und anderen b(>- schrieben ist. Natrlich fehlen im Szontag-See die Reste der alpinen Tier(>, wie Gemse und Steinbock. Der Haushund aus dem Szontag-See ist nicht der kleine sogenannte Torfhund Rtimeyers, sondern er hnelt dem sogenannten Bronzehunde (Canis matris optimae .leitt.) Genaueres ber ihn werde ich an einer andei'en Stt^lle verit'entlichen. Ich will hier nur betonen, dass es nach meinen Erfahrangen nicht zutretfend ist, den Canis inatiis optimae als eine speciell der Bronzezeit zukommende Hasse anzuseilen; er kommt auch schon an neolithischen Fund- sttten vor. Freilich ist es berhaupt nicht mglich, zwischen der Stein- und der Bronze- Periode eine bestimmte, allgemein- zutreffende Grenze zu ziehen. p]s kann recht gut sein, dass die Bewohner des Pfahlbaus im Szontag-See sich zur Herstellung von Instrumenten und Waffen noch aus- schliesslich des Steines, der Knochen und (feweilie be- dienten, whrend in anderen Gegenden schon die Brenze als Hauptmaterial fr Instrumente und Warten benutzt wui'de. Dass die Bronze den Pfahlbauern des Szontag- Sees nicht vllig unbekannt war, ergiebt sich aus d(Mi oben zitierten Mitteilungen des Herrn l'rol'. Heydeck. Der Erhaltungszustand der von mir untersuchten Tii'r- knechen ist durchweg ein hnlicher, wie bei den Knoclien aus den Pfahlbauten der Schweiz. Hausgeflgel scheinen die Pfahlljauern des Szontag-Sees noch nicht besessen zu haben ; namentlich fehlt jede Spur vom Haushuhn. Wenn man sich nach den Tierknochen eine \'oi- stellung von ihrer Lebensweise machen darf, so sclu'iiien sie vorzugsweise von Jagd und Viehzucht, teilweise auch vom Fischfang gelebt zu haben. Hauptsclilieh genossen sie das Wildi)ret \diii Hirsch und das Fleisch ihres kleinen, wildschweinlinliclien Hausschweines. Ferner niussten Reh und Schaf ihnen ziemlich oft einen Beitrag zur Nahrung liefern; ebenso auch das Rind; seltener wui'de eine Ziege geschlachtet, l'iiler den Fisehen spielte dei' Hecht die Haupli-olle, unter den Vgeln der Auerlialiii_ Nr. 2. Natiiiwissenschaftliche Wochenschrift. 13 Die hiiiicu 'l'ierartcn luilieii, wie e.s luicli tleu weuii^cn Ui'berbleibschi selicint, nur sclir vereinzelt zu den Mahl- zeiten der ewehuei' des ITahlliaiis im S/.diitay-See bei,L;('tra,yi'n. liiiiiiei'liin kann man sieh nai'li den Miiiiandeni'n Kneehenresten und naeii den Arteiakten ein diMitiiehes liiid von der Lcbensweisi' und Kuhur der beti-etlenden Bevlkerung' machen. - Der Verein l'i'ussia" in Knigs- berg' hat sieh duicli die Ansg'ral)ungen im S/.ontag'-fSee ein cntseliiedenes X'eniienst um (he Aufkli-iniij- d(M' vor- yeschieht hellen Verliitnisse Ustiireusstsns ei'wuriji'n. Das Rechnen an den Fingern und Maschinen. \nii l'nif. Dr. (Foi't.sf 11. Eine grssere Ausbildung als bei den (Jii(H;lien gewann das instrumentale Rechnen bei den itraktischen Rmern, (d)wohl diese in der eigentlichen Matliematik so gut wie nichts leisteten. Schon die ltesten Ueber- lieferung-en spiechen von Zahldaistellungen vermittelst der Fingei-. Naeh l'linius (Mist. nat. XXXIV, IR) soll Knig Numa l'oniiiilius ein Standbild des Janus Ilaben eri'ichten lassen, dessen Fingei' die Zahl 355 als Zahl der .Jahrestage andeuteten. Auch lsst Martianus ('apella die als Gttin auftretende .Arithmetik die Zahl 717 mittels der Finger darstellen. Neben diesen Ang-aben ganz bestimmter durch Fingerbeugung angedeuteter Zahlen kann man noch viele Stellen ruiisrlK' Sehrift- steller aus den verschiedensten Zeiten anfhren, welche das Fingerrecliueu im allgemeinen besttigen. Die rechte Hand, sagt Plautus im Miles gloriosus, bring-t die Rechnung zusammen. Mit Wort und Fingein lsst Suetonius die Goldstcke abzhlen. Bei Quintilius ist von einem Falschrechnen durch unsichere oder ungeschickte Beugung der Finger die Rede. Dieses Fingerrechnen der Rmer hat sich nun von Jahrhundert zu Jahrhundert, grssten- teils wohl durch mndliche Ueberlieferung, foitgepflanzt. Einen Beleg dafr giebt das von dem englischen Mnche Beda im Jahre 703 verfasste Wei'k ber Zeitrechnung, dessen erstes Kapitel der Fingerrechnung- gewidmet ist. Beda leitet dieses Kajiitel mit den Worten ein: Wir halten es fr ntliig, erst in Krze die beraus ntzliche und stets bereite CJescliicklichkeit der Fingerbeugungen zu zeigen, um dadurch eine mglich grsste Leichtigkeit des Rechnens zu geben. Ausfhrlich lehrt dann der Verfasser, wie man, von der linken Hand beginnend und zur rechten fortschreitend, die einzelnen Zahlen dar- zustellen und zu verknpfen habe. Es ist anzunehmen, dass dieses Fingerrechnen erst allmhlich wieder ausser Gebi'auch kam, als die indiscli-aratiische Schreibweise der Zahlen, und die darauf beruhenden, bequemeren Rechenmethoden beim Ausgang des Mittelalters mehr und mehr in das Volk drangen. Doch kann man noch heute Spuren des rmischen Fingerrechnens bei den Vlkerschaften der unteren Donau linden. Man liedient sich dort der Finger, um zu finden, was herauslcommt, wenn man zwei zwischen fnf und zehn liegende Zahlen multipliziert. Die Finger jeder der beiden Hnde er- halten vom Daumen bis zum kleinen Finger bezieliungs- A. Schuliert, tzillin'.) weise die Wortt^ sechs liis zehn. Hat mau nun zwei Zahlen, wie etwa s und '.) zu multi]ilizieien, so streckt man den die Zahl H darstellenden Mitteltinger der einen Hand vor und ebenso den die Zahl 9 darstellenden Ringfinger der andern Hand. Die Anzahlen fr die nach dem kleineu Finger hin brigen Finger beider Hnde, hier 2 und 1 Finger, werden dann multiplizieit, die Anzahlen der anderen Finger, hier 3 und 4, dag-egeii addiert. Dann giebt die letztere, durch Addition ent- standene Zahl, hier 7, die Zehner, die erslei'e, durch ^Multiplikation entstandene Zahl, die Einer des gewnschten Resultats 72. In der Tliat ist das Zehnfache von a 5 plus b 5 vermeint um 10 a mal 10 b nach den Regeln der Arithmetik immer soviel, Avie a mal b, und daraus erklit sich, dass das angegebene Verfahren immer zu einem richtigen Resultate fhrt. Der Zweck des Verfahrens ist natrlich der, dem Gedchtnis das Auswendigbehalten des kleinen Einmaleins von mal 6 bis 9 mal 9 zu ersparen. Man bemerke Ubrig'ens, dass dabei sechsmalsechs als sechszehnundzwanzig, sechsmal- sieben als zwlfunddreissig erscheint. Dass dieses Ver- fahren auf rmischen Ursprung zurckzufhren ist, wird um so begreiflicher, wenn man beachtet, dass die rmische Schreibweise der Zahlen von 6^9, nmlich VI, VII, VJII oder HX, VIHI oder IX naturg-erass zur Beachtung g-erade derjenigen beiden Zahlen fhren musste, welche den Abstand einer Zahl von V und von X angeben. Nchst dem Fingerreclinon war bei den Rmern das Rechnen auf dem Rechenbrette blich und bildete sogar einen wichtigen Gegenstand des Elementarunterrichts. Dieses Rechenbrett, nach dem griechischen a^ von den Rmern abacus genannt, war bisweilen mit Staub bedeckt, sodass man darauf einerseits geometrische Figuren aller Art entwerfen konnte , andrerseits aber auch durch Ziehen gerader Linien eine Einteilung in Kolumnen vor- nehmen konnte, welche, mit Steinchen, calculi, belegt, zum Rechnen dienten. Ausser diesem noch unvoll- kommenen Rechenbrett gab es aber auch bei den Rmern einen Abakus mit Einschnitten und Jvnpfchen, die in diesen Einschnitten verschiebbar waren. Die genauere Beschreibung derartiger altrmischer Rechenmaschinen, die sich bis auf den heutig-en Tag erhalten haben, lindet man bei Becker-Maiipiart, Handbuch der rmischen Altei'thmer, V, 100. Sie dienten nur dem Rechnen, waren von Metall, und hatten 8 lngere und 8 krzere 14 Naturwissenschaftliclie Wochensclirift. Nr. 2. Kinsc-liitte, suilass iiiimei' ein krzerer Kinscliiiitt in der \'erl[lni,'-erung eines lngeren nacli oben lag. In den Einsciinitten waicn bewegliche Stifte mit Knpfen, und zwar in einem der lngeren 5, in den brigen lngeren 4 ytifte, whrend die krzeren Einschnitte nur einen Stift nebst Knopf enthielten. Jedei' lngere Einschnitt war oben, also nach der Seite hin, wo dei- krzere Ein- schnitt ihn fortsetzte, mit einer ITeberschrift vei'sehen. unterhalb der Tafel waren behufs bequemerer Auf- stellung Fsschen angebracht. Beim Gebiauch mnssten die Plinschnitte senkrecht zum Recimer laufen. Die Marken in jedem lngeren Einschnitte bedeuteten einzelne Einheiten einer bestimmten Art, whrend jede Marke des darber betindlichen krzeren Einschnitts fnf solcher Einheiten zhlte. Nur der erste krzere Einschnitt von i'echts bildete eine Ausnahme, indem jede daiin befind- liche Marke 6 Einluten zhlte, entsprechend dem darunter betindlichen lngeren Einschnitt, der 5 statt 4 Stifte enthielt. Diese rechts als ei'ste liegende Kolumne diente fr das Kechnen mit Bruchteilen der Einheit. Die brigen sieben Einschnitte trugen in nach links dekadiscli auf- steig-ender Reihenfolge die Ueberschiiften : eins, zehn, handelt, tausend, zehntausend, hunderttausend, millionen. Da die Rmei' ihre Mnzen und Masse gern in zwoll' Teile einteilten, so diente die erste Kolumne von rechts zum Rechnen mit Unzen, d. h. Zwlfteln. Je nachdem man einen Stift eines krzeren Einschnitts nacli dei' Mitte zog oder nicht, galt er als fnifache bezieliungs- weise sechsfache Einheit mit. So konnte man alle Zahlen von 1 bis 9 999 999 neb.st allen dazu gehrigen Riiichen mit dem Nenner zwlf leicht diU'stelien. l^eim Addieren imrsste man natrlich darauf achten, dass man immer zwlf Einheiten der letzten Kolumne durch eine gegen die Mitte voi-geschobene Marke der nchsten Kolumne ersetzte, dass man in den brigen Kolumnen aber immei' fr zehn h^inheiten eine Einheit der voi'hergehenden Kolumne nalira. Jede nach der Mitte geschobene Marke wurdi- innnei' als g'iitig', jede oben oder unten befindliche als inigiltig betrachtet, wie die folgende Zeichnung zeigt, welche die Abbildung der Zahl 13-2873= 132S7i2 auf dem rmischen Abakus vei deutlichen soll: Neben der am weitesten nach rechts liegenden Kohnnne fr die Unzen, d. h. Zwlftel, war bisweilen noch eine weitere rechtsliegeiide Koluiiine mit di'ei Ein- schnitten vorlumden, von denen die beiden oberen mit je einer Marke, die unterste mit zwei Mai'ken versehen waren. Diese Einschnitte bezog-en sich auf die Zhlung von halben l'nzen, d. h. Vierund- Jio.Mi.schesReci,enbidt Zwanzigsteln, \ieitel Unzen, d. li. Acht- undvierzigsteln unddrittel Unzen, d. h. Sechsunddreissigsteln. Diese Erweiterung gestattete schliesslich die Berck- sichtigung aller mglichen Brche mit den Nennern 2, 3, 4, 6, 8, 12, l(j, 18, 24, 36, 48 und aller derjenigen Brclie, die sii-h durch llclim auf die eben genannten M X 1 1 { . Nenner zurckbi'ingen lassen. Es ist klai', dass auf einem solchen Rechenbrette, wie auf jedem hnlichen Apparate mit festen Marken, Additionen und Subtraktionen leicht vollzogen werden konnten. Wollte man multiplizieren oder dividieren, so war es ntig, die Zahlen, an welchen jene Opei'ationen vorgenommen werden sollten, besonders, etwa schiiftlich, anzumerken, undder Abakusvermitteltenur die Vereinigung der Teilpi'odukte, beziehungsweise die Subtraktionen der aus den Teilquotienten entstandenen Zahlen. Dabei war ein Kopfrechnen mit Benutzung des Einmaleins nicht zu umgehen, und bei diesem fand viel- leicht die oben beschriebene, noch heute bei den Sd- slaven bliche Finger-Multiplikation Anwendung. Jeden- falls wurde das kleine Einmaleins bis fnfmalfnf, vielleicht abei' auch bis zehnmalzehn, den rmischen Knaben in hnlicher Weise eingepaukt, wie den Kindern der Gegenwart. Denn viele rmische Schriftstellei-, z. B. (Horaz in de arte poetica, v. 32.5) berichten, dass die Knaben in den Schulen Kopfrechnen lernten, fernei', dass demjenigen, der an einer Schule vorberging, die einfiTiiigen Tne des bis bina quattuor (zweimalzwei ist vier), welches die Knaben gemeinsam herzusingen (decantare) hatten, entgegenzud ringen pHegten, und dass damit noch andeie Misstne sich hufig genug vei'einigten nmlich das Klatschen der Rute oder der Peitsche und das Heuleu der in so ehidringlicher Weise untei'richteten Schler. Das im Gedchtnis befindliche kleine Einmal- eins konnte im Verein mit dem Rechenbrett ausreichen, um Multiplikationen von kleineren Zahlen auszufhren. Kamen aber Multiiilikationen von grsseien Zahlen oder komplizieitere Bei'echnungen vor, so ntzte dem unge- bten Rechnei' weder Einmaleins noch Rechenbrett. Fr solche Flle gab es tabellarisch geordnete Rechen- tabellen, sogenannte Rechenknechte. Zwar ist uns kein alt-rmischer, wohl aber ein si)t-rmisclier Rechenknecht erhalten, dem wahrscheinlich lteie Tabellen-Werke als Muster gedient haben. Es ist dies dei- Calculus des um 450 nach Christi Geburt lebenden Victorius, eines Ge- lehrten, der sich auch durch Herausgabe eines canon paschalis, d. h. einer Anleitung zur Auffindung des richtigen Osteidatums berhmt g-emacht hat. Eine wesentliche Vervollkommnung eifuhr das i'mische Rechenbrett durch Boethius , jenen eintluss- reichen rmischen Patrizier, der auf Veranlassung des Ostgotiien-Knigs Theodorich 524 enthauptet, neueidings durch h\'li,\ Dahn's Kampf um Rom'', dem grsseren Publikum bekannter geworden ist. Das von IJoethius eingeflnte Rechenbrett, hatte zwar auch Kolumnen, wie die ltei'en Rechenbretter. Whrend aber bis dahin die Ausfllung der Kolumnen durch gleichgestaltete Marken erfolgte, deren jede die der Kolumne zugehrige Ver- vielfachung erfuhr , waren die Marken (apices) bei P.oethius von verschiedener Gestalt, und jede hatte eine Bezeichnung, welche ihr den Wert einer der neun Zahlen von 1 bis 9 verlieh. So nherte sich das Prinzip 'des RechenViretts schon nK.'hr dem Prinzip des Stellenwerts, Nr. 2. Naturwi.ssens('liaftliche Woclienschrift. 15 nach welchem wh' lieute unsere Zahlen schreiben. Dass aber zwischen beiden Pi'inzipien noch eine gewaltig-e Kluft lag, beweist der von 1000 bis 1200 o-efhiie Kampf zwischen den Abacisten und Algorithniikein, d. li. denen, welche sich von dem rmischen Rechnen auf dem Rechen- brett nicht tiennen wollti^n, und denen, welche die auf dem l'rinzi|i des Stellenwerts und eines Zeichens fr Null beruhende, indisch-arabische Schreibweise der Zalilen pflegten und fr das Rechnen vei'werteten. Vom sechsten bis di'eizchnten .Tahrhundeit begegnen Mir noch hilulig dem (:Jebrauch des rmischen Rechenbretts, so z. B. bei dem im Jahre 909 zum Papste (Sylvestei' 11) gewhlten, berhmten Mathematiker Gerbert. Dann aber verdrngten die indischen Methoden, Zahlen zu schreiben, und mit ihnen zu rechnen, uK^hr und melir den rmischen Abakus odei' vielmehr, sie machten denselben mehr und mehr entbehrlic'h. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass vom dreizehnten Jahrhundert an Rechenbretter berhaupt ausser Oiebrauch kamen, sondern nur, dass die oben beschiiebenen, beiden rmischen Einrichtungen, sowohl die ltere, wie die des Boethius, allmhlich abkamen. Im 16. Jahrhundert waren z.B. in Deutschland hlzerne Rechenbretter gebruchlich, auf denen Marken nicht nach i'miscliei' Ai't in Rinnen liefen, sondern frei beweglich waren. Diese Bretter dienten zur Entlastung des Ge- dchtnisses beim Rechnen, namentlich abei- als praktische Veranschaulichungsmittel beim ersten Rechenunterricht, der zur Zeit des Adam Riese (1550) autf der Linien" begann, und erst spter ,,aufl' der Federn", d. h. mit geschriebenen Ziffei'n, fortgesetzt wui'de. Ob sich auch die oiientalischen Vlker iui Alter- tum bereits instrumentaler Hilfsmittel beim Rechnen bedienten, darber wissen wir nicht viel. Namentlich wissen wu' von dem Volke, welches fr das Rechnen am begabtesten war, von den Tndein, nicht, ob sich die- selben der Finger oder eines Rechenbretts bedient haben, ehe sie die Welt mit deijenigen Schreib- und Rechen- weise der Zahlen beschenkten, welche dann Gemeingut aller Kulturvlker wurde. Von den Arabern wissen wir aus einem kleinen Jjehrgedichte eines Verwaltungs- beamten Scliams addin al Mansili, dass dieselben an den Fingern zu rechnen pflegten. Genau in derselben Reihen- folge, wie es in der oben erwhnten Schrift des Rhabda von Smj'rna auseinandergesetzt ist, wurden auch bei den Arabei'n die Einer und Zehner an der linlcen, die Hunderter und Tausender an der rechten Hand dar- gestellt. Ob aber die Arabei- Rechenbretter hatten, ist uns nicht bekannt. Wohl aber wissen wir dies von den Chinesen, nur dass die darauf bezgliche Zeitangabe chinesischen und deshalb zweifelhaften Ui'sprungs ist. Wie nmlich einem Minister des Kaisers Jiungti, der im 27. Jahilumdert geherrsciit haben soll, die Erlln- dung der Schrift zugeschiieben wird, so soll ein anderei- Minister desselben Kaisers der Erlinder des swn i)n, genannten chinesischen Rechenbretts sein. Dasselbe ist in China jedenfalls seit vielen .Tahrhunderten in Gebrauch. Es besteht aus Drhten, die in einen Ivahmen eingespannt sind, parallel miteinander laufen, und verschiebbare Kugeln ti'agen. Der erste Draht fasst die Einer, dei' zweite die Zehner u. s. w. Ein fester, durch jene Drhte gehendei' Querdraht teilt sie in zwei Teile, welche, 2 und 5 Kugeln enthaltend, diMi Ihuipl- und Neben-Kolunuien des i-misclien .Vbakus entsprechen, so dass eine Kugel auf der einen Seite eins, auf der anderen fnf bedeutet. Wie ausnahmslos sich die (Chi- nesen ihres Swn pn bedienten, ist schon daraus zu entnehmen, dass in den Ijehrbchern der eigentlichen Rechenkunst ber ^Uldition und Subtraktion gar keine Voi'schriften gegeben sind, doch wohl nur, weil man diese Rechnungsarten mit dei- Hand auszufhren gewohnt war. Dieses chinesische Rechenbrett ist im Reiche der Mitte noch heute sehr gebruchlich, wie Hei-r Gosch- kewitsch in seinem Werke ber China (A. d. Russischen, Berlin 1858, Bd. T, S. 296) und Herr Westphal in den Mitteilungen fr Vlkerkunde in Ostasien (1875, S. 43) besttigen. Dieselben Verfasser erzhlen auch, dass gebte chinesische Rechner mit den vier Fingern der rechten Hand auf ihrem Rechenbi'ette wie auf einem musikalischen Instrumente agieren, darauf ganze Zahlen- Akkorde zu greifen im stnde sind, und im Schnellrechnen grossartiges leisten. Auch in Russland ist dasselbe Rechenbrett in vielen Kaufmannslden zu Hnden, fieilich mit der Abnderung, dass sich auf jedem Draht oder Stab zehn Kugeln befinden. \'on dort wurde es durch den berhmten franzsischen Matiie- matiker Foncelet, der es whi'end seinei- Kriegsge- fangenschaft 1812 kennen gelernt hatte, in die franz- sischen Elementarschulen eingefhrt, wo es den Namen boullier erhielt. Auch in deutschen Schulen haben der- artige Einrichtungen vielfach Eingang gefunden, um den elementaren Rechen- Unterricht zu untersttzen. Eine der chinesischen Additionsmascliine hnliche b^inrichtung haben auch die Japaner, sie bezeichnen sie mit dem Namen soroban. Dieser Soroban, ebenso wie der chine- sische Swanijan untei-scheiden sich von dem rmischen Abacus im wesentlichen nur dadurch , dass die untere Hlfte jeder Kolunuie l>ei den Kmmii vier, bei den Ostasiaten fnf Einheiten hat. Sti-eng genommen, sind nur vier Einheiten ntig, da ja fnf Einheiten bei den Rmern wie bei den Ostasiaten durch eine Marke der oberen Hlfte der betrettenden Kolunuie zu ersetzen sind. iSchluss folgt). 1(1 Naturwissenseliaftliclie Wocliensclirift. Nr. 2. Kleinere Mitteilungen. Sport und krperliehe Uebung. Wie der angemesseiip Gebraucli aller Organe unseres Krpers diesem nicht mir dienlieli. sondern in srewissein Orade sogar notwendig ist, wie daher z. IJ. mit vollem Reelit seitens Kinzelner nnd der Behrden daranf ge- drungen wird, dass die zum sitzenden Lernen gezwungenen Seliiiler sioli im 'J'urnen und im hiirperlichen Spiele ben, so schadet es andererseits unserem Organismus, wenn er einseitig und in andauern- dem l'ebermasse in Anspruch genommen wird. Aus diesem Orunde ist der Sport, soweit er wirklich als solcher betrieben wird, zu ver- urteilen. Und mit liecht wandte sich dalier vor ein'ger Zeit der praktische Arzt und Dozent an der Universitt Breslau Dr. 0. Partsch mit grosser Schrfe dagegen. Gerade die Einseitigkeit und Ein- t'iirmigkeit der Bewegungen, wie sie der Sport verlangt so fhrte er u. a. in einem in Hirschberg i. Schi, gehaltenen Vortrage aus und ihr sportsmnnischer Betrieb schrnkt ihren gesundheitlichen Nutzen, den sie sonst bei massigem Betriebe liaben konnten, wesentlich ein, wenn er ihn nicht in vielen Fllen sogar zum Schaden verkehrt. Unser Organismus ist nicht danach eingerichtet, solche Ueberanstrengungen, wie sie die Erzieliing ausserordentlicher Erfolge und darauf ist es beim Sport doch abgesehen ntig machen, un- beschadet zu ertragen. So sehr er durch allseitige, in richt- tigeii Pausen vorgenommene, massige Anstrengungen gesthlt nnd gekrftigt wird, so leicht beantwortet er ununterbrochene, ber das Mass hinausgehende Arbeit mit bleibender krankhafter Vernde- rung seiner Organe, insbesondere des Herzens, jenes Muskels, dem wir nicht beliebig nach der Anstrengung lluhe gnnen knnen, der vielmehr auch bermdet rastlos weiter arbeiten muss. So lange daher solche krperlichen Uebungen wie Reiten, udern. Radfahren, Bergsteigen und insbesondere das Turnen, welches die Grundlage der Leibesbungen ist und bleiben muss , von Uebertreibungen und sportlichen Auswchsen frei bleiben , so lange sind sie zu empfehlen und verdienen gepflegt zu werden. Sportsmnnisch betrieben , mssen sie als Ausartungen betrachtet werden , die unserem Krper schliesslich schdlich werden abgesehen da- von, dass sie als Leidenschaft ebenso wie das Spiel abzuweisen sind, weil sie in dieser Eig-enschaft einen bermssigen Aufwand an Zeit und Geld von uns verlangen. Der Unterzeic'iner mchte hinzufgen, dass es sich nicht anders mit dem Fechten verhlt. Als krperliche Uebung ist es nicht zu tadeln; wenn aber das Pauken" in studentischen Kreisen mit der liemerkung gerecht- fertigtwird, dass es den iUut sthle, so ist darauf zu erwidern, dass sich 1) der wahre Mut in ernsten Dingen, in den Kmpfen des Lebens viel besser sthlen lsst, dass 2) ein Spielen mit edlen Eigenschaften, wie es auf der Mensur geschieht, nicht zu billigen ist nnd dass 3) die Sthlung des Mutes gar nicht, sondern Ruhm- sucht, vorwitziger Tliatendurst, vermessene Eitelkeit und hauptsch- lich hierin teilweise schon mit enthalten: der Neid die eigent- liche Triebfeder beim Pauken" ist. Dieselbe Triebfeder belebt den Sportsmann. Es tindet kein ruhiger, edler Wettbewrrli statt; es gnnt vielmehr der eine dem andern nicht, dass er ihn selbst ber- trelfo. Wir haben hier denselben Trieb, welcher den Daseinskampf der Menschen im allgemeinen insbesondere im Gescbftsleben zn einem so widerwrtigen macht. ,So wenig wie der Sport volkstmlich ist, so wenig ist er gleich jedem anderen Wettkampfe menschlich schn und christlich, denn nach der christlichen Lehre Sllen wir unsern Nchsten nicht allein willig gelten lassen, wenn er uns selbst nicht die Lebensadern unterbindet, sondern auch ihm hilfreich zur Seite stehen, vfenn er des Beistandes bedarf. Dr. K. F. J. Ueber den Einfluss der Farbe der Blendglser bei I!ijbachtung des SonneiKhirclimess(!rs hat Herr Wellmann am Heliometer dm' .Sternwarte Bogenhausen bei Mnchen Versuche an- gestellt und dabei das Resultat erhalten, dass rote Glser einen gr.sseren Wert liefern als violette. Bei regelmssiger Refraktion in der Sonnenatmosphrc msste es gerade umgekehrt sein; man ist daher gentigt, eine anormale Dispersion anzunelunen. Eine solche hjllt Wellmann um so weniger fr unwahrscheinlich, als von Kiindt in Berlin nachgewiesen worden ist*), dass die Metalle Platin, Eisen, Nickel, Wisnuith im feston Aggregatzustaud anormal dis- pergiereii und von ihren Mctalldmpfen, die bekanntlicli teilweise in *) Vergl. S. 7 l!d. II der Naturw. Wochenschrift. der Sonneuatmosphre vorhanden sind, ein hnliches Verhalten an genommen werden darf. Difl'raktionserscheinungen und andere nicht zu messende strende Eintisse knnen jedoch immerhin noch ziem- lich auf das Resultat der Beobachtung einwirken. r)r. M. Fragen und Antworten. 1. Gengt es, mittelst der Tab. V in Mohn's Grundzgen der Meteorologie den an einem Get'ssbarometer "290 m ber dem Meere beobachteten und auf 0" C. zurckgefhrten Luftdruck am den Meeresspiegel zu beziehen, wenn es sich darum handelt, tglich Witterungsnachrichten in einer Provinzialzeitung zu verfl'entlichen. um jedermann den ^^ergleich mit den in grsseren Zeitungen tglich erscheinenden W^etterkarten der Seewarte zu ermglichen'? 2. Welches Verfahren wenden zu der angegebenen Reduktion die au die Deutsche Seewarte berichtenden Stationen an'? 3. Ist bei den Luttdruckangaben der Deutschen Seewarte und auf den oben genannten Wetterkarten eine Reduktion auf die Normalschwere (Breite von 45") vorgenommen? Fr den ad 1. bezeichneten Zweck reicht die betreffende Tabelle aus, freilich wrde eine direkt fr die angegebene Hhe berechnete Tafel bei fterer Anwendung bequemer sein. Bei Stationen, welche in massiger Hhe liegen, gengt es, als Temperaturfaktor die mittlere jhrliche Temperatur anzuwenden, wie es von der Seewarte zu geschehen pflegt. Die Angaben von Hhenstationen werden zur Konstruktion synoptischer Karten nicht verwendet, da die Reduktion auf den Meeresspiegel bei ersteren etwas umstndlich und nicht immer ganz sicher ist. Die Schwerekorrektion ist bisher bei der Berechnung fr die sj'noptischen Karten nicht angebracht worden. Dr. W. Litteratur. 'Weiss, Ii., Beitrge znr A)ialomie der Ortiita. 1. gr. 8". (170 S. m. llhrstr,) Preis 8 JC. H, Laupp'sche Btichh. in Tbing'en. Wigand, A., Ndunilnum speciosnm W. Eine moiuigraph. Studie vollend. u. herausg. v. E. Dennert. (08 S. m. Taf.) Bibliotheca botanica. Abhandl. aus d. Gesamtgebiete der Botanik. Hrsg. v. 0. Uhlworm und F. H. Haenlein. 11. Heft. 4". Preis 12 JC. Theodor Fischer in Kassel. Willach, P., Beitrge zur Entwicklmu/ der Lunge bei Sugetieren. gr. 8". (23 S.) l'reis 1 JC 50 -j. ' Die EntU'ieklung der Krysfalllinse bei Sugetieren, gr, 8". (35 S.) l'reis 1 JC. A. W, Zickfeldt in Osterwieck. Wilsing, J., Anleit. der Itotationsben-egung d. Sonne aus Posititms- bestimnmngcn von Fackeln. (39 S.) Publikationen des astro- physikalischon Observatoriums zu Potsdam. Nr. 18. 4. Bd. 5 Stck. 4". Preis 2 ^IC. Wilhelm Flgelmann in Leipzig. "Woltersdorf, W., Unsere Kriechtiere iind Lurche. Vorlufiges Verzeichnis der Reptilien und Amphibien der l'rovinz Sachsen u. der angrenzenden Gebiete, gr. 8". (38 S.) Preis 1 JC. Tausch & Grosse in Halle. Wronsky, R., Das Intensitts-Gesetz und die Gleichartigkeit der (inalijtischen Formen in der Lehre von der Energie. Eine ele- mentare Einfhrung in die Energetik, gr. S-*. (24 S.) Preis 80 ,j. ti. llarnecker & Co. in Frankfurt a. 0. Zelisko, J., Verzeichnis der bislier in Oesterr.-Schlesien beobachteten Vgel, gr. 8". (11 S.) Preis 35 ,^. Eduard Eeitzinger in Teschen, Gegen Einsendung des Betrages (auch in Jirief' inurken) liefern irir vorstehende Werke franko). Zur liesorgung litferari.schen Bedarfes halten mir lins ftesteiis eiiipfolilen. Iterliii ^W. 4>. I>ie Kxiieditioii der ,,Natiirwi.'!)eii!-<>. w<'l4-lie wii- bcsoiKlcr xii Itoachieii bift'!!. Beilage zu Nr. 2, Band III der Naturwissenscliaftliclien Wochenschrift". 1^^^*,% namentlicli Anzeigen iiller optisclien, cliemisclien, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bdieranzeig'en finden weiteste und passendste Verbreitung-. ap~ Bemerk Hilf/ fr tlie Leser: Fr den Inhalt der Inserate sind u'ir nicht verantwortlich. Buchhandlung fr Naturwissenschaft und verwandle Fcher Berlin NW. 6, Luisenplatz 11 piiipfiplilt sirli zur Besorgung von iiaturwissfiischaCt- \\r\\cn Werken uml Zeitschriften. *( Ansichtssendungen stfiicn jidcrzfit zu Dicusti'u > lU'lnifs anhaltender Verbindung wolle man sicli mit der Firma in Knrresponflenz setzen. 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Durch den ausserordentlich n\annigfaltigen Inhalt dieser Zeitschrift w wirken von Naturwissenschaft und Technik in der Nnlzh.irinacliunK der Stoffe ,., . j , , tuelleu und materiellen Wohlseins in anschaulicher, zugleich fesselnder und belehrender Weise dargesteltt. lilnstncrte /Seituug". Ein wahrhalt gediegenes Unternehmen, das mit tliesen, l.thr,- neu iu die Hi.cheinung getreten ist. Wir empfehlen allen unseren l.esein. welche sicli fiir dit nischetl I'ra.xis interessieren, die Umschau' 113] . .jrtSLlnitte .itif d'in 1 lehiete der .in.t4e w.iiuUeii Naturwissenschaft und tech- a|s eine Quelle, aus welcher wertvolle Belehrung zu schpfen ist. Familieu-Zeitniu K y *****' von 0,7ri. ab werden angefertigt von K. Zwaeli. Kgl. Bergakademie in Berlin N., Invalidenstrasse 44. Gesteine werden angeschliffen und poliert. Notarielle Besttigung: i? f-'' r i hier wolin- bafte Kanfinann und Fabrikant B. Becker e. grosse Anzahl lobende .\ncrkeiinuiigen ber sein. Holland Rauchtabak \lOPfd frei fiir 8.70 von .\deligeii, hohen Militrs, Beam- ten aller Kategorien, Pfarrern, Leh- rern, Oiitsbesitzern etc. etc. erhalten hat, l)escheinige ich hierniit, nach- dem ich Einsicht in die Original- Zuschriften an Herrn Becker ge- nomraen habe. Seesen a. Harz, d. 10. Nov. 1885. Der Herzogl. Braunschweig. Notar (L. S.) Louis Hille. Charles Darwin nach von der Familie Darwin zur Verfgung- gestellten Portrts in Gyps modelliert von C. Lehr d. I. Auditoriumsbste, etwas ber lebensgross . . Mk. 60, lebensgross m. stenfuss 40, Die Bsten sind mit Wachsfarbe gestrichen und knnen abgewaschen werden. Photographie Darwins, Kabinettformat Mk 1,- Alleiniger Vertrieb durch ^Snfa^, ' Hermann Ki mann. Herder'sche Verlagshandlung, Freiburg Im Breisgau. Soeben ist erseliieneii uml iluieti alle Biir ,,.,, , .., .ihaiiilluiiKen zu beziehen: Krass, Dr. M., u. Dr. H. 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Der Vierteljahrspreis ist Jl 3. ; Bringegeld bei der Post l ^ extra. l JL Inserate ; Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck i!^t nur mit voll^tndiger 4^uellenangabe gesittattet. Ist Helix pomatia in Norddeutschland einheimisch? Von Prf. Di. Helix pomatia Tj., die Woinberg.s.schnecke, auch provinziell Deckelsclinecke genannt, Ist die grsste der in J )eut.scliland voikoinmenden Landsdinecken , aus- gewacli-sen durclisclinittlicli ;3 4 nn in allen drei Dimen- sionen, daher nicht wohl zu tibersehen, wo .sie vorkommt, und die einzige, welche, wenigstens an einigen Orten, als Handelsgegenstand gesammelt und versendet wird, da sie als Delikatesse, namentlich in katholischen Lndern als Fasten.speise gilt. Ihre nchsten Verwandten finden sich in Sd- und West-Europa, in Deutschland steht sie allein und weiter nach Norden findet sie bald ihre (irenze, da sie schon in dem nrdlichen Tiieil von Eng- land, ganz Schottland, ganz Norwegen mit Ausnahme von Cliristiania, in der grsseren Hlfte von Schweden (nrdlich von Upland), sowie in Russland nrdlich von Livland und Moskau nicht vorhantlen ist. In Sd- und Mitteldeutschland ist sie im allgemeinen bei'all hufig, es drfte da kaum eine Quadratmeile geben, auf der sie nicht leicht und in Mehrzahl zu finden wre, in der norddeutschen Ebene dagegen Ist sie nur da und doi't vorhanden, wohl in allen Provinzen, aber doch innerhalb jeder niu- an bestimmten einzeln zu nennenden Orten, nicht durchweg verbreitet, namentlich in Grten, Park- anlagen und berhaupt in der Nhe menschlicher Woh- nungen. Aehnlich vorhlt sich in der norddeutschen Ebene auch Helix nemoralis, indem sie hau]tschlicli in Grten und Parkanlagen, nicht in Wldern sich findet, whrend die ihr nahe verwandte, aber weiter nach Norden und weniger weit nach Sden verbreitete H. hor- tensis und in noch hherem Grade H. arbustorum elien- . 7. MartcMi.s. sowohl auf von Menschen umgeschaffenem Kulturboden als im Wald und Sumpf land voi'koinrat. Der Gedanke liegt daher nahe, dass die letzteren beiden ursprnglich, d. h. schon vor dem Menschen und unabhngig von ihm hier einheimisch seien, H. pomatia und nemoralis dagegen ihr Vorkommen in der norddeutschen Ebene nur der Einwirkung des Menschen verdanken. Betreffs der H. po- matia darf man namentlich daran denken, dass sie vor der Reformation als Fastenspeise eingefhrt worden sei und von den Klostergrten aus sich verbreitet habe. Fr die nrdlichen Nachbarlnder Deutschlands, von den russischen Ostseeprovinzen bis England, liegen hie- ir deutlichere Hinweise und l'eberlieferungen vor, als fr Norddeutschland selbst. Dir Vorkommen ist dort noch mehr zerstreut und vereinzelt, auf Schlossgrten u. dgl. beschrnkt; fr Kurland hob schon Schrenk 1848 hervor, dass sie besonders in der Nachbarschaft frhei'er Klster" vorkomme, dasselbe besttigt mir der Akademiker Dr. Friedrich Schmidt fr die Insel Oesel; fr die Gegend von Riga findet sich bei Berg 1874 die Angabe, dass sie frher in mehreren Parks recht zahlreich gewesen und von Herzog Peter (176995) dahin verpflanzt worden sei; auch Karl Koch (1843) und Gerstfeld 18.59 nehmen an, dass sie in den rus- sischen Ostseeprovinzen eingefhrt sei. Auf der Insel Bornholm fand sie Penisen (1844) in Grten und sagt, dass sie vor etwa 20 .lahren von Kopenhagen iier ein- gefhrt worden sei. In Schweden soll sie nach Wik- strm von Knig Friedlich I (reg. 1720 1742) aus Deutschland nach Stocklioliii verpflanzt worden sein 18 Natm-wissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. 3. (Westerland iSvci-iyes laiuliiiulliiskcr 185 Seite 59). Nilsson kannte sie 1822 ausser von vStockholni nur noch ans dem hotanisehen Garten von Lund und einigen (jrten vornehmer Minier in Hclionen; extra liortos nullibi apud nos" fgt er ausdrcklich hinzu; dasselbe besttigen im Wesentlichen Malm (18.51, mit Einer Aus- nalnnc, und 1855), Hartman 1867 und AVesterlund in seinen verschiedenen 8chi'iften; auf der Insel Got- land wurde sie von Lindstrom 1868 nicht gefunden. In Dnemark kannte sie 0. l'r. Mller 1774 nur aus dem Garten des Fruleinstifts der alten Hauptstadt Roeskilde und von den Wllen l\openhagens nnd er setzt ausdrcklich hinzu, dass sie dort zu seinei- Zeit im Winter gosannnelt und von den Vornehmeren gegessen werde; Mrch fgt 1864 nin' hiuzu, dass sie in den meisten Herrengi'ten und sicher wohl bei allen friUieren Klstern im ganzen Lande vorkomme. In h^ngland gehen die Ansichten der conchyliologischen Schriftsteller auseinander; der lteste, Martin Lister, 1678, giebt keinen Anhaltspunkt, weder dafr, noch dagegen, die nchstfolgenden aber, D'Acosta 1778 und Montagu 1803, halten sie entschieden fr eingefhrt, und geben an, der erstere ansfhilicher, dass sie um die Mitte des vorhergehenden .lahrhunderts (des siebzehnten) du)-ch den Jjebemann Charles Howard aus Italien in die Grafschaft Surrey, sdlich von London, vei'ptianzt worden sei, nennen auch noch andere Herren, die sie mit mehr oder weniger Eifolg weiter verbreitet htten; dasselbe wiederholt auch G. Johns ton in seiner Einleitung zur Conchyliologie (1851 bersetzt von Bronn 1853. S. 41), indem er zugleich aus alten Kochbchern nachweist, dass auch in England frher Helix pomatia auf die Tafeln kam. Die neueren Spezialisten dagegen, Forbes und llanley 1853 und Gwyn Jeffreys 1862 be- ti-aehten hei-e.instimmend Helix pomatia als ursprnglich einheimisch in den sdlichen Kreidegegenden hhiglands; die Grnde, welche sie antlncn, wenden sich aber nur gegen die Annahme einer lOinfhrung durch die Rmer, indem sie her\-orheben, dass sie an manchen i'ten fehle, die als rmische Niederlassungen bedeutend waren, wie z. r. Wroxeter, York u. a., und dass in Mittelitalien llelix pomatia nicht voikomme. Entscheidend sind diese h^inwendungen nicht, da die Schnecke auch aus Ober- italien oder Gallien, wo H. pomatia lebt, konnte ein- gefhrt werden nnd sehr wohl die Veisuche an klimatisch gnstigen Stellen gelingen, an anderen miss- lingen konnten, wie wir auch heutzutage absichtliche Akklimatisierungsversuche mit derselben Art an einem Orte mit, an einem andern ohne h]rfolg gemacht sehen. Wenn auch die (einzelnen Daten noch viel zu wihischen bi'ig lassen, so bleibt doch aus dm' Zusammenfassung der russischen, skandinavischen und englischen Angaben der (Jesamteindruck dei- Wahrscheinlichkeit fr ab-;i(;lit- liche J^jinfhrung oder wenigstens wesi>ntliche Verbreitung duicli Menschen zurck. i'^r Nnrddeutschland wiiil die iMitscJunduni:' dadurch noch viel scliwieriger, dass hier ein breitei' Ijandeszusammenhang mit dem Gebiet zweifellos ein- heimischen Vorkommens liesteht und die Ueberlieferung viel sprlicher ist; das h]inzige, was dem LTnterzeichneten bekannt -geworden, ist die Mitteilung von E. Boll (Archiv des Vei'eins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Heft 4, S. 51, S. 57): Mndlichen ,.lTeberlieferungen zufolge soll diese essbare und frher viel als Delikatesse verspeiste Schnecke nicht ein- heimisch, sondern eingefhrt sein. Bestimmt erwiesen ist dies aber nur fr Ludwigslust, wo sie erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im heizoglichen Kchengarten ausgesetzt ist; in jenem (i arten ist sie ,.jetzt zwar wieder versciiwunden , aber einzelne ihrer Nachkommen halten sich noch in dem anstossenden Schlossgarten auf. Jetzt wird weder diese Art noch irgendeine andere einheimische in Mecklenburg gegessen." Als Beispiele aus unserer nhei-en LTmgebung fr das Vorkommen an Stellen frherer Ivlster mge hier aus eigener Erfahi'ung erwhnt werden, dass zwischen 1850 und 18G0 die Berliner Naturforscher, wenn sie Helix pomatia haben wollten, eine Exkursion nach Weissensee machten, das eine alte Klosterstelle ist, sowie, dass diese ScluKH'ke hulig in dem alten Garten des Klosters Chorin (zwischen Eberswalde und Angermnde) lebt und auch bei Ijchnin gefunden worden ist; ferner die Angabe 0. Reinhardts in den Abhandl. d. ualurwiss. Vereins in Magdeburg", Heft 6, 1S74, S. 27, wonach sie in un- mittelbarer Nhe Magdeburgs nicht gesehen wurde, aber ein Exemi)lar bei einem Bau in der Margarethenstrasse daselbst mehrere Fnss tief in der Erde gefunden wurde, wo in fniherer Zeit ein Kloster gestanden. Aehnliche B.eispiele mgen anderswo sicli finden. Zunchst ergiebt sieh abei' daraus doch nur, dass Helix pomatia in den Ivlostergrten gehegt wurde, noch nicht, dass sie erst durch die Mnche eingefhrt worden ist. Das Vorkommen vorzugsweise bis ausschliesslich in Grten und bei alten Wohnsttten, namentlich Schlssern, lsst sieh von Bremen bis Knigsberg in den bezglichen Molluskenvei'zeichnissen verfolgen (s. Bordier ding, Abhandl. d. naturw. Vereins in BieuKMi, VIH, 1883 und Kleeberg, dissert. 1828 ,, extra hoi'tos in Pjomssia orientali nullibi vidi"), aber auch dieses lsst sich auf doiipelte, einander entgegen- gesetzte Weist! erklren. h]inerseits kann man annehmen, dass der Mensch sie in seine Ansiedlungen gebracht habe, andererseits dai'f man nicht ve)'gessen, dass eine Tier- oder Pflanzenart an ihrer klimatischen Verbreitungsgrenze fters nicht, im einzelnen wohl nie, in einer zusammen- hng(Miden Linie abbricht, sondern sozusagen weit zei-- streute natinliche Voi'posten hat, eben da, wo besonders gnstige, rtlich beschinkte Umstnde ihr den Ivampf uuN Dasein gi'gcn das Klima, in unserem Fall wohl si)eciell geg(>n die Winterklle, erleichtern (bei mtihreren neueren .\kldiuiatisatii)usversiicheu wird berichtet, dass dii' Schneel'n den nciisteu Winter nicht, hi'riclit'en), und solrhe iiii.vliij'e ( )eril;('hlc"iti'n haben <'bcii auch die Nr. 3. Natai-wissenschaftliche Wochenschfift. 19 Mensdicii bevorzu,;,''!, iiamcntlicli die (IiiuIit mhi Klstern und 8(dd8sem. Aber auch niclit berall in Norddeutscliland trifft die Regel zu, dass sie nur in niiclistei' Niihe nienscli- liclier Wohnungen voikomme; schon Kleeberg hat 1828 l)emerkt, dass sie wohl in Ostpreussen nie ausserhalb der Gallen, aber in Westpreussen in Wldern vorkomme; dasselbe besttigt Hens che 1861 und Dr. Aur. Krause schreibt mir in J5ezug auf Berlinchen in der Neumark, dass sie dort im Umkreis von ca. 2 Meilen sehr verbreitet sei, an Seen und Wiesenufern, auf Aeckern und von Laub- wald umschlossenen Gemsefeldern ebenso bei Hiom- berg in den mit Laubwald bestandenen schluchtenreichen Abhngen der ferwnde des Weichseithaies und des alten diluvialen Stromthaies, das jetzt von der Brahe und dem liiombeiger Kanal durchzogen wird. Auch in den Kalksteinbrchen von Edeisdoif ist sie nicht selten. Sie scheint denmach in Norddeutschland, als an der Grenze ihrei' Verbreitung befindlich, whleiischer in Beziehung auf den Boden zu sein, als in Mittel- und Sddeutschland; Sand und Kiefernwlder meidet sie, aber im Laubholz und auf Kalkboden ist sie zu finden, mag das nun iln- von der Natui- oder von den Menschen (Paikanlagen, Mauern mit Kalkmitel) geboten werden. Entscheidend gegen die Einfhrung durch Mnche (oder Ivmer) wrde es sein, wenn sich die Sc'lmecke in vorgeschichtlichen Fundsttten oder geologischen Ab- lagerungen nachweisen Hesse. Sandberger (Land- und Sssw.-Conch. der Vorwelt, ISVO 75, S. 852 und 927) nennt H. ponuitia aus Mittel- und Ober-Pleistocn-Schich- ten in Schwaben und Thiingen, gleichzeitig mit dem Mammut, aber nicht aus dem Diluvium der norddeutschen Ebene und auch seitdem ist sie daselbst meines Wissens weder mit menschlichen Uebeiresten aus vorgeschicht- licher Zeit, noch unabhngig davon gefunden worden nur im Moselthal des sdlichen Belgien, Provinz Namur (Zeitschr. d. geol. Gesellsch., 1880, S. 508). Sie ist also hchst wahrscheinlich in Norddeutschland spter auf- getreten als in Mittel- und Sddei-.tschland, spter als die circumpolare, d. h. mit Nordamerika und Sibirien gemeinsame Tierwelt, zu welcher Br, Wolf, Fuchs und Vielfrass, Mammut, Elch und Wisent, sowie viele unserer Ssswasserschnecken (Limnaea, Physa, Paludina) und kleinen Landschnecken (z. B. Helix pulchella, ruderata, Cionclla lubrica, Pupa muscorum, Vitrina) gehren. Damit stimmt auch, dass Ilelix pomatia mit den ihr nchst- verwandten Arten eine Amerika fiemde, auf]MitteI- und Sd-Europa nebst Vorderasien beschrnkte Gruppe oder Untergattung (l^omatia) bildet, also fr Deutschland im ganzen eine sdliche. Wann die ersten in die noid- deutsche Ebene herabgekommen, ob vor oder nach Varus, Karl dem Grossen oder dem heiligen Ansgar, ob durch die Strme bei TTocliwasser lebende Tiere oder entwickelungs- fhige Eier liei'ab- und angeschwemmt (wie Helix silvatica vom Jura lngs des Rheins bis Karlsruhe und Worms, H. villosa von den bayerischen Al[)en lngs der liier und des Lechs bis Ulm und Augsburg) oder von Menschen absichtlich eingefhrt, ob das eine uYid das andere, das lsst sich nach dem gegenwrtigen Stand unserer Kennt- nisse nicht mit Sicherheit entscheiden; fr die Schnecke selbst war das eine ein Zufall wie das andere, sie siedelte sich an und dehnte damit ihi'eu Verbreitungskreis ans, wo sie in hinreichender Individuenzalil, auf welche Weise es auch sei, hingelangt und hinreichend gnstige Verhlt- nisse im ganzen, eins ins andere gerechnet, gefunden um sich erhalten und vermehren zu knnen. Das ist im allgemeinen die Verbreitungsweise der Tier- und Pflanzen- arten und die Wahrscheinlichkeit spricht dafr, dass die Menschen, beziehungsweise namentlich die Mnche im eigenen Interesse ihr dabei an manchen Ort(Mi wesentlich geholfen haben. Die Bedeutung der Steinkrper im Fruchtfleische der Birnen. Von Dr. Um Heim Verspeisen von Birnen fallen im Frucht- fleische kleine, harte, steinartige Krpeichen auf, die je nach der Sorte des Obstes in grsserer odei' ge- ringerer Menge im Fleische zei'streut sich voriindeiu Jedes dieser Krperclien besteht aus mehreren Zellen, welche verhltnismssig staike, von Kanlen durchsetzte Wandungen besitzen; sie werden Steinzellen genannt. Die Steinzellen finden sich nicht in den Birnen allein, sondern sind im Pflanzenreich sehr verbreitet; sie treten vorzugsweise als die Elementarbestandteile solcher Gewebe auf, die dazu dienen, gewissen Pflanzenteilen Festigkeit zu verleihen und benachbarte empfindliche Gewebe gegen us- sere strende mechanische Einflsse zu schtzen. Auch die Zellen, aus denen die tierischen Knochen bestehen, zeigen dicke ^^nde mit radial verlaufenden Kanlen und auch sie sind bekanntlich die Festigungs\orrichtungen im ry I'utonic. tierischen Krper. Kui'z, in vielen Fllen liaiien bei den Pflanzen die Steinzellengewebe wie bei den Tieren die Knochenzellen mechanische h'unktion. Es ist dies unverkennbar in den Fllen, wo die Steinzellen Strnge in lnglichen Organen zusammensetzen, namentlich Leit- bndel begleitend, und ebenso da, wo sie, wie z. 15. bei der Pflaume, die harte Kernschicht bilden, v\elche dem Samen Schutz verleiht; aber wenn sie nur zu we- nigen vereinigt kleine, steinartige, untereinander unver- bundene Kiperchen darstellen, wie im Fruclitfleisch der Birne, in der Rinde und in den Markstrahlen u. s. w. mancher Laubbume, so kann von einer mechanischen Funktion wohl kaum noch die Rede sein. Um einen Vei'gleicli anzuwenden: die Steinkrperc'hen tragen dann ebensowenig zur Festigkeit der Teile, in denen sie; sich voifinden, bei, wie Felsstcke ohne starre Verbindung 20 Natui-wissenscliaftliclie Wochenschrift. Nr. 3. einem feinkrnigen Sandiiaufen gisseien Halt zu ge- whren vermgen. Knnen wir nun auch im allgemeinen ber die Funktion von unverbundenen, in Pflanzengeweben zer- streuten Steinkri)ei'n nichts aussagen, so scheint mir doch, dass sich im besonderen fr die Elemente in der Birnenfruclit eine Ansicht aus der Betrachtung gewisser Thatsachen ziemlich von selbst ergiebt: nmlich die, dass die im Fruchtfleische der kultivierten und ver- wilderten Birnensorten vorkommenden Zell- haufen die Kudimente einer bei den Voifahren unserer Birnen vorhanden gewesenen Steinhlle sind, welche letztere ebenso zum Schutze der Samen diente, wie in anderen Fllen noch jetzt die um Samen entwickelten Steinschichten z. B. bei der Pflaume oder Linka Lngsscbnitt durch eine Kochbirne, viele Steinkrperchen im Innern zeigend, reclits Lngsscbnitt durch die Frucbt eines wilden resp. ver- wilderten Birnbaumes mit einer liarten, kontinuierlichen Schielit aus Steinkrperchen um das Kernhaus herum. Uez. v. E. Raatz. der der Birne verwandteren Mispel, deren Frucht be- kanntlich fnf Steine enthlt. Dies an der Hand von Thatsachen zu rechtfertigen, ist die Aufgabe dieser Zeilen. Ausser der schon erwhnten Uebereinstimmung im anatomischen Bau der Steinkorper und der die Samen schtzenden Steinschicht bei Frchten anderer Pflanzen spricht fr unsere Auffassung die Anordnung der Stein- krperchen in dem Fruchtfleische. Achtet man auf die- selbe in den verschiedenen Biinenrassen, so findet man, dass die Steinkrper keineswegs gleichmssig durch das ganze Fruchtfleisch verteilt sind, sondern vielmehr vor- zugsweise in einer konzentiisch das Kernhaus umgeben- den Zone Platz greifen, whrend nach der Peripherie hin die Zahl der Krperchen bedeutend abnimmt. Sie sind also da am icichliclistcn vertreten, wo wir die kon- tinuierliche Steinschicht erwarten wrden, wenn wir uns die Birnenfrucht, die man botanisch zweckmssig zu den Beeren rechnet*), in eine iSteinfrucht, Drupa, verwandelt denken. Vergleichen wir nun daraufhin die Kulturbirnen mit den Frchten der nicht kultivierten, nicht unter menschlichem Schutze wachsenden Birnen, den Holz- birnen, so knnen wir eine Formenreilie von Frchten aufstellen, welche von dem einen Extrem mit nur ganz wenigen Krperchen in der um das Kernhaus sich her- umziehenden Zone hindurchgeht durch verschiedene Stadien bis zu einer Frucht, die in der nmlichen Zone so dicht mit Steinkrperchen besetzt ist, dass diese sich gegenseitig berhren und nach dem Austrocknen der Frucht so fest aneinander haften, dass auch das schrfste Messer die Zone nicht durchzuschneiden vermag. Vergl. zu dem Gesagten die Abbildungen. So wenigstens ver- halten sich z. B. die Frchte eines von mir zwischen Chorin und Oderberg in der Mark Brandenburg beobachteten Birnbaumes, die am besten mit der Laubsge geffnet werden. Es wre nicht unmglich, dass die sicher wilden IMinbume alle auch noch heute eine solche oder eine hnliche Drupa besitzen. Um das Vaterland des Birn- baumes wird nmlich noch immer gestritten: einerseits wird behauptet, wie z. B. von K. Koch in seiner Dendi'ologie**), dass die in den europischen Wldern vorkommenden Birnen aus den Samen von Kulturrassen verwildert seien, andererseits glaubt man, dass diese den Holzbirnen entstammen. Wie es sich mit den in anderen Weltteilen vorkommenden Birnen verhlt, ist mit Sicher- heit ebenfalls noch nicht ausgemacht. Nach der ersten Anschauung wren die Holzbirnen Rckschlge zu den Stammeltern, und hierfr spricht die Erfahrung, dass nur ganz wenige Prozente von Aussaat(in aus guten Essbirnen wieder gutes Obst liefern. W.Hof- meister sagt in seiner allgemeinen Morpholog-ie der Gewchse***): Zu 50 60 aus Kernen der besten Sorten durch meinen Vater gezogene Aepfel und Birnen haben nur Holzpfel und Holzbirnen gebracht." Nun ist es aber sehr begreiflich, dass Rckschlge sich gewissen Urformen mehr oder minder nhern werden, ohne jedoch die Gestaltung derselben vollstndig zu erreichen; wir knnen daher vermuten, dass die durch Aussaaten gut^r Kultursamen erzielten Holzbirnen sich einer Urform mit einer hypothetischen Drupa nhern, die erst bei den Nachkommen, sei es durch die Kultur oder aus anderen (i runden, verloren gegangen ist. l^'r die andere Ansicht, nmlich dass auch in Europa die ]5irne wild sei, spricht nun aber die That- sache, dass sie in manchen Gegenden so hufig und so abgelegen sich vorfindet, dass an Verwilderung nicht gut gedacht werden kann. Nach P. Aschersonf) ver- *) Vergl. meine Elemente der Botanik' (V'erlag von Julius Sprinufer in Berlin) S. 25 resp. Illustrierte Flora von Nord- und Mitteldi'iitschland . . ." S. AuH., S. 19. *) Bd. I. Verlag- v. Enke Erlangen, 1809. S. 215. ***) Verlag v. Engelmann. Leipzig. 1809. S. 561. f) Flora der l'rovinz Brandenburg." Bd. I. Hirschwald's Ver- lag. Berlin, 1864. S. 206. Nr. 3. Naturwissenscliaftliclie Wocliensclii-ift. 21 hlt es sich so in der Neumark, wo die Holz- oder Kndelbiine so hufig ist, dass namentlich die Gegend zwischen Zielenzig und Scliermeisel spottweise Kndelland genannt wird. Diese Frchte, scheinen ebenso oder doch hnlich wie die bei Oderberg beobachteten gebaut zu sein. Aus alledem geht hervor, dass die bei uns vor- kommenden Birnen wahrscheinlich zum Teil verwildert und zum Teil wii'klich wild sind, und zwar werden die- jenigen Pflanzen, welche Biinen bringen, die mehi' den kultivii'ten Frchten hnlich sind, verwildert sein, Avhrend die Birnen, welche um das Kernhaus herum eine so stark entwickelte Steinschicht aufweisen, dass diese wie die harte Schicht einer Drupa funktioniien kann, von wilden Pflanzen abstammen. Schliesslich wird unsere Ansiclit durch die Homologie untersttzt, dass die nchstverwandten Gattungen der Birne wirklich Steinfrchte besitzen, und zwar ist ent- weder, wie bei der Mispel, jedes Fruchtfach von einer Steinschicht fr sich umgeben, so dass mehrere getrennte Kerne voi'handen sind; oder es findet sich in der Frucht durch Verschmelzung der Steinschichten untereinander nur ein einziger Kein, wie bei einigen Weissdornarten ; oder endlich es wird das ganze Kernhaus von einer gemeinsamen Steinschieht umschlossen, wie es hier fr die Urbirne angenommen wird, und diesen Fall zeigen z. B. die Frchte der ostindischen Gattung Stranvaesia. Wichtig ist es nun, dass sich auch fr die pei'gamentai'tige innerste Schicht der Fruchtfcher der Birnen homologe Schichten nachweisen lassen, welche die innei'en Flchen der Fruchtfcher dei- Mispel, des Weissdorns und von Stranvaesia bekleiden; sie bestehen in allen Fllen aus dickwandigen, gestreckten Zellen, whrend, wie schon gesagt, die reichlicher entwickelte ussere Schicht des Kernes aus genau denselben Zellen zusammengesetzt ist, wie die der Steinkorper im Fleiclie der Birnen. Die Bedeutung der Steinkrperchen , die wir so speziell fr die Biine wahrscheinlich gemacht zu haben glauben, lsst sich ungezwungen auf alle apfelfrchtigen Pflanzen, Pomaceen, sowie bei'liaupt auf alle diejenigen Pflanzen bertragen, die im Fruchtfleische Steinki-per besitzen. Nach .Jh. Decaisne's Fassung der Gattung Pyrus*) wren es alle hierhin gehrigen Arten, fr welche die von mir entwickelte Ansicht Geltung bessse. Auch die (Quitte u. s. w. gehrt hieiher. Die Anordnung der Steinkrper ist immer dieselbe, wie die vorhin bei der Birne angegebene. Ja, das knigliche Herbarium zu Berlin besitzt ein von Weidemann von der Westkste des Kaspischen Meeres mitgebi-achtes Exemplar einer(^uitte, dessen Frchte analog denen der bei Oderberg gesammelten vorerwhnten Birne gebaut sind : um das Kernhaus findet sich eine aus dicht gedrngten Steinki'pern bestehende Schicht, die ihi-er- seits von einer verhltnismssig schwach entwickelten Fleischschicht umgeben ist. Bemerkt muss allerdings werden, dass ich sowohl Birnen als auch Quitten mit durch das ganze Fruchtfleisch fast gleichmssig durch- setzten Steinkrpern gesehen habe; in allen Fllen abi-r sind die Krper nach dem Zentrum zu gehufter. Von anderen Pflanzen, auf welche wir die obige Deutung der Steinkiperchen bertragen knnen, er- whne ich beispielsweise gewisse beerenfrchtige Arten aus der Familie der Oleaceen im engeren Sinne, die ebenfalls im Fruchtfleische Steinkrper aufweisen, und es verdient besonders bemerkt zu werden, dass auch die Frchte der Oleaceen wie die der Pomaceen Beeren oder Drupen sind.**) *) ,3Iemoire siir la t'ainille des Pomacees" in den Nouvelles Archives du Musenm d'Histoire Naturelle de Paris". 1875 S. 150. **) Verg^l. auch meine Mitteilung ber denselben Gegenstand in der von Dr Ernst Krause lieransgegebenen Zeitschrift Kosmos", IV. Jahrg. Kleinere Mitteilungen. Von liciher l)ygieini.';c]ior Bedeutung ist ein Verfahren Stoffe wasserdicht zu machen, ohne dass dadurch die Durchlssigkeit derselben fr Luft verloren geht. So- bald nUmlich die wasserdichten Stoffe ihre Porositt eingebilsst haben, wirkt die Kleidung ans dem Grunde nachteilig auf den Krper ein, weil dann die Ausdnstung des von der Haut ausgeschiedenen Wasserdanipfes behindert bleibt, sich infolge dessen die Haut mit Schweiss bedeckt und der Krper hierdurch in die nmlichen Ver- bltnisse versetzt wird, als ob er sich in einem kontinuierlichen warmen Dampfwasserbade befinde. Folgendes Verfahren hat sich nach angestellten Versuchen fr das Pors-wasserdichtmaohen der Stoffe als recht zweckmassig erwiesen : A. Imprgnation der wollenen Gewebe: 1) mit l^/niger essigsaurer Thonerde. Die ImprgnationsHssigkeit wird frisch bereitet aus 20 ;; kristallisiertem Allaun auf 1 / Wasser, 26^ Blei- zucker auf 1 l Wasser. Jlan mischt beide Lsungen, lsst den unter Umschttelu sich bildenden weissen Niederschlag vom sclnvefel- sauerm Blei sicli absetzen und filtriert die darber stehende Lsung ab. In dem Filtrat koclit man entweder eine Viertelstunde lang das zu imprgnierende Tuch nsp. Kleidungsstck, oder trgt die heisse Losung auf das Tuch bis zur vollstndigen Durclitinkung desselben auf. Das durchnsste Tuch wird in einem gut ventilierten Rume zum tnjcknen aufgehngt. Das Austrocknen muss so lange andauern bis der Stoft' nicht mehr sauer nach essigsaurer Thonerde riecht, zu welchem Zeitpunkte der stattfindende Fixationsprozess beendet ist. Das sauere Thonerdesalz wird dabei durch Abspaltung von Essigsure, welche in die Luft entweicht, in eine basische, in Wasser unlsliche essigsaure Thonerde verwandelt, durch deren Vor- handensein auf dem imprgnierten Gewebe die Adhsion der Ge- websfaser zum Wasser verhindert wird, ohne dass dabei deren Elastizitt und Festigkeit eine Beeintrchtigung erleidet. Das Trocknen darf nicht in einer Temperatur ber + 30 " R vor .sich gehen, weil sonst eine Umwandlung der ImprgnationsHssigkeit in Aceton. Kohlensure und Thonerde (Aluminiumoxyd) erfolgt, welche letztere als staubiges Pulver zurckbleibt. Der Reduktions- prozess geht in diesem Falle nach folgender Formel vor sieh: (C H a\ \ Ofi =^ AI O3 -I- 3 (C3 He 0) + 3 COo . ^^-i "3 V^c ) (Aceton) (Essigsauie Thonenle) Nach dem Trocknen wird das Tuch gerollt oder mit einem Bgel- eisen geglttet, um demselben wieder ein gutes Aussehen zu geben. 2) Sehr zweckmssig ist es, den zuvor mit essigsaurer Thonerde imprgnierten Stoff nachher noch mit einer dnnen Leimlsnng zu trnken. Hierzu empfiehlt sich eine Auflsung von guter, glas- heller Gelatine (1:400 Wasser); weniger gut ist die Verwendung einer Lsung von Hausenhlase (1 : 6U0 Wasser). Diese Lsung wird gleichfalls heiss auf das Tuch aufgetragen, jedoch nur ober- lichlich, so dass dasselbe nur damit Iienetzt wird. lerauf hngt man den Stoff zum Trocknen auf; schliesslich wird derselbe gerollt oder gebgelt. Auf diese Weise erhlt der Stoft' einen schnen Glanz wie neues Tuch mit guter Appretur. 22 Natiu-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. H. liniiriignation st"'''''""'"^'' ""'1 Iiaiifener Gewebe. Zwei VerfaliHMi eiiipfelilen sich: a) Man inipragiiieit mit eiiior zweiprnzentigen Liisung von essigsaurer Thonerde (siilie A) allein, oder lilsst daranf eine Imbibitiun mit Gelatinelsung (1:400 Wasser) naeJifolgen. b) Besser ist eine Beizung des .Stottes mit einer heissen zwei prozen tigen wsserigen Alaun - lsung whrend der Dauer von 15 Jlinuteu. woran sieh ein AIi- spiilen in Wasser ansehliesst. Darauf wird der Stoff 15 llinuteu lang in eine heisse Autlsung von Natronsit'e (.3:100 Was^ei') eingetaueht, hernach in reinem Wasser abgesplt, getrocknet und gerollt. Das geschilderte Verfahren ist leicht auszufhren und kann hvgieinischerseits dem Publikum sehr empfohlen werden,' Dr. L. S. Betreffs der Verbreitung und der biologischen Ver- hltnisse des Steppenhuhns , Syrrhaptes paradoxus, machte Dr. R. Blasius auf der letzten Geiier;ilversaninilung der All- gemeinen Deutschen Ornithologiscben tlesellscliaft zu Berlin (12. bis 14. September 18S8) anziehende Mitteilungen. Prof. Altum und Dr. Reichenow lieferten dazu aus dem Schatze ihrer Erfahrungen und Ermittlungen Beitrge. Inzwischen ist in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Bd. TU. Seite 4 und 5 eine Abhandlung ber diesen Gegen- stand von Dr. Ernst Schaff erschienen, welclie durch die Ergebnisse der Forschungen der genannten Ornithologen zu er- gnzen nnd zu berichtigen ist. Nach Blasius wurde das Steppcn- buhn auch im ussersten Sd-Osten Europas beobaiditet. ninlieh bereits am 20. Slrz in ungeheurer Jlenge bei Astrachan nnd :iiu :_!. April im sdlichen Uralgebiet im G(uivernenient Ufa. Di r Hauptzng ging von der Jlitte April an von Galizien. Siebenbrgen. Ungarn und Pcden aus durcli Nord- und Jitteldeiitschland. In chi- zweiten Wocdn' des ISIai erschienen Steppenhhner in Holland, Belgien und Nord-Frankreicli. Anfang Mai wurden sie vereinzelt auch in Sd-Deutscliland und im Pjlsass gesehen. In England nnd Schottland weit verbreitet kamen sie nicht nur bis zu den Drkiu'.v- sondern auch bis zu den Shetlands-Inseln (27. Wai). Bei Helsing- fors erschienen sie am Ki. , bei Stockholm am 18. und bei Bergen in Norwegen am 28. Mai. Die Gebirge schienen sie zu meiden; so z. 1^ zogen sie um die Karpathen herum. Die in Italien beobachteten Steppenhhuer sollen einem kleinen abgezweigten Zuge angehren, der ans der Gegend der Karpathen kam, am 24. April in der Lombardei nnd am 15. Mai bei Civita Vecchia sich zeigte. Auch in Spanien traten Steppenhhuer auf, nn)li(di an der Ostkste an der Albnfera-JIndung; wahrscheiulicli waren dieselben von Italien herbergekommen. Dass sie bei ihren Zgen bers Jleer zuweilen in dieses fallen nnd ertrinken, beweisen Flle, die anf der Ostsee beobachtet wurden. Dr. Reichenow meint, da.ss sie bei ihrem Zuge nach Westen im atlantischen Oeeau umkommen wrden. Jlir Flug ist zwar ausserordentlich schnell, mit ihren lang zugesjiitzten Flgeln durchschneiden sie die Luft; aber sie sind niidit ausdaueriul. In Ostprenssen, auf Wangerow, stri(dien die .Steppenbhner Ende August in Volkern umher, haben si(di dort also lnger auf- gehalten. Darber, dass die Steppenhhuer bei uns gebrtet htten , ist den Orinthologen nichts bekannt geworden. Alle gemeldeten Vor- kommnisse von Pjiern und .jungen Tieren beruhten auf Irrtmern oder Verwechslungen mit dem Wachtelknig, Crrx pratensis, oder dem Rebhuhn, l'erdix cinerea. Die lleinnit des Syrrhaptes ist stlich von der Gegend, wo die fremden Vgel sich im Mrz nnd Anfang April zuerst zeigten, nndi(di in den Wsten niul Steppen Gentral-Asiens, von der Kir- gisensteppe bis tief in die Mongolei hinein. H. J. Kolbe. l'eber eine bemerken.swei'te physiologische Wirkung von Gymnena sylvestre, einer in Indien nnd auf dem afrikanis(dien ('(intiiieut verkoniinendeu Asidepiadacee, berichtet B. Berthold (ct. Cbeni. Centralbl. 1888, S. 1071). Durcli Kauen der Blattei-, welche anfnglicli bitterlich adstringierend , spter schwach sauer sclime(dien, gidit das Unterscheidungsvermgen der Zunge fr Sss und Bittir vollstndig verloren. Die Wirkung ist so stark, dass z. B. Zucker nnd (Jluniii nicht midir iinters(diieden werden knnen Erst nacdi 1 2 Stunden stellt sich die uorinale (jescliniacksem]itin- dung wieder ein. Die Ursache der Wirkung soll die in den Blttern verbreitete, der t'brysophansure hnliche Gyninenin- RiUire .sein. Dr. M. 13. Eeblausbeobachtungen. Einer der geschicktesten und grndlichsten Reblaiisbeobaehter, der Realschnbdieriehrer Dr. Kessler in Ka.ssel, verffentlichte vor kurzem in einer Bru.schre Nene Beob- achtungen an der Reblaus. Kassel 1888", die Ergebnisse seiner im vorigen Spls(immer anf Veranlassung des Herrn Ministers der landwiilschiifiliclien Angelegenheiten zu JJnz a. Rh. angestellten Untersuchungen und ergnzt dadurch wesentlich seine in den Vor- jahren gemachten Bebachtiiugen. Nachdem als einleitende Bemerkungen die Art und Weise dar- gelegt worden ist. wie die Reblaus auf ihre Nilhrpflanze, den Wein- stock. einwirkt, wie dadurch Verwundungen Viezw Missbildungeu an den Wurzeln entstehen, die sich weiter entwickeln und an Um- fang zunehmen, wird dargelegt und bewiesen, dass die Reblaus au den lteren der vorhandenen Wundstellen. den Tiiberositten, in der tierischen Form berwintert, nicht als Ei. Sie bleibt bei be- ginnender Vegetation im Frhjahr au ihrem Ueberwinterungsort, geht nicht etwa au andere Wnrzelteile. An eben dieser Stelle setzt sie ihre Eier ab und stirbt auch hier. Die aus diesen Eiern her- vorgehenden jungen Tiere bleiben entweder ebenfalls an diesem Orte und vergrsseru dadurch den kranken Wurzelteil oder sie suchen die Anfnge neuer Wurzeln auf nnd verbreiten auf diese Weise die Krankheit im Laufe der Jahre ber einen grossen ode'r den grssten Teil des Wnrzehverkes an ein und derselben Pffanze. Whrend eines Jahres folgt durchschnittlich alle drei WcK-hen eine neue Generation von Tieren den vorhergegangenen. Alle diese Erscheinungen werden durch zahlreiche Beobachtuiigs- beispiele und angestellte Versuche erhrtet. Insbesondere sind die Beobachtungen und Untersuchungen ber die im Nachsommer und Herbste auftretenden Nymphen nnd geffgelten Tiere ausfhrlich behandelt, wodurch nachgewiesen wird, dass keine Form der Reblaus, weder die ungetlgelte. noch die Nymphe und geflgelte Form von der Natur zum Wandern, also zum Verbreiten der Wurzelkrankheit an andere Orte eingerichtet ist. Daran schliesst sich der Nachweis dafr, dass der nachteilige Pjiiifluss der Reblaus auf den Weinstock, eben weil sie niidit wandern kann, erst nach einer Reihe von .lahren bemerkbar wird. .\uf(iruud dieser Beohachtungsresultate wird dann die jetzt noch fast allgeinein geltende TheiJiie ber das Wandern der Reblaus al.s eine gnzlich irrige nachgewiesen und zwar durch specielle Besprechung einer Abhandlung von Dr. L. Roesler in den Aunalen der Oeiudogie (4 Bd., 4. Heft) und eines Briefes des (jetzt verstorbenen) Entomo- logen .1. Lichtenstein in Montpellier an den Verfasser. Als .Schluss giebt Verfasser noch ein .Beispiel dafr, dass mau auch in Frankreich durch genaueres Studium der Reblaus in jngster Zeit dahin gekiuumen ist, Ansichten, welche bislang fr unanfechtbar gehalten, als falsche zu erkennen. So besttigt Donnadieu in ]\Ioutpellier auf Gruml wieder- holter genauer Beobachtungen Kessler's von viu'iihereiu gehabte und geusserte Vermutung, dass die vielfach verbreitete Ansicht, die Phylloxera vastatrix verursache neben den ^lissbildungen an den Wurzeln (Nodositten und Tiiberositten) auch noch auf den Blttern amerikanischer Reben Gallen, eine irrige sei. Er weist nach, dass man bisher zwei Arten von Phylloxera in eine einzige zusammen- geworfen habe, nmlich die wurzelbewohnende Phylloxera vastatrix nnd die auf den Blttern in Galleu lebende Phylloxera pemphigoides, zwei grundverschiedene Arten. Der genannte frauzsi.sche Forscher weist auch bei dieser Gelegenheit nach, dass das berchtigt!^ Winter- Ei" nicht von der Phylloxera vastatrix gelegt werde, sondern seine Provenienz in der Phylloxera pemphigoidi'S habe. Wir fgen den Kesslerscben Ausfbriingen noch hinzu, dass man auch anderswo Zweifeln au der Richtigkeit der Wanderungs- theorie neuerdings Ausdruck gegeben hat. So interpellierte der schsische Abgeordnete Bramsch im Dezember v. .1. in der zweiten schsischen Kammer die Regierung ber die Zwei'klosigkeit des seither gebten Verfahrens bei Ausrottung der Reblaus in den schsischen Weinbergen. Nach einem Vortrage Dr. v. Schlechten da l's in dem Naturwiss. Ver. f Sachsen" zu Halle, (efr. Zeitschrift VI, 5 S. 484) belaufen sich die Kosten, welche dem Kgl. Pr. Staate in Rehlausangelegeuheiten bis Ende Mrz 1880 erwuchsen, auf 978,233 Mark. Davon entfallen auf Vernichtung resp. Desinfektion 475,578 Jlark, auf Entschdigung 210,579, auf .Sachverstndige 271,540, Heraubildung solcher 0535 Mark. In einem Artikel, betitelt die Reblausgelahr" im Daheim", .labrg. XXIV, Nr. 1 spricht scun Verfasser di(> Verniutung aus, dass siidi die Reblaus mit der Zeit vielleicht nicht so schdlich erweisen wrde wie man das bisher allgemein angeuommen habe. Dr. A. Philothion nennt Reyl-.Pailhade ((ioiiipt. rend. 106, KiSo) eiiK^ Substanz, welche in der Klte Schwefel in Schwefel- wasserstolf verwandelt. Eine Lsung der betreffenden, bis jetzt noch nicht isolierten Substanz gewinnt er au.s Bierhefe, welche 2 Tage unter wiederlndtem S;t luit, umgekehrt benutzt werden, um die in einer L/sung bendliche Menge inaktiver .Substanz luiben einer bekannten Menge aktiver quantitativ zu bestinunen. F. .Schutt hat so (15er. d. Deutsch, ehem. es. 1.S8S S. l'.5.'mischen Verbindungen und der chemischen JMolekulartlieorie gehandelt wird. Hier mge nur soviel darber bemerkt werden, dass, whrend in der (.Tiemiu von einer Afhnitt oder N'erwandtschaft der Elemente gespro.-hen wird, in der Lindemann'sidien Betrachtung nur dynamische lie- grili'e zur Verwendung gelangen. Man wird zwei Elemente ein- ander verwandt neniu^i, wenn die resultierende .Schwingung- des Molekls unter den obwaltenden Verhltnissen eine geringere Lnerg-ie ergiebt, als die Schwingung der einzelnen Atome", sagt der \'er- fasser, und in einer l'^ussnote fgt er die geistreiche Bemerkung hinzu, dass eine chemische Verbindung aus hnlichen Grnden zu Stande komme, wie die Aenderung einer Art" nai-h der Darwin- schen Theorie der Anpassung und natrlichen Zuchtwahl. Wie die Art sich ndert, wenn sie dadurch den Existeirsbedingungen besser zu geiig-en vermag*), .so vereinigen sich zwei Atome zu einem Mo- IckiUe, wenn sie vi;reinigt unter besseren Bedingungen existieren knnen als in getrenntem Zustande. 24 Natiu-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. Der zweite Hauptteil der Abhaiidlnng beschftigt sii-h mit di;r Elektri<'itiit und dem Mag-netismus. Auch hier wird niclit von zwei besonderen elektrisdien Flssiglveiten gesprochen, sondern es wird von der Annahme ausgegangen, dass der Durchmesser des Molekls nicht mehr verschwindend klein sei gegen die Wellenlnge des be- trachteten Ijichtes. Diese Annahme fhrt dann genau zu den elektrischen Ersclieinungen. Von hervorragendem Interesse ist in diesem Teile namentlich 14, welcher das "Weber 'sehe Grundgesetz behandelt, wobei der von v. Helmholtz gegen dasselbe erhobene Einwand von einer neuen Seite beleuchtet wird. Es schliesst sich hieran eine einfache Erklrung der Erscheinungen im Innern einer Geissler'schen Rhre, auch der von Crookes und Hittorf ent- deckten. Ueber Erregung und Wirkungen der Elektricitt handeln zwei weitere Paragraphen, welchen Untersuchungen ber die Drehung der Polarisationsebene, sowie ber Magnetismus und Diamagnetismus folgen. Schliesslich kommt der Verfasser auf die elektrodynamischen Lichttheorien von Lorenz und Maxwell zu sprechen. Whrend Lindemann die elektrischen Erscheinungen auf Lichtschwingungen von anderer Grssenordnung zurckfhrt, grnden Lorenz und Maxwell die Theorie des Lichtes auf diejenige der Elektricitt; obwohl sich hierbei naturgemss manche Verwandtschaft in den Anschauungen ergeben muss, betont Lindemann ausdrcklich den Unterschied zwischen den seiidgen und denen der genannten Forscher. Mag man nun, nachdem sich die Thomson 'sehe Vorstellung ber die Konstitution der Molekle als ein so vorzgliches Mittel zur Erklrung der verschiedenartigsten Erscheinungen erwiesen hat, geneigt sein anzunehmen, dass die Krperatome wirklich jene Struktur besitzen oder nicht, so wird man doch vom rein theoretischen Stand- punkte die hohe Bedeutung und die weitgreifende ]\Iacht der Lind e mann 'sehen Untersuchung durchaus anerkennen mssen. Es sei noch einmal hervorgehoben", so sagt der Verfasser in den Schlussbemerkungen, dass wir im Vorstehenden nur von den Ge- setzen der analytischen Mechanik, welche mit den Hegriffen: Masse, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Energie arbeitet, Gebrauch ge- macht haben, unter alleiniger Zuhilfenalmie der durch Optik gerecht- fertigten Hypothese, wonach der Raum um ein kontinuierliches, elastisches Medium, eben den Lichtther, erfllt ist, dessen Dichtig- keit gegenber derjenigen ponderabler Massen vernachlssigt werden kann. Wir konnten verschiedene, sonst gemachte Hypothesen voll- kommen entbehren : wir bravichten nicht die El.asticitt des Aethers in Krystallen verschieden in verschiedenen Richtungen anzunehmen; wir haben weder den Begritf der chemischen Verwandtschaft benutzt, noch die Hypothese von der Existenz elektrischer oder magnetischer Fliiida, noch diejenige von der Existenz molekularer Wirbel. Die Thomson'sche Annahme ber die Konstitntion der Molekle und ber ihre Beziehungen zum Lichttlier erlaubte uns die verschiedensten Erscheinungen unter einem Gesichtspunkte zusammenzufassen: Alle von uns besprochenen Thatsachen der Physik und Chemie kamen zu stnde durch Uebertragung von Energie aus dem Lichtther in die Molekle durch Verwandlung innerer Energie der Molekle in ussere und durch die umgekehrten Prozesse. Das I'rinzip von der Erhaltung der Kraft wird von selbst bei jedem einzelnen Schritte gewahrt . . ." A. Gutzmer. *) Nach Darwiu's Ansicht ndern sicli die Arten nicht, um sich neuen Verhltnissen anzupassen, sodass die letzteren die An- regung zu der Vernderung geben, sondern Darwin meint, dass die organisclien Wesen nach allen mglichen Richtungen hin variieren, und dass die Aussenwelt insofern eine Auslese unter den Varietten trctt'e, als natrlich nur diejenigen am Leben bleiben knnen bezw. am besten fr das Leben gerstet sind, welche Vernderungen auf- weisen , die mit den Aussenbedingungen nicht in Wi(lers]u-uch stehen. Vergl. H. l'otonie: Die Geschichte der Darwin'swail.', UnmirurK. Zweite vllig umgearb. und verm. Auflage in - (fiiizftlu verkufi.) Bdn. ^r. 8". Mit zalilreichen Holzst. im Te.\t und 2 Steindrni'kta1>In. Bd. 1 : 42 Bg. mit 2 Karlen geh. Mk. 18,, geb. M. 19,60. Bd. II : 40 Bogen geh. M. 16,, geb. M. 17.50. LieferungS'Ausgabe: Bd. T. 11 Lfgn. Bd. II. inXl'gn. zu je II. 1,1. Zwei Kinbanddecke.n .je M. 1..^. 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Nach den neuesten Fortschritten der Wissen.schaft von Dr Edmund Weiss Prof. etc. Mit l.l lithogr. Tafeln und 148 Holzschnitt-Illustra- tionen. Neue Ausgabe erscheint jetzt in 35 Liefeiaingen 50 Pf in Ferd. Diinmiler's Verlag.sbucli- handlung in Berlin. Heft 1 zur Ansieht in jeder Buchhandlung vorrtig. [io3 Gesteinsdnnschliffe von 0,75 uW 4^' \YWissensi -> ->c ..> .i.r .,lu.>.;;lri,-.hr(l,.f. /4emlen IJcrn und an locken- den CcMliIcn dfr rbanla.ie, w[r ^>- Redaktion: '' Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. m. Band. Sonntag, den 21. Oktober 1888. Nr. 4. Abonnement: Man abonnifit bei allen Biieliantllungeii und Pms anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsiireis ist Jt ','>.- Bringogeld bei der Post 15 -j extra. ir JL Inserate: Die viergesiialtene Pclitzeile .30 .j. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt Beilagen nacli Uebereinkunft, Inseraten- anuahme bei allen Annoneenbureaux, wie bei der Expedition. Alxlrnok ist nnr mit voil!tsiiili;er 4^iiellenaiii;al>e gestattet. Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. Von Dr. Rob Das lobliafte luteres.sc, welclics die nhere Kenntnis der unter dem Namen Bakterien" zusammengefassten niederen Lebewesen seit den letzten Jaliren erreg't, ver- anlas.st uns aucli an dieser Stelle dem Gegenstande unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Whrend aber die meisten bisher vorliegenden, fr einen grsseren Leserkreis be- stimmten Darstellungen die Zehtungsmethoden der Bak- terien, Anlage von Reinkulturen etc. gar nicht oder nur ung'-engend beschreiben, soll hier in spteren Artikeln auch diesem Zweige der Bakteriologie ein etwas grsserer Kaum zugemessen werden; zunchst beschftigen wir uns wie der Titel besagt mit den Formen, der Jlcrkunft und den allgemeinen Ijebensbedingungen der Bakterien. Unter J^akterien" verstellt man, wie der Name andeutet, Organismen von cylindrisch-stabfrmiger Gestalt. Obwohl viele derselben kugelfrmig (Fig. 1, 3, 4, ), elliptisch (Fig. 2), oder auch korkzieherhnlich gedreht sind (Fig. 18, 14, 15, 16), so hat sich docli die Be- zeichnung Bakteiien" als Gesamtname eingebrgert und ist jedenfalls mehr verbreitet als die sonst noch blichen Namen: Schlzomyceten (Spaltpilze), Vibrionen, Mimaden, Mikrozymen etc. Bereits 1675 wurden die Bakterien durch Ijceu- wenhoek im Mundspeichel entdeckt. Dass diMi von Leeuwenhoek erkannten Tliat.sachen in den nach- folgenden Jahrhunderten kaum etwas Neues hinzugefgt wurde, hat seinen Grund wohl haniitschlich in der Mangelhaftigkeit der damaligen Mikroskoiie und der daraus sich ergebenden Schwierigkeit der 15eobachtung'. ert Mittiiiann. Erst Ehrenberg*) wandte dem Gegenstande von neuem seine Aufmerksamkeit zu. In den damals herrschenden naturpliilosophischen Anschauungen befangen, begngte er sich damit jene Organismen zu klassifizieren und wies ihnen die niederste Stufe im Tierreiche zu. Eine ^\esentliche Erweiterung erfuhren unsere Kennt- nisse von den Bakterien erst gegen Ende der 50 er .Tahre dui'ch F^erd. Colin, welcher durch seine bahnbiechenden Untersuchungen zu dem unzweifelhaften Ergebnis ge- langte, dass jene Organismen eine der niedersten, wenn nicht gar die niederste Stufe des Pflanzenreichs darstellen. Seitdem hat die Bakterienforschuug einen ungeahnten Aufschwung genommen, namentlich durch die Arbeiten von Cohn, Pasteur, Ngeli, van Tieghem, Zopf, de Bary, Brefeld, Koch u. a. Eine allgemein angenommene systematische Ein- teilung der Bakterien giebt es zur Zeit noch nicht, weU die verschiedenen Forscher je nach der von ihnen ver- treteneu Sijccialwisseuschafi riu anderes F^inteilungsiirincip whlten. Flierzu koiiiiiit noch die diircli die ausserordent- liche Kleinheit jener Organismen bedingte Schwierigkeit der Beobachtung. Die Bakterien gehren unstreitig zu den kleinstem uns bekannten Lebewesen; der Querdui'ch- messer der stbchenhnlichen Formen beti'gt bei den meisten etwa 0,001 nmi (=1 Mikromillimeter=l//), ihre Lnge etwa das zwei- bis vierfache des (^uerdurchme.ssers, selten mehr. Eines der bei der Beobachtuni;- am meisten hervor- *) 0. 0. ElirciiluM\n-: Dii^ liil'iisiMi'itii'rc iils viillUoniniciio Oig-anisniMi. Berlii: li:>;!8, toi. 26 Naturwissenschaftliclie Woehensclirift. Nr. 4. tretenden ntersclieidungsmerkmale ist die ussere Ge- stalt, wonach man am zweclimssigsten folgende Gruppen unteisclieidet: Kugelbakfeiicn oder Kokken (Fig. 1, 3, 4, 5) StlKilienbakteiien oder Bacillen (Fig. u. 7) 8cluaul)onb;ikterien od. Spii-illcn fP'ig. 1:5, 14, 15, 10) 2 3 4 ^^1 i) y 9 M 13 n. Der Hauptgiiind, weshalb die lteren Forscher die Bakterien fr Tiere hielten, liegt darin, dass eine Anzahl von Arten eigt'ner Bewegung fhig ist, hervorgebracht dui-ch Cieisselfden, welche den Enden der Jndividuen ansitzen (Fig. 7, 14, 16). Wegen ihrer ausserordent- lichen Zartheit und der Schnelligkeit ihrer Bewegung sind die Geissein allerdings schwer zu beobachten. Den unwiderleglichsten Beweis, dass sie wirklich existieren, hat Koch dadurch erl)iacht, dass es ihm gelungen ist sie zu fi'ben und zu photographieren. Hieraus darf man aber noch nicht umgekehrt schliessen, dass jede frei be- wegliche Bakterien-Art auch Geissein besitzt. Tn Rcksicht auf die Art ihres Wachsturas und ihrer Vermehiung mssen wir die Bakterien als einfache Zellen betrachten. Sie besitzen einen eiweisshnlichen (proto- plasmatischen) Inhalt und eine deutlich unterschiedene Membran. Der Inhalt erscheint als eine gleichmssig durchscheinende trbe Masse ohne besondere Struktur, ja selbst einen Zellkern hat man bisher noch nicht ent- decken knnen. Jedoch besitzt der Plasmakrper der Zelle die meist nui' den Zellkernen zukommende hiigen- scliaft Anilinfarben begierig aufzunejimen und fcstzuluilten, ein Umstand, dei' namentlich fr die Erkennung der pa- thogeneii (krankheiteri'egendcn) Ai'ten von Wichtigkeit ist. Die Membran ist meist ei'st dann erkennbar, wenn der Blasmakrper dui'ch Reagentien zum Zusammenziehen ge- biacht wird. Sic scheint von hnlicher Beschaifenheit zu sein \\\i\ die ptianzliehe Zellmembran (Celhilose), wenigstens hat sie mit dieser eine gi-osse hihisticitt gemein und zeigt, wie viele pflanzliche Membiancn, di(> Neigung durch Wasseraufnalimi" gallertaitig zu veiquelleri. Die Vermehiung durcli Zweiteilung und das eigen- tmliche Verhalten der Membran bewirken, dass die In- dividuen oft nach der Teilung noch zusannnenhngen. Auf diese Weise entstehen charakteristische Zellverbndr, die fi' die Klassitikation von Medcutung sind. So luiler- scheidet man liirrnacli /,. I!. Diplokokken, Fig. W (wenn die Imlividu('n paarweise zusammenhngen). Streptokokken, l''ig. .'i (wenn sie zu lugei-en, perl- schnurhnlichen Reihen vereinigt bleil)en), Staphylo- kokken (wenn sie grssere Hufchen Kolonien" bilden.) Cieschieht die Teilung gleichzeitig nach allen drei Rich- tungen des Raumes, so entstehen Warenballen hnliche Zellverbnde, wie z. B. bei den Sarcina-Arten. lileibeu die Individuen bei gleichzeitiger Veriiuellung dei- Mem- branen zu zhen Massen veieinigt, dann entstehen die sogenannten Kahmhute" oder Zooglen", welche, falls das Nhrsubstrat eine Flssigkeit ist, auf dei-en Oberflche schwimmen. Obwohl die vegetative Vermehrung durch Zweiteilung der Individuen eine geradezu unbegrenzte ist und als die gewhnliche Art der Fortpflanzung angesehen werden niuss, so ist doch eine andere Art der Fortpflanzung, die Sporenbildung (Fig. 5b, 8, 9, 10, 12), von grsster Wichtigkeit fr die Erhaltung der einzelnen Species. Whrend nmlich die meisten Bakterien in ihrer gewhn- liehen Wuchsfoi'm bei 55 60" also verhltnismssig leicht zu tten sind, besitzen die Sporen eine ausser- ordentliche Widerstandsfhigkeit gegen physikalische und chemische Einflsse. Siedendes Wasser ttet mit Siclu'r- heit erst nach 10 Minuten smtliche Bakterienkeime; trockene Hitze von 140" muss sogar fast drei Stunden einwirken, um gewisse Si)oren zu tten. Die Bakterien- sporen sind somit die widei'standsfhigsten organischen (iebilde, die wir kennen. Die Bedingungen der Sporenbildung scheinen bei den einzelnen Arten sehr verschieden zu sein. Genauer studiert ist dieser Vorgang erst bei drei Bacillenarten: beim Heubacillus, Bacillus subtilis (Cohn), beim Milzbrand- bacillus, Bac. authraeis (Koch) und beim Bac. Megaterium (de Bary). Auch die Sporenkeinuiug geschieht bei den einzelnen Arten in abweichender Weise. Fig. IS und 19 stellen zwei Typen der Keimung dar. Die erstaunliche Widerstandsfhigkeit der Sporen ist einer der Hauptgrnde, weshalb sich bis in die neuere Zeit die Ansicht erhalten konnte, dass die Bakterien durch ITi'zeugung (generafio aequivoca) entstehen. Frher glaubte mau nndich smtliche Keime gettet zu lial)en, \\(Min man Mssigkeiten bis zur Siedeterapeiutur erhitzte; jedoch blieb man den unanfechtbaren Beweis schuldig, dass auch wirklich alle Keime tot waren. Erst die ver- dienstvollen Untersuchungen Colins und Pasteurs haben uns hierber vllige Klarheit verschattt. Eine wesent- liche weitere Sttze fand die Urzeuguugstlieorie in der ausserordentlichen N'erbreitung iler P>akterien; denn in allen Ulis umgebenden Medien: Luft, Wasser, liodeii, in vielen unserer Nahrungsmittel flndeii sich Baktei'ieu oder deren Keim(\ In gleicher Weise haften sie au unseren Kleidern und an der Hautoberflche, an Gebrauchsgegen- stnden und an den Zimnierwnden. Die Nasenschleira- haiit, der Mund und namentlich der Darmkanal wimmeln von Bakterien. I'.eilulig mge liiei- bemerkt werden, dass selbst in weit entlegenen geologischen Epochen ebenso wie hent die Bakterien bei der hhregiing von h^ulnisiirozessen Nr. 4. Natiirwissenscliaftliche Wochenschrift. tlitig gewesen sind. Soinis-Laubaclr') usseit sich liierber Dass zur Karbdnzeit die Zei'stiinini^' der ab- gestorbenen PHauzensubstanz wie heutzutage durcii \'dk- terien besorgt wurde, ergiebt sicii mit grsster W'aiir- scheiniicidveit aus van Tieghems**) Untcrsucluuigen, nach welchen die macerierten Ptianzenfragnieute der Kiesel von Grand' Croix dieselbe Progression der Zellen- wandzei'strung erkennen lassen, welche jetzt booliaciitet wird. Es will v an Tiegh ein sogar seinen Bac. ainylobacter in verkieselteni Zustande beobachtet liaben." Auch die erstaunliche Anspruchslosigkeit der Bakterien an das Nhrniedium hat die Urzeugungslehre untersttzt. In Flssigkeiten, die man vllig frei von geeigneter Nahrung glaubte, fand man Bakterien auf, da selbst Siiuren oi'ganischer Substanz zur ErJuiltung ihres Lebens aus- reichen. Die Anspruclislosigkeit an den Nhrboden ist eine der Hauptursaclicn dei' ungeheueren Verbreitung der akterion; denn berall wo sich Reste toter organisclier *) Solms - Laubai'Ii: Kinleitiiiiw in die l'uhieciplivtiilnijie, Leipzig, 1887, Seite 85, 3fi. **) van Tiegheiii: Siir le t'ermeiit biitirif|Me (B. amylobactei') ii l'poriue ile Ui liouille. Coiiit. reiid. liebdoni. de rAcademie vol. 89, ])g. 1102 ff., 1879. Substanz finden, knnen sie gedeihen. Eine wesentliche Bedingung liicrbri ist jedocii, dass der Nln-boden schwach alkalisch oder wenigstens neutral reagieren nuiss; denn auf sauerem Nlii'substrat wachsen die meisten Arten berhauiit niciit. Gewisse Ai-fcMi sind allerding sans])i-uchsvoll('r in Bezug auf iiu' Nhrniedium; sie entwickeln sich aus- schliesslich im lelienden Kollier hherer Organismen, ernhren sich auf deren Kosten und totm sie in manchen l<'llen. \'on diesen streng-obligaten Parasiten (de Bary) unterscheidet man die biigen Arten als Saprophyten. Wie berall in der Natur, sind auch hier (Jebergnge vorhanden. Verschiedene Arten leben zwar mei.st wie echte Schmarotzer in andeien Organismen, knnen aber zuweilen, oder in einem gewissen Stadium ihrer Entwick- lung auch anderswo gedeihen: fakultative Sajiropliyten (de Baryj. Endlich knnen manche Arten, die in der Regel saprophytisch leben, gelegentlich auch als Parasiten gedeihen oder nur einen Teil ihrei' Entwicklung in leben- den Organismen durchmachen: fakultative Parasiten (van Tieghemj. (Schluss folgt.) Das Rechnen an den Fingern und Maschinen. Von l'i-of. L)r. (Seb Ehe wir zu den eigentlichen Rechenmasclnen ber- gehen, wie sie seit zwei Jahrhunderten existieren, mssen wir noch einmal kurz die Vorteile und Mngel dei' bisher besprochenen, einfachen Rechen -Apparate hervorheben. 1 )i(^ vollkonnnendsten derselben enthalten mehrere Drhte mit je neun darin verschiebbaren Kugeln. Die Kugeln des ersten Drahts zhlen die Einer, die des zweiten die Zehner, die des dritten die Hunderter, u. s. w. Mit solchen Appai'aten kann man bequem addieren und sub- trahieren, und zwar vollziehen sich mit der dem Summand edel' Subtrahend entsprechenden Verschiebung der Kugeln die Additionen und Subtraktionen von selbst, wenn nur so oft als ntig zehn Einerkugeln diu'ch eine Zehnerkugcl oder umgekehrt ersetzt werden, und entsprechend zehn Zehnerkugel gleichwertig mit einer Hunderterkugel be- ti-achtet werden. Will man mit einem solchen Apparat multiplizieren oder dividieren, so kommt es darauf an, ob der Rechner das Einmaleins im Kopf beziehungsweise auf einer Tafel vor sich hat oder nicht. Wenn nicht, so nuiss die Multiplikation durch wiederlnilto Addition, die Division durch wiedeiholte Subtraktion auf dem Rechenbrett aufgefhrt werden. Immerhin bietet das Rechenbrett dann den Vorteil, dass der Rechner die Pi'odukte nicht zu spterer Addition oder Subti-aktion aufzuschreiben nder unter Anspannung des Geistes sofort zu addieren oder zu subtrahieren hat, sondern sie addieren oder subtrahieren sich mit der Eintragung von selbst. Die Haiiiitmngel dieser Rechen-Apparate bestanden deiii- nacli im wesentlichen in zweierlei, erstens darin, dass A. Schubert, uss.) der Rechner fortdauernd die Zehner- Uebert ragung auf die nchste Reihe selbst vorzunehmen hatte, wobei leicht Irrtmer unterlaufen koiniten, zweitens darin, dass diese Apparate beim Multiplizieren und Dividieren niu- indirekte und deshalb sehr geringe Dienste leisteten, da sie eben, ihrer Natur nach, nur zum Addieren und Subtrahieren tauglich waren. Es war dem berhmten Philosophen und Mathematiker Blaise Pascal vorbehalten, im Jahre 1643 eine Erfindung zu machen, welche dem ersten der in'idi'n soeben gergten Mngel vollstndig abhalf. Und deshalb gilt Pascal mit Recht als der Erfinder der ersten eigent- lichen Rechenmaschine. Die Pascal'sche Maschine, ber welche man in den Oeuvres completes von Pascal (Paris 1S6G, J5and 111) nheres findet, befreit den Rechner von der lstigen Zehner-Ucbertragung, indem die Maschine diese Arbeit selbst ausfhrt. Ein zweiter nicht minder berlmiter Philosoph und ^Iathematik(!r, Leibnitz, ver- besserte dann im Jahre 1(573 die Pascarsche Rechen- maschine dei'ai'tig, dass nun auch dem zweiten .Mangi'l abgeholfen war. Dt>nn die Maschine von Leibnitz be- werkstelligte sowohl die Zehner-Uebertragtuig wie aucli die Ausfhrung der Multiplikationen automatisch. Die Leistungen, die usserliche Beschreibung und Abliililuug der Leibnitz'schen Rechenmaschine sind im ersten i^ande der Abhandlungen der Berliner Akademie (Mis- cellanea Benilineiisia) niedergelegt. Die genaiUTe Kon- struktion wurdi' nur wenigen Auserwhlten gezeigt, was jedoch gengte, die Tradition in engeren Ki'eisen zu er- halten. Die Maschine selbst tlieb bis zum Jalne 1873 28 Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. 4. also genau liis zu ilnvni -JUjahri^rn .luliilauni, viTsclinllcu,, in wrlclii'ni .laluv sie in einer Modellkanimer der Gttinger Universitt entdeckt wurde. Es stellte sicli heraus, dass die alte Leibnitz'sebe Maschine nur in yanz unterge- ordneten Dingen vcmi den spater ei^l'undenen Keclien- inaschinen abwich. Von iliesen sind viele nnr in ganz wenigen Exemiihii'en liergestellt und bald wieder in Ver- gessenlieit geraten. Niu- die Maschinen von Tlioiiias. besonders seit der ersten Paiiser Weltausstelhnig bekamit, und die Nacliahmungen derselben liaben es zu einer t'al)iikiniissigen Herstellung gebraclit und werden jetzt, oll unter dem franzsischen Namen Aiitlnnometie, bei grossen Verwaltungen, wissenscliaftliclien nnd teciniisclien Unternelnnungen, sowie von Banken und Asseliuranz- Anstalten stellenweise angewendet. Allen diesen Ma- schinen haftet der Mangel an, dass die Widei'stnde zu ungleichnissig sind, und daduifh rasche Bewegungen verhindert werden. Um diesem Mangel abzuhelfen und zugleich mehi-ei-e nicht unwiclitige Vervollkommnungen einzufiibi'en, hat neuei'dings Herr Professor Eduard Stelling eine in der Zeitschrift Vom Fels zum Meer" aus- fhrlich beschriebene, neue Eechenmaschine ersonnen, welche, wenn sie hlt, was sie verspricht, was nach der Beschreibung zu erwarten ist, alle frheren Rechen- maschinen an pi'aktisclier Brauchbarkeit bertrifft. Na- mentlich ist bei dieser Stelling'sclien Maschine erreicht, dass nicht fr jed(^ Einheit einer Multiplikatorziffer, sondern nur l'r jedi:' Multiplikatorziffer s(>lbst eine (ein- fache Handbewegung auszufhren ist. AUe Zahlen- rechnungen kommen schliesslich auf die Addition nnd Sub- traktion von Produkten zurck, wozu nat'irlich, dem Wert eins des Midiii)likators entsprechend, auch die einfachen Additionen und Subtraktionen gehren, und wobei es keinen Unterschied macht, ob die Ziffei'n des Multipli- kators gegeben sind, oder, wie bei der Di\1sion oder Wurzelausziehnng, wo Quotient oder Wurzel als Multi- plikator dienen, erst allmhlich gefunden werden. Die Aufwibe einer jeden Rechenmaschine besteht nun, selbst wenn es sich um einfache Additionen oder Subtraktionen handeln sollte, in automatischer Zehner- Uebertiagung, nnd l)ei hheren O[ierationen auch noch in der Bildung der Teilprodukte, d. h. der Produkte aus je einer ^Nlulti- plikandenzitfer und je einer ^lultiplikatorzitfei'. Zur direkten Herstellung dieser Teilprodukte beiuitzt nun Herr Stelling eine sogenannte Nrnberger Scheere", wie sie die folgende Figur zeit^t: vvvv Eine Vorstellung davon, wie eine solche Scheere Multiplikationen ausfhren kann, erhlt man, wenn man folgendes beobachtet. Die mittleren Kreuzungspunkte, welche die gei'ade Linie, in der sie liegen, nicht verlassen, sondern sich nnr lngs derselben bewegen knnen, mgen mit den Zahli'u n, l.i;, .5, . . . bezeichnet werden. Hlt man nun den Punkt fest, und lsst man dann den Punkt 1 einen kleinen Weg machen, so verui'sacht der Zusammenhang der Scheere in den Punkten dei' (il)eren und der unteren IJnie, dass der Punkt 1' einen doppelten so grossen Weg macht, der Punkt 3 den dreifachen Weg zurcklegt u. s. w. ]Macht denniach der Punkt 1 et\\a einen Weg von i nun, so mnss der Punkt 3 einen Weg von 3x4 oder 12 nun nuiclien, u. s. w. Es kann hier nicht meine Aulgabe sein, auf weitere Einzelheiten der neuen Rechenmaschine einzugehen. Nur dies sei noch erwhnt, dass, im Gegensatz zu anderen Rechenmaschinen, die Ablesung wie bei einer Uhr geschieht, und dass die eingefhrten Zahlen und Zwischen-Residtate in gewisser Weise sichtbar bhnben, sodass der Rechnende selbst, sein ^Vorgesetzter oder eini' Rechnungskommission einen Beleg des Rechnungsganges noch vorlinden knnen. Die Stelling'sche Maschine ist natrlich patenti(M't, und wird gegenwrtig in mehreren deutschen und oestem'ichischen Fabi'iken hergestellt. Ausser der besprochenen grossen Maschine mit Nrnberger Scheeren wird auch eince kleinere fabriziert, die, wie der Abakus der Rmer odei' der Swanjian der Chinesen, lediglich addiert und subti'ahiert, nur dass, wie dei der Paskal' sehen Maschine, die Zehnei--Uel)er- tragung automatisch geschieht. Zu den modernen Rechenmaschinen gehren auch die in den letzten Dezennien blich ge^\'ordenen und von Ingenieuren vielfach benutzten, lineal frmigen Rechen- schieber". Der Querschnitt eines solchen Rechenschiebers hat folgende Gestalt: Innerhalb der mittleren Rinne und dies(>lbi' ausfllend, bewegt sich ein ver- schiebbares, schmaleres Lineal. Auf dei- Vorderseite des letzteren sind, ebenso wie auf der einen Hlfte des ein- fassenden Tineals, in gewissen Abstnden die Zahlen von 1 bis 10 sowie die zwischenegenden Zehntel durch Teil- striche so mai'kiei't, dass die Einrichtung dazu dienen kann, dem Beschauer das Resultat der Multiiilikiition zweier Zahlen vor's Auge zu fhren. Schiebt man nm- lich das mittlei'e bewegliche Lineal so heraus, dass der darauf befindliche Teilstrich fr 3 mit dem Teilstrich fr 1 des festen einschliessenden Lineals in gerad(>i- Linie liegt, so stehen dann, in der Verlngerung der Teilstriche 2, 3, 4, .5, 6, ... . des festen Lineals, auf dem beweg- lichen Lineal die bezglichen Vielfachen von 3, also 6, !), 12, 15, 18, . . . Dass auf solche Weise immer das richtige Multiplikationsresultat erscheint, rhrt davon her, dass bei beiden Teilstrich-Reihen die Abstnde der Teil- striche von 1 sich genau vei'halten wie die Logarithmen der von den Teilstriclien dargestellten Zahlen. Es beruht also die lii;uie]il)arkeit eines solchen Rechen-Schiebers als Multiplikationsmaschine auf dem Umstnde, dass, wenn man die Logarithmen zweier Zahlen addiert, die Summe den Logaritlunus derjenigen Zahl darstellt, die durch Multii)likation jener beiden Zahh'u entsteht. Dalier nennt man diese EiiniehlMni,'' aucii lngarithmisches Lineal "L j Nr. 4. Niiturwissenscliaftliche Wocliensclirift. 29 Die weitere Anbringung- von Teilstriclien an riclitigcii Stellen ei-niglielit es, aueli das Produkt zweier zwei- zitt'riger Zalilen nlierungsweise zu l)estinnnen, aber nur nherungsweise. Denn wenn ein Keelienscliiebei' eine praktiscli zuliissige J.nge nielit berschreiten soll, so kann man sich Iciclit klar niaclien, dass eine Folge von mehr als drei Zittei-u nur undeutlich erkennbar sein kann. Beispielsweise kann man bei genauer Kinstellung erkennen, dass das Resultat von 43 X 57 mit den drei Zittern 245 anfangen muss, dann kann man iVeilieh auch ohne weiteres das richtige Resultat 2451 Hiuleu, wenn man dai'an denkt, dass die li'tzte Zitter 1 sein muss, weil ;3 X 7, gleich 21, mit 1 endig-t. Aber Multi|ilika1ious- resultate von noch nu^hi' Ziliern lassen sieh mit Mille des logaritli mischen Schiebers aus rein raumlieln'u (irndcn nicht genau erkennen. Nim fordert aber die l'iaxis selten mehr als die durch eine Folge von drei oder vierZitfein gewhrleistete Genauigkeit. l"nd darum haben auch dii- Rechenscleber in meln-ereii piitentierten, abei- wesentlich nicht verschiedeni'u Formen, uamentlieh ln'i Ingeuieiu'en. Verbreitung gefunden. K 1 c i n e r e Mitteilungen. Ueber den zulssigen Genuss des Fleisches tuber- kulser Tiere. (leiiaiintes Thema wurde vuii Nooanl auf dein Tubrkul(]se-C'oiigress zu Paris vom 25. liis 31. .luli in einem Vortrage beliandelt. Darnacli lilt der Vortragende die Milch tnherliuloser Tiere nur dann fr .sclidlidi, wenn das Driisen- gewebe Sitz tuberkulser I'^rkrankung ist; da dieses al)er schwer zu erkennen sei, solle mau alle Milch vor dem Gensse abkocOien. Im Uebrigen sei aber der Verkauf von Milch tuberkulos(>r Tiere stets aufs strengste zu untersagen. In Bezug auf Fleisch haben seine Versuche ergeben, dass Blut und Muskelsaft nur sehr ausnahms- weise gel^ihrlioh sind. Daher kilnne der Genuss des Fleisches tuberkuliiser Tiere nnr in gewissen Fllen, jedoch nur si'lteri und nur in geringem Masse schdlich wirken. Arloing hiilt das Fleisch fr gefhrlicher als die Milch , und gerade bei fetten Tieren msse man vorsichtig sein, da man bei ihnen keine Tuberkulose vermute und das F"leiseh ein schnes Aussehen habe. In allen Fallen sei die Verwendung des Fleisches tuberkulser Tiere zu untersagen, bis man Mittel gefunden, es ohne Schaden fr die Gesundheit geniesseu zu knnen. Schliesslich wurde folgendes festgesetzt: Es ist Grund vorhanden, mit allen mglichen Mitteln, inbe- griffen die Schadloshaltung der Interessenten, die all- gemeine -Anwendung der Konfiszierung und der voll- stndigen Vernichtung jeglichen Fleisches, welches von tuberkulsen Tieren stammt, anzustreben, mag die Schwere der bei den Tieren gefundenen spezifischen Er- krankung sein wie sie wolle. " K. Deutsch-Witu-Land. In Nr. 9 des Globus" beginnt der ortskundige Lieutenant A. R. Schmidt mit einer Schilderung von Land und Leuti-n des Witu-Landes. Dieses nordlich von San.sibar liegende, in deutschem Besitz befindliche, vom Sultan Achmed von Witu im Jahre 1885 an den Deutschen Clemens Denhardt ab- getretene und von diesem vertragsmssig im Juni 1886 an Se. Durch- laucht, den Frsten zu Hohenlidie-Langenburg, Prsidenten des Deutschen Kolonialvereins verkaufte Land umfasst etwa 25 Quadrat- meilen. Es weist nach den Darlegungen des Verfassers in den Kstengegenden nur usserst geringe Erhebungen auf, welche eine Hhe von 80 m ber der Huchtiutmarke des indischen Oeeans nicht bersteigen; im Westen und Nordwesten, dem Gebiete der Bararetta- Galla steigt das Land strker an, bis es sich endlich zu den viel versprechenden, noch gnzlich unerforschten Hochlndern der Borani- Galla erhebt. Der Boden ist im allgemeinen fruchtbar; an manchen Orten aber tritt die Fruchtbarkeit zurck. An dem Flusse Osi kommt infolge der Gezeiten viel salzhaltiger Sand vor, der sich zu nichts anderem als zu Kokusnussplantagen eignet. Im Gall.a-Lande und am Tana ist der Boden fetter; dort giebt es gutes Weideland. Der Ftlaiizenwuchs besteht im allgemeinen aus Dumpalmen nebst Mimosen und Savannengras oder aus Savannenstrecken. Im Innern giebt es Urwald, so bei den Drfern Witu, Utwani und Mpeketoni. Im Galla-Lande ist der Urwald hutiger. Nicht anbaufhiger .Sand ist selten und findet sich nur bei Kipini, von wo aus gegen die Formosabai hin sich Dnen entlang ziehen. Ein ziemlich bedeuten- der Teil des Lands ist bebaut, was von den Sklaven der freien Witu-I?ewhner bescjrgt wird. Jhrlich werden neue Wald- und Steppenstrecken kultiviert. H. J. K. Meinungen ber die Ursachen der Erdbeben. Was ist nicht alles als Ursache der Erdbeben angenommen worden ' Die Japaner suchten sie in dem Anschlagen des Schwanzes von einem gewaltigen Seetier an die Krde zu erklren, die Bewcdmer .Sd- amerikas durch die Hebung des Bodens, welche eine Schildkrte oder ein Walfisch, die unter demselben dahinkrchen, hervorbrachten. die Talmudisten durch die Bewegungen des Leviatbau, die Trken durch die Bewegung eines grausamrii Ochsen, auf dessiMi einem Hrn die Erde gegrndet sein sollte, die Griechen und Rmer dui-ch solche der Giganten oder durch das Bidiren des Neptun mit seiniMU Dreizack in den Hhlen der Krde, die Indianer Berns durch das Erhi ben ihres Gottes von seinem Thron. Ghristliche Gottcsgelehrte wollten sie durch Engel , die die Erde schlagen und bewegen, hervorruren lassen, Helmont u. a. durch Gott selbst um der Snde der Menschen willen, Psellus und Bodi- nus durch Teufelsgeschlechter, die Islnder durch die Verzweiflung der in die Hlle Verwiesenen. Im Mittelalter sagte man nur nacdi, was die griechischen Philo- sophen darber gedacht. .So hatte Thaies gemeint, dass die Erde wie ein Schiff- auf dem Meere schwimme und vom Winde bewegt wrde. Demokrit nahm innerhalli der Erde grosse Seen und FUbsse an, die durch das Unterwhlen ihrer Ufer Zusammenstrze herv(]r- brchten; Anaximencs wollte sie durch eingedrungene Luft hervor- bringen lassen, die Peripatetiker .aber durch den Hrucb von aus der Tiefe der Erde kommenden Dnsten, Bpikur vorzglich durch die Verwandlung unterirdischer warmer Winde in Feuer. Die Astrologen sahen in Sonne und Mond, besonders aber in den Zusammenknften der Planeten die Ursache, der Maler Hau tier im Antrieb der Sonnenstrahlen auf die Erde, der Italiener Barba in dem Bersten des Coco, eines kopfgrossen Kieses, dessen Hhlung mit Amethysten besetzt sein sollte. Unzer im Verschneien oder Ver- schlammen der Vulkankrater und die Akademie der Erinni zu Pa- lermo leugnete sogar ihre Existenz, indem sie dieselben ins I5ere,ich der menschlichen Phantasie verwies; andere meinten, sie entstnden, wenn sich der Mittelpunkt der Erde verrcke. Achilles hlt die Erde von eingeschlossener Luft und mrtal- lischen Dmpfen durchdrungen, welche, wenn schwere Regen oder Frost die Klfte verstopften, sich hufen und die Erde mit grosser Gewalt ber sich aufstossen sollten. Da die grossen Stdte durch ihre schweren Gebude und das Steinpflaster den gewhnlichen Aus- gang verhinderten, so mssten sie am meisten und schlimmsten von ihnen getroffen werden. Haies redet von Vermischung schwefeliger, fortwhrend aus der Erde aufsteigender Dnste mit der atmosph- rischen Luft, welche ein Erdblitzen" hervorriefen, dessen Platzen die unmittelbare Ursache eines Erdbebens sei, Walpurger von Kut- zndung einer dem Schiesspulver hidichen Mischung von Schwefel und Salpeter. Werner, Delam etherie, Hofmanu u. a. leiteten sie von Entzndung der Steinkohlenfltze, Bergmann und Breis- lak von der des Petroleums ab; Lemery. .Schnitze, Lister, Parrot u, a behaupteten, dass sie entstnden, wenn .Schwefelkies- lager innerhalb der Erde mit feuchter Luft in Verbindung trten uiul durch ihre Erhitzung allerhand aufgespeichertes Material in Brand setzten, wodurch sicli Dnste bildeten, die sich endlich selbst entzndeten und einen Durchbruch versuchten. Ziehen glaubte an einen unter der Erdoberflche weiterziehenden Brand, weli'her Frd- flle hervorrufe, welche die Erdbeben hervorbrchten; .Stukeli^y u. a. nehmen als Ursache die Elektricitt an; Krger undHffer bwtrachten sie als unterirdische Gewitter; Bina uiul Dinkler ist die Erde eine grosse Leydener Flasche. Berg;er sieht in der Erde ein wirkliches Tier, bei welchem Fieberhitze und Entzndung sich lieruliigen, sobald gengende Menge Erdenbluts aus den Venen strmt, und das von Krankheiten des Alters, z. B, dem Zittern, heimgesucht ist. Krics lsst in der Erde Knallluft entstehen und sich entznden, Gruithuisen Weltkrper sich mit der Frdc lieige- sellen, um die Erdbeben zu erklren. Humboldt und Buch setzen sie durcligchends mit dem Vulkanismus in Verbindung; Boutigni, Mallet und i'arl ziehen den Leidenfrost'schen Versuch heran, Balivi die Anziehung des Blondes auf das fl.ssige Krd- :;( Natiirwissenscliaftliche Woclienselirift. Nr. 4. innere, Perrey und Falb die von Sonne und Mond auf dasselbe und Maren zi snebt die Veranlassung' in der Ausklihmg der Erde, durcli welelie Hohlrume in Innern derselben entstnden, welclie durch Nachstrze au.sgefllt wrden. Von den Ansichten Graf V. Pfeils u. a. sehen wir ab. Die neuere Geolog-ie erUennt Auswasclnings- und Vulkan- Beben an. lhrt aber die Melu'zahl der Erdbeben mit f^^rossem Glcke auf die Gebirgsentstehuno- zurck. H. Eiiyelliardt. Umwandlung von Hyoscyamin in Atropin durch Basen. Beitrag zur Kenntnis der Massenwirkung. liic von Will (siehe auch Xatuiw. Woclienschr. 11. S. li)9) fjeniaehii' ]5eobachtnng, dass sich die Umwandlung des Hyoscyamins in das isomere Atropin unter dem Einduss von Alkalien in der Klte gleichzeitig in einer starken Abnahme des specifischeii Rotations- vermgens der beobachteten Lsung usserte, veranlasste denselben, in Gemeinschaft mit Predig (Per. d. Deutsch, ehem. Gesellsch. 1888 S. 2777 2797) zu untersuchen , ob sich diese Reaktion nicht in einer der Zuckerinversion analogen Weise zur Af finita tsbe- stimniung der Basen verwerten Hesse, was um so erwnschter wre, als nur wenige Untersuchungen ber derartige Bestimmungen bei Pa.sen vorliegen. 1. Zunchst wurde der Einfluss der Massen der aufeinander wirkenden Substanzen auf die Geschwindigkeit der Reaktion stu- diert. Dabei ergab sich, dass unter dem Einiliisse derselben Natron- nienge in der A'olumeneinheit verschiedene Mengen von Hyos- cyamin in gleiclien Zeiten dasselbe Reaktionsstadium erreichen, dass also die Reaktionsgeschwindigkeit bei gleicher Xatronmenge fr verschiedene Hyoscyaminmengen dieselbe ist, ein Ergebnis, welches in der Inversion des Rohrzuckers durch Suren ein Anahigon hat. Es muss wie bei diesem also auch im vorliegenden Falle ge- folgert werden, dass die angewandte Pasenmenge durch die Um- wandhing des Hyoscyamins in Atropin in keiner Weise nioditiziert wird, sondern whrend des ganzen Vorganges vllig intakt bleibt Diese Umwandlung ist daher mit andern Worten, wie die Inversion des Rohrzuckers, eine kataly tische Wirkung (im Sinne der Defini- tion von Berzelius). Neben jener katalytischen Umwandlung findet sehr langsam, bei strkerer Konzentration der Pasen rascher, eine Nebenreaktion statt, welche in der Spaltung des Atropins in der Klte (in Tropasure und Tropin) besteht. 2. Sodann wurde der Einfluss der Natur der umwandelnd wirkenden Pasen auf die Geschwindigkeit der Reaktion untersucht. Es zeigte sieh, dass die sogenannten starken" Pasen am schnellsten wirken, wlirend die schwachen" Pasen erst nach mehreren Tagen eine merkliche Wirkung hervorrufen. In den polaristrobometrischeu Daten ist die Reihenfolge der Affinittsgrssen der Basen erkennbar, indem Natronhydrat schneller als Kalihydrat und dieses wiederum schneller als Tetramethylammoniumhydroxyd, whrend bei den schwachen Pasen Ammoniak schneller als DimethyUimin wirkt. Gleichzeitig erhlt man bei den schwachen Basen zu kleine, bei den starken zu grosse relative Werte der Geschwiudigkeits- konstanten, was bei ersteren eine Verzgerung, bei letzteren eine Beschleunigung der Drehungsabnahme durch die Nebenreaktion an- zeigt. Diese Strungen der Hauptreaktion durch die Neben- reaktion scheinen in einer nicht zu komplexen Beziehung zu den Affinittsgrssen der Pasen zu stehen, da die Reihenfolge der Geschwindigkeiten gewahrt bleibt, und es ist darnach Aussicht vor- handen, durch eingehendere Jle.ssungen die Wirkungskonstanten der Pasen auch mit Hilfe dieser Methode zu bestimmen, was die Verfasser versuchen wollen. 3. Es wurde bei der Gelegenheit festgestellt, dass, was bisher sehr zweifelhaft war, das Atropin optisch aktiv ist. Es ist schwach linksdrehend; das specifische Drehungsvermgen ist = 1.89. Um mglichst hy oscy aminfreies Atropin zu erhalten, behandelt man dasselbe am besten mit sehr verdnnter Alkali ls ung in dei- Klte bis zur Konstanz seines optischen Drehungsvermgens. 4. Fr die Fabrikation der beiden Alkalolde drfte es von Interesse sein, dass auch Natriumcarbonat, wenn auch lang- sam, die Ueberfhrung von Hyoscyamin in Atropin bewirkt. Dr. M. K. Die Mechanik des Saugens. Trotz der Wichtigkeit, welche das .Saugen fr die Nahrungsaufnahme im ersten Lebensalter, sowie fr das Trinken und einige andere Erscheinungen besitzt, war die Mechanik desselben bisher noch nicht in befriedigender Weise erforscht worden. Frher war die Ansicht herrsehend gewesen, dass die Wangen Saugorgane seien; indessen kommt nach den neueren Untersuchungen von Leop. A uorba ch (Du Pois-Reymonds Archiv f. riiysiol. 1888, S. .'')9) die zum Saiigen notwendige Luftverdnnung innerhalb der Mundhohle niclit durch das Einbuchten der Wangen zu Stande ebensowenig wie das Auflilhcn diT Wangen beim Plasen eine selbstthtige Verrichtung der Backenmuskelu ist; beide Erscheinungen werden vielmehr als Nebenumstnde niil herbi-igefhrt. Es sind zwei Arten des Saugens zu unterscheiden : das sogenannte inspiratorische (auf Einatmung beruliende) und dasjenige Saugen, bei welchem das Atmen nicht in ]5etracht kommt, s(Uidern die Mundhhle allein die ntige Luft- vordnnung erzeugt. Wlirend ersteres beim Schlrfen allein in l'htig- keit tritt, und weiter fr das Ansaugen von grossen Flssigkeits- mengen der Brustkorb der mchtigste Beweger ist, erstreckt sich der Wirkungskreis der zweiten Saugart auf das eigentliche Saugen (der Suglinge), das Trinken der Erwachsenen, das Rauchen usw. Die Erweiterung der Mnndhhle, durch welche bei dieser Art des Saugens die Luftverdunung hergestellt wird, geschieht einesteils dadnn^li, dass der Unterkiefer herabgezogen wird, wobei er die ihm anhaftende Zunge mitnimmt und so den Raum zwischen Zungen- rcken und Gaumen vergrssert. Anderenteils wird in der Mund- hhle ein vorderer Saugraum hergestellt, indem der Gipfel (der mitt- lere hohe TeiD der Zunge fest gegen den Gaumen gedrckt wird, und darauf dieser Saugraum durch senkrechtes Herabzielien und Abplatten der A'orderzunge, deren .Spitze gegen die .Schneidezhne gepresst bleibt, erweitert. Ist auf diese Weise der vordere Raum mit Flssigkeit gefllt, so wird dieselbe durch eine Si-hluckbewegung nach hinten und in die Speiserhre befrdert. Durch die Abwrts- bewegung des Unterkiefers, deren sich die Suglinge behufs der Nahrungsaufnalnne bedienen, wird eine erheblich geringere Leistung vollbracht als durch die Thtigkeit der Zunge; daher findet diese beim Erwachsenen ausschliesslich statt, und nur in Ausnahmefllen beim Schlrfen und beim Heben grosser FUissigkeitsmengen, wie bereits erwhnt wird durch die bei der Einatmung erfolgende Erweiterung des Brustkastens die Luftverdnnung erzeugt, welche grosse Massen zu bedeutenden Hhen aufsteigen lsst. Der Ver- fasser wendet sich noch gegen die ltere Ansicht, dass beim .Saugen eine Aufwrtskrmmung der .Seitenrnder der Zunge, die sicli z B. beobachten lsst, wenn man einen Finger in den INIund steckt und an diesem stark saugt, eine wesentliche Rolle spiele. Nach seinen Feststellungen kommt dieselbe durch den usseren Luftdruck (also nicht willkrlich) zustande und tritt nur dann ein, wenn dem Saugen durch die Beschaffenheit des angesogenen Gegenstandes Schwierig- keiten bereitet werden. Die beschriebenen Vorgnge wurden, so- weit sie sich in der Mundhhle abspielen, mit Hilfe des sogenannten Saugspiegels beobachtet; derselbe besteht aus einem in den Mund zu nehmenden kurzen Holzcylinder, welcher vorn durch eine Glas- platte verschlossen ist und unten ein offenes Rhrchen trgt, das durch eine Saugrhre mit einer Flssigkeit in Verbindung gesetzt wird. Dr. K, F. J. lieber elektrische Strme, entstanden durch elastische Deformation macht l'rof. F. J^raun in Tbingen in den Sitzungs- berichten der Berliner Akademie der Wissenschaften eine erste, interessante Mitteilung. Derselbe bemerkte nmlich, dass durch rasches Biegen von massig dicken Metalldrhten, deren Enden zu einem Thermomultiplikator fhrten, die Magnetnadel desselben ab- gelenkt wurde. Es lag nun zwar nahe, die Entstehung dieser .Strme, deren Existenz damit nachgewiesen ist, auf erdmagnetische Induktion, Erwrmen beim Piegen oder andere bekannte Ursachen zurckzufhren, jedoch glaubt l'rof. Braun aus Kombinationen ver- schiedener von ihm angestellter V'ersuche den Schluss ziehen zu knnen, dass die Strme bisher unbekannten Ursachen ihre Ent- stehung verdanken. Bei der Prfung versi'hiedenen Materi.als gaben Nickeldrhte besonders grosse Wirkungen. Wurde ein lngerer Dralit zu einer Spirale gewickelt, und verband man die Enden mit einem sehr empfindlichen Multiplikatiu', so zeigte sich beim Aus- ziehen der Spule ein Ausschlag von bestimmter Grosse und Rich- tung; Hess man darauf die .Spirale in ihre ursprngliche Lage zurckkehren, so entstand ein gleich grosser aber entgegensetzt ge- richteter Ausschlag der Nadel. Dagegen zeigte sich beim Tordiereu des Drahtes kein Strom. Um diese Erscheinungen zu erklren, stellte Prof. Braun ver- schiedene Versuclie an, welche unzweideutig zu erkennen gaben, dass alle in Betracht kommenden Flrklaning-sversuche nicht gengten. Deshalb kam er auf den Gedanken, dass die Thatsache, dass bei einer solchen Spule eine Richtung bevorzugt ist, vielleicht mit der Richtung zusammenhngt, in welcher der Draht bei der Herstellung das Zieheisen passiert. Dies besttigte sich vollkommen. Denn wurde eine Nickelspirale, welche diese Wirkungen gut zeigte, bis nahe zur Weissgliit erhitzt', so traten die Strme nicht mehr auf. Sie zeigten sich jedoch wieder, sobald man den Draht von neuem durch das Zieheisen gehen Hess; und zwar waren diese Strme der Zugrichtung entgegeiigeriehtet. Fr diese Strme schlgt Prof. Braun den Namen Deformationsstrme" vor, und zwar nennt er den beim Ausziehen der Spirale auftretenden Strom Dilatations- strom und den anderen K o nt rak tion sstrom. Pei rechtsgewun- denen Spiralen ging ferner beim Nickel der Dilatationsstrom gegen die lchtung. in welcher der Draht das Zieheisen passiert hatte; bei linksgewuudenen Spiralen dagegen Avar er mit dieser Richtung gleichgerichtet. Indeni wir nicht weiter auf die von l'rof. Braun mitg(,'teiltcn Beobachtungen, welche in weiteren Mitteilungen noch Nr. 4. Naturwissenschaftliche Woclienschrift. 31 ausflirliclier vertteiitliclit wi-rdeii sollen, eingehen, sei nur noch bemerkt, dass der Verftissev aus seinen Versuchen schliesst, dass die mechanische Def'orniatioiisarheit unmittelbar, und ohne erst in Wrme uniiiesetzt zu werden , in elektrisclie Energie verwandelt wird. Mglicherweise kann die Erzengung dieser Strome auch praktische Anwendung tinden. A. ('. Mira Ceti. Der berhmte vernderliche Stern im Walfisch strahlt zur Zeit in hellem Glnze, da er seinem Hauptmaxiniuni nahe ist, und bietet diesmal besonders gnstige Gelegenheit zur ]ieobacbtung dar. In seiner Nhe befinden sich nord-oestlich in einem stumpfwinkligen Dreieck die Sterne a, ;-. tf-Ceti, welche der Reihe nach 2, 3, 4 Grsse sind; ausserdem steht nrdlicli von o-Ceti der Stern a-Piscin 3" . Alle sind zum Vergleich mit blossem Auge sehr passend. M. Fragen und Antworten. "Was versteht man unter Homopathie? Homopathie ist die Lehre der Anwendung von Arzneimitteln nach dem Grundsatz siniilia similibus eurantur: Aehnliches heilt Aehnliches. s. s. c. bedeutet: Krankheitszustnde, entstanden durch Erkl- tung, Aerger, berhaupt durch andere Ursachen, werden geheilt durch Arzneimittel, welche im gesunden menschlichen Krper krank- hafte Vernderungen erzeugen, welche den zu heilenden Zustnden im Wesentlichen hnlich sind. Der iJegrifi:' der Aehnlichkeit ist vollberechtigt in der Wissenschaft, wie die Lehre von der Aehnlich- keit der Dreiecke in der (ieometrie beweist. \'on vornherein knnte man vermuten, dass Arzneimittel dieser Art nur verschlimmernd auf die vorliegenden Krankheitszustnde wirken miissten: Dieser Vermutung steht aber die Ueberlegung gegenber, dass der Arzneistott' im kranken Krper ganz andere Verhltnisse voi-findet als im gesunden; wrde man diese krank- haften Verhltnisse als den gesunden gerade entgegengesetzte be- trachten, so wrde ja in der Heilung der lamUufige, leichter ver- stndliche Grundsatz conti-aria conti-ariis gewahrt sein. Entscheidend ber den Wert von s. s.. c. ist aber vor allen Dingen nicht die Theorie, sondern die Erfahrung am Krankenbett: diese spricht in unzhligen Fllen zu Gunsten des homopathischen Heilgrundsatzes. Belladona erzeugt im gesunden Menschen durch grosse Gaben eine Halsentzndung, welche sich durch gelinge Gesidiwulst, starke Rtung und Trockenheit kennzeichnet: dieselbe Art der Hals- entzndung, entstanden durch Erkltung, wird schnell geheilt durch kleine Gaben Belladona. Halsentzndung, welche sich auszeichnet durch starke Schwel- lung der Mandeln und reichliche Schleimabsonderung, ebenso Mund- catarrh mit viel Speichel werden am besten geheilt durch kleine Gaben Mercur, welcher ja, wie bekannt, so entschieden auf die genannten Teile einwirkt. Phosphor erzeugt nicht selten bei Vergiftungen Lungenver- dichtung; er ist daher in der catarrhalisidien Lungenentzndung vielfach ein vorzgliches Heilmittel. Starker Kaft'ee kann Aufregung dei' Nerven und Schlaflosigkeit hervorbringen: bei Leuten, welche gewhnlich keinen Kart'ee trinken, z. B. bei Kindern, ist eine Verdnnung der Tinctui-a cotteae daher oft ein wirk.saraes Mittel gegen schlaflose Unruhe usw. usw. Die Kleinheit der homopathischen Gaben erregt den meisten Anstoss; ein Arzneimittel, welches das erkiunkte Organ genau trifft, in specifischer Beziehung zu ihm steht, wird selbstverstndlich in viel kleineren Gaben wirksam sein, auch viel leichter schaden, als ein Stott', welcher nur in der Nhe des erkrankten Organes oder entfernt davon seine Thtigkeit entfaltet. Wie weit man in der Verkleinerung der Gaben gehen darf, darbei' kann nur die Er- fahrung, die erhhte oder gesunkene Reizbarkeit des Kranken ent- scheiden; viele Homopathen gehen in den Verdnnungen viel zu weit, ganz unnthigerweise. IManche schaden ihrer Fahne durch Einseitig'keit, als ob Heilungen nur durch s. s. c. vorkommen knnten: practica est multiplex. Vielfach schadet dem Ansehen der Homopathie das Kurieren der Laien, nach sogenannten homopatischen Hausrzten ; dies wrde sofort zum grssten Teil aufhren, sobald griuUiche Kenntnis der homopathischen Therapie ein i 40^; geb. l,lf J5 ^. Bruhn's Verlag (Eugen Appelhaus) in Braunsehweig. Priedriehson, A., Untersuchungen ber bestiimte Vernderungen der Netzhautcirculation hei Allgemeinleiden mit besond. Beriiek- sieht. der Blutheschaffenheit bei Anmie und Chlorose, gr. 8". (12-2 S. mit 1 Tafel.) Preis 2 M. E. J. Karow, (Verl.-Cto.) in ] )orpat. Frhlich, I., Allgemeine Theorie des Elektrodynamomefers. Ein Beitrag zur Anwendung und zur Integration der Ditt'erential- gleichungen der elektrodvnam. Induktion, gr. 4. (X VIII, 168 S. m. 3 Tafeln.) Preis kart. 10 JC. R. Friedlnder & Sulin in Berlin. Gehl, O., Ein Fall von Verletzung der Sehnerven, gr. 8". (25 S.) Preis 1 JC. Lipsius & Tischer, Verl.-Cto. in Kiel. Gnther, F., Ueber aethglbenzhydroxamsaures Aethyl. gr. 8". (34 S.) Preis 1 JC. Grfe & Unzer in Knigsberg in Pr. Gruber, A., Ueber einige Rhiznpoden aus dem Gcmieser Hafen. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (12 S. m. 1 Taf.) Preis 1 JC 60 4. I. C. H. Mohr (Paul Siebeck) in Freihurg i. B. Haeckel, E., Die Radiolarien (RJiizopnda radiaria). 3. und 4. (Scliln.ss-)Ti. 4". Inhalt: Die Acantharien und Ph.ieodarien oder actipyleen und cannopyleen lladiolarien. (02 S. mit 42 Tafeln ) Preis kalt. 4!'> JC. Georg Reimer in Berlin. Haudring, E. v., Baclerioloqi.'iche Untersuehunq einii/<'r Gebrauchs- wsser Dorpals. gr. 8".' (.57 S.) Preis 1 JC.' ?.. J. Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Hilscher, A., Spczialkarte des Stadt- und Landkreises Breslau. 1 : 13.')000. 2. Aufl. Chromolith. Fol. Preis 75 4 Priebatsch'a Buchli. in Breslau. Hopmann, C. M. , Ueber Warzengeschwlste (Papillome) der Respirationsschleimhute. (16 S ) Sammlung klinischer Vor- trge. Herausgeg. von R. v. Volkmann. Nr. 312 315 gr. 8". Subskr.-Pr. ii 50 4; Einzelpr. ii 75 4. Breitkopf & Hrtel in Leipzig. Hormuzaky, C. v., Beitrge zur Kferfauna der Bucovina und Konlruninicns. gr. 8". (60 S.) Preis 2 JC. R. Friedlnder & Sohn in Berlin. Hue, A., Addenda nova ad Lichenographiam europaeam exposuit in Flora Ratisbonensi W. 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Zur Besorgung liUerari^chen Bedarfes halfen wir uns bestens empfohlen. Berlin KW. . l>ii' Expedition ler Natiirwissenseliaftiiclien WoclieiiMC'lirift''. Inhalt: Dr. Uobort ilittniann: Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen di'r liakteriiMi. (.Mit Abliild.") Prof. 1 >r. A. Schubert: Diis Bechnen an den Fingern und an Maschinen. (Mit Abbild.) (Schluss.) Kleinere Mittellungen: Ueber den zn- Ulssigen Geiiuss des Flinsclies tiiberkulilser Tiere. I )eiitsch-Witii-Uand. JMiMnungen ber die Ursaclie der Krdbehen. Umwand- lung von Ilyoscyamin in Atropin durch B.aseii. Dii' .Mecbanik des .Saugens. Ueber elektrische Strme, entstanden durch elastische Deionuatinn. Mira Ceti. Fragen und Antworten. - Litteratur: Dr. C Pclmann: Nervositt uiul Krzieluing. - B(!herschau. Verantwurilicber Redakteur: Dr. Henry rotimie, Herlin NW. 6. Verlag: lli^nnanu Kieiiiann. Berlin NW. 6. Druel: {Jebrder ICiesau, Berlin SW. 12 llierxn eine Iteilajce. welelie wir iM'wondei')* ir.n beaeliten bitten. 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Kraus, Dsseldorf, Wehrhahn "28 a erscheint: Naturwissenschaftlich-technische Umschau. Illustrierte populre Wochenschrift ber die Fortschritte auf dem Gebiete der angewandten Naturwissenschaft und technischen Praxis. Fr Gebildete aller Stande. ^ : :; Regrriindet 1884. ^ Abonnements -durch die Post, die Bucliliaiidhuiy-eii oder direkt l>ezog-en pro Quartal S Mai'k. Einzelne Nummern i,''e*ien EinsendmiL,'- von ?o Pfg* in Marken. Urteile der Presse: Diesem Verlangen nach Vielseitigkeit entspricht die illustrierte Zeitschrift ,, Natu rwiss en schafti ich- technische Umschau*', welche, fr Gebildete aller Stande bestimmt, in populrer Darstellungsweise ubci die Fort- schrille, Entdeckungen und Erfindungen auf den Gebieten der an^^ewandten Naiurwisseuschaft und techi-ischen Praxis berichtet. Durch den ausserordentlich mannigfaltigen Inhalt dieser Zeitschrift wird das wechselseitig frdernde Zusammen- wirken von Naturwissenschaft und 'l'ecliiiik in der Nutzbarmachung iler Stoffe und Krfte zur Erhhung unseres intellek- tuellen und materiellen Wohlseins in anschaulicher, zugleich fesselnder und belehrender Weise dargesteift. Illustrierte Zeitung". Efn wahrhaft gediegenes Unternehmen, das mit diesem Jahre neu in die Ersclieinung getreten ist. Wir empfehlen allen unseren Lesern, welche sich fr die Kortschritte auf dem Gcliiete der angew.indten Naturwissenschaft und tech- nischen Praxis interessieren, die Umschau" als eine Quelle, aus welcher wertvolle Belehrung zu schpfen ist. 1 13] Familien-Zeituni;". ^ ' i^ Gesteinsdnnschliffe von UjlbM ab werden angefertigt von . Zwach. Kgl. Bergakademie in Berlin N., Invalidenstrasse 44. Gestine werden angeschliffen und poliert. Prparate von lebenden Hlzern zu anatomischem Qebraunh stellt hillig her llodelltischler nichel, Berlin N., Landwirtsehaftl, lluch- schijle, Ittvaiidenb'trasse 42. Ein Chemiker, : Vofl A(iiiariei], Terraile, Fontnen, Felsen, Fisclien, Reptilien, Pflanzen, Laubfrosch- u. Wetterhuschen, Blenenzuclitge- rthen vers. illustr. I'irislisti' i^rati- W. Siebeneck, Mannbeim. (..d l>r. phil., [89 der seine Studienzeit in Marliuri;, Giessen u. Berlin (fi Sem.) beendete, mit besten Empfehlungen, sucht per .Januar k. J. Antani,'-sstellung. Getl. Offerten sub L. R. 42 d. d. Exp. d. Naturw. Woehenscluitt." nphraiiphfa Briefmarken kauft I Ut:ui(lUblllt: G. Zechmeyer in i Nrnberg. Prosp. gratis. (n Niemand ist unzufrieden, der den Holland. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz je versucht hat. 10 Pfd. fro. Nachnahme M. 8. Garantie: Zurcknahme. [3:5] Von der Zeitsclirift : Der Zoologisctie Garteii redimiert von Oberlehrci- l'nif. Dr. F. C. KoU, Verlag von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. M., erschien soelien Ni'. !) des XXIX. .Tahi'yaucs t'iir 1SS8 nut folgendem [nhalt: Die Lninineii auf Helgoland ; von dem Herausgeber. Der Bou-Rioun (Lacerta ]iater Lataste) und seine Verwandtschaft mit der Perleideclise (L. ocellata Dau- din) und der Sinaiaf;deidechse (L. viri- dis Daudhi) ; vr)n joh. von Fischer. Zoologisclier Aberglauben in Russland; von C. Greve iu loskau. Der Main als Fischwassei-; von L. Buchsbaum, Kaunlieim a. Main. Der Zoologische Garten zu Strassburg; von Osltar Schnei- der. Korrespondenzen. Kleinere Mitteilungen. Eingegangene Beitrge. Bcher und Zeitschriften. Be- richtigung. flttnnu's Punbcr k immUj oder gemeinfassliche I iarstelliiiii; des Weltsystems. Siebente Aufl. Xaeh den neuesten Fortscliritteu der Wissenschaft von Dr Edmund Weiss, Prof. ete. Mit 15 litliogr. Tafeln und 148 Holzsclinitt-Ulustra- tioneu. Neue Ausgabe erscheint .jetzt iu 35 Tjiel'erungen 50 Pf. in Ferd. Dllmndor's Verlagsbuch- handlung in Berlin. Fleft 1 zur Ansicht in jeder Buchhandlung vorratig. [loa RA**A**AA***A**AA*AAA*AAAAA***A**S Oeolo^isclie l 'borsiolilsUarte der Umgegend von Berlin. (Massstab 1:100,000.) Geognostisch aufgenommen v. G. BereniU und unter Leitung desselben von E. Lufer, F. Wahnschaffe, L. Dtilk, K. Keilhack, D. Brauns und H. Grmier. Herausgegeben von der Kgl. preuss. geolog. Landesanstalt. Rin ni'iu.s Exi'iiiiilar als AVandUarte auf fji'inwand ge/ogcn fr den Preis von Mk. 12,^ zu verl <>. Luilatx 1 1 etraues (auch in l!rii'fniarl<'r. K. UHlihahl. y. Auflage. Mit 221) Abbildungen. 25) Geh. I'rei.s :? Mk. Leipzig. C. A. Koch's Verlag. I Ein Merz'sclis ffiroslop \ \ mit 2 Objekt. Va" " Via" '"'<1 1 k 8 Okul. zu Mk. 60, sowie \ Kpp's Mineraliensammlung J 300 grOs-sere in 3 Ksten zu H Mk. 35 zu verkaufen. '% Barmen, Wuppermannstr. 4. \ 112] H. Hackenberg. Inserate f. Nr. 6 der Naturwissenschaft!. Wochenschr!' mssen sptestens bis Sonnabend, den 27. Oktb. in unsern Hnden sein. Berlin NU. iiiiti'ei*, da Weltjjese*:, welche Firma llirf & Soliii //( Ii4-i|y,iu', hctrcffcnd s^POsrnpIliMt-lie cIh-uso ein Frospe/xt drr Firma .tleyor & Zi'IU'i* in Zi-ifli, n!i7' der freundlichen Beachtung unserer geehrten Leser bestens empfehlen. (115/116 Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. JII. Band. Suiintao-, den 28. Oktober 1888. Nr. o. Abonnement: Man alioniiiert bei allen Bucliliaiulliuigeii >nul Pust- austalten, wie bei der Exiieditiou. Der Vierteljalirsiireis ist Jl ;i. ; BriiigegeUl bei der Post !' .j extra. -)r Inserate : Die viergespalteue Petitzeile 30 ^j. Grssere Auftrge GifD entsprechenden Raliatt. Beilagen nach ebereiukunft. Inseraten- A anuajime bei allen Annoncenburcaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist iiwi- mit vollitiindiger (Quellenangabe gef^tattet. Philosophie und Naturwissenschaft. Dr. Eiioen Dreher, weil. D Am Sclilii.s.se seiner Schrift: Ueber den Mateiialis- mus der neueren deutscJien Naturwissenscliaft, sein Wesen und seine Gescliiclite", erldrt Sclileiden: ,,.Der prin- zipielle und in gewisser Weise ja bereclitig-te Widerwille unseres natunvissenscliaftlidi-industriellen Zeitalters gegen alle pliilosopliisclien Untersucliungen wird sich nicht so leiclit berwinden lassen, noch sind der Aufgaben zu viele, die ganz oder teilweise gelst werden knnen, ohne dass die Halbheit und Unsicherheit in den Grundlagen schreiend zu Tage tritt. Er.st ein Ke[)pler und Newton fr die anziehenden Krfte in der l^erhrung (oder eine hnliche Fundamentalfrage) werden den Geist wieder wecken und zu der eigentlichen Grundlage zurckfhren. AVir, die wir uns echte Schler von Kant nennen in dem oben entwickelten Sinne, knnen nur durch immer wiederholte Mahnungen konstatieren, dass der Faden keineswegs abgerissen ist und einer besseren Zukunft vertrauungsvoll entgegensehen." Die Zukunft aber, von der hier der philosophisch geschulte Naturforscher spricht, ist gekommen. Die Naturwissenschaften sehnen sich in richtiger Erkenntnis ihrer blos einseitigen, der Erfahrung allein Rechnung tragenden Richtung nach dem Anschliiss mit der alle Wissenszweige verbindenden Wiilo- sophie und die Philosophie sucht ihi-erseits bei richtiger Wrdigung der Empirie eine breitere und sichere Grund- lage in den einzelnen bJiiahrungswissenschaften zu gewinnen. Eine nicht hoch genug zu veranschlagende Errungenschaft von Philosophie und Naturwissenschaft im engeren Sinne ist es, dass beide auf verschiedenem Wege dazu gelangt sind, dass weder das reine Denken die Erscheinuns-en ozeiit a. d. Universitt in Halle, im voraus festzustellen vermag, noch die Ersclieinmigen im Stande sind, die Natur unseres Denkens zu bestimmen, dass diejenigen Geistesoperationen, die wir als richtiges Denken beztMchnen mssen, als eine ebereiukunft zwischen der Beschattenheit unserer Denkorganisation und der an uns herantretenden Wahrnehmungen anzusehen sind. In diesem Sinne begrssen wir denn auch das nachgelassene Werk Immanuel Kant's: Vom Uebergange von den metaphj'sischen Anfangsgrnden der Naturwissenschaft zur Physik", welches Albrecht Krause ebenso klar wie eingehend mit anschaulichen Belegen populr-wissen- schafilich" interpretiert hat*), als ein hoch zu stihtzendes Yermchtnis des Knigsberger Forschers, von dessen Methode zu denken Sehleidcn in der genannten Schrift mit Recht hervorhebt: OJme diese zu philosophieren, wenn man es jetzt iUjirlimept noch so nennen nnll, id ebenso (tlisurd, als ohne induldive Methode Naturwissenschaften treitien. So ivie diese letztere von den sinnlich erfassten Thatsaehen konsequent imd siclier zum nicht sinnlich tmhr- nelimharen Gesetz, so fhrt jene, die kritische Methode, von den ehenfulls v-alirf/enommenen TJiatsachen der inneren Erfahranfi zu den mefujiJii/sischen Grundstzen, die auch die Katar a-issenschaften helu-rrsclien". So \\ird di'iin jedem, dem es darum zu thun ist, seine Specialwissenschaft mit allgemein giltigen Ideen und Gesetzen zu verketten, der in der Flle und Flucht *) Das nachgelassene Wvrli Immanuel KanVs: Vom Ueber- (jange von den metaphysischen Anfangsgrnden der Naturtvissen- schaft zur Phgsik mit Belegen populr- wissenschaftlich dargestellt von Albrecht Krause. Vorlag' von Moritz Schauenburg-, Frank- furt a. M. uinl Lahr. 1888. 34 Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 5. der Erscheinung-en den rulienden ]*ol"' sucht, das an- gefl'te Werk eine reiche Quelle der Belehrung, An- regung und des wissenschaftlichen Genusses selbst dort noch gewhren, wo er sich auf (irund neuerer Untersuchungen mit den Ansichten Ivant's nicht einverstanden erklren kann. Man ei'wge hierzu die im Anfange des genannten Werkes ausgesprochenen Grundstze : Physik, ivie alle Natitnvissemchaft, geht iJn-L-n IIV// rnJiifj und sicher, indem sie zimclid die Vorgnge und Thatsttchen in der Nahir aufsucht und feststellt. Sic hednrf dazu keiner Pliilosophie, und a jn'iori knnen keine Sterne gefunden werden. Nur Observation und Experiment gehen gesicherte Thatsaclien." Und Seite 6: ,,ln diesem Sinnen wird also jeder Phj'siker sich ruhig beteiligen knnen an der Wissenschaft, welche klarstellt, welche Merkmale die gebrauchten Grundbegriffe haben und welcher Gebrauch derselben dabei' ihr am Inhalte widerspi'icht. Die Wissenschaft oder Erkenntnis aus blossen Begriffen Iwisst nun die Metaphysik oder reine Philosophie." Da aber der Begi'iff sich an dem zu bearbeitenden Material herausbildet, mithin zeltgemssen Schwan- kungen unterliegen muss, so ist Metajihysik nicht nur die geraeinsame Wurzel aller Wissenschaften, sondern auch das gemeinsame I^and, welches die jeweiligen Er- i-ungenschaften aller Wissenschaften denkgemss zu ver- knpfen sucht. Nur in diesem Sinne hat der Begritt': Metaphysik seine \olle wissenschaftliche Berechtigung, wie dies Kant schon durchschaut hat. Metaphysik als die Lehre desjenigen, welches hinter dem Schleier der Erschi.'inung liegt, des Kant'scheji Dinges an sich", wie sie frher, zuweilen auch noch heut, gefasst wird, verdient keine Beachtung, weil, wie ivant schon nach- gewiesen hat, unsere Erkenntnis nur den Erscliei- nungen Rechnung tragender (phnomenaler") Natur sein kann. Wie abei' um mit Schiller zu reden im gewissen Sinne dei- (ienius mit der Natur im Bunde steht, so dass letztere Das leistet, was das (jenie verspricht, da- fr liefert das in Rede stehende Werk Kaut's einen hchst interessanten Beleg, insofern in diesei' Schrift schon deutlich der Gedanke nicht nur ausgesj^'oclien, sondern auch durchgefhrt ist, dass Wrme als eine Schwingungsform der Materie air/.uschen ist, und nicht als etwas Materielles an sich. Dass dieser Gedanke, den Rumford, Robert Mayer und Joule spter zwai' ein- gehendei-, aber sehr stufenweise im Sinne der' exakten Naturwissenschaft begrndeten, .als eine der grssten Errungenschaften unserer modernen Physik aufgel'asst \\ird, brauche ich kaum in einer Zeit zu erwhnen, wo man bei den verwickeltsten Phnomenen die (iiltigkeit des Gesetzes von der Erhallung der Kraft nachzuA\'eisen sucht. Aber auch bei k'ant gebrauchte der Gedanke: die Wrme als eine Scliwingungsform der Materie aufzufassen, Zeit zur Reife. Erst in der dritten I<]poche seiner meta- physisch-physikalischen l'ntcisuchungen erhebt er si(;h Erkenntnis: y\'iiime ist innigste oscillntorisdic B(U'. Es fragt sich dabei' nur: wie hervorragende MatJie- matiker sich einer so haltlosen Hypothese wie derjenigen der Yierdimen.sionalitt des Raumes zuwenden konnten. Es liegt dies unzweifelliaft in dem Umstnde, da.ss die Mathematik, die bei oberflchlicher Betrachtung eine so einleuchtende und feste Grundlage zu haben .scheint, beim tieferen Eindringen auf mystische und dunkle Pro- bleme und Gebiete fhrt, die gar zu leicht demjenigen, der nicht durch eine allseitige philosophische Bildung gegen diese Klippen gefeit ist, in die Gefahr bringen, ber Trumereien Realitten zu vergessen. Ich erinnere hier nur an Stze wie: Zwei parallele Linien schneiden sich in der Unendlichkeit. Die Parabel ist anzusehen wie eine Ellipse, deren zweiter Brennpunkt in die Un- endlichkeit fllt; die beiden Arme einer Hyperbel als zwei Parabeln, zwischen denen die Unendlichkeit liegt usw.; ferner an die Annahme von Diiferentialen verschiedener Ordnung, wie an die von Endgliedern verschiedener Grsse von absteigenden unendlichen Reihen, EndgUeder, welche, obwohl fr den Gedanken unteilbar unendlich klein, dennoch verschiedene Grsse besitzen sollen. Will man nicht, wozu man keineswegs berechtigt ist, diesen Theoremen eine ganz plumpe Auslegung geben wie etwa die: Parallellinien schneiden sich in der Unendliclikeit lieisst nichts weiter, als sie schneiden sich nie, oder, will man nicht die Bedeutung und Tragweite dieser Theoremen bersehen, so ist nicht zu verkennen, dass man hier auf sich widersprechende Momente stsst, die ihre unerwartete Ausshnung in der Erfahrung finden, sodass man an den Mysticismus der Hegel' sehen Afterphilosophie er- innert M'ird, die den Widerspruch zum Princip der Welt- e\olution erhob. Schutz vor so lockenden Versuchungen bietet aber ein Werk wie das besprochene Immanuel Kant's, in welchem Klarheit und Tiefe derartig harmonisch ver- bunden sind, dass es den entferntesten Zeiten immer noch als Muster dienen kann: Wie wissenschaftliche Forschungen zu betreiben sind; worin der ewig bleibende Wert jedes wahrhaft genialen Werkes zu suchen ist. Formen, Herkunft und aligemeine Lebensbedingungen der Baktersen. Von Dr. Koliert jMittniann. (Schluss) Eine wichtige Rolle beim Wach'^tum der Bakterien spielt die Temp:'iatur des Nhrbodens und der Umgebung. Unterhalb 5" ist ein Wachstum und eine Vermehrung der Mikroorganismen so gut \vie ausgeschlossen. Es tritt nmlich dann die sog. Kalt est ane ein, welches jedoch keineswegs mit einer Veiniclilung des Lebens 'identisch ist; denn MiJzbrandbaeilJen knnen eine Temperatur von 110", Cholciabacillen eine .stundenlange Einwirkung von 10" ertragen, ohne an ihrer Lebensfhigkeit ge- schdigt zu werden. Sobald die Bacillen wieder in giin. >jtigere Temperaturen gelangen, entwickeln sie sich in gewohnter AVeise weiter. Zu giosse Wrme bt einen 36 Natiinvissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. . hnlichen Eiuttus.s. Mit 4" tritt meistens die sogenannte Wrmestarre ein; whrend 50 60" bei lngerer Dauer die vegetativen Formen, aber noch nicht die Sporen tten. Zwischen den oben angegebenen Extremen, die selbst- verstndlich nicht von allen Arten ertragen werden, liegt eine ebenfalls fr die einzelnen Arten verschiedene mitt- lere Temperatur, bei welcher Wachstum und Vermehrung am besten von statten gehen: Temperaturoptimum. Fr die pathogenen Bakterien liegt das Optimum bei 37 ", der normalen Krperwrme, whrend es fr die meisten brigen bei etwa 20" liegt. Eine hnliclie wichtige Rolle wie die Wrme spielt der Sauerstoff, bei dessen Abwesenheit die meisten uns bekannten Arten nicht leben knnen. Diejenigen, auf welchen schon eine geringe Veiminderung des Sauerstoff- gehalts der Umgebung einen nachteiligen Einfluss ausbt, nennt man obligat-aerobe Bakterien. Diejenigen, welche zwar in einer sauerstotfi'eichen Umgebung am besten ge- deihen, aber auch bei vlUgem Mangel an Sauerstoff sich langsam weiter entwickeln, bezeichnet man als facitativ- ai'robe; zu ihnen gehren die meisten pathogenen Arten. Gewisse Bakterien bieten die hchst beri'asehende Erscheinung dar, dass der Sauerstoff schdlich auf ihre Entwickelung einwirkt und manche derselben bei lngerer Berhrung sogar ttet. Dies sind die sogenannten ana- eroben Arten. Nach eifolgtei' Darlegung der allgemeinen Lebens- bedingungen der Bakterien, mgen auch die von ihnen erzeugten Stoff wechselproducte kurz erwhnt werden. Manche Bacterien besitzen die Fhigkeit feste Nhr- boden wie Peptongelatine durch die von ihnen ausge- schiedenen Stoffwechselproducte zu verflssigen. Andere erzeugen auf der Hhe der Vegetation Farbstoffe. Am lngsten bekannt ist dieses Veihalten wohl beim Bak- terium des Blutwanders (^likrococcus prodigiosus). Das intensiv rote, bluthnliche Aussehen dieses Farbstoffes und das dem Unkundigen vllig rtselhafte Auftieten seines Erzeugers haben namentlich im Mittelalter Anlass zu dem wunderlichsten Aberglauben wie dem der bluten- den Hostien etc. gegeben. Gewisse Bakterien sind bei der Erzeugung von Ghrungsprozessen thtig; andere verursachen Fulnis- prozesse. Auch die Nitrification (Nitration) des Bodens kommt durch die von Bakterien bewirkte Zer- legung organischer Stoffe zu stnde. Einzelne Arten scheiden bei ihrer Vegetation stark riechende, oft abscheulieh stinkende Gase aus; so ei'zeugt z. B. der oben erwhnte Mikrococcus prodigiosus, wenn er auf Kartoffeln gezchtet wird, einen eigentmlichen, dem der Salzheringslake hnlichen Geruch nach Trime- thylamin. In vielen Fllen erzeugen die Bakterien Stoffwechsel- producte, welche ihnen selbst schdlich sind und ihre Entwickelung vei'langsamen oder sie zum Stillstand brin- gen. hnlich wie die Hefearten in der Bierwrze oder im Most durch ihre Vegetation den in diesen Flssig- keiten enthaltenen Zucker in Alkohol, einen fr sie gif- tigen Stoff, verwandeln und sich schliesslicli zu Tode ghren", so erzeugen die Bakterien vielfach organische Alkaloide, die ebenfalls fr sie giftig sind. Um auf knstlichen Nhiboden eine zu grosse Anhufung der- artiger Stoffwechselproducte zu verhindern, empfiehlt es sich daher knstliche Kulturen hin und wieder auf frische Nhrbden zu bertragen. Ueber die Anlegung knstliclier Kulturen und ber die beim Arbeiten im bakteriologisclien Laboratorium ntigen Vorsichtsmassregeln soll in einem folgenden ^Vuf- satz berichtet werden. Aus dem Sinnesleben der Tiere Voll Dr. Hubert Keller. Die uns umgebende Welt ist in vielen Dingen ein Erzeugnis unserer Vorstellung. Die Farbenpracht, welche uns an einem Makart-Gemlde zur Bewunderung einer kaum erreichten Meisterschaft hinreisst, die Tonflle einer Tannhuser-Ouvertre, die in wunderbarer Sprache von menschlicher Freude und menschlichem Leide zu uns spricht: sie beide bestehen nicht ausser uns, sie werden in uns geboren. In hchst prosaischer Weise sagt der Pliysiker: Rot ist derjenige Sciiwingungszustand des Lichttiiei's, welchem die Schwingungszahl vierhundert- eiuundfnfzig Billionen entspricht; das mittlere A des Klaviers entspricht 440 Schwingungen in der Sekunde. Die Piodukte vollendeter Kunst auf dem Gebiete der Farbentechnik und der Musik analysiert er erbarmungs- los in Zahlen, die gewisse Bewegungszustnde bedeuten. Erst unser Geliini, dem die Sinnesnerven durch das Auge und durch das Oln- diese Bewegungsformen zuge- leitet haben, bersetzt diese in die melodische Sprache der Musik, in die berckende Farbenpracht der Malerei. AVenn nun Ton und Farbe unseres Gehirnes Schpfung sind, wird dann wohl so mssen wir un- willkrlich fragen jedes Menschengehirn diese Be- wegungseivscheinungen in gleicher Weise bersetzen? Wird das Chaos von Luftschwingungen, das ein Orchestei- vortrag erzeugt, von jedem Gehirn gleichartig als wohl- geoi'dnetes Tonwerk bertragen, wird wie in meinem Gehirne so auch in jedem anderen die Flle der Luft- schwingungen bald in Freude und Jubel, bald in stille Wehmut, bald in wilde Verzweiflung bersetzt? Der Gedankenaustausch ber eine dieser knstleri- schen Schpfungen lsst allerdings kaum daian zweifeln, dass wenigstens die Grundzge der verschiedenen Ueber- setzungen sich gleichen. In der Feinheit der Auffassung, in dem Stile der Uebeisetzung macht sich allerdings die Nr. 5. Natiirwissenschaftl iclie Wochenschrift. 37 Tndividualitiit geltend. Eine leise Dissonanz, die in den Mienen des Herrn Dirigenten verschiedene Muskeln in g-anz ungewohnte Thatigkeit zu setzen vermag, die eine pltzliche Dreliung des Kopfes hervorruft, die selbst die Muskulatur seinei' Gliedmassen in eine fr den Snder niclit niisszuverstehende Bewegung versetzt, hat unser Laienhiin nicht Ijerhrt. Die fr den Knstler unan- genehmen Schwingungen bertrug es uns weniger zart besaitetem Menschenkinde als wohltnende, den Regeln der Kunst entsprechende. Und doch kann man sich des Gedankens kaum er- wehren, dass wohl selbst die Grundzge der Uebersetzung nicht durchgngig sich decken. So ist untei' sonst nor- malen Verhltnissen die Wahrnehmung hoher Tne bei verschiedenen Personen verschieden. Schnellste Schwin- gungen bersetzen gewisse Gehii'ne in Tne, whrend sie fr andere nicht bestehen. Die Pltzlichkeit des Ueber- ganges", schreibt W o 1 1 as t o n , vom vollkommenen Hren zu einer vollstndigen Abwesenheit der Wahinehmung bei'iascht so sehr, dass ein derartiger Vei'su(.-h mit einer Reihe kleiner Pfeifen unter verschiedenen Personen sehr belustigend ist. Es ist sehr eigentmlich, wie die ver- schiedenen Mitglieder der Gesellschaft nacheinander ihre Ueberraschung ausdrcken, Avenn die Tne sich der Grenze ihres Gehres nhern und sie berschi-eiten. Oft sind die, welche sich eines vorbergehenden Triumphes eifreuten selbst gentigt anzuerkennen, wie wenig weit sich iiu'e geringe Ueberlegenheit erstreckte". Nichts ist berraschender", schreibt Herschel, als wenn von zwei Personen, welclie nichts weniger als taub sind, die eine sich ber die durchdringende Schrfe eines Tones beklagt, whrend die andei-e behauptet, dass gar kein Ton existiere". So ist also wenigstens auf dem Gebiete der Tne nicht jede rebersetzung der andei'en gleich- wertig. Erscheinungen anderer Art lehi'en uns dasselbe fr das Reich der Farl)en. Das Glasprisma zerlegt uns das farblose SonnenUtiht, gleich wie die Wassertropfen, in welche die Sonne scheint, in eine Farbenreihe, die sieben Regenbogenfai'ben, welche mit rot beginnt und mit violett endigt. Der Physiker beweist uns, dass nicht nur in dem Zahlenraume, welcher zwischen der Schwingungszahl des Roten und des Violetten liegt, Lichttherschwingungen bestehen, sondern auch im Zahlenianme unter dem Rot und ber dem Violett. Sollte also nicht einem Gehirne die Fhigkeit zukommen die Schwingungen jen- seits des Violetten der Farbenreihe (Ultraviolett) als Farbe wahrzunehmen? Wir haben kein Zeugnis hiei-- fr. En besteht vielleicht nicht. Als sptere l'^ntwick- lungsphase des Fai-bensinnes ist seine Schpfung vielleicht der Zukunft vorbehalten. Wenn uns Gelehrte darthun, dass das Farbenuntersclieidungsvermgen der Dichter dei- homerischen Gesnge ein besclnnkteres war als das unsrige, dass die Scli[rer dieser herrlichen l'oesien die Farbenwelt gleichsam duich eine trbe Biille ansahen. wenn sie uns lehi'en, dass das Hiau der Tvornblume das zierende Peiwoit der Haare des (Jdysseus ist, dass die schwarzen Traueikleider anderwrts wieder kornblumen- blau genannt werden, dass die bilderreiche Spi"ache nie des grnen Kleides der Erde, nie der Blue des Himmels erwhnt, mssen wir dann nicht glauben, dass wie der Farbensinn seit der homeiischen Zeit bis zur Gegenwart sich entwickelte und in der homerischen Zeit selbst vollkonunener war als im frhesten Altertum, wo rot und hell so oft als gleichwertig erscheinen, er auch knftighin sich weiter zu entwickeln vei'mag? Vermissen wir so im Sinnesleben der Menschheit eine durchgngige Gleichartigkeit, wievielmehr muss es uns interessieren das Verhalten der tierischen Gehirne geg-en die Bewegungserscheinungen der uns umgebenden Welt kennen zu lernen, aus ihren Uebersetzungen zu lesen. Der Helligkeits- und Farbensinn der Tiere, der von Vitus Graber zum Gegenstande so interessan- ter Untersuchungen gemacht wui'de, soll uns im nach- folgenden in erster Linie beschftigen. Was knnen wir, so wird mancher der verehrten Leser erstaunt fragen, von dem Lichtunterscheidungs- vermgen oder gar von der Farbenwahrnehnmng der Tiere wissen? Wie verrt es dem Menschen, dass auch ihm veignnt ist, einen Einblick in die Farbenpracht der Natur zu thun? Vorab im Reiche der Schmetterling-e und der Vgel sehen wir einzelne Arten mit einer Fa|J)i'n- pracht geschmckt, die oftmals der knstleiisehen Hand des begnadetsten Malers si)ottet. Das schimmert und strahlt in dem bunten Kleide vieler Paiadiesvgel, dass das Auge an dieser Pracht sich nicht satt zu sehen ver- mag. Ich glaube, wenn der Versuch uns nichts bei- das Farbenwalirnelinuingsvermgen der Tiere sagte, die Tlial- sache allein, dass die Natur im Reiche der t^ebewesen in verschwendei-ischer Flle die Farben ausgegossen hat, spricht fr das Farbenwahinehmungsvermgen der Ge- schpfe. Der Pfau, der ein Rad schlgt, sucht seinem Weibchen zu gefallen. Soll dieses ihn bewundern, dann muss die schilleinde bunte Pracht des Gelieders seines h]liegesi)ons in ihm nicht weniger angenehme fiefhle erwecken, als wenn wir uns am Anblicke eines schnen (jemldes erfreuen. Die Frage freilich, o!) die Tiere die Faibe so wahr- nehmen, wie wir sie wahrzunehmen vermgen, werden wir nicht zu beantworten veimgen. Die Beobachtung, dass ein Tier die Lichtschwingungen , welche iii uns in die Farbe rot" bersetzt werden, auch wahrnimmt, bew eist noch nicht, dass sein Gehirn dieselben in gleiche Form bersetzen muss. Der gleiche Reiz kann eine andere Empfindung hervorrufen. Wenn der zweifelnde Ijesei' aus di'm Vurlcommen der Farben im Tierreiche nicht auf die ^\ahlnehmung deiselben durch die Tiere schliessen will, dann wird er uns fragen: Wie vermag uns denn der Versuch von dem Helligkeits- und Parbeusiiui der Tiere zu berzeug-en. Die Erkenntnis der Wirkung eines Liclitreizes auf das Tiei' setzt irgendeine sinnlich wahrnehmbaie Aeus- 3S Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. 5 serung des Tieres voiaus. Der Lichtieiz muss im Tiere eine Lust- oder eine Unlustempfinduiip liervorrufen, muss das Gefhl des Behagens oder des Unbehagens wecken, das hinreichend stark ist, um das Tier zu einem Orts- wechsel zu vei'anlassen (reaktive Bewegung"), dasselbe zu bestimmen, seinen gegenwrtigen Aufenthaltsort mit dem benachbaiten andeis belichteten zu vertauschen. Tritt eine solche Aeusseiung nicht ein, dann darf natr- lich nicht auf den Mangel eines Lichtgefhls , auf das vllige Fehlen der Fhigkeit, die Lichtschwingungen zu bertragen, geschlossen weiden. Das Tier kann sich dem Liclitreize gegenber geiade so glei(!hgiltig ver- halten, wie unter Umstnden der Mensch, der unter zwei verschieden belichteten Rumen nicht notwendig den einen mit dem andern vertauscht. Licht und Farben- wahi'nclinningsvermgen der Tiere bleiben uns also unter Umstnden verborgen. Licht- und Farbengeschmack des ^^crsuchstieres mssen schon ganz ausgesprochener Art sein, das Tier muss den Aethersclnvingungen gegen- ber ein sehr feinfhliges sein, wenn es in seiner stummen iSpraclie uns verraten soll, dass sein Gehirn dieselben bersetzt hat, dass es Licht und Farbenunterschiede wahrnahm. In sinnreicher, weil beraus einfacher Weise hat Graber seine Versuche anzuordnen verstanden. Ge- whnlich setzte er die Versuchstiere verschiedener Be- lichtung in Iv sten aus, die so gebaut waren, dass mit Leichtigkeit entweder Licht von ungleicher Leuchtkiaft die eine rnd andei'e Hlfte des Baumes beleuchtete oder aber laicht von verschiedener Farbe z. B. durch gefrbtes Glas in den Kasten eindrang. Bei den Versuchen ber die Farbenwahrnehmung sind natrlich stets Kontroll- versuche bei- die Wirkung verschiedener Helligkeits- grade der zu vergleichenden Farben anzustellen. Denn eine Aeusserung, die auf die Einwhkung von farbigem liichte hin erfolgt, kann ebensowohl in der Licht- quantitt, seiner Helligkeit, als in der Lichtqualitt, sei- ner Farbe, begrndet sein. (Schluss folgt.) Kleinere Mitteilungen. Zur Frage nach der Heimat der Weinbergssehneeke. 1. Zu dem Aufeatze I'^diiard von Marteiis S. 17 der Xaturw. Woc'.liL'nschr. sei bemerkt, dass der gelehi-te Herr Verf. mit Eecht andeutet, fr die Frage der Herkunft von Helix pomatia werde ihr ^irkommen in vorfrescliichtlichen Fundsttten massgebend sein. Icli habe nun dem letztern meine Aufmerksamkeit seit Jahrzehnten g-esfhenkt und ich vermute, dass nchst Rudolf Virchow niemand so viide dergl. Statten nntersuclit hat als ich. Unter IJesten der Stein- oder Bronzezeit, in der sogen, la Tene-Periode und der ger- mani.schen Vlkerwandenings- Kultur Norddeutschlands fehlt die Schnecke gnzlich, ebenso in den slavischen Burgwllen, obwohl die letzteren viel Schneekenraaterial enthalten. Wohl aber tritt H. po- matia bereits in den alten Kirchen- und Klosterstellen des 12. und l-'i. .lahrhunderts auf; es ist mir die Einfhrung der Schnecke als Fastenspeise dui-ch Mnche und Weltgeistliche berzeugend dar- gethan. Helix hortensis ist in alten slavischen Burgwllen z. B. auf Arkona hutig. Die f!renze der indigenen Verbreitung von Helix nemoralis scheint mir das linke Peene-Ufer zu sein, so zwar, dass die Verbreitung der Schnecke von Westen her statt- gefunden hat. Auf der ganz isoliert, vor Stralsund liegenden Ost- see-Insel Dhnholm kommen IT. nemoralis nnd hortensis der Art vermischt vor, auch in lteren Schichten, dass beide Tiere dort als gleichalterige Mitbrrrer unserer norddeutschen Molluskenfauna anzu- sehen sind. Stadtrat Ernst Friedet. 2. V'eranlasst durch den Aufsatz des Herrn Prof. von M arten s (Seite 17, ISd. III) der Naturw. Wochensehr." erlaube ich mir zu bemerken, dass nicht selten Helix Pomatia L. in dem dem jngeren Diluvium zuzusehreibenden Kalktutf von Robschtz bei Meissen in .Sadiseu gefunden worden ist. Exemplare befinden sich im Geul. Museum zu Dresden und in der Sammlung der Bergakademie zu Freiberg. Von anderen Konchylien fauden sich daselbst noch Helix arbustorum L. (beraus hutig). II. hortensis Mll, (nicht selten), H. nemoralis L., H. fruticum Mll, (nicht selten), H. strigella Drap, (hchst .selten), H. nmbrosa Partsch (sehr selten), H. hispida ]\Ili. (beraus selten), H. rotundata Mll, (hufig), H. pulchella Mll (ziemlich hufig), PI. liyalina Fer. (sehr hufig), H. crystallina Mll, (nicht selten). Cionella lubrica Mll, (stellenweise ziemlich hufig, stets vergesellschaftet), Bulinius nnjutanus Drap, (sehr hufig), Pupa doliolum lirug (nur ein Exemplar), P. mnscorum (nicht hufig), P. tridens Drap, (hchst selten), (ausilia laminata Mont. (sehr selten). Ct. biplicata Mont. (sehr selten), Succinea Pfeitferi Rossni. (hufig), S. oblonga Drap, (hufig), Pisidium fontinale Pfeif, (ber- aus hufig). Oberlehrer H. Engelhardt. Unter der U eberschrift ; Ueber die Einfhrung des Bennet'schen Knguru in Deutsehland" verlt'entlicht Philipii Freiherr von Hselager im Weidmann" einen Artikel, der auch in weiteren Kreisen Interesse erregen winl. Im Sommer des vorigen .lahres erwarb Freiherr v. li. fnf Exemplare des Bennet'schen Knguru, zwei Mnmhc'n und drei Weibchen, welche er in einem Jagdrevier aussetzte. Die Tiere hielten sich vorzglich und landen auch an der Nahrung ihres neuen Aufenthaltes Geschmack: besonders wurden neben Gras und Blttern die jungen Triebe von Salweiden bevoi'zugt. Drei der Kngurus, welche ottenbar schon lngere Zeit in der (.iefan gen Schaft gelebt hatten, waren sehi- zahm, die beiden anderen dagegen zeigten sich ausserordentlich scheu und vorsichtig, scheuer noch als es durchweg das Rehwild ist. Mehrfach zeigten sich Kngurus zusammen mit Rehen aufj'einer Waldwiese oder einem Schlag; beim Heranbii-schen wm-den dann stets die Kngurus weit eher flchtig als die Rehe. Ende November wurde ein Weibchen verendet gefunden, wahrscheinlich von unbekannter Hand ersehlagen. In den letzten Tagen des Dezember kamen zwei herrenlos jagende. Hunde in das Revier und hetzten die Kngurus. Die beiden Mnn- chen wurden in eine entfernte fremde Jagd getrieben, das eine Weibchen flchtete ins Dorf, wurde dort gefangen und vorlufig in einen Stall gebracht. Das andere noch lebende Weibchen blieb da- gegen im Revier nnd kam regelmssig an den mit Rben beschickten Futterplatz. Dies Tier hielt den ganzen Winter hindurch selbst bei 18" R im Freien gut aus und auch das eine entflohene Mnnchen wurde noch im folgenden Frhjahr gesehen, so dass dasselbe also den ganzen Winter ohne kn.stliche Ftterung berstanden hat. Es drfte damit der Beweis geliefert sein, dass das Bennct'sche Knguru unser Klima in Deutsohland vertrgt. Vielleicht wrde sich diese Tierart zur Einbrgerung empfehlen, da sie dem Anschein naili nicht schdlich wird, solange sie nicht massenhaft auftritt. Dr. E, S, Ueber den Einfliiss fremder Beimengungen auf die Gte des Handelskupfer. Wohl bei keinem Metall. Eisen vielleicht ausgenommen, werden seine Eigenschaften durch einen grsseren oder geringeren Gehalt fremder Beimengungen so modi- fiziert ,als bei Kupfer. Diese Thatsache war dem Techniker schon lange bekannt, nicht aber die Wirkungsweise der einzelnen Stotfe. Erst Prof. Hampe hat in dieser Hinsieht fr die Metallurgie des Kupfers eine wissenschaftliche Grundlage geschaffen. Sein Haupt- verdienst isi es, dass er nachgewiesen hat, dass die Verbindmigs- form der verunreinigenden Metalle eine wesentliche Rolle dabei spielt. Noch Karsten und seine Zeitgenossen glaubten gar nicht an die Mglichkeit, dass die frenulen Metalle als O.xyde oder gar als Salze im Kupfer enthalten sein knnten. Sie hielten es fr ausser Zweifel, dass jedes Metall als solches nnd der Sauerstoft' lediglich als Kupferoxydul im Kupfer zug,^gen sei. Die wichti.gsten Resultate, zu denen Hampe durch seine experimentellen Untersuclumgen gelangt ist, sind folgende: Wismut wirkt von allen Verunreinigungen am schdlichsten. Ist es als Jletali zugegen, so bt dieses schon in ussi^rst kleinen Mengen den nachteiligsten Einfluss auf die Dehnbarkeit des Kupfers und zwar mehr in der Hitze als in der Klte. Bereits 0.02"/o Wis- mut gestatten wedei- ein Ausziehen zu feinem Draht, noch ein Aus- pltten zu Blech, ohne dass Risse auftreten. In der Form des Oxydes scheint der nachteilige Einflu,s.s etwas geringer zu sein als Nr. 5. Natiu'wis.senscliaftliche Wochensclirift. 39 in der des Metalles. Am auffallendsten wirkt aber Wismut als Salz. 0,01 "/n Wismut in dieser Form macht das Kupfer fr viele techniscbe Zwecke unbraiicliliar. Fr Feinblech und Frindraht darf der Gehalt 0,002 bis O.OOoO'q nicht bersteigen. Antimon und Arsen wirken auf Kupfer in ziemlich analoger Weise. Als Metall ist Antimon , als Salz das Arsen in der Form des arsensauren Kupferoxyduls die n-etahrlichste Beimengung-. 0,2" y Arsen gestatten noch ein Aushelnimerii und Ziehen des ICnpfers, nicht aber 0.2''/q Antimon. In der Form der Salze darf Kupfer fr dieselben Zwecke hchstens O.l",, Arsen resp. Antimon ent- halten. Bei grsserem Gehalt macht sich starker Kotbruch geltend. Nickel wirkt am wenigsten nachteilig. Ein Gehalt bis 0,4"/,, hat fr -die meisten Verwendungen keinen Einfiuss. Eisen und Blei kommen selten in grsseren Mengen vor. Sie verschlacken sich fast vollstndig beim Raffinieren des Kupfers. Beide geben dem Metall grssere Zhigkeit. Fr einzelne Zwecke setzt man sogar absichtlich Blei zu; zum J5eispiel bei der Darstellung von Walzraffinad. Ein Kupfer mit 0,02 "/o IJlei lsst sich besser walzen, als ein chemisch reines Kupfer. r)ie Wirkungsweise de.^ Sauerstoffs ist eine sehr verschiedene, je nachdem derselbe an das Kupfer oder an eine der fremden 15ei- mengungen gebunden ist. Ein Gehalt an Kupferoxydul macht das Metall sprde und hart. Bei der heutigen Darsrellungsweise des Handelskupfers spielt der Sauerstoff nicht mehr die Rolle wie frher bei dem Gaarkupfer. Der Gehalt betrgt jetzt selten mehr als 0,2%, und in diesen Mengen wirkt der Sauerstoff nicht schdlich. Schwefel kommt nur in sehr geringen und dann nicht imch- teiligen Mengen im Handelskupfer vor und ein Selen- und Phosphnr- gehalt gehrt zu den Ausnahmen. Dr. Paul Jungfer. Astronomisches Chronometer. Von den vielfachen Ver- suchen, die verwickelten Vorgnge bei der Rotation der Erde und des Mondes um ihren Zentralkrper in solcher Anschaulichkeit vorzufhren, dass dieselben in rumlichem und zeitlichem Verhltniss genau wiedergegeben werden, scheint das Herrn L. Deichmann in Kassel patentirte astronomische Clu-onometer in Bezug auf die zeitlichen Verhltnisse eine durchaus befriedigende Lsung des gestellten Problems darzubieten. Das Instrument besteht aus einer Regulator-Standuhr, welche auf ihrei' oberen Flche die Bewegungen des Mondes und der Erde um die Sonne in zeit- lich ganz gleichem Ver- jiltniss zur Wirklich- keit darbietet, derge- stalt, dass die Erdkugel des Instrumentes sich in 24 Stunden um ihre Axe dreht, der Mond seine ]3ahn um diese Erdkugel in 27,30~Ta- gen zurcklegt , und Ijeide sich um die, in Anschauung der Di- mensionen bertrie- bener Weise , excen- trisch plazierte Sonne in einem ganzen Jahre bewegen. Hiernach kann also diese Uhr als immerwbrender' Kalender dienen, und ist nach obigem geeignet, die Stellung von Erde und Mond zur Sonne im Laufe des Jahres stets der Wirklichkeit nahe entsprechend zu geben ; denn dass ein Uhrwerk auf unbegrenzte Zeit in genauer Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit diese Bewegungen darstellen knnte, wre wohl zuviel verlangt, da es wohl nicht mglich sein drfte, die sehr langsam vor sich gehenden periodischen Vernderungen der Bahnelemente dui'ch mechanische Vorrichtungen wiederzugeben. Ebenso ist es nur in sehr ausgedehnten Rundich- keiten mglich ein rumlich genaues Verhltniss der Dimensionen von Mond und Erde zur Sonne und ihrer Entfernungen herzustellen, denn eine einfache Ueberlegung zeigt, dass, wenn die Erde durch ein Schrotkorn von 3 mm Durchmesser reprsentiert wird, die Sonne etwa 36 m entfernt ihren Platz haben muss. Ausserdem sind zwei Karten des nrdlichen und sdlichen Sternhimmels angebracht, sodass das Listrument, da es mit einem guten Uhrwerk versehen ist, und sich auch usserlich elegant prsentiert, mit der Eigenschaft einer guten Uhr den Viu'zug einer schtzenswerten Hilfe fr den Anschauungsunterricht in einem der schwierigsten Kapitel der mathematischen Geographie verbindet. Der Preis betrgt fr ein Instrument mit kuppeifrmigem Schutz- glas 80100 M., je nach der Ausstattung. Dr. E. W. Fragen und Antworten. Wie prpariert man Spinnen fr die Sammlung? Im VII. .lahreslici'. d. Westfl. l'rovin/,ial-\'creins fr Wissen- si-haft und Kunst (Mnster, Westf. 1879) S. 42 u. 43 sind die Ivon- servienings- Methoden, welche Prof. Landois, Dr. Bertkau und .Martin anwendeten, dargelegt, wie folg't: a) Trockene Konservierung. 1) Von dickleibigen Spinnen trennt man zunchst den Hinter- leib ab. Der Inhalt desselben wird bei leisem Drucke durch die Oetthung des Verbindungs-Stielchens herausgepresst. Es geschieht dieses am zweckmssigsten zwischen einem alten Lappen von Leine- wand oder Baumwolle. VAn hohler (irashalm wird darauf durch die (lelfnung hineingeschol)en und der llinti-rleib an dem Halme unter- bunden. Man blst hinein und der Leib erhlt seine ursprngliche Form wieder. Das Aufblasen muss ber einer Spiritustiamme ge- schehen, ber welche auf einem Gestell ein feines Drahtnetz gelegt ist, und zwar so lange, bis der Leib trocken geworden. Darauf schneidet man den Strohhalm ab und steckt das aus dem Hinterleib noch vorstehende lOnde desselben in die Kopfbrust. Letztere wird mit einer Nadel durchstochen, die Beine der Spinne auf dem Spann- brett ausgebreitet und allmhlich getrocknet." (Landois.) 2) Man kann auch den Hinterleib an der Kopfljrnst belassen. In diesem Falle steckt man einen Grashalm durch den After, blst auf und trocknet ber der Spiritusflamrae." (Ijandois.) 3) Die Spinne wird mittelst Gummi arabicum aufein Papier- karton geklebt und zwar so, dass die Fussglieder der au'gebreiteten Beine festhaften. Darauf wird sie ber dem Drahtnetz oder in einem Trockenofen gedn't. Nach dem Drren mssen die Fuss- spitzen wieder mit Wasser losgeweicht werden." (Bertkau.) 4) Der Hinterleib wird abgetrennt. Durch das V'erbindungs- stielchen sticht man einen Draht. Dann wird ber dem Drahtnetz gerstet, der Leib darauf vermittelst des kurz abgekniffenen Drahtes wieder mit der l\opfbi-ust verbunden. (Martin, Stuttgart.) b) Anfheu-ahren in Flssigkeiten. .5) Nachdem die Spinne in verdnntem Alkohol gettet, wird sie auf ein schmales Glastfelchen ausgebreitet. Die Fussspitzen klebt man mit Gummi arabicum fest. Nachdem dieses getrocknet, schiebt man das Glastfelchen in ein Reagensglschen, fllt letzteres mit 95 "/o Alkohol und verstpselt es. Der Kork wird zunchst jnit Gummi arabicum bepinselt und nach dem Trocknen mit Asphalt- lack berstrichen. 6) Da die Farben in Alkohol mehr oder weniger leiden, whlt man auch andere Konservierungs-Flssigkeiten, z. B. Petroleum. K. Litteratur. Prof. H. C. E. Martus: Astronomische Geographie. I'^in Lehrbuch angewandter Mathematik. Mit 100 l'iguren im Texte. Zweite .-Vuriage mit vielen Zustzen. Leipzig 1888. C. A. Ivoch's Verlagsbuchhandlung (J. Sengbusch.) 388 .Seiten, 8"; Preis 7.50 M. Dem Referenten liegt die angenehme Pflicht ob, auf ein Werk von anerkannten Vorzgen hinzuweisen, das soeben in zweiter Auflage erschienen ist. Grndlichkeit, klare .\usdrucks- weise und leichte Kasslichkeit sind dieser ebenso mhsamen wie ver- dienstvollen Arbeit des bekannten Verfassers wiederum in hervor- ragendem Masse nachzurhmen, vereint mit einer ganz ausserordent- lichen Reichhaltigkeit. 96 Figuren, welche nach den Zeichnungen des Verfassers durch Photographie auf die HolzstOcke bertragen wurden und meist in einfachen Konturen gehalten sind, kommen dem Verstndnis zu Hilfe, und ein sorgfltiges Register ermglicht ein schnelles Auffinden der einzelnen Gegenstnde. Wie schon der Titel andeutet, zerfllt die astronomische Geo- graphie" in zwei Abschnitte, von denen der erste den Stern- himmel", der zweite die Erde" behandelt. Doch ist es nicht die Absicht des Verfassers, uns nur eine Flle von Thatsachen mitzu- teilen, wie dies in der Mehrzahl hnlicher Bcher geschieht; er betrachtet vielmehr sein Werk als ein Lehrbuch angewandter .Mathematik" und will dasselbe daher hauptschlich im Unterrichte verwendet wissen. Vorausgesetzt wird nur Kenntnis der Trigono- metrie und Uebung im Rechnen mit Logarithmen. Die Hauptstze der sphrischen Trigonometrie sind dieser zweiten Auflage als Vorbereitung" vorausgeschickt. Das Gebiet der astronomischen Geographie ist sicher eines der geeignetsten fr die Anwendung der Mathematik, und allgemein ist ja anerkannt, dass nichts dem mathematischen Unterrichte frder- licher ist als das Bewusstsein, mit den erlangten Kenntnissen etwas leisten zu knnen, l'nd wir knnen hinzufgen, dass uns fr diesen Zweck kein besseres Werk ber astronomische Geographie bekannt ist als das vorliegende. A. G. 40 Natm-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. Leuzinger, R., Harte den Berncr Oherlandea. 1 ;'2UOU0. Ausg. 1888. Fol. Preis 1 Jt 60 ^, auf Leinw. 2 JC 20 ..(. Billige Karte der Schweiz und der angrenzenden Lnder. 1 : 400 000. Ausg. 1888. Chromolith. Fol. Preis 3 Jt\ a. Leinw. 4 M. Neiie Karte der Schweiz. Ausg. 1888. Chromolith. Fol. Preis auf Japan. Papier 4 JC; auf gewhnl. Papier auf Leinw. 6 JC- 40 ..j. Sclimid, Franoke & Co., Verl.-Cto. in Beni. Margerie, E, de, et A. Heim, Les dis/ocations de l'ecorce fer- rcsfre. T>ie Di.shkationen der Erdrinde, gr. 8". (VII, 154 S.) Preis 4 ulC. .1 Wurster & Co. in Zrich. Katanson, A. . Beitrge zur Kenntnis der Pyroyallolwirkitng. gr. 8. (93 S.) Preis 1 JC 50 .j. E. J. Karow (\'erl.-Cto.) in Dorpat. Netoczka, E., Atige nnd Brille. Vom pliysikaliscln-n u. hygien- nischen .Standpunkte fr weitere Kreise dargestellt. 8". (IV, 141 S.) I'reis '2JC. A. Piehler's Wwe. & Sohn, Verl -Cto. in Wien. Neumann, L., Die mittlere Kam inhiihe der Berner Alpen. (Sep.- Abdr.) gr. 8". (6 S) Preis 1 JC. .]. C. B. Mohr (l'aul Sieheck) in Freihurg i. B. Nowaek, Speeialharte von dem Regierungs-Bezirke Merseburg. 1 : 300.00U. Kpf'rst. u. kolor. Fol. i'reis 2 .IC. Simon Schropp- sche Hotiandkartenhdlg. (J. H. Neumann) in Berlin. Oettingen, R. v., lieber Enterostonrie ic. Laparotomie bei akuter innerer Darniokklusion, bedingt durch Voivulus, Strangulation und Inflexion. gr. 8. (100 S.) Preis 1 JC 20 ,j. E. J. Karow (Verl.-Cto ) in Dorpat. Opperieim, P., Die Insektemvelt d. lithographischen Schiefers in Bauern. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (35 S. m. 2 Taf.) Preis 6 JC. E. Schweizerhart'sche Verlagsh. (IJ. Ivoch) in Stuttgart. Pfaundler, L., Die Entwertung der Materie. Vortrag. 8". (32 S.) in Komm. Preis 50 ..j. G. Freytag in Leipzig. Plan der Stadt Strassburg nebst Erweiterung. ]\Iit einem Ueher- .sichtskrtchen der Umgehung 8. Aufl. Chromolith Fol. Preis 1 JC K. J. Trhner. Verl.-Cto. in Strassburg. Reietienow, A., Bericht ber die Leistungen in der Naturgeschichte der Vgel whrend d. J. 18S. gr. S. (88 S.) Preis 3 JC. Nicolai'sehe Verl.-i5uchh. (B. Stricker) in Berlin. Rohwedder, H., Der primre Leberkrebs und sein Verhltnis zur Leberkirrhose. gr. 8". (24 S.) I'reis 1 ^fC. Lip-ius & Fischer Verl.-Cto. in Kiel 'Riist, Beitrge zur Kenntnis der fossilen BadioJarien aus Gesteinen der Kreide. (Sep.-Abdr.) gr. 4. (43 S. m. 8 Taf.) Preis 20.-/^. E. Schweizerhart'sche Verlagsh. (E. Ivoch) in Stuttgart. Selieel, IVt. v., Der Stechginster ( Ule.v europaeus) als Futterpflanze. Anbau und Ftterung desselben nach den neuesten Erfahrungen. 8. (12 S.) Preis 60 ,j. A. Grneherger & Co. in Oels. Seliellwien, R., Optische Hresien, erste Folge, u. das Gesetz d. Folaritt. gr. 8. (VK, 108 S.) Preis 2 JC 50 .j. 0. E. M. l'feffer (II. Stricker) in Halle. Sehilsky, J., Systematisches Verzeichnis der Kfer Deutschlands, mit besonderer Bercksichtigung ihrer geographischen Verbreitung. gr. 8. (V^I, 159 S.) Vnta i Je. Nicolaische Verl.- Buchhandlung (R. Stricker) in Berlin. Schmidt Petersen, J., lieber einen Fall von Melanosarkom des Uectums. gr. 8". (20 S.) Preis 1 JC. Lipsius & Tischer, Verl.-Cto. in ICiel. Schmitt, E, H. , Das Geheimnis der HegeV sehen Dialektik, be- leuchtet vom concretsinnlichen Standpunkte, gr. 8". (XIV, 144 S.) Preis 3 JC 60 4. C. E. M. Pfeffer (R. Stricker) in Halle. Seekarten der deutschen Admiralitt. ITr.sg. vom hvdngraphisch. Amte. Nr. 101 104. Fol. Preis 2 ^/(^ 65 -j. Inhalt: 101. Karte der Kamerun-Mndung. 1:100 000. Lith. Preis l JC. 102. Gazelle HalbinsTl (Nordii.stl. Teil von Neu-Pommern) und Neu- Lauemburg. 1 : 100 000. Lith. Preis 75 4. 103. Finsch- Hafen. 1:8000. Photogr. Preis m .4. 104. Skizze der Fl.^se Runibi u. Massake. Lith. Preis 30 j. Dietrich Reimer (Reimer & Hoefer) in Berlin. Seekrankheit, Vollstndiges Vorbeugen der. Dargestellt von i'iiiem Arzte. 8. (39 8.) Preis 75 .^. Andr. Fred. IIst& Sohn, Verl.-Cto. in Kopenhagen. Semon, R., Die Entuncklung der Synapta digi'ata und die Slamme.sge.schichte der Echinodermen. (Sep. - Alidr.) gr. 8". (V, 135 S. m. 7 Tafeln). Preis 9 JC. (iustav Fischer in .Tena. Senn, N., Die Chirurgie des Panh-eas, gesttzt auf Versuche und klinische Beobachtungen. (78 S.) Sammlung klinisch. Vortrge. Hrsg. von R. v. Volkmann. Nr. 313 und 314. gr. 8. Preis 75 4. Breitkopf & Hiirtel in Leipzig. Steinmann, G., Die Nagelfluh von Alpersbach im Schwr zw aide. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (38 S.) Preis 1 JC 60 .4. .]. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Freiburg i B. Stuckenberg, J. H. "W., Grundprobleme in Hume. Vortr. nebst der daliei stattgehabten Diskussion (35 u. IV S.) Philosoph. Vortrge, herausg. v der Philosophischen Gesellschaft zu Berlin. Neue Folsre. 13. Heft. gr. 8". Preis 1 M 20 4: pro 3. Serie Hft. 1318, Preis 5 JC 40 4. C. E. I\I. Pfeffer (R. Stricker) in Halle. Tait, P. G., Die Eigenschaften der Materie. Uebers. v. 0. Siehert. gr. 8'\ (iL 233 S.) ie\slJC. A. Piehler's Wwe. & Sohn. Verl.- Cto. in Wien. Toula, r.. Die Steinkohlen, ihre Eigen.schaften. Vorkommen, Ent- stehung und nationalkonomische Bedeutung. 8". (208 S. ni. Pro- filen u. ivarten im Texte u. 6 Taf.) Preis 5 JC. Eduard Hiilzers Verlag in Wien. Trzebinski, S., lieber circumscripte Bindegewebshyperplasien in den peripheren Nerven, besotiders in den Plexus brachiales, gr. 8". (:j6 S. m. 1 Taf) Preis 1 JC. E. J Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Uebersichtskarte der Verwalfungs-Bezirke der preiiss. Staats- Eisenhahnen. Bearb. im Ministerium der ffentl. Arbeiten. 1888. 1:1,000,000. 4 Blatt. Chromolith. Fol. Preis 3 J^^. Simon Schropp'sche Hotiandkartenhdlg. (J. H. Neumann) in Berlin. Unna, P. G., Die Entwicklung der Bakterien frbung. (Sep.-Abdr.) gr. 8^. (80 S.) Preis 1 ^f 50 .^. Gustav FLscher in Jena. Vierordt, H. , Anatomische, physiologische und physikalische Daten und Tabelle. Zum Gebrauche fr Mediziner, gr. 8". (VI, 304 S) Preis 9 JC; geh 10 .. Gustav Fischer in Jena. Wanach, R. , lieber die Menge und Verteilung des Kaliums, Nalriuins und Chlors im Mensehenbhit. 8". (28 S.) Vres IJC. E. .r. Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Wassmuth, A., Heber eine einfache Vorrichtung zur Bestimmung der Temperaturndemngen beim Ausdehnen und Zusammenziehen von Metalldrhten. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (12 S.) In Komm. I'reis 30 .(. G. Freytag in Leipzig. Weissmann, A., u. C. Ischikawa, Ueher partielle Befruchtung. (Sep.-Abdr.) gr. 8. (3 S.) Preis 60 4. J. C. B. Mohr (Paiil Siebeck) in Freibnrg i. B. Willkomm, M., Schulflora von Oesterreich. gr. 8". (LIII, 371 S.) i'reis geb. 4 JC. A. Piehler's Wwe. & Sohn (Verl.-Cto.) in Wien. Wollheim de Fonseca, M., Beitrag zur Frage der nchtlichen Ilarnabsonderung und zur Physiologie der Harnsammlung in der Blase, gr. 8". (22 S.) Preis 1 JC. Lipsius & Tischer, Verl- Cto. in Kiel. Zweifel, P., Die Stielbehandlung bei der Myoniectomie. gr. 8". fl40 S- mit lUustr.) Preis 5 JC. Ferdinand Enke in Stuttgart. Zeissl, H. V., Lehrbuch der Syphilis und der rtlichen venerischen Krankheiten. Neu bearbeitet von M. v. Zeissl. 5. Aufl. gr. 8". (XL 792 S.) Preis 16 JC. Ferdinand Enke in Stuttgart. Gegen Einseniliing des Betrages (auch in Brief- marken) liefern irir vorstehende Iferhc fra)ikn. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Keilin IS'W. . Iie Expedition ler Xatnrwissenscliaftlifhen Wochenschrift''. Briefkasten. Hr. D. Der Ueberzug an Nadihi in Insektonsammlungen ist Grnspan, ein essigsaures Kupfero.xyd, welches entsteht, wenn die kupfrige Substanz der Nadeln mit der im Krper pflanzen- fressender Insekten enthaltenen Essigsure bei Luftzutritt sich ver- bi;idet. Um die Bildung von Grnspan zu verhindern, whlet man nicht kupferhaltige weisse, sondern schwarze lackierte Nadeln, welche bei Insektenhndlern und Nadlermeistern zu kaufen sind. z.B. bei Franz Swary in M arburg (Oesterreich), Domgasse 3. IC. Inhalt: Dr. Eugen Dreher: Philosophie und Naturwissenschaft. Dr. Robert Mittmann: Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. (Schluss.) Dr. Robert Keller: Aus dem Sinnesleben der Tiere. Kleinere Mitteilungen: Zur Frage nach der Heimat der Weinhergsschnecke. Ueber die Einfhrung des Bennefschen Knguru in Deutschland Leber den JCinlluss fremder Beimengungen auf die (ite des Handelsknpfer. Astronomisches Chronometer. (Mit Abbild.) Fragen und Antworten: \Vi.' prpariert man Spinnen fr die Sammlung? Litteratur: Prof. II. C. M, Martus: Astronomische Geographie. Bcherschau. Briefkasten. V^erantwortlicher Itinlakteur; Dr. Henry l'otonie, Berlin NW. 0. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Drin-k: Gebrder Kiesan, Berlin SW. 12. Hierxn eine Beilage, welche wir hcMonUerH kii heachten hitten. Beilage zu Nr. 5, Band ill der Jatiirwissenschaftlichen Wochenschrift". 1^3^^ .fe Q namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Verbieitung. SIP~ Bemerkung fr die Leser: Fr den Inhalt der Inserate sind wir nicht vcr an fivor flieh. 'TpQ CliarleH Darwin naeli von der Familie Darwin zur Verfgung gestellten Portrts in Gyps modelliert von C. Lehr d. I. Auditoriumsbste, etwas ber lebensgross . . Mk. 60, lebensgross m. stenfuss 40, Die Bsten sind mit Wachsfarbe gestrichen und knnen abgewaschen werden. Photographie Darwins, Kabinettformat Mk 1,- Alleiniger Ver trieb durch ^tuii^i^a^Ii' Heriuaiiii Kicmaiiu. Internat. Entomologen -Verein STsste Vereinigung- aller ]<;ntnioliiM4-liaf'tlicli(> Wocliensoln-it t" aufgi-gangenm, von Dr. W. Sklarek liegrn- deten und von Dr. Otto Schumann icdigierten Zeitschrift, ,,l>cr ^aiiirforscliCM*** liefern wir die lteren Jahrgnge statt fr 10 Mk. zum Preise von nur 3 Mk. 50 Pfg. franko gegen Einsendung de.s Betrages (aucli in liriefmarkrn). Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin NW. 6, Luisenplatz II. Seit Anfang (lie.ses Jahres erscheint die Praktisehe Physik Zeitschrift fr Experimentalphysiker, Studierende der Physik, Mechaniker, Optiker u. s. w unil Organ fr den physikalischen Unterricht. Unter Mitwirliung liervorragendcr Autoritten und bewlirter Fachmnner [100] herausgegeb. von Dr. M. Krieg. Honatlicli 1 l'/i Bogen. Preis lialbjhrlieli .T M. Die Praktiselie Physik" entlilt Original-Artikel, welclie sich auf die Praxis .1er Pliysik liezinheii, unters tzt die Veriitrentliebung guter und brauehliarer, o-ils verbe.sserter, teils neu konstruierter Apparate und ist eine Uentralstelle aller Bestrebungen zur Frderung der physikalischen Technik und der physikalisclien Demonstrationen. Trotz ihres kurzen Bestehens erfreut sich die ., Praktische Physik" liereits grosser Beachtung in den Kreisen der Dozenten der Universitten und tech- nischen Fachschulen nnd der hheren Schulen, der Studierenden, Mechaniker, (.ijttiker u. s. w. ^= Bestes lusertions- Organ. ^ Inserate die einmal gespaltene Petitzeile 40 .j sprechenden Rabatt; Beilagen nacli Vereinbarung. Probentimraern gratis und franko durch die Verlagshuehhandlung grssere Auftrge ent- Faber'sche Buchdruckerei, . u. R. Faber. Magdeburg. 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Fr Gebildete aller Stnde. -T : r: Iteifindet 1884. * Alioniu'nients durch die Post, die Buiddiandlung'en oder direkt hezogen pro (Quartal H Mark. Einzelne Nummern gegen Einsendung von ,?.5 Pfg. in Marken. Urteile der Presse: Diesem Verlangen nach Vielseitigkeit entspricht die illustrierte Zeitschrift ..Naturwissenschaftlich- technische Umschau", welche, fr (".ebild-.te ;il]er St.uide bestimmt, tu popidarer liiirstelbiuj^sweise iihet die Fort- schritte, F.ntdeckiiie,,'en und Eifinduiigeii auf den (Jebicteii der aiigew.indteii Naturwisseuschaft und techidschcu Praxis berichtet. Durch den ausserordentlich mannigfaltigen Inhalt dieser Zeitschrift wird das wecliselseitig frderude Zusammen- wirken von Naturwissenscliaft und Teclmik in der Nutzbarmachung der Stoffe und Krfte zur Erhhung unseres intellek- tuellen und materiellen Wohlseins in anschaulicher, zugleich fesselnder und belehrender Weise darqestelft. 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Die Exped. d. Naturwissenschaftl. Wochenschrift!' Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Verantwortlicher Redakteur: I)r Henry Potonie, Berlin NW. 6. Verlag: Druck: Gebrder Kiesau. Berlin SW. 12 Hermann liiemann. Berlin NW. 6. lii.stiyr liciili(/('ii yiniinicr lii(/t 1 in l'rosiieht tici' 2'irin. \Vei;;el Xsulii. iifif/rn yiininitr lifi/t onn trieb er audiCieologie. Untei' di'iii i'linflnss Eduard llalluiann's wandteer sieh dann endgiltig- der Physiologie zu, in der .lnhanin's Mller sein Lehrer wurde. Mller vereinte damals (um 1840) eine Schar junger Ijcute um sich, die fast ausnahmslos zu hohem wissenschaftlichen Ruhm gelangt sind: Virchow als Pathologe, Bardeleben als Chirurg, Ernst von Brcke und Carl Ludwig als Phy.siologen , Ludwig TraubealsKliniker, II elmholtzals Physiker. VonMUer wurde du Pois auf elektrophysiologisciie Untersuchungen hingewiesen, deren erste Resultate er bereits 1842 ver- ffentlichte in Poggendorff's Annalen, damals der ge- suchtesten Faclizeitschrift, unter dem Titel: Ueber den sogenannten Froschstroiii und die elektromotorischen Fische." Gleich darauf schrieb er seine Doktordisser- tation: Quae apud veteres de jiiscibns electricis exstant argumenta." Whrend der folgenden .lalire sind manche Stunde und manchen Tag der Presch und die Multipli- katorenteilung seine Welt gewesen. Er fand neue scharf- sinnige und geistreiche Untersuchungsmetlioden, mit denen er den strikten Nacliweis fhrte, dass in den 2kl us- keln und Nerven des lebenden Tier- und Menschen- kiper elektrische Strme kreisen, die den allgemeinen Gesetzen der Elektrieitt vullkiinniiiii analog sind, du P. iiis entdeckte eine neue Wissenschaft, die sufort auch in Frankreich und England allgemeine Anei'kennung fand. Dem jungen Poi-scher sind reiche l<]liren zu Teil ge- worden. Dei' l'.i'iiiui'r .\lc;iileiiiie wurdi' ei' eine vornehme Zierde. An dieser Stelle hat er zuini'ist jene i;liiiizenileii Reden gehalten, die .seinen Namen auch in die gebildeten Laieiikreis(> ganz Europas getragen haben. In diesen Vdi'trgeii hat er .stets von dem hch.sten (ie.sichtspunkt ans die schwierigsten neistii^cn l'rdhleme ans den ver- 42 NatuiTvissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. 6. schicdeiisten Wissen.sKubiuten , iler Litteratur wie der Kulturgescliiehte und Naturwissenscliaft, errtert, abei offenbarte er neben einer erstaunliclien Flle von Kennt- nissen eine i)hi]oso]iliisc]ie Denkweise und Tiefe. Als mich .lohunnes Mller's Tode dessen kolos- sales Lehrgebiet in drei isciplincn geteilt wurde, erliidt K. 11 Reichert die Anatomie, Vircliow die patlid- logische Anatomie und du Bois die Physiologie. Dieser hat seiner Wissenschaft in Bei'lin eine Heimsttte ei'baut, welche wiihl die vollkommenste unter allen zur Zeit be- stehenden physiologischen Instituten ist. du Bois' Schler, die von ihm zu streng logisch denkenden Naturforschern erzogen werden, halben mit w^enigon Ausnahmen die physiologischen Lehrstide Deutschlands und der Schweiz inne; wir nennen nur Pi-eyer, Heiden- hain in Breslau, Roscnthal in Phiangen und Kronecker in \ievR. Sein begabtester Schler war wohl jener unglck- liche Dr. Karl Sachs, der 1877 im Auftrage der Berliner Akademie zur Fortsetzung der von Alex. v. Humboldt gemachten Beobachtungen am Zitteraal (Gynniotus electri- cus) eine wissenschaftliche Reise nach denljlanos von Vene- zuela unternahm und mit Ruhm reich beladen heimkehrte, bald darauf aber bei einer Gletscherbesteigung sein hoff- nungsvolles fjoben cinbsste. du Bois ehrte sein An- denken durch die Verffentlichung seiner Untersuchungen. Es ist unmglich in einem so beschrankten Rahmen ein vollstndiges T5ild eines Mannes wie du Bois-Rey- mond zu geben. Von jeher mitten in dem geistigen Leben Deutschlands stehend, hat er auf die herrschenden Sti'mungen stc^ts einen deutlichen I*]influss ausgebt. Seine Weltanschauung, die in dem berhmten Weite ,,lguoi-abimus" gipfeU, hat Tausende bekehit, die in dem absoluten Materialisnuis noch die einzig wahi'e l'hilosopliie erblickten. Die Ansicht ber (ioethe's Bedeutung als Naturforscher hat er ganz bedeutend gendert. Auch ist es vielleicht zeitgemss darauf hinzuweisen, dass du Bois zu zwei der jetzt viel ei'rterten . Tagesfragen sich schon vor .lahren ganz im Sinne der sich jetzt i^eltend machenden Reformanschauungen geussert hat. Die eine betrifft den Streit zwischen Gymnasium und Realschule, von denen du Bois die letztere fr das medizinische Studimu gerade fr die geeignetere Bildungs- sttte hlt; ebenso hat du Bois die Grndung einer Akademie der deutschen Sprache dringend empfohlen, fr die jetzt der allgemeine deutsehe Sprachverein so lebiiaft eintritt. Mge du Bois uns in seiner geistigen Frische und Kraft noch lange so erhalten bleiben, wie wir uns jetzt seiner ei'freuen. A. Aus dem Sinnesleben der Tiere. Von Dr. Robert Keller. (Schluss) Unsei'e Darlegungen ber Licht- und Farbengeschmack einzelner Tiei-e an dieser Stelle knnen wir natrlich nur eine kleine Auswahl aus den zahlreichen Versuchs- reihen geben beginnen wir mit dem Bewohner der Kobe. Zwei liebenswrdige, weil noch junge Vei'treter des Geschlechtes der Swinegel sind die Vei'suchstiere. Die Tiere wurden zuerst auf ihi' Helligkeitgefhl geprft, indem man sie zwischen weiss und schwarz Waiden liess. Sie wenden sich mit Vorliebe dem Weiss zu. In 50 Beobachtungen wurde dieses 70 mal, schwarz nur 30 mal besucht; aber selbst, wenn sie nur zwischen hell und weniger hell (Abbiendung durch ein Seiden- papier) zu whlen hatten, wandten sie sich der strkern Beleuchtung mein- als doppelt so hutig zu als der sehwclu'n. So ist also das Schwein, wenn schon es in seiner dunkeln Kobe ein still beschauliches Leben zu fhren scheint, von Natur aus ein entschiedener Licht- freund. Auch wenn die beiden Tiere zwischen einer helleren und einer dunkleren Foi ein und derselben Farbe zu whlen halten, zogen sie ei'stere stets voi-. Am entschiedensten zeigte sich dieses Bedrfnis nach mehr TJcht im gin beleuchteten Rume. Mehr als dreimal so oft besuchen sie das Hellgrn als das Dinikel- grn. Fi-agen wir weiter nach der Farbenempfindung und dem isirbengesehmacke di>r lii'jdi'n Ferkel. Sie haben in ei'ster TJuie zwischen rot und blau zu whhm. Sollen die Versuche die Farbenwahrneinnung veriaten, so nuiss, wie wir bei'eits erwhnten, die Wirkung der Lichtsti'ke mglichst ausgeschlossen werden, um so mehr, da wir nun wissen, dass sich die Tiei'e ver- schiedenen Lichtintensitten gegenber gar nicht gleich- giltig verhalten. Man wird sie also zwischen einem lichtstarken Rot und einem lichtschwachen Blau whlen lassen und den gleichen Versuch umgekehrt nochmals ausfhren. Ist die Lichtstrke einzig fr ihr Verhalten entscheidend, dann werden sie je die hellere also licht- strkere Frbung vorziehen. Man beobachtet aber, dass das Dunkelblau fast doppelt so oft besucht wurde, wie der hellrot erleuchtete Teil iln-es Aufenthaltsortes und die gleiche Bevoizugung lassen sie bei der Wahl zwischen dunkelrot und hellblau erkennen. Sie unterscheiden also diese beiden Farben wohl voneinander. Das Blau ist ihnen, mag es heller oder dunkler sein, angenehmer als rot. In gleicher Weise ziehen sie die gelbe Farbe der roten vor. Um so auf lallender mag es sein, dass sie das Rot dem Grn gegenber entschieden bevorzugen. Auch darin scheinen sie inkonsequente Whler zu sein, dass sie denn doch wieder grn der gelben Farbe vor- ziehen. (Jelb und blau scheinen sie weniger deutlich zu unterscheiden, wenigstens in dem Sinne, dass .sie fr Nr. 0. Natuiwissenscliaftliclie Wocliensclirift. 13 das eine geg'enber dem andern eine entscliiodene Vor- liebe beweisen wrden. Heg-elb ziehen sie dem Dunkel- blau, ein heller IJlau dem dunklen (ielli vor, sie whlen also nieht zwischen den Farben, sondern nur zwischen den Lichtstrken aus. Eine entschiedene Lichling-s- farbe haben also un.sere beiden yehweinchen nicht. Keine Faibe ziehen sie unter allen Umstnden jeder andern voi\ Die Farlii'uri'ihe , in welche ein Glasprisnui das farblose Sonnenlicht zerleg-', nennt der Physiker das Sonnenspektrum. Wir erwhnten frher, dass nicht nur den uns sichtbaren Farben Aetherschwinyung-en ent- sprechen. Es bestehen auch Schwingungszustnde des Liclitthers, welche in dem Sonnenspektram ber dem Violetten liegen. Sie bilden das Ultraviolett. Dass dieser Teil des Sonnenlichtes im Flauslnilte der Natur, auch wenn er fr unsere sinnliche A^'allrnelum^ng nicht bestellt, eine grosse Rolle spielt, mag der eine Umstand ergeben, dass nach einer Entdeckung des heivorragenden Pflanzenphysiologen Sachs die I^ltenbildungder Pflanzen dui'cli diese Ijichttherschwingungen bedingt wird. So wird es von hohem Interesse sein zu untersuchen, wie sich die Tiere den ulti-avioletten Lichtstrahlen gegenbei- verhalten. Grab er liess seine beiden Tiere zwischen weiss mit ultraviolett und einem etwas weniger intensiven Weiss ohne ultraviolett whlen. Trotzdem der Helligkeits- untersehied ein sehr geringer war, wurde die ultraviolett beleuchtete Abteilung des Raumes mehr als dreimal so stark besucht, wie die andere. Als die Lichtvei'hltnisse umgekehi't wurden, die ultraviolett belichtete Hlfte des Kastens nur halb so hell beleuchtet war als die andere Abteilung, wui'de diese um ein kleines mehr fi'e(iuentiert als die andeie, doch lange nicht in dem Masse wie es frherer Erfahrung gemss htte geschehen mssen, wenn im V^erhalten der Tiere nur die Lichtstrke massgebend gewesen wre. f)as Schwein empfindet also ulti'aviolett. Wenden wir uns vom Lichtii'eunde einem Dunkel- mann zu. Es ist dies ein Vertreter der Kriechtiei-i>, die scheue Eidechse. So gerne sie der wrmespiMidonden Sonne sich aussetzt, so wenig liebt sie ihr laicht. Aus- nahmslos wenden sieh Vei-suchstiei'e dem dunklen Teile ihres Kastens mit Vorliebe zu. So kamen z. 15. von 270 Aufzeichnungen 241 auf schwarz und nur _".) auf weiss. Auch mit Farbengefhl sind die Tierchen begal)t. Rot, sei es hell, sei es dunkel, ziehen sie z. 1!. jedem Blau V01-. So wenden sich bei 10 Versuchen mit 15 Versuchs- tieren 2 mal alle dem hellen Rot zu, tiotzdem ihnen ein dunkles Blau geboten wuide. Sie lieben also entschie- den rot odei' hassen blau. Wiederum ist es hchst auf- fallend, dass sie dem nahestehenden Grn g-egenber ein dui'(;haus andeies Veiiialten zeigen. Die Ijiclitstrke ist bei der Wahl zwischen diesen beiden Farben ausschlag- gebend. Wieder als Ausdriu'k dei- Farbenwahrnehmung erscheint das Verhalten bei der Wahl zwischen Grn und Blau. ITnter .SO Veisuchstieien wenden sich trotz der Lichtscheue mehr Tiere dem Hellgrn als dem Dunkel- blau zu (25, .5 geg-en 4,.5). Auch die Waliruchuiinig fr Ulti'aviolett kommt der Eidechse zu. AVenden wir uns endlich noch den Versuchen zu, welche Graber mit der Ibmigbiene anstellte. Die lihi- menpiacht, welche heute das Auge des Naturfreundes erquickt, die bunten Farben, den eblichen Duft, den Plonigseim, hat das Reich der Insekten gezchtet. Und unter ihnen kommt schon der ungeheueren Zahl dci- In- dividuen wegen der Honigbiene eine besonders bevorzugte Stellung zu. So .setzen wir bei ihnen ein Wahrnehmungs- vermgen fr Farben und Duft voi'aus, bevor der ubjck- tive Versuch gesprochen hat. Die Bienen sind Lichtfreunde, wenn auch die 1 lellig- keitslust nicht eine allzu grosse ist. Sie besitzen ein wohlentwickeltes Farbengeflil. Blau ziehen .sie dem Rot vor, ebenso violett, gelb lieben sie ebenfalls mehr als rot, gegen grn \ergliclien mit gelb verhalten sie .sich gleichgltig, violett ziehen sie dem Grn entschieden \or. Blau, dem ultraviolett beigemengt ist, geben sie vor reinem Blau den Vorzug, wie denn auch die ^^'alll zwi- schen weiss mit und ohne ultraviolett ei-kennen lsst, dass die Bienen in hohem Grade ultraviolettliebend sind. So erscheint also ein ultra violetthaltiges Blau als Lieb- ling.sfarbe unserer Honigsammlerin, das Rot als ihre Fn- lustfarbe. Die allgeiiieinen Erg(>bnisse der Untersucliungen ben- den Helligkeits- und Farbensinn der Tiere, die sich in der Hauptsache schon aus unseren 3 Beispielen eigeben, sind folgende: Alle Tiere, welclie Augen haben, liesitzeu ein Hel- ligkeitsgefhl, das im allgemeinen viel strker aus- .geprgt ist als selbst beim Menschen. Denn mehr oder weniger bedeutende Fichtst rkenunterschitHle erzeugen in ihnen ein Lust- oder Unlustgefhl, sei es, dass .sie als Lichtfreunde dem heller beleuchteten Rume sich zuwen- den, sei es, dass sie als Hasser des Lichtes dasselbe zu meiden suchen. Das Farbengefhl ist im Gegensatz zu den bisher meist waltenden Anschauungen vorhanden. Es fehlt allerdings gewissen Tierarten, wie der Katze, dem Meer- schweinchen, dem Kaninchen u. s. f. Vielleicht aber entspricht es, wie wir zu Anfang schon zeigten, der Wirklichkeit eher zu sagen: es ist bei diesen Tieren nicht so ausgeprgt, dass es ein Gefhl des Behagens oder Misshagens wachriefe, das durch Autsuchen oder Meiden der Farbe sich verriete. Und wie die Lehre von dem Mangel der Farbenempfiudung durch die Versuche nicht besttig-t wurde, so auch nieht jene andere Vorstellung-, welche den Farbeng-eschmack der Tiere nach systema- tischen Gruppen verteilte, -welche glaubte, da.ss ji^ die Angehrigen einer Ordnung oder selbst einer Klasse sich in ihrem b'arbenunterscheidungsveinigen deckten. Bieten also schon diese Versuclisresultate genug des interessanten und neuen, so werden sie doch weit ber- troffen diu'ch die Beobachtungen des llelligkeits- und Farbensinnes augenloser Tiere. 44 N;itiir\visspns;cliaftliclif WocliHnsclifift. Nr. . Die Sinnesorg-ane vermitteln unsern Verlceiir mit der A us.senwelt. Bald sind es Scliwinguntren der Aetlier- teilclien, die sie uns als Licht als Farbe oder als Will ine emplinden lassen, bald Bewegungen der Lull, die als Ton oder Druclc wahrgenommen werden, bald sind es Cieschmacks- odei-Geruchsemptindungen, welche von aussen kommende Reize hervori'ut'en. Der Verkehr mit der Aussenwelt ist also ein beraus reger und vielgestal- tiger. So kann es uns denn nicht berraschen, dass bei dem hohen Grade von Vollkonnnenheit, wie er unserem Krperbau eigen ist, der maunig-faltigen Fhigkeit eine weit gegliederte Arbeitsteilung entspricht; dass besondere Organe je nur bestimmten Ijeistungen obliegen. ])ie iSchallwellen, welche das Auge treffen, sind fi- uns nicht vorhanden, denn es dient nur der Llebeiiragung einer bestinnnten Gruppe von Aetherschwiugungen und nehmen diese wieder ihren Weg zum Ohre, so rapportieit das Gehirn nicht ber ihr Dasein. Diese weitgehende Arbeitsteilung ist aber erst eine Schpfung der p]nt- wicklung der tierischen Organisation. Alle Sinne sind von gleicher Herkunft. Wie das Oi'gan des Seelen- lebens, so entwickeln sich die Vorposten, welche das Gehirn ausgestellt hat um ber die Aussenwelt Kund- schaft einzuziehen, aus dei- usseren Hautbedeckung. Sollte also diese in dem Falle, wo noch keine Arbeits- teilung eingetreten ist, wo sie allein als einziges Sinnes- organ thtig ist, nicht die Fhigkeit besitzen, alle jene lieize, welche die einzelnen Sinne der hher entwickelten Lebewesen dem Gehirn zur Uebersetzung vermitteln, aufzunehmen und weiter zu leiten? Sollte sie nicht im wahren Sinne des Wortes der Allgemeinsinn sein, der die Qualitt der Reize noch nicht unterscheidet, sondern allen gleichmssig dient? Befragen wir das FiXperiment. Dei' Regenwurm ist ein augenloses Tier. Dass er lichtemplindlich sei, wui'de zu wiederholten Malen betont, so namentlich von Darwin in seiner Untersuchung ber die Bildung der Ackererde durch die Thtigkeit der Wrmer." Er hebt aber besonders hervor, dass die Farbe des Lichtes allem Anschein nach keine Verschiedenheit im Resultate her- vorbi'chte, und dass nur fr das vordere Ki-perendo von Lichtom]ilindlichkeit gesproc'hen wei'dcn knne. Vierzig Tiei'e dienten Giab er zunchst zur Prfung des llelligkeitsgefhles. Sie erwiesen sich als lichtscheu. Auf einen Regenwurm, der im Hellen verblieb, kamen etwa zu 5, welche sich der Finsternis zuwandten. Ver- gleichen wir dieses Resultat mit einer Reihe von Ver- suchen, denen die Augentiere dienten, so ergiebt sich der berraschende S(;hluss, dass vielen Augentiei'en ein geringeres Helligkeitsgefhl zukommi, als dem augenlosen Regenwui'm. Auch gegen relativ kleine Helligkeits- unterschiede (,l:l,7j ist der Regenwurm noch sehr em- pfindlich. Graber hat Flle notieit, wo von ;iO N^ersuchs- tieren 2(5 der nur um weniges helleren l'.eleuchtung sich zuwandten. Wer uhn(i vveit(>ro IJelege von einem Karbenunter- ' Scheidungsvermgen dieser augenlosen "Wrmer sprche, dei- htte wohl fr den Spott nicht zu sorgen. Die Ver- suche lernen aber ein Farbengei'hl kennen , welches weit ber dem vieler Augentiere steht. Zwanzig Tiere haben zwischen hellrot und dunkelblau zu whlen. In einem Falle wenden sich 19 der ersten Farbe zu; im ungnstigsten Falle wird diese Farbe von 13 Individuen aufgesucht. Hellrot wird auch einem diuikeln Grn voi- gezogen, wenn auch die Bevorzugung etwas weniger ausgesprochen ist als im ei'sten Fall. (Hierraschend ist vor allem der Versuch mit hellgrn und dunkelblau. Die beiden Farben stehen einander so nahe, dass, wenn nicht ein ausgesprochenes Farbengefhl voiiianden ist, die Ijicbt- strkeunterschiede fr die Besuche massgebend \\'('nlen mssen. Was sehen wir aber! Von den 20 Versuchs- tieren wandten sich einmal alle dem Hellgrn zu. Im ungnstigsten Falle ist dies von 13 Tieren besucht. In schlagenster Weise erkennen wir also liier die Wahl der Farbe, trotzdem dieselbe gemss ihrer Lichtstrke dem lichtscheuen Tiere weniger Annc^hmlichkeit l)ot, als das dunkle Blau. Es ist also das Tier nicht nur ein ent- schiedener Freund der roten Farbe, es ist ein ebenso entscliiedener Feind des Blau, selbst wenn sich dieses in der dem Tiere angenehmsten Form, als dunkles Blau prsentirt. Auch ultraviolettemplindlich ist das Tier. Hat es die Wahl zwischen einem matten Weiss mit ultra- violett und einem hellen Weiss ohne diese ]5eigabe, so zieht es letzteres ausnahmslos vor. Von zwanzig Ver- suchstieren wandten sich durchschnittlich fast 13 dieser hellen, ihrer Lichtstrke nach also unangenehmen, aber ultraviolettfreien Beleuchtung zu. Dieser Versucli drite dadurch von besonderer Bedeutung sein, als er uns ver- rt, wie wohl die ausgesprochene Abneigung gegen laii in der Beimengung ultravioletter Strahlen ihren (iruiid haben knnte. Ist diese Lichtemiiflndlichkeit der ganzen Haut des Tieres eigen, oder kommt sie nur der die Schluudiierven- kiioten deckenden Hautpartie zu? Die P^rkenntnis der Lebenstlitigkeit tierischer Wesen ist oftmals mit der Erzeugung bitterer Leiden iuiiig ver- knpft. Wer auch im Tiere das flilende (k'schpf sieht, dei' wird sich eines stillen Mitleides nicht erwehren, wenn i'r veniinimt, mit welchen (^hialeii oftmals die \\'isseii- schaft eine neue Erfahrung erkaufen muss. Wird er diese harten Methoden verdammen? Er muss nicht be- denken, wie der am tierischen Krper ausgefhrte Ver- such zu s(Mnem eigenen Heil werden kann, wie die grossen Errungenschaften der Chirurgie einzig auf der so ver- liuten \'i\'isectioii beruhen, er muss nur an das grosse Leid \ieler seiner .MitMieiisclieii denken, das oftmals nicht ideale estrebungen, sondern nackte Habsucht erzeugt, um sein l'rteil ber das schmerzenbriugende Handwerks- zeug der Wissenschaft zu mildern, in der Methode ein entschuldl)ares V(Miahivn, ein notwendiges bel zu sehen. So hielt auch der Hegenwurm seinen schmerzensreichen i'jinzug in die grosse Zahl der Mrtyrer der Wissen- Nr. fi. Natmwisst^nscliaftlicliH Woclitmscliiift. 45 Schaft. Denn die i^estdltc^ Fi-iKe ist nur (laiin truulos zu lioaiitworti'ii, \N'tMiii das \urd(M'e Ki'pciviKlc des Tiei'cs rntfcriit wird. Und wie verliieltcu sicli diese Re.wuwniiri- ^vgcu uiiiileiclie Liciitstikcn'r' Die Wahl des Suliwarz ist wolil weiiiuer entseliicden als am niivoi'lct/.ten Tiere, abei' iiiinicr- hin ausgesprociteu genui^-. F\omnicn doeii auf 16 esuciir des viTdunkelten Raumes nur seclis JJesuclie der licllcu Ahtciluuii'. Die iiiclitcmpljndliciiki'it der ixci^cnwriiicr erstreekt sich also auf die i;auze Haut. Ind das Faibru- Walirnelimunijsvermgen? (xrabei- iK'giuig-t sicli das Verlialteu zui' Lust- und l'idustfarbe zu iirfcu und lindet, dass wieder die yaiize Maut das Rot als Lust- faibe, das I^lau als l'nlustfarbe empfindet. yo sehen wir also die Leistuni;-, welclie bei hlieivii Tieren als sjii'citisehe" dem Au^e zug-eschrieben wiixl, als (_)blie;L,'-enheit der ganzen Maut des Regenwurms. Diese raei-kwi'dige Erkenntnis mag eine weitei-e Frage hervor- i-ufen. Hat die Haut in der die einzelnen Sinnesorgane schaHenden Ai-beitsteilung ihr ganzes Licht- und Far- beneinplindungsvei'mgen dem sjjecifiselien Oi'gane ber- ti'agen oder sollte sie auch bei den Augentieren noch Hellt- und farbenempfindlich seiny Die Unglcklichen, die uns ber das Lichtgefhl geblendeter Tiere Rechenschaft geben mssen, sind ruhige l!i-ger unserer Teiche und Smpfe, die Wassersalaman- der. Von 2102 beobaehteleii Individuen besuchten 142S das Dunkel nml nur (i74 das Hell. Es ist also augen- scheinlich, dass die Tritonen auch im geblendelen Zustand gegen grssere Helligkeitsunt(^rschiede emiiliudlieh siml. Das Frequenzverliltnis von Weiss und Schwarz ist 1:2,1, beim nicht gcdilendeten Tiere 1 : 159. Es ist also die Lichtemplindlichkeit der Haut ungefiihr V'' '^^'^' Licht- emplindlicidiuus caballus zuweilen streifenartige Zeichnung vor. Piette vermutet, dass diese Neigung von Equus guttatu.s herzuleiten sei; unser l'fi-rd sei als Kreuzungsprodukt verschiedener Arten aufzufassen (liuUetin de la Societe d' Anthropologie de Paris {-i) X p. 786). K. Ein neuer Fundort der Sumpfschildkrte. - Die europische Sumpfschildkrte (Emys IntariaJ ist ein seltener ]?e- wohner der (iewsser des mittleren Deutschland. Um so mehr drfte es interessieren, von einem hubgeren Vorkommen dieses Tieres zu hren. Ungefhr l'J km sdwestlieh von Dessau liegt das Dorf Tornau. Der in der Nhe desselben bebiidliche in der Fnhno- Niederung belegene Teich gehrt zum Flussgebiete der Saale. Schon vor lngerer Zeit war mir besagtes Wasserbecken als ein Fundort der Emys bezeichnet wordc^n. Der Lehrer des Ortes uiul mehrere Landleute wollten FLxemplarc verschiedener Grosse gesehen haben. Trotzdem war es mir lange nicht mglich, eins derselben zu er- langen. Vor etwa vier Wochen wiu-de mir jedoch ein prchtiges Exemplar der Sumpfschildkrte zugeschickt. Dasselbe war, als es in meinen 15esitz gelangte, von einer dicken Scblammkruste l)er- zogen, welche es jedoch im Aquarium beim Schwimmen zwisdien den Wasserpflanzen bald entfernte. Anfnglich benahm sich das Tier sehr scheu. .letzt jedocli hat es alle I'urcht abgelegt, bewegt sich munter umher und nimmt bereits Nahrung zu sich. Hohes Fleisch scheint ihm am besten zu munden. Seine Grsse betrgt, vom Ivopfe bis zur Schwanzspitze gemessen, 17 cm. G. I 'artheil. Ueber Schwankungen im Salzgehalte der Ostsee an der Kste von I'olangen teilt AV. Grning (Sitzungsberichte der Naturforscher-Gesellschaft zu Dorpat Bd. VI 11 Heft 2) mit: Um den Salzgebalt des Ostsee wassers bei I'olangen und die den Schwankungen desselben zu Grunde liegenden F'aktoren zu ermitteln, wurden in der Zeit vom th. Mrz IS.'^fi bis zum 21). Mrz 1887 4 Amilysen ausgefhrt, wobei jedesnuU Windrichtung und Strmung des Wassers notiert wurden. Letztere war, so weit sie sich wahrnehmen Hess, meist durch den gleichzeitig herrscdienden AVind liedingt, nur am 1.5. August strmte das Wasser dem Winde entgegen, luiclidem derselbe Tags zuvor ziendich stark in entgegen- gesetzter Richtung geblasen hatte. Die Analysen gesiliahen durch Eindampfen von 100 Cc des ntigenfalls vorher filtrierten Wassers, Trocknen di^s Rckstandes bei 125 130'' G. und Wgen. Der Durchsdniittsgehalts des Seewassers an festen Bestandteilen ergab siili als Mittel aus allen 54 Analysen zu 0,61)1%, was im Vergleich zu sdlii'heren Bi'obadittingsstat'ionen autfallend wenig erscheint, denn whrend fr Sonderl)urg 2,760/o, Kiel 2,:U%, Travemiinde 2,11%, Rgen 1,25%, Heia 0,86% ermittelt wurden, fand Gr- ning' fr l'obmgen als INIaximum nur 0,79i)%. Aus dei- beigegebenen Beobarhtungstabelle ist zu ersehen, dass die grssten Schwankungen im Salzgehalt des Wassers in den Frh- lingsmonaten stattfinden, und zwar derart, dass das Wasser bei Nordstrnuuig reicher, liei Sdstrmung rmer an Salz ist. Diese 4G Natui-wissenscliaftliche Wochensclirift. Nr. 6. ViTli;iltni->c liri.'niiii-n in dir Ui-^'cl im ;\[iuz sicli tri'lteiul zu iiiarlirii und ciTcirlu-n ilii- Ara.\imuiii in ilcii Jlmiafi'ii April uiiil JNIai. Jiii .luiii iiiiil .liili wurde keine NdrdsrriiinunLr lieoliaclitet, doch im Aupu.^t uiul iSeiiteniber noch ein Minderirelndt an testen ]JeNtandteilen bei Siidsti-nuinfr heinevkt. whrend der Einfiuss derselben im Oktober und von (hi bis zum Mrz pfauz versi'hwunden ist. ja sog-ar der ent- S:efir<^iiffesetzte Fall eintritt, dass das AVasser bei Sdstrmuns' sc- haltreicher ist als liei Nordstrmung. Der (irund fr diese Verhlt- nisse lieirt in dem T'mstaiide. dass das Wasser der grossen von Deutschland her einmlindeiiden Flsse in den Frhjahrsmoiiaten bedeutend wrmer ist als dass der See, daher seiner speoifisehi'n Leichtiijkeit wegen an der Obertlche bleibt und von den Sdwin- den an die kurische Kste getrieben wird ; in den Herbst- U7id Wintermonaten ist es klter als das der See, mischt sich mit diesem oder fllt zu Boden. Auch die verhltnismssig hohe durchschnitt- liche Jahrestemperatur an der kurisehen Kste erklrt sich dadurch, da bei den voi'herrschenden SW.-Wiiiden die damit verbundenen Strilmungen eine Wrmezufuhr veranlassen. J'. Taubert. Ueber Erdbeben und die Messung derselben hat i'rof. Ewing, welcher whreiul seines niebrjlirigen Aufenthaltes in Japan die daselbst fast tglich auftretenden Erdbeben einem eingehenden Studium unterworfen hat, in der Royai Institution am 1. Juni einen Vortrag mit experimentellen Erluterungen gehalten. Die in neuerer Zeit mit irrossem Eifer betriebenen nie.ssenden Beobachtungen*), so- wie die 'Wichtigkeit der Erdbeben an sich drften es wohl berei'h- tigt erscheinen lassen, wenn wir den wesentlichen Inhalt jenes Vor- trages, unter ]?enutzung eines in der Nature" enthaltenen Auszuges desselben, an dieser Stelle wiederg-eben. Beim Studium der Erdbeben bieten sich, so erklrte I'rof. Ewing, zwei Gesichtspunkte dar, der geologische und der mecha- nische, von denen er nur den letzteren ins Auge fasse. J^ei dem- selben erregt nur der Charakter der liewegung, welche von irgend einem Punkte der Erdrinde ausgefhrt wird, und das Mittel, durch welches ein Erdbeben sich durch elastische Schwingung der Felsen und des Erdbodens ausbreitet, unser Interesse. Die erste Aufgabe der Seismometrie besteht darin, die Bewegung des Bodens whrend eines Erdbebens genau zu bestimmen, die GJrsse und Richtung jeder Verscdiiebung, die Geschwindigkeit und das Verhltnis der IBeschleu- nigung in jedem Augenlilicke aufzutinden, whrend die Erschtte- rung fortschreitet. Die meisten frheren Versuche, die Beobach- tungen von J'^rdbeben zu einer exakten Wissenschaft zu erheben, sind gescheitert, weil man voraussetzte, dass ein Erdbeben aus einem einzigen Stos.s oder wenigstens aus einem Hauptstoss oder doch niu- aus einigen Stssen bestnde, die sich leicht von anderen gerin- geren Oscillationen. welche etwa zur selben Zeit stattfanden, unter- scheiden Hessen. Das alte Sulenseismometer, welches aus kreis- runden , wie Kegel aufgestellten Sulen von verschiedener Strke bestand, und die Heftigkeit" des Stos,ses und die Richtung des- selben messen sollte, konnte keinen positiven Aufschluss ber ein Erdbeben gehen, denn die Sulen fielen in der sonderbarsten Weise durcheinander, wenn sie idjerhaupt umfielen. Es liegt dies daran, dass ein Erdbeben aus einem Wirrwarr unregelmssiger OsoillatioiU'n besteht, welche ihre Itichtung so schnell ndern, dass die Bahn eines Punktes etwa die Form einer ganz verworren zusammengewickelten Saite annimmt. Das mechanische Problem in der Seismometrie besteht darin, einen festen Punkt zu finden einen Krper so aufzuhngen, dass wenigstens irgend ein Punkt desselben sich nicht bewegt, whrend die.se komplizierte Hin- und Herbewegung vor sich geht. In Bezug auf diesen festen I'unkt wrde die Bewegung des Erdbodens regi- striert und gemessen -werden knnen. Das einfache Pendel ist wiederholt als ein Seismometer mit festem Tunkt vorgeschlagen worden , aber bei der langen Reihe von Oscillationen, welche ein Erdbeben ausmachen, konnte das Pendelgewicht, und dies geschah oft, so viel Schwingung annehmen, dass es sich strker bewegte, als der Brdboden selbst. I'rof. Ewing illustrierte dies whrend seines^ Vortrages, indem er zeigte, wie sich die kleinen Impulse summieren, wenn ihre l'eriode der der I'endelscliwingung entspricht. Der Fehler des Pendels besteht, vom seismometrischen Ge.sichtspunkte aus., in .seiner zu grossen Stabilitt und seiner infolgedessen kurzen Periode freier ( )scillation. Um einen Krper, des.scn Trgheit einen festen I'unkt liefern soll, zu hindern, eine unabhngige Oscillation an- *) Es mag darauf hingewiesen werden, dass ganz besonders in Japan diese Beobachtungen, nach der Rckkehr Prof. Ewing' s nach JOuropa, in grosser Zahl und mit .systenuitischer Grndlichkeit angestellt werden. So verH'entlichte vor kurzem I'rof. Sekiya. der frhere A,ssistent von Prof. Irving, in dem '2. Bande des Joui'- nal f the College of Science of the Jaiianese imperial University die Ifesultate der siMsmometrischen Beobachtungen vom September 1885 bis zum Septendier ISST, aus welchen sich interessante Schlsse ber die G'rsse der vertikal(>n Bewegung im Veriiltnis zur hori- zontalen usw. ziehen lassen. zunehmen, muss er astatisch aufgehngt oder untersttzt werden, oder mit anderen Worten, sein Gleichgewicht muss sehr nahe neutral sein. Nachdem Prof. Ewing hierauf mehrere Methoden astatischer Aufhngung, welche in der Seismometrie gebraucht worden sind, beschrieben und erlutert hatte, wandte er sich zu der Erklrung des von ihm selbst konstruierten Seismometers, welches seit dem Jahre 1880 in .lapan in Gebrauch ist und sich dort trefflich bewhrt hat. Bei demselben wird die Bewegung des Erdbodens in drei Com- ])onenten, zwei horizontale und eine vertikale, aufgelst und jede von ihnen besonders in Bezug auf einen passenden festen I'unkt vermittels eines multiplicierenden Hebels auf einer geschwrzten, horizontalen und kreisrunden Glasplatte registriert, welche ikrerseits durch ein Uhrwerk in gleichfrmige Drehung um eine vertikale Axe versetzt wird. Bei dem geringsten Erzittern des Bodens wh-d durch ein sehr empfindliches elektrisches Seismoskop ein elektrischer Strom geschlossen, welcher sofort das Uhrwerk auslst. Diese Apparate werden von der Cambridge Scientific Instrument Company angefer- tigt, und wird von derselben eine illustrierte Beschreibung aufWun,scli versandt. Im Laufe seines Vortrages fhrte Prof. Ewing seine A])parate vor, indem er durch Erschtterung der Unterlage ein knst- liches- Erdbeben erzeugte; gleichzeitig legte er eine grssere Zahl von Abbildungen vor, welche nach der autographischen Registrie- rung japanischer Erdbeben hergestellt worden waren*). Besondere Aufmerksamkeit erfordern die kleinen aber sehr hutigen Erschtterungen, welche den Anfang des Erdbebens kenn- zeichnen und sich in der Zeichnung wie ein verworrener Knoten darstellen. Bald nach dem Beginn der Erschtterung treten diese kleinen Schwankungen, jedoch gegen die grsseren und langsameren Ihiuptbewegung'en zurck, obwohl sie sich fr einige Zeit noch diesen superponieren. Hchstwahrscheinlich sind diese usserst schnellen Erzitterungeu normale Vibrationen, whrend die grsseren Bewegun- gen transversale Vibrationen darstellen. Die Registrierung eines Erdbebens umfasst einige hundert aufeinander folgender, phantastisch verschlungener Hin- und Herbewegungen. Jede einzelne Bewegung nimmt gewhnlich eine halbe bis zwei Sekunden ein, whrend die ganze Strung mehrere linuten dauert. Die Apparate Hessen noch Erdbeben vollstndig erkennen, bei denen die grsste Bewegung nicht mehr als Vioo ^"'1 betrgt: aber selbst ein Erdbeben, bei wel- chem die grsste Bewegung l-'/4 Zoll betrug, verursachte sehr un- bedeutenden Schaden, so dass bei einem starken, zerstrenden Stoss eine viel grssere Bewegung stattfinden muss. Am Schlsse seines Vortrages hob Prof. Ewing hervor, dass die Seismographen praktische Anwendung finden knnten, um die Festigkeit von Bauwerken zu messen. Er legte Abbildungen von seismographischen Aufzeichnungen vor, welche er krzlich auf der neuen Tay-Brcke erhalten hatte, um die Schwankung der Brcke zu prfen, whrend ein Zug ber dieselbe fhrt. Das Instrument war an einer Stelle aufgestellt, wo man das Maximum der Schwan- kung erwarten konnte. Die Bewegung war jedoi'h sehr klein; .sie betrug weniger als i/g Zoll, selbst whrend der Zug beim Seismo- gi-aphen vorberfuhr eine Thatsache, die fr die Festigkeit des Baues spricht. Xichtsdestoweniger konnte man durch Be(diachtung des Zeigers des Seismographen angeben, wann ein Zug von dem l'/s engl. Meilen entfernten Ende der Brcke bei Dundee herankam; es Hess sich dann eine schwankende Bewegung wahrnehmen, deren ^ Grsse wahrscheinlich weniger als i/jix, Zoll betrug. Diese Be- { wegung war zunchst eine longitudinale, und erst wenn der Zug nher kam, begann auch eine laterale Vibration, natriich unter Vergrsserung der Amplitude. Das ^Maximum frat ein, wenn der Zug bei dem Seismographen war, und die Bewegung blieb sichtbar, bis der Zug die Brcke am anderen Ende verliess. A. G. '') Vor einiger Zeit hat sich Prof. Sekiya der usserst mh- samen Arbeit unterzogen, die Bahn eines Punktes whrend eiiu's Erdbebens durch ein Modell aus Kupferdraht darzustellen. An dem Drahte befinden sii-li Zahlen, welche von Sekunde zu Sekunde den Veriauf der stattc-ehabfen Bewegung verfolgen lassen. Eine Abbil- dung des Modells wurde in diesem .lahrgauge der Nature" verffent- licht, auch isf dasselbe von einer japanischen Firma zu Tokyo kuflich zu beziehen. lieber ein Nebenalkalo'id des Cocains, das Isatropyl- coca'in. Bei der Darstellung des CocaVns aus den ("ocabltterii wird ein amorphes AlkaloTd als Nebenprodukt gewonnen, welches im reinem Zustande ein weisses lockeres oberhalb lO'^ sich zer- setzendes Pulver darstellt. Es ist ein starkes llerzgift und veran- lasst vielleicht die bei Verabreichung nicht ganz reinen CocaVns wiederiiolt beobachteten giftigen Nebenerscheinungen. Durch Mr- hitzen mit konzentrierter Salzsure im Eiuschlussnjhr wird dasselbe (nach Liebermanu. Her. d. Deutsch. Cliem. Ges. 1888, S. 231:-2 -2355) glatt in gleiche Molekle Methylalkidu)!, Isatropasuren (;- und (f) uiul Kcgonin gespalten; die neue Base ist dalier als IsatropylcocaVn", d. h. als ein Cocain anzusehen, in welchem das liadikal der- Benzoe- sure durch das einer isomersn Isatropasure ersetzt ist. Dr. M. K. Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 47 K'//. '////////'///'X Ueber eine Wirkung der strahlenden Wrme. Kiiie sehr iiitei-essante Ei-sfheiiuing wurde krzlich von llerrn Thure (in Dax. Franlvreich) beobachtet. E.s sei ein kleiner Elfenlieinzylinder A Hohe ca. 24hot; Durchmesser ca. 5 wni an einem feinen Cocontaden so aut'g-ehngt, da.ss seine Axe in die V^erlng-ernnn- des Fadens fllt. Ist der Zylinder in vollkominener lluhe, und nhert man ihm, whrend man selbst sich nnndttelliar vor dem Apiiaratc liftindct, einen zweiten, hnlichen Zylinder ]5 bis auf eine Entfernung' von etwa 1 wjjh, so fngt der erstere an, sich um seine Axe zu drehen. Die Drehung- hlt so lange an, bis die Kraft, von welcher sie hervorgerufen wird, aufgehoben ist durch die im Faden entwickelte Torsion. Denkt man sich die Zylinder ber dem Zitfernblatte einer Ulu' aufgehngt, resp. gestellt, so geschieht die Drehung im Sinne des Uhrzeigers, wenn sich der Zylin- der B, vom Beobachter aus gesehen, links vom drehbaren Zylinder befin- di't, in entgegengesetztem Sinne da- gegen, wenn er rechts von A steht. Herr Thore glaubte, die Erscheinung beruhe auf cim r noch unbekannten, dem menschlichen Korper eigentudiidien , und von ihm ausgehenden Kraft. Nun hat aber Herr Crooke, dessen Ua- diometer oder Lichtmhlen allgemein bekannt sind*), sich ein- geheiuler mit der Frage beschftigt und durch vielfache Versuche nachgewiesen, dass da keineswegs eine geheimnisvolle, vom Beob- achter ausgehende Kraft im Spiele sei, dass vielmehr die Bewegung des Zylinders eine Wirkung der strahlenden Wrme sei, so gut, wie die Drehung der Flgel in den eben erwhnten Uadiometern. i)ie Erklrung der Erscheinung drfte wohl diese sein. Die dem lieobachter zugekehrten Flchen der Zylinder nehmen in Folge der von ihm ausgeheiulen Sti-ahlung Wrme auf die sie wieder an die unmittelbar vor ihnen liegenden Luftschichten abgeben. Dadurch wird die Temptratur dieser letzteren erhht, und die erwrmte Luft sucht nun einen AViiluss naidi der Rckseite der Zylinder. Durch die Beibung, welche zwischen der Zylindertlche und der daran vor- berstreichenden Luft stattfindet, wird der Zylinder allmhlii.di in Drehung versetzt, und zwar muss diese Drehung in der von Herrn Thore beobachteten Weise erfolgen. Der Luftstrom nmlich, der zwischen den beiden Zylindern durchfliesst, wird strker sein, als derjenige, der an der ucseren Seite von A voi'beistreicht, da der erstere von zwei Seiten, von den vor A sowohl, wie von den vor B liegenden Luftschichten gespeist wird. Daher wird, je nach dem sich der feste Zylinder V> links oder rechts von dem beweglichen befindet, die Drehung in einem der Bewegung des rhrzeigers glei- chen oder entgegengesetzten Sinne geschehen. Wir sahen, dass die Drehung hervorgerufen wird durch die Wrme, welche der Krper des J5eoljachters atisstrahlt. Jn dieser Heziehung ist allerdings der Ursprung der treibenden Kraft im menschlichen Krper zu suchen. Aber der letztere ist nicht, wii' Herr 'i'hore glaubt, allein im stnde, auf den beweglichen Zyhnder einzuwirken, sondern er kann durch irgend eine andere Wrmequelle ersetzt werden. Es zeigt sich dies dadurch, dass der Versuch auch gelingt, wenn man eine mit heissem Wasser gefllte Flasche vor die Zylinder bringt, und die Drehung von weitem nutteist eines Fernrohres beobachtet. Dass die Wrme die treibende Kraft ist, zeigt sich ferner darin, dass die Bewegung vermehrt wird, wenn wir ilen einen, oder, was noch w-irksamer ist, wenn wir beide Zylinder nut Russ berziehen. Die berussten Flchen nehmen mehr Wrme auf als die glatten, polirten, geben dementsprecheiul auch mehr Wrme an die anliegenden Luftschichten ab, und rufen so einen strkeren Luftstroni hei'vor. Dass die Drelmng auf einer Wechselwii-kung der beiden Zylin- der beruht, und dass der zwischen ihnen durchtliessende Luftstrom mass<,'ebend sein muss, zeigte Herr Crooke durch einen X'ersuch, liei welchem der Zylinder B ebenfalls an einem Cocoufaden aufge- hngt, also ebenfalls drehbar war. Brachte man jetzt eine Wnue- (|uelle vor die ZyUuder, so drehte sich nun auch B, und zwar in (leni entgegengesetzten Sinne, wie A. Hei dem eben erwhnten Versuche befanden .sich Zylinder und Aufhngefden in einer an beiden Enden ge.schlossenen' G'lasrhrc, welche in der Hhe der Zyhnder sich zu einer Kugel i'rweitcrte. Vermittelst einer seitlichen Ansatzrhre war es Herrn Crooke mg- lich, den Luftdruck im Innern der (ilasridu-e zu verndern. Dabei machte er nun auch die interessante Beobachtung, dass, wenn der Luftdruck anfnglich den gewhnlichen Wert (7(il) jhhj) hatte, und er ihn allmhliidi verminderte, die Drehung der Zylinder ebenfalls .schwcher wurde. J{iu einer gewissen Strke ilcr rjuftverdnnung hrte sie ganz auf, um sich bei noch weiter gehender \'i'rdiinnun'j- *) Vergl. Naturw. Wocheusclir. lid. 1 S. lid.'). in die entgegengesetzt gerichtete umzukelu'en ; eine lilrscheinung. die bis jetzt freilich noch nicht genie Kfer. Beschreiluing aller in Deutschland, Oesterreich-lhigarn und der Schweiz vorkonini. ('oleojjteren. (494 S. mit lUustr.) VrekCtJC; geb. 7 ,M. ("icutz'sclie Verl.-Buclih., Magdeburg. Becker, E., Beitrge zur Geschichte der Aspiratienspneiinionie. (7."> S) Preis ] JC 80 ..( V'amlenhoeck & Ruprecht, Giii fingen. Berggreen, H., Zur Kenntnis des Tiphoxgens. .Anh ; 7,ur Kennt- nis der Isouitriisiikrper. (45 S.) Preis 1 ^/^. Vandeidioeck & Ruprecht, Gotfingen. Biedermann, W., Beitrge zur allgemeinen Nerren- und Mitskel- phgsiologir. 21. u. 22. Mitteilung (Sep.-Abdr.) In Komm. l'reis 3 M 10 ..(. Freytag. Leipzig. Bilz, r. E., Das neue Heilverfahren und die Gesundheitspflege. llaiisfreimd u. 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Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie hei der Expedition. Alxlrnek ist nur mit vollstndiger <{iiellenaiij;alie gestattet. Ueber Richtungen und Ziele der milr. M. Wi'sti'riiKiier's Schritt: Die wiss. Arb. d. bot. Inst, unti'r der Kubrik Ijittcrahu- in dieser Xummer der Xaturw. Wochenschrift. Red. e M d e n e r. ') der Natur des Faclies und der Persnlichkeit des Lehrers in verschiedenem Grade geeignet, nicht blos den Ver- stand, sondern auch das Gemt zu bilden und dadurch bestimmend auf Gesinnung und Lebensauffassung dei' Zuhrer einzuwirken. Aber das sichere Beobachten, das selbstndige Sichten und Kombinieren der Thatsachen, das verstandesgemsse Denken, das alles wird docii hauptschlich in den eben genannten Instituten, welciie der speciellen Pflege des Fachstudiums gewidmet sind, gelehrt und gelernt. So hat das Leben der Universitten, whrend es an ffentlicher Wirksamkeit und usserlichera Geprnge Ein- bussen erlitt, an Innerlichkeit und Tiefe entschieden ge- wonnen. Und der (jlewinn ist grsser als dei' Verlust. Dem akademischen Lelirer ist gegenwrtig in den Uebungen und Kursen ein Arbeitsfeld geboten, welches die Frderung der selbstndigen Forschung in viel reicherem Maasse gestattet, als dies frher der Fall war. Dagegen kommt derscllje infolge dieses Um- scliwunges nur selten in die Lage, aus seiner stillen Wirkungssphre herauszutreten und vor einem gr.sseren Ki'eise akademischer (genossen ein Bild dei' eigenen Thtigkeit oder der Errungenschaften seines Faches zu entwerfen. In manchen Wissensgebieten ist es auch nicht ganz leicht, in der Gestaltung eines solchen Bildes den An- sprchen des allgemeinen Verstndnisses gerecht zu werden, und gerade die Naturwissenschaften erfreuen sich keineswegs einer leichten Zugnglichkeit. Whrend so manche Frage, die den ( !esciiichts- und .Mtertum.s- 50 Natm-wissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. forscher, den Juristen oder Tlieolog-en beschftigt, sofort allg-emeines Interesse erregt, wird es dem Vertreter der Naturwissenschaften h vegetabilische Natur der Flechten und Filze, die nach ilini ilmcli Urzeugung entstehen, leugnete und selbst bei den grnen Fadenalgen nichts zu sehen ver- mochte, was mit dem Pflanzenbau bereinstimmte. Bei dieser Sachlage war es dringend notwentUg, tue berliefei'ten unklaren Voi'stellungen ber die Beschafl'en- lieit und die wechselseitigen Beziehungen der Elementar- oi'gane zu prfen und zu beiichtigen und so die Ijeln-e von der inneren Architektur der Gewchse von Grund aus neu zu gestalten. Die Lsung dieser Aufgabe nahm gegen vier Jahrzehnte in Anspruch. Erfolgreich begonnen von Bernhardi, Treviranus und Link in den Jahren 18041807, sodann wesentlich gefrdert von Molden- hawer jun. (1812), fand sie ihren vorlufigen Abschluss zu Anfang der vierziger .Jahre durch die Arbeiten Meyen's und Mohl's. An dem raschen Aufschwnge, welchen die letzt- genannten Autoren herbeifhrten, hat allerdings die Ver- vollkommnung der Mikroskope einen sehr erhebliehen Anteil. Die Instrumente, mit denen Link und Trevi- ranus beobachteten, gewhrten bloss eine 200 malige Vergrsserung und gaben noch ziemlich verschwommene Bilder, whrend die seit 1830 aus den Werksttten von Amici und Plssl bezogenen in der Vergrsserung das Doppelte erreichten und in Bezug auf Klarheit und Schrfe der Bilder alle frheren Leistungen weit bertrafen. Auf die phytotomische Periode folgte die entwick- lungsgescliichtliche. Die fertigen Gewebe hatte man ja so weit mglich kennen gelernt; es lag nahe, dass man nunmehr, weiter vordringend, nach ihrem Werden und Wachsen, d. h. nach ihrer Ent^\'icklung fragte. Vor- i kmpfer dieser neuen Richtung waren Schieiden und " Ngeli, wobei indess der erstere mehr anregend als bahnbrechend wirkte, indem seine voreiligen Lehren lngst aufgegeben sind, whrend Ngeli die jetzt noch gltigen Grundstze der Zellbildungstheorie aufstellte und mit ebenso nachhaltigem Erfolg auch die Entstehung der Organe und ihrer Gewebesysteme in den Kreis seiner Untersuchungen zog. Es waren durchaus neue Wege und Ziele, welche Ngeli der mikroskopischen Forschung vorzeichnete; sie zu vei'folgen und fr den Ausbau der Morphologie zu verwerten, ist seit mehr als 30 Jahren als eine dei' wichtigsten Aufgaben der Botanik anerkannt. Zu den bleibenden Errungenschaften, die wir dieser neuen Richtung zu verdanken haben, gehrt unter anderem die genaue Kenntnis der Wachstumsvoignge, der Zell- teilungen und Zellstreckungen, beim Aufbau der Organe. Eine so weitgehende Gesetzmssigkeit in Bezug auf Ent- stehungsfolge und Ijage der neuen Zellwnde, wie sie zuerst fr niedei'e, dann fr hhere Kryptogamen auf- gedeckt wurde, hatte niemand erwartet. Die Ueber- raschung, welche die ei-sten grundlegenden Arbeiten hervorriefen, war so gioss, und die neu erflnete Per- spektive so vielverspi'echend, dass man eine Zeit lang der zuversichtlichen Hoffnung lebte, eine knftige Ent- wic,kiungsges(;hi(;hte werde die ganze Gewebebildung- auf eine Anzahl gesetzrassig verlaufender und unter sich ebenso gesetzmssig vei'knpfter Zellteilungsfolgen zurck- Nr. Natarwissens(;haftliche Woclienscliiift. 51 fhlen, eine Hoffnung, die sich allerdings bis jetzt nicht erfllt hat und voraussichtlich niemals erfllen wird. Sodann fhrten die vergleichenden Untersuchuni^en ber die Entwicklung der hheren Kryptogamen, insbe- sondere die Arbeiten Hofmeister's (1851), zur Ent- deckung von Verwandtschaftsbezieliungen, von denen die bisherige Systematik sich nichts hatte trumen lassen. Dahin gehrt einmal der Nachweis, dass im Entwicklungs- gang dieser (iewchse ein regelmssiger Generations- wechsel stattfindet, wie er kurz vorher auch im Tierreiche entdeckt worden war, dann die Verknpfung dieser Er- scheinungen mit analogen, aber bis dahin gnzlich un- bekannten, welche die Samenbildung der Nadelhlzer betreffen, sowie die hierauf basieite Ueberbrckung der Kluft, welche die ltere Moi-phologie zwischen Kr3q)to- gamen und Phanerogamen g-ezogen hatte. Es sind das unbestritten Leistungen grsseren Styls, denen die vor- ausgehende nachlinneische Peiiode nichts Ebenbrtiges an die Seite zu stellen hat. Noch knnte ich an die wichtigen Ergebnisse er- innei'n, mit welchen die Entwicklungsgeschichte unsere Kenntnisse ber Befruchtung und Keimbildung bereichert hat, und ausserdem wrde ein vollstndiger Abriss der bisherigen Bestrebungen noch einen dritten Zweig der mikroskopischen Forschung zu bercksichtigen haben: das Stadium des molekularen Baues und der Wachstums- weise organisierter Gebilde. Ich glaube jedoch auf diese Fragen hier nicht weiter eingehen zu sollen, um dafr desto lnger bei den Stimungen der Gegenwart ver- Avcilen zu knnen, von denen namentlich auf neue Ziele gerichteten unser besonderes Interesse verdienen. Beginnen wir mit den anatomischen Studien im Dienste der Systematik. Obschon erst in jngster Zeit ernstlich in Angriff genommen, haben dieselben durch die Fragen, welche im Hinteigrunde der Unter- suchung auftauchen, bereits eine gewisse hhere Be- deutung erlangt. Die Arbeit der beteiligten Forscher ist zwar vorlufig noch in erster Linie der Aufgabe ge- widmet, den systematischen Wert anatomischer Merkmale zu prfen und auf Grund der gewonnenen Anhaltspunkte di(i Familien des i'flanzensystems naturgemsser, als es bis dahin mglich war, in Oiattungen und Unterfamilien zu gliedern und \oneinander abzugrenzen. Und solange die Forschung sich in diesen eng gezogenen Schranken bewegt, kann sie zwar bemei'kensweite Erfolge erzielen, jedoch eine grssere Tragweite nicht beanspruchen. Man wird den Systematikern einige kleine Korrekturen auf- ntigen, sicli abei' vorsichtig und bescheiden innerhalb der Familie halten; das System im grossen bleibt davon unberhrt. Wer jedoch das vorhandene thatschliche Material unliefangen durchmustert, wird sich kaum der Ueber- zeugung verschliessen knnen, dass die vergleichende Anatomie frher oder spter mit dem System selbst in Konflikt kommen muss. Zweifel an der vielgerhmten Natrlichkeit desselben sind namentlich mit Kcksiclit auf die Dicotyledonen schon fter ausgesprochen worden, und in der That erweisen sich hier bei niiheier Be- trachtung nur die Familien und hie und da khnere Fanliengruppen als natrlich, d. h. diucli die Gesammt- heit der Charakt(>re abgegrenzt; alles brige ist aus- schliesslich auf Merkmale der I51ten und Frchte basiert und muss daher als knstlich bezeichnet werden. Damit ist zugleich gesagt, dass eine solche Gruppierung un- mglich der Ausdruck genetischer Beziehungen odo-, wir man auf zoologischem Gebiet zu sagen pflegt, der IJluts- verwandtsehaft sein kann. Bezglich der Bltenformen ist im Gegenteil jetzt schon anerkannt, dass viele der- selben nur als Anpassung an die bei der Bestubung mitwirkenden Insekten und keineswegs als Kennzi'ichen gemeinsamer Abstammung zu deuten sind. So keinen z. B. die Blten mit Ober- und Unterlipiie, mit langen Rhren oder Spornen etc. bei den vei'sehiedensten Fa- milien wieder, auch bei solchen, die offenbar weit aus- einander liegenden Generationsreihen angehren. Andeie Merkmale, wie z. B. die sogenannte Median- stellung dimerer, d. h. aus zwei Karpellen gebildeter Fruchtknoten sind mechanischen Einwirkungen zuzu- schreiben. Die Bltensprosse stehen nmlich in der Achsel eines Tragblattes, und die Stellung ihrer eigenen Blattorgane mit Einschluss der Kaqielle ist durch Rauni- und Druckverhltnisse bestimmt, welche in der Regel noch auf den entferntesten Abstammungslinien dieselben Figuren herbeifhren. So kommt es, dass von zehn be- liebigen Pflanzen, welche nur zwei Carpelle in der Blte besitzen, jedenfalls neun das eine Carpell nach hinten gegen die Hauptaxe, des andere nach vorn gegen das Tragblatt verlegen, womit die erwhnte Medianstellung gegeben ist. Es mag sein, dass gewisse morphologische (irund- zge, wie z. B. die Form und Stellung der Samenanlagen und die Beschaffenheit der Samen selbst, solchen usseren Einflssen hufig mehr oder weniger entzogen sind und sich daher durch lange Generationsreihen regelmssig, wenn auch mit kleinen Modifikationen vererben, in welchem Falle sie natrlich eine wirkliche Verwandtscliafl andeuten. Empirische Belege fr eine solche Annahme lassen sich aber einstweilen nicht beibringen, weil die Palontologie uns gerade in Bezug auf Dicotylen ber die genetisch zusammenhngenden Formenreihen der Voi- welt so gut wie keinen Aufschluss giebt. Wir knnen also nicht wissen, in welchem Umfange der gleichartige Bau dieser inneren Organe auf gemeinsame Abstammung hinweist. Ob z. B. die Centrospermen, welche dui-eh dir periiiherische Lage des Embiyos ausgezeichnet sind, eine nati'liche Gruppe bilden, erseheint mir zweifelhaft. Aehnliche Zweifel haben allerdings auch den ana- tomischen Thatsachen gegenber ihre volle Berechtigung. Es ist ganz sicher, dass gewisse Eigenschaften der Ge- webe zuweilen in den heterogensten Gonerationsreihen wiederkehren, aus dem einfachen Grunde, Aveil sie fr die Hersteilung zweckmssiger Einrichtungen die eiir/.ig o-J Naturwissenscluiftlielie Wochenschrift. Nr. mgliche Lsung (hirbieten. Die Uebereinstimmung im anatomischen Bau steht in diesem Falle, sofern die Glieder vei-.schiedener Reihen in Betracht kommen, in keinem Zusammenhang mit der Blutsverwandtschaft. So ent- wickeln z. B. die Moosstramchen Skelettzellen, welche ganz mit denjenigen der Phanei'ogamen bereinstimmen. Und ddch kann hier an gemeinsame Abstammung gar nicht gedacht werden. Denn die Moose zeigen einen ausgesprochenen Generationswechsel; ihr Ijebenscyclus setzt sich aus zwei individuellen, morphologisch selbst- stndigen Gebilden zusammen, von denen das eine den Weg von der Sjiore bis zur Eizelle, das andere die Ergnzung von der Eizelle bis wieder zui' Spore dar- stellt. Im Moosstmmchen kommt nun gerade diejenige Generation zur Erscheinung, welche bei den hheren Gewchsen auf Null reduciei't ist, sodass die Vererbung bereinstimmender Eigenschaften von diesen Stmmehen auf die Phanerogamen ausgeschlossen erscheint. Unter solchen Umstnden kann nur das vorsichtige Abwgen der Tliatsachen, sowohl der moiphologisehen wie der anatomischen, allmhlich zu einer tiefei'en Ein- sicht in die genealogischen Verwandtschaftsbeziehungen fhlen. Und soviel ist heute schon klar, dass der Stammbaum der Reproduktionsorgane mit demjenigen der anatomischen Difterenzieiung nicht bereinstimmt. Vor- aussichtlich widen daher, selbst wenn die beiderseitigen Uebei-gnge durch alle Perioden der Vorwelt hindurch bekannt wren, immer noch verschiedene Wege fr die Kombination derselben offen bleiben. Bei dem heutigen Stande unserer Wissenschaft fehlen nun aber die empirischen Grundlagen, welche geeignet wren, ber die Art der allmhlichen Umprgungen, so- wie ber den schnelleren oder langsameren Verlauf der- selben gengende Auskunft zu geben. Einige Vor- kommnisse scheinen zwar die Vermutung zu rechtfertigen, dass die Gewebe der Vegetationsorgane in hohem Grade vernderlich, die Formen der Blte und Frucht dagegen relativ konstant seien; aber andere, nicht weniger be- deutsame Erscheinungen sprechen eher fr das Gegen- teil. Wahrscheinlich ist je nach den Umstnden, welche die Pflanze beeinflussen, bald das eine und bald das andere der Fall. Die im \"orhergehenden berhrten Fragen sind gleichzeitig no(;h von einer anderen Seite in Angriff ge- nommen worden. Einige Forscher haben nmlich den Versuch gemacht, und nicht ohne bemerkenswerte Er- folge, durch vei'gleich(md -anatomische Betrachtung von i'flanzi'ii, welche zu derselben uati'lichen Grupi)e ge- liien, aber an V(!rschiedene Klimate angeiiasst sind, den Einfluss der klimatischen Faktoren direkt zu ei-mitteln. Die Vergleichung erstreckte sich auf Arten dei-selben Gattung, auf Gattungen derselben Familie und auf die Eigentmli(;hkeiten des Baues im allgemeinen. Die Re- sultate dieser Untersuchungen stimmen darin berein, dass Trockenheit und starke Insolaon Eigeiisi'haften, welclie bekanntlich das Wsten- und Stepiicuklima kenn- zeichnen tiefgreifende A'ernderungen im anatomischen Bau dei- vegetativen Organe hervorrufen. Nicht bloss das Hautgewebe, dem als schtzende Hlle die am meisten exponierte peripherische Lage zukommt, ist bei Wstenpflanzen aussergewhnlich verstrkt und mit mannigfachen Einrichtungen zur Abschwchung der Ver- dunstung ausgestattet; auch die inneren Teile haben auf- fallende Umgestaltungen erfahren. Merkwrdigerweise sind diese Vernderungen von den betreffenden Autoren in ganz entgegengesetztem Sinne gedeutet worden. Whrend die einen von der Foitsetzung solcher Studien eine Reform der Systematik erwai'ten, stellen sie die anderen zwar als physiologisch wichtig, aber fr den Ausbau des Systems als bedeutungs- los hin. Zu Gunsten der ersteien Ansicht spricht die Thatsache, dass die anatomischen Merkmale, welche unter dem Einfluss des Wstenklimas entstanden sind, sich zweifellos auf die Nachkommen vererben, auch wenn diese unter vllig verndeiien Bedingungen, z. B. im Gewchshause, gezogen werden. Die klimatischen Fak- toren bewirken also mit Rcksicht auf den inneren Bau die Abzweigung neuer Stammlinien, welche mit der steigenden Zahl der Generationen zu immer grsseren Diffeienzen in der Ausgestaltung und Lagerung der Gewebe fhren mssen. Warum sollten die Gegenstze der Architektur nicht endlich so gross werden knnen, dass die gemeinsamen Zge fr unsere Wahrnehmung vei'loren gehen? Von der anderen Seite wiid dagegen mit Nachdruck hervorgehoben, dass die Merkmale der Reproduktions- organe den klimatischen Einflssen gegenber eine gi'osse Widerstandsfhigkeit besitzen und daher wohl als die systematisch wichtigeren oder als die einzig brauchbaren zu betrachten seien. Die bishei'igen Untersuchungen sind leider nicht aus- reichend, um in dieser Frage einen bestimmten Stand- punkt einnehmen zu knnen. Nur soviel scheint mir aus den Tliatsachen mit einiger Sicherheit hervorzugehen, dass man die relative Konstanz der Blten- und Fruclit- meikmale im allgemeinen zu stark betont hat. Wie lsst sich diese angebliche Konstanz mit den allbekannten Verschiedenheiten vereinbaren, welche hufig genug inner- halb derselben Familie oder derselben als natrlich be- zeichneten Ordnung vorkommen? Alan denke z. B. an unsere Nadelhlzer, an Kiefer und Fichte, Wachholder und Eibisch, wo das Verhltnis sich geradezu umkehrt, indem dieselben im anatomischen Bau eine auffallende Einfrmigkeit, in den Fiuchtformen aber eine ber- raschende Vielgestaltigkeit zeigen. Will man hier die verschiedenen Generationsreihen auf einen gemeinsamen Stamm zurckfhren, so mssen die i^'i-uchtformen sich offenbar rascher verndert haben, als die Eigenschaften der (iewebe. Von solchen F^rwgungen ausgehend, darf mau immerhin die Mglichkeit im Auge behalten, dass ge- wisse ussere Faktoren gerade die Reproduktionsorgane Nr. 7. Naturwissenscliiiftliche Woclinscliiift. 53 vorwiegend zu beeinflussen und dei'en Variabilitt zu steigern vermgen. .Tedenfalls luit diese neuere, dem Ausbau des natrliclien Sj'stems zugewandte Forscluuig keine Veranlassung, ihre Ziele kleinlaut preiszugeben und wieder in die l)erliefei'ten Tialinen einzulenken. (chlass folgt.) Kleinere Mitteilinig'eii. Der Pflanzenschdling Tylenchus devastatrix Khn. Diese zu den Fadenwrmern (Nematodes) gehrig-e Aelclienart bewohnt die verscliiedensten l'tianzen. Da dieselbe je nach der von ihr bewohnten i^tlanzenart gerinfje Abweichunsreii erkennen lsst. so wurden eine Reihe verschiedener Arten von l'tlanzenlclien aufg-e- stellt, welclie nach Kitzema Bos, der in Holland eing-ehende IJn- tersuchungen darber angestellt hat (Biolog. C'entralblatt VlI 1887/S Nr. 9, 10, 21), zu einer einzigen Art, Tylenchus devastatrix gehren. Diese Species ist unter dem Namen T. dipsaci (Khn 1858) die Ursache von Kernfule" der Bltenkopfe der Weber- karde; als T. h.yacintbi (Prillieux 1881) erzeugt sie die Kingel- krankheit" an den Zwiebeln der Hyazinthen, als T. allii (Beyerinck 1883) die Krankheit in den Zwiebeln, Allium repa, als T. haven- steinii (Khn 1881) die Krankheit der LuzeniepHanzen und des rothen Klees, usw. Tylenchus devastatrix bewohnt namentlich den Roggen, die Zwieliebi und Hyazinthen, beschrnkt sich aber auf die Stengel- teile und findet sich nie in den Wurzeln. Nahe verwandte Arten verschonen sie, z. B. die 'J'ulpen, Lilien, Fritillarien und Narzissen. Die Gerste wird nie von der Stockkrankheit befallen, an welcher der Koggen, Hafer und Weizen leiden. T. devastatrix ist bis jetzt in 34 I'ilanzenarten gefunden, welche 25 Gattungen und 14 Familien angeboren. Mit dem Absterben der Pflanzen siedeln die Aeichen in den Boden ber. Sie selbst und ihre Larven sind gegen das Austrock- nen sehr resistenzfhig. Der schdliche Einfluss des Wrmchens auf die im Wachstum befindlichen Gewebeteile der I'flanzen besteht zunchst in einer Ver- grssening der Zellen , einer Streckung derselben. Whrend das Parencbym der Stengel und Bltter durch die Zellstreckung und Zellteilung einen grsseren Raum einnimmt, behalten die Gefss- bndel bleibend denselben Umfang. Das Lngenwachstum wird dadurch geringer und kommt sogar zum Stillstand. Die Folge davon ist eine Missbildung der Pflanze. H. J. K. Die Sporen des Hausschwammes haben zu ihrer Keimung neben einem geeigneten Mass von Feuchtigkeit durcliaus Ammoniak- salze oder Kalisalze ntig. Diese finden sie z. B. in der Nhe von schlecht angelegten Aborten, in feuchtem Fllniaterial etc. Stein- kohlengries oder Coaks sind hierzu durchaus nicht zu verwenden, das beste Material ist gewaschener, grober Kies. Je trockener Bau- holz und Steine sind, um so weniger ist die Gefahr einer Schwamm- einwanderung vorhanden. Eine zu rasche Bauausfhrung, zu frher Oelanstricli an Mauer- oder Holzwnden sind gefhrlich. Da ge- flsstes Holz einen grossen Teil seiner mineralischen Bestandteile verloren hat , wird es vom Schwamm viel weniger ergriffen , als ungeflsstes. Ein Unterschied in dieser Hinsicht zwischen Sommerliolz und Winterholz besteht nicht. Die Ueber- tragung des Schwammes kann einerseits durch Verbreitung der Sporen geschehen, andererseits durch Uebertragung der Mycelien. Die Sporen, von grosser Leichtigkeit, knnen schon durch die Luft fortbewegt werden. Bauhandwerker knnen sie bertragen. Mycelien bilden Anlass zu Inficierung, wenn altes von Schwamm befallenes Holz bei Neubauten verwendet wird, oder wenn solches Holz auf Holzpltzen neben dem neuen lagert. Die meistens zur Verwendung kommenden Vertilgungsniittel sind, ausser Kreosot, fast alle wertlos. (Aus einem Vortrag von Prof. Dr. Just. Verh. Karlsruhe X. 1888 S. 75.) A. Vulkanische Eruption auf Japan. Bezglich der krz- lich bei Wakamathu aut Japan stattgefundenen grossen vulkanischen Eruption wird im Globus" S. IIU auf die frheren vulkanischen Eruptionen Japans hingewiesen. Von dem japanischen \'ulkano Fusiyama, der 3 8U0k hoch ist, behaupten die' japanisclien Annalen, dass derselbe erst im Jahre 280 n. Chr. entstanden sei, bezw. dass er seine Vulkannatur erst in jenem Jahre otfenbart halie Zu gleicher Zeit soll sich auch durch eine pltzliche Landeinsenkung der grosse See Omi (Biwaj gebildet haben, und im Jahre 80 n. Chr. .soll" dem- selben die Jnsel Thikubusinia entstiegen sein, (ieiiauere Nachrichten haben wir ber den im Jahre 1707 stattgefinidenen grossen Ausl.rucli des Fusiyama, der zwei Monate dauerte und dabei in seiner Form sich sehr vernderte; in Yeddo, welches 80 km von dem Berge entfernt ist, schien die Sonne verfinstert und das Getse des Berges wurde deutlich gehrt Der nordwestlich vom Fusiyama gelegfene Vulkan Assamayama, der 2 500 m hoch ist, gab 1783 aus seinem Krater einen L;ivastrom von sich, der noch heute meilenweit zu ver- folgen ist; zahlreiche Drfer und ausgedehnte Waldungen wurden von der Lava und der Asche bersclittet. Im Jalire 1792 hatte der Osengatake auf Kiuschu eine furchtbare Eruption, die 53 dOO Men- schen das Leben gekostet haben soll. In diesem Jahrhundert haben zwar mehrere Ausbrche verschiedener Vulkane stattgefunden, doch erreichte keiner die Heftigkeit des 1888 stattgefundenen H". J. K. Zur Bildung des Erdls. Von den verschiedenen Hypo- thesen, welche zur Beantwortung der Frage nach der Entstehung des Erdls aufgestellt worden sind, haben bekanntlich zwei die meisten Frsprecher gefunden, diejenigen nmlich, dass abgestorbene Pflanzen oder aber abgestorbene Tiere das Rohmaterial fr die Bildung des Erdls abgegeben haben. Die Vergleichung verschiedener Erdle mit Braun- und Stein- kohlenteerlen hat gezeigt, da.ss Unterschiede in dem Charakter der Kohlenwasserstolf- Komponenten beider Oelarten nicht vorhanden sind, dass nur das Mischungsverhltnis der einzelnen Bestandteile in denselben ein verschiedenes ist. Daraus hatte man geschlossen, dass auch das Erdl ein Produkt der trockenen Destillation von Pflanzenstoft'en frherer geologischer Epochen sei, und von chemi- schen und geologischen Gesichtspunkten aus angenommen, dass die Brdlbildung aus diesen nur unter hherem Druck und bei verhlt- nismssig niederer Temperatur stattgefunden habe. Gegen diese Annahme .sprechen die nachstehend mitgeteilten Beobachtungen, welche Prof. C. Engler in Karlsruhe (Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 1888, 181027) bei der Zersetzung tierischer Fettsubstanzen unter starkem Ueberdruck gemacht hat und welche vielleicht schon jetzt geeignet sind, eine Lcke in der Theorie der Erdlbildung aus animalischen Resten ausfllen zu helfen. Durch Destillation von nordamerikanisehem Fischthran, spez. Gew. 0.93, (vom Menhadenfisch, Clupea tyronn., an der Westkste Nordamerikas gefangen, 1 1.5 kg schwer) unter einem Druck von 3 10 Atmosphren und bei einer Temperatur von 320 bis ca. 4000 (in einem Krey'schen Apparat fr Destillationen unter Druck) erhielt Engler etwa 6OO/0 vom Gewicht des Fettes an Rohl, welches zu mehr als %o 'i"*^ Koblenwasserstoft'en, und zwar aus Noinial-Pentan-, Hexan-, Heptan-, Oktan und -Nonan bestand, und worin ohne Zweifel auch Kohlenwasserstoffe der sekundren Reihe vorhanden sind, so dass allem Anschein nach das ganze unentwirr- bare Gemisch" der Kohlenwasserstorte des Erdls vorliegt. Da der Fischthran ein Gemisch der Triglyceride von Oelsure, Palmitin- sure, Stearinsure und kohlenstoffilrmeren Fettsuren ist, so wurden auch Kontrollversuche mit reinem TrioleVu und reinem Tristearin, sowie mit freier Oelsure beziehungsweise Stearinsure angestellt, welche gleichfalls die Bildung von Kohlen wasserstoft'en ergaben. Beim Erhitzen im luftverdnnten Raum verhielt sich der Fischthran ganz anders: er destillierte dabei zu ',5 seines Gewichts unter Eutwickelung brennbarer Gase ber., und das Destillat ent- hielt nur ca. 10% Kohlen wasserstott'e. Das beobachtete Verhalten tierischen Fettes beim Erhitzen unter Druck auf nicht allzuhohe Temperatur, insbesondere das ber- rascliende Resultat, dabei 60 ",0 vom Gewicht des Fettes an Uohol zu erhalten, veranlasst Engler zu folgenden Schlssen ber die Ent- stehung des Erdls aus Tiersubstanzen; Wre das Erdl aus Pflanzenresten durch trockene Destillation bei niedriger Temperatur gebildet, so mssten in der Nhe oder doch in irgend einer erkennbaren Beziehung zu der Petroleumfund- sttte kohbge Pflanzenrckstnde zu konstatieren sein, was bisher nicht der Fall gewesen ist. Umgekehrt msste man in den Kohlen- fltzen oder doch in deren Nlie flssige Kohlenwasserstoffe oder andere Bitumina des fteren und in grsseren Mengen antreffen, was aber gleichfalls niclit geschehen ist. Wo wirklich flssige Kohlen- wasserstott'e in Steinkohlenlager eingeschlossen sind oder daraus aus- trufeln, da treten dieselben fast immer nicht im Flrze selbst, sondern in anderen Schichten aus, wie z. B. an der berhmten Stelle des Steinkohlenfltzes zu Wombridge (England) aus Sandstein; oder aber sie stehen innerluilli des Kohlenfltzes in N'erbindung mit Schichten, welche Tierreste aufweisen, und es felilen geraile in .Stein- kohlenrevieren irgend ergiebige Mrdlvorkommen. Dagegen sind bei Erdlfundstiltten Tierreste oder d"cb unzwci- 54 Natui-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. deutige Spuren (lerspll>eu regelinssig- vorliaudeu. Besouders inter- essant ist iu dieser l'ezieliung das von T. St. Hunt angegebene Vorkommen von Brdl iu den frheren Wolnikammeni der Ortho- eeratiten im Trentonkalke bei Packejiliam (Kanada), sowie die von Fraas liei)bacl)teten Erdlausscliwitzungen eines den Meeresspiegel jetzt berragenden Korallenriffes am Ufer des Koten Meeres bei Djebel Zeit. Aelinlielir Becjbaelitungen sind an fossilen kanadischen Korallen, an karpathisebem Fischschiefer gemacht, und auch im Muschelkalk hat man wiederholt mit Erdl angefllte kleine Zellen aufgefunden. Nach Hfer sind Schiefer, die bei der Destillation grssere Mengen Kohlenwasserstoff-Oele liefern, an Tierresten reich, weisen dagegen nur verhltnismssig geringe Mengen pflanzlicher Reste auf. Gesteine, die grssere Mengen der letzteren Reste ent- halten, sind in der ]\egel nicht bitumins, werden es aber, sowie sieh Tierreste dazu gesellen. Auch das mit dem ErdOl meist gleich- zeitig hervorquellende kochsalzhaltige Wasser spricht nach Englers Ansicht dafr, dass das Erdl mariner Fauna entstammt. Ausser- dem spielen ja die Pflanzen in dem marinen Leben doch nur eine ganz untergeordnete Rolle; sie sind auf die Ksten angewiesen, denn schon bei 30 40 m Tiefe schwinden ihre Existenzbedingungen, und es knnen sich daher nur in der Nhe der Kste grssere An- luuifnngen von Pflanzenresten bilden. Der genannte Forscher glaubt daher folgern zu drfen , dass die Tiersubstanzen frherer geologischer Epochen (Fische, Saurier, Kor.allentiere, 'J'intenhsche, Muscheln und andere Weichtiere), von undurchlssigen Schichtungen umgeben, in geschlossenem Behlter erhhtem Druck und nicht .allzu hoher Temperatur ausgesetzt, Erdl geliefert haben. An diesem Dnick scheint in einzelnen Fllen viel- leicht auch das ber den Schichtungen stehende Meerwasser beteiligt gewesen zu sein. Dass Verbindungen wie Acrolel'n , AUylverbindungen , Fett- suren mit niedrigerem Kohlenstoftgehalt usw. fehlen, welche sonst bei der Fettzersetzung auftreten, erklrt Engler durch ihre Ls- lichkeit in Wasser; sie sind, bei schon Jahrtausende langer Berh- rung des Erdls mit Wasser, ausgelaugt und fortgefhrt worden. Auch die Thatsache, dass in den bisher untersuchten Erdlen wenig oder gar kein Stickstoff vorhanden , ist leicht erklrt, wenn man bercksichtigt, dass die organischen Stoffe der Tierwelt, zumal der hier in erster Reihe in Betracht kommenden Seetiere, haiiptsachtlich aus zwei Teilen , stickstofi'lialtiger Muskelsubstanz und stickstoff- freiem Fett, bestehen, von denen die erstere schnell fault unter Bildung von Stickstofl', Ammoniak oder komplizierteren Verbindungen, whrend das letztere den Destillationsprozess zum Erdl durch- macht. Es sei in dieser Beziehung insbesondere an Wetherills Untersuchungen erinnert, welcher in fossilen Knochen des Bison Americanus 86.30/0 fette Suren, 10.1% Kalk und 3.6% flockige organische Substanz" fand und beim Studium des Verwesungs- prozesses einer grossen Zahl von in nassem Boden beerdigten Leich- namen fetter Menschen das Vorhandensein eines waehsartigen Stoffes beobachtete (Adipocire" oder Fettwachs), der zu 97 98% aus Fettsuren besteht, whrend er in keinem Falle Ammoniak in der rckstndigen Masse aufzufinden vermochte. Bei knstlich hervorgerufener Fulnis von Tiersubstanzen verschwindet der Stick- stoff derselben, und es bleibt das Fett als Adipocire" zurck. Auch die Beobachtung Gregorys, dass ein 15 Jahre lang einge- scharrtes .Schwein ein zu V4 aus .Stearinsure und % aus Palmitin- und Oel-iure bestehendes Adipocire hinterliess, spricht fr die D.auer- haftigkeit tierischer Fettsubstanz, gleichgiltig, ob das Glycerin schon abgespalten ist oder nicht. D'-nken wir uns nun Sedimentrgestein mit solchen Fettmassen. den Resten verfaulter Tierleiber, durchsetzt und nachtrglich unter starken Drnck beziehungsweise auch noch in Wrme gebracht, so ist damit eine Erklrung der Bildung des Erdls gegeben. Dr. M. K. Versuche mit flssiger und fester Kohlensure. Versuche mit flssiger und fester Kiihlensure gehrten bis vor kurzem selbst in den rniversitts-L.aboratorien zu den Seltenheiten, hl (ittingen z. B. wurde vor etwa 10 .Jahren in der chemischi'u \'orli'sung bei der Besprechung der Kohlensure der Natterer 'sehe Apparat vorgezeigt; es wurde erwhnt, dass man mit Hilfe dieses A[iparates flssige sowohl als feste Kohlensure darstellen knne, dass indessen von der Ausfhrung ei?ies Versuches in Anbetracht sowohl des erforderlichen Zeitaufwandes als auch der Explosions- gefahr Abstand genomnien werden msse. Seitdem nun die .Aktien- gesellschaft fr Kohlen- Industrie in Berlin die Darstellung der flssi- gen Kohlensure im gros.sen betreibt, kann man sich ohne jede Schwierigkeit die fr den l'nterricht ntige !Menge verschaflcn, und (^s steht der Ausfhrung von Versuchen kein nennenswertes Hindi^r- nis mehr entgegen. Neuerdinirs werden von der genannten Gesell- schaft sogar Apparate geliefert, welche eig(!ns fr Unterrichtszwei'ke hergestellt sind. Die Stdtische ( )berre.alsc,hule zu Braunschweig hat krzlich einen solchen Apparat angesehafl't; derselbe besteht aus einer sehr starken eisernen Flasche, welche 1 Kilogramm flssige Kohlensuri' enthlt und in einem Gestell drehbar ist, so dass man den efl'nungshahn nach oben oder nach unten richten kann. Die \'ersuche, welche mit diesem Apparat im chemischeu Unterricht der (iberrealschule zu Braunschweig ausgefhrt werden, sind die fol- genden : 1) die eiserne Flasche steht senkrecht mit dem H}. F. C. W. Vogel, Iieipzig. Ettingshausen, C, Frhr. v. , Die fossile Flora von Leoben in Steiermark. 1. Teil. (Sep.-Abdr.) gr. 4. (58 S. ra. 4 Taf.) In Komm. Preis 4 JC 00 4. Freytag, Leipzig. Exner, F., Weitere Beobachtungen ber atmosphrische Elektri- citt. (Sep.-Abdr.) (24 S. mit Holzschnitten.) In Komm. Preis 60 ..j, Frey tag, Leipzig. Feaux B., Lehrbuch der elementaren Planimetrie. 7. Aufl., be- sorgt V. A. Balkenhol. (VIII. 193 S. mit lUustr.) Preis 2 JC 50 ,j. F. Schningh, Paderborn. Ferrari, E. v., Die Hemipteren-Gattung Nepa Latr. (sens. natur.) (Sep.-Abdr.) (34 S. m. 2 Taf) Preis i JC. Holder, Wien. Finseh, O., Ethnologische Erfahrungen und Belegstcke aus der Sdsee. 1. Abt : Bismarck-Arcliipel. (Sep.-Abdr ) (76 S. mit 5 Tafeln.) Preis 10 JC. Holder, Wien Samoafahrten. Reisen in Kaiser Wilhelms-Land und Bnglisch- Neu-tiuinea in den Jahren 1884 und 1885 an Bord des deutschen Dampfers Samoa". (390 S. m. lUustr. u. Karten.) Preis 12 JC; geh. 14 JC 50 .,}. Hirt & Sohn, Leipzig. dasselbe. Ethnologischer Atlas. Typen aus der Steinzeit Neu- Quinea's. Deutsch. Englisch und Franzsisch. 4". (56 S. m. 21 Taf) I'reis geh. l JC. Hirt & Sohn, Leipzig. Fischer, K., Die Schicksale der Universitt Heidelberg. Fest- rede. :i. Ausg. (98 S.) Preis 2 JC. Winter's Univers.-Buchh., Heidelberg. Uebcr menschliche Freiheit. Prorektoratsrede. (47 S.) Preis 1 JC 20 ..(. Winter's Univers.-Buchh., Heidelberg. Flgel, O., Die Probleme der Philosophie und ihre Lsungen. 2. .iufl. (.KIV. 272S.) I'reis 4 .* 50 .^. Schulze, Knigsberg. Foucher de Careil, Graf A., Hegel und Schopenhauer, ihr Leben und Wirkest. Ucbers von .T. Singer. (L, 417 S.) Preis 8 JC. Ivoiiegi-ii. Wien. Foulion, H., Baron v. , Unsersuehung der Meteorsteine von Shalka u. Manbhoom. (Sep -Abdr ) (24 S.) Preis 80 .,;. Holder, Wien. Franzi, O. , Terrain- und Wegkarte des Schuler - Gebirqes. 1_;3000 Cliromolith. Fol. Preis 1 ^/f 20 .J. Albrecht & Zillich, Kreuznach. Gabelentz, G. v. der, Confucius und seine Lehre. (52 Seifen.) Preis 1 JC 50 ~j. Brockhaus. Leipzig. Gaebler, E., Systematischer Schul- Hand- Atlas in Uebereinstim- mung mit den dazu gehr. Wandkarten. Fol. (18 Kartons.) Preis 80 Pf Lang, Merz. Geleich, E., Magnetische Ortsbestimmungen an den sdstlichen Grenzen (Jesferreich-Ungarns. (Sep.-Abdr.) (34 S.) In Komm. Preis 50 ;. Freytag, Leipzig. Genau, A., Leitfaden der elementaren Geometrie f. Lehrer- Seminare. 5. Aufl. (IV, 159 und Resultate 8 S.) Preis 2 JC 10 4. Hagen. Bren. Gerland, J., Ueber Intrathoracische Tumoren. (23 S.) Preis 60 4. Vandenhoeck & Ruprecht, Gttingen. Gerloff", O., Beitrag z-um Slrychnin-Diabetes. (17 S.) Preis 80 ..j. Lipsius & Tischer, Kiel Gezeitentafeln fr das Jahr 1889. Hydrographisches Amt der Admiralitt. (VIII, 223 S. m. 14 Blttern in Steindr.) Preis 1 JC 20 ,(. Mittler & Sohn. Berlin. Graeffe, E., Uebersicht der Sectkierfauna des Golfes von Triest nebst Notizen ber Vorkommen, Lebensweise, Erscheinungs- und Fortppanzungszeit der einzelnen Arten. IV. Pisces (Fische). (Sep.-Abdr.) (26 S. m. 1 Taf.) Preis 3 JC 60 4. Holder, Wien. Gruber, A., Ueber einige Rhizopoden aus dem Genueser Hafen. (Sep.-Abdr.) (12 S. m'. 1 Taf.) Preis 1 JC 60 -(. J. C, B. Blohr, Freiburg. Gegen Einsendung des Betrages (aiich in lirief- niarken) liefern n-ir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin IVW. . l>ie Kxpelitioii der ]yatnrivissen!!ivliaftlicheii Wochenschrift". Briefkasten. Hr. F. Die Xylographen bertragen gedruckte Abbildungen auf Holz, indem sie die Abbildung mit einer Auflsung von V3 G" wichtsteilen .\etzkali in -,3 Spiritus vini bestreichen und das Papier, sobald so viel Spiritus verdunstet ist, dass die Abbildung nicht mehr nass aber noch feucht ist, auf das Holz legen. Streicht man nun die Rckseite der Abbildung mit Anwendung von Druck etwa ver- mittelst einer glattpolierten Elfenbeinflche, so druckt sich die Ab- bildung auf das Holz ab. Berichtigung. Herr Ingenieur Mickwitz in Reval hat mich darauf aufmerk- sam gemacht, dass eine in meinem Aufsatze Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberflche liegen- den Steine (diese Zeitschr. Bd. II S. 147)"' gemachte Angabe der Berichtigung bedrfe. Die von mir daselbst erwlinten drei mitt- leren Richtungen X, S 60" 0, S 50" W beziehen sich nicht auf die Lage der Kanten, sondern entsprechen den Normalen zu den Schlitt'- flchfu , mitliin den von Mickwitz vorausgesetzten mittleren Wind- richtungen. Felix Waluischaft'e, Inhalt: S. Seh wendener; Ueber Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botanischen Forschung. Kleinere Mitteilungen: Der Pflanzenschdling Tylenchus devastatrix Khn. Hausschwamni. Vulkanische Eruption auf Japan. Zur Bildung des Erd- ls. Versuche mi't flssiger und fester Kohlensure. Photochromatisclie Eigenschaften des Chlorsilbers. Einfacher Versuch ber elektrische Influenz. Krystallisarion durch Bewegung. Die August-Meteore im Jahre 1888. Fragen und Antworten: Ist es wahr, dass unsere Wasserschnecken an (h'r Oberflche des Wassers hinkriechen knnen und wie bewerkstelligen sie d.as'^ LItteratur: Dr Max Westermaier: Die wissenscliaftlichen Arlieiten les botanischen Instituts der K. Universitt zu Berlin in den ersten zehn Jahren seines Betehens. Bcherschau. Briefkasten. Berichtigung. Verantw(jrtlicher Redakteur: Dr. Henry l'otonie, Berlin NW. 0. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Druck: Gebrder Kiesau. Berlin SW. 12. Ilicrxn eine lteiia;;e, welche wir iM'Nonilers zn beachten bitten. Beilage zu Nr. 7, Band III der Jaturwissenschaitliclien VUocIienschrift". Diejenigen unserer geschtzten Abonnenten, welclie mit dem Abonnementsbetrag pro III, Band I. Quartal noch im Rckstande sind, werden hflichst ersucht, denselben bis zum 20. d. Mts. einzusenden. Alle bis dahin nicht bezahlten Betrge werden per Postauftrag, unter Zuschlag von 50 Pfg. erhoben, in der Annahme, dass dieser Zahlungsmodus beliebt. Berlin NW. 6. ^.^ Expedition der Naturwissenschaftliciien Wochenschrift" Luisenplatz 11. l^^^S'a'^ namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Betnerknng fr die Leser; Fr den Inhalt der Inserate sind wir nicht verantwortlich. :^I^ Von der in unsere NatiirwisseiiNchaftlifln' Woolieiiscliril t" aufsreganpenen, von Dr. W. Sklarek liegrn- deten und von Dr. Otto Schumann redigierten Zeitschril't, I>er Xatiirforsclier** liefern wir die lteren Jahrgnae statt fr 10 Mlv. zum Preise von nur 3 Mk. 50 Pfg. franko gegen Einsendung des Betrages (auc-h in Briefmarken). Die Expedition der Naturwissenscbaftliclien Wochenschrift" Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. Ciief. zu beacliteu. Aus dem Verlage des Herrn Moritz Boas in Berlin ging in den unsrigen ber: Illustrierte Flora von Nord- und Mittel -Deutschland mit einer Einfhrung in die Botanik unter Mitwirkung von Prof. Dr. P. Ascherson, Berlin. Dr. G.Beck, Wien. Prdf. Dr. R. Caspary, Knigsberg i. Vr. Dr. H. Christ, Basel. Dr. W. 0. Pocke, Bremen. I. Preyn, Prag. Pmf E. Hackel, St. 1 'lten l'rof. C. Hausknecht, Weimar. Prof. Dr. G. Leimbach, Arn- stadt. Dr. P. Pax.' J5reslau. Prof. Dr. A. Peter. Mnchen. Prof. Dr. L. Wittmack, Berlin. Pmf A. Zimmeter. Innsbruck und mit einem Anhange: Die medizinisch-pliarmaceutischen Pflanzen des Gebiets. Bearbeitet von Ober-Stabsapotheker Dr. W. Lenz. DDr. Sl- ^otor:Lie- Dritte we.sentlich vermehrte und verbesserte Autlage. .5,50 Seiten mit 335 Te.rtfiijiiren. Preis M. 5, . Elegant geb. M. 6, . Ferner: [110] Elemente der Botanik. Vmi Dr. H. rotonie. 332 Seiten mit 539 Textfiguren. Preis M. 3,80. Gebunden M. S,60. Bestellungen auf diese beiden aneikannt vorzglichen Bcher, welche wir besonderer Freude unserem Verlage einverleiben, wolle man fortan an uns richten. Verlagsbuchhandlung von Julius Springer Berlin JV., Monhijmiplatz !i. 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Tirol. ^^. schon die Differenzierung des Zellinhaltes in zwei gesonderte Tropfen, dann die komplizierten Erscheiinmgen der Kernteilung und die Entstehung der Zellhaut bleiben nach wie vor unaufgeklrt, und tusche ich mich nicht, so sind alle Bemluingen, die mechanisch -physikalische Betrachtung auch auf diese Gebiete auszudehnen, zui- Zeit von vorn- herein als verfrht und darum als fruchtlos zu be- zeichnen. Viel grsser als die Gefahr fruchtloser Anstrengun- gen ist brigens in solchen h^ragen tliejenlge der Selbst- tuschung. Wer ein klar crfasstes Ziel durch ernste Arbeit zu eri'eichen bestrebt war, dann aber auf Schwie- rigkeiten stiess, die er als unberwindbar erkannte, hat dabei zum mindesten eine wertvolle Einsieht gewonnen, und die Fachgenossen werden es iinn danken, wenn ei- seine Erfahrungen zur Kenntnis Aller bringt. Wer dagegen die vorhandenen Schwierigkeiten gai' nicht sieht und am Ende Alles erklrt zu haben glaubt, whrend er im Grunde nur unverstandene Vorgnge beschreibt, wird die mechaniscli-iilivs'kalische Forsclnnic" sowoiil auf 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 8. experimentellem als auf mikioskoiiisehem Gebiet eher zu verwTen als zu frdern im stnde sein. So ist es z. 13. eine offenbai'e Selbsttiiusclning, wenn man die Vernderungen in der Gewebestruktur, welche durch ussere Einflsse induciert werden, einfach als die Wirkungen dieser letzteren hinstellt und damit den ver- borgenen Causalnexus enthllt haben will. Zwar sind es allerdings Wirkungen, die man beobachtet; aber zwischen ihnen und der zugehrigen Ursache liegt das ganze Rderwerk des Organismus, eine lange Reihe von unbekannten Zwischengliedern, deren ineinandergi'eifen unserem Denken somit vlhg entzogen bleibt. Wenn also die Pflanze auf einen ussern Anstoss in bestimmter Weise reagirt, so sehen wir blos diesen letzten Ett'ekt eines im brigen geheimnisvollen Spiels, das Endglied einer langen Reihe von Erscheinungen; aber niemand kann sagen, wie die kausale Verkettung zwischen Anfang und iOnde beschatten ist. Untersuchungen der angedeuteten Art sind daher nicht der kausal erklrenden, sondern der konstatie- renden Physiologie zuzuweisen. (Schluss folgt.) Ueber Ptomaine. Von Dr. M. Brasanl. Der bedeutende Aufschwuns. forschung in den letzten Jahrzehnten genommen. den die Bakterien- die grosse Bedeutung, welche die kleinsten Lebewesen bei Infektionskrankheiten besitzen, veranlassten viele Natur- forscher und Mediziner, sich nher mit der Frage nach der Art ihrer Wirkung zu beschftigen. Sie knnten als Krankheitsen-eger auf zweierlei Weise wirken: entweder rein mechanisch, indem sie die von ihnen be- setzten Gewebsteile von der Ernhrung absperren, oder aber chemisch, indem durch ihren Lebensprozess dem Org-anismus ntige Stofte entzog"en oder fr ihn schd- liche gebildet werden. Letztere Ansicht bricht sich neuerdings immer mein- Bahn, besonders seitdem Beweise fr iln-e Richtigkeit durch chemische Untersuchung der Stoifwechselpi'odukte der Bakterien beigebracht wmden. Dass die ikterien ausserhalb des Organismus chemische Reaktionen hervorzurufen im stnde sind, ist lngst bekannt. In dieser Hinsicht braucht nur an die Fulnis erinnert zu werden, welche bei Ausschlus von Bakterien unmglich ist, forner an die schleimige Ghrung, die Buttersure- und Milchsui'eghrung, an die Umwand- lung von Ammoniak in Salpetersure in der Ackererde, von inaktiver in Linksmandelsure u. a. m. Daher wird der Gedanke nicht zurckzuweisen sein, dass auch innerhalb des Organismus durch die pathogenen Bakterien chemische Umsetzungen stattfinden; dass aber die ent- stehenden Reaktionsprodukte nicht ohne Einfluss auf die normalen Lebensvorgnge sein werden, ist schon a piiori sehr wahrscheinlich. Die Entstehung giftiger Stoffe bei der Fulnis tierischer Substanzen ist keine neue Thatsache. Das Leichengift, Wurstgift u. a. gehren zu den Fulnis- produkten der Eiwoissstofte. Aus in Verwesung be- griffenen Jjeichen sind viele alkaloTdhnllche Stottc ex- trahiert worden, welche, Tieren eingespritzt, toxische Wirkungen hervorrufen. Eine ganze Reihe von Autoren hat sich mit den diesbezglichen hlrschcinungen beschftigt, doch sttzen sich ihre Angaben ber die p]xistenz der betreffenden Gifte nur auf Reaktionen und physiologische Versuche. Eine Isolierung der Krper, ihre Reindar- stellung in krystailisierter Form ist lange Zeit als nebenschlich betrachtet woi'den. lOi'st Nencbi hat eins dieser Fulnisiirodukti', denen Seiini den Namen Ptomaine" (von r nrma = der Leichnam) beigelegt hat, rein dargestellt. Er ei'hielt aus faulendei- Gelatine einen Krper, der als identisch mit dem Collidin, Cs Hii N, erkannt wurde. Gautier und Etard erhielten durch Fulnis von Fi-schfleisch Parvolin und Hydro- collidin. Diese Krper sind keineswegs solche, die man nur durch Fulnis tierischer Substanzen erhalten kann. Sie sind auch synthetisch dargestellt woi'den, stellen Derivate des jetzt als Denatui'ierungsmittel fr Alkohol benutzten Pyridins dar, und kommen neben diesem im Knochenoele vor. Seit den Arbeiten von Gautier und Etard hat sich die Litteratur ber Ptomaine sehr vermehrt. Die bemerkenswertesten Beitrge zur Kenntnis derselben lieferte Brieger in Berlin. Er ver- ffentlichte ber den Gegenstand mehrere Abhandlung(>n, in denen er ber seine eig-enen, teils rein chemischen, teils physiologischen Versuche berichtete und ein aus- fhrliches Verzeichnis der einschlgigen Litteratur lieferte. Aus faulenden, tierischen Substanzen, wie Fibrin, Fleisch, Fischen, ivse, Leim, menschlichen Leichen hat er eine Menge von teilweise giftigen, alkalisch reagierenden Substanzen isoliert. Das Verdienst, diese in reiner, soweit als mglich kiystallisierter Form dai'gestellt zu haben, ist um so hher anzuschlagen, als sich bei ihrer Darstellung ungeheure Schwierigkeiten entgegenstellen. Die Ausbeute ist zunchst eine so geringe, dass man gezwungen ist, sehr betrchtliche Mengen Roh- material in Arbeit zu nehmen. Die leichte Zersetzbar- keit der Basen verbietet es, bei ihrer Isolierung starke Reagentien anzuwenden, da man dann zu Produkten kommen wrde, die keineswegs durch Fulnis, sondern aus den Fulnisprodukten durch Einwirkung der Reagen- tien entstanden sind. Nur durch successive Fllungen mit Quecksilber-, l-'latin-, Goldchlorid, Phosphorniolybdnsure und Extraktion mit Alkohol lassen sich Erfolge erzielen. Ein bei der Herstellung der Pflanzenalkaloi'de vielfach zur Extraktion benutztes Lsungsmittel, der Amjdalkohol, darf hier nur nach sorgfltiger Reinigung des kuflichen be- nutzt werden, da dieser selbst pyiidinhnliche Basen ent- hlt, die zu Tuschungen Vei'anlassung geben wrden. Die erhaltenen Lelchenalkaloide stehen den Pflanzen- alkaloTden hinsichtlich ihrer Konstitution fein, wenn auch eine Reihe von Reaktionen lieiden gemeinsam ist. Nr. 8. Naturwissenscliaftliclie Wochensclirift. f.] Whrend die natrliciieii AlkaloTde aromatische Verbin- dungen, meist Derivate des I'yridins und Chinolins sind, gehren die Fulnispiodulito in der Mehrzahl der Fett- reihe an. Unter sich sind in cliemischer irlinsiclit die Ptomaine Iceineswegs zusammengehrig. Einige sind lngst bekannte Krper aus der Fettreihe, teilweise von sehr einfacher Konstitution, wie z. B. das von Jjrieger aus faulenden Dorschen isolierte Aethylendiamin, das Dimethylamin, Trimethylamin, Triaethylamin ; andere, wie das Gadinin, Neuridin, Puti'escin sind synthetisch noch nicht dargestellt. Bei der Verschiedenartigkeit ihrer Zu- sammensetzung knnen allgemeine Gruppenreaktionen nur in beschrnktem Masse auftreten. Fr alle Ptomaine geltende Reaktionen, wie sie von Boutmy und Brou- ardel, ferner von Wefers, Bettink und van Dissel an- gegeben wurden, konnten weder von Gautier noch Brieger besttigt werden. Nach alledem umfasst der Begriff Ptomaine" nicht eine Klasse von Krpern, die hinsichtlich ihrer Konstitution zusammengehren, sondern nur hinsichtlich ihrer Entstehung und Bedeutung fin- den tierischen Oiganismus. Eins der am regelmssigsten bei der Fleischfulnis auftretenden Ptomaine ist das Neuridin B riegers. Es ist in Form des salzsauren und Platincliloriddoppelsalzes dargestellt worden, die beide gut krystallisieren und sich zur Analyse eignen. Diese ergab die Formel Cs Hi4 Na. Die Salze geben mehi'ere der gewhnlichen AlkaloTdreaktionen. Versuche, die ase aus ihrem Chloride rein darzustellen, fhrten zu keinem Resultat. Man erhlt dabei gelatinehn- hche Massen von spermahnlichem Geruch, die sich usserst leicht zersetzen. Das reine Neuridin ist vllig ungiftig. Es ist gleichfalls bei der Fulnis von Fischfleisch, Leim und Kse gefunden worden. Da es auch aus frischen Eiern und frischem menschlichem Gehirn isoliert werden kann, so wird es wahrscheinlich eine wichtige, bis jetzt noch nicht aufgeklrte Rolle im to'wechsel spielen. Im Gegensatz zu Neuridin ist ein heftiges Gift eine von Brieger gefundene Base, die sich als identisch mit dem Neurin erwies. Katzen werden durch wenige Milligramme gettet, whrend Kaninchen und Meer- schweine die Giftwirkung viel eher berstehen. Die Wirkungen des Neurins gleichen denen des Muscarins aus Fliegenpilzen und gefaultem Fischfleiseh. Als usserst wirksames Antidot bewhrte sich Atropin. Seiner chemischen Konstitution nach steht das Neurin sehr nahe dem Chol in, einem Sialtungsprodukt des im Krper sehr verbreiteten Lecithins, und dem Mus- carin. Die Beziehungen der drei Substanzen zu einander veranschaulichen die Formeln: ( (CH3> ( (CH3)3 N CH2. CH2. OH N j CH-.. CHO ( OH ( OH Cholin Muscarin Das sehr giftige Neurin entsteht also giftigen Cholin durch Abspaltung (CH3)3 N l CH = CH2 1 OH Neurin aus dem viel weniger v(m 1 Molck. H2O. Aus faulendem Dorsch fleisch (Gadus callarias) erhielt Brieger das schon synthetisch dargestellte Aethylen- diamin, Ca Hl (NFIalajHaO, das Muscarin, beides heftige Gifte, und das unschdUche Gadinin von unbekannter Konstitution. Durch die Feststellung dieser Zersetzungs- produkte des Fischfleisches erklrt sich die Thatsache, dass verdorbene Fische yiftig wirken und schon oft Anlass zu Massenerkrankungen bei Kstenbewohnein gegeben haben. Ein abschliessendes Urteil ber die Ptomaine der Fischfulnis ist bis jetzt aber noch nicht zu fUen. O. Bocklisch, der Brieger' s Unter- suchungen fortfhrte, fand neben den erwhnten noch einige andere Ptomaine, nmlich Cadaverin, Putrescin (s. unten!) und Methylamin. Diese Krper sind kaum giftig, whrend die aus faulenden Fischen erhalteur Lauge stark giftig wirkt. Es scheint, dass die vorhan- denen Gifte einerseits durch die blichen Fllungsmittel nicht gefllt werden, andererseits whrend der Versuche sich zersetzen. Die Mutterlaugen der einzelnen K17- stallisationen enthalten sehr giftige Substanzen, aber in so kleiner Menge, dass sie bis jetzt nicht isohert werden konnten. Bekannt sind die Wirkungen von verdorbener Wurst und zersetztem Kse auf den Organismus. Diese Nahrungsmittel verdanken ihre Schdlichkeit darstell- baren Giften. So erhielt Hilger aus den Leichen von 7 an Wurstgift verstorbenen Personen einen Krper von curarehnlicher Wirkung, Vaughan aus giftigem Kse, durch dessen Genuss 300 Personen erkrankt waren, ein krystallisiertes Ptomain, das Tyrotoxicon. Auch die erschreckende Massen Vergiftung, die in Wilhelnishafen 188.5 durch Genuss von Miessmuscheln hervorgerufen wurde, ist auf Vorhandensein eines Ptoma'ins in den be- treffenden Muscheln zurckzufhren*). Das Miessmuschel- gift, Mytilotoxin, C H15 NO2 entsteht im Krper der Miessmuschel infolge einer Krankheit, die der Aufenthalt der Tiere in unreinem, stauendem Wasser erregt. Eine genaue Beachtung seitens der forensischen Chemie erfordern die Ptomaine, welche- durch Fulnis menschlicher Leichen entstehen, die eigentlichen LeichenalkaloTde. Die Uebereinstiminung mancher ihrer Reaktionen mit denen natrlicher Alkaloide knnte bei Giftmordprozessen zu den schwerwiegendsten Ver- wechslungen Anlass geben, wenn der Gerichtschemiker sich damit begngen wollten, in Extrakten und noch unreinen Krystallsirupen aus den Leichen auf Grund qualitativer Reaktionen Pflanzenalkaloide anzunehmen. Er ist vielmehr gezwungen, reine chemische Indi\iduen darzustellen und diese auf ihre charakteristischen Merk- male zu prfen. Sonnenschein und Zlzer waren die ersten, welche (1869) aus verscliiedenen Macerations- flssigkeiten von Leichen einen alkalo'i'dhnlichen Krper erhielten. Dieser Entdeckung folgte eine Reihe hn- licher. Man fand in faulenden Leichen digitalin-, coniin-, nicotinhnliche u. a. AlkaloTde. Bei allen diesen Ent- *) Vergl. Naturwissenschaft!. Wocheiisrinit'f ]5d. 1, S. IS-'i 11. Bd. 11, S. 55. 62 Natui'wissenschaftliche Woclienschrift. Nr. 8. dpckuiigen war es aber keineswegs gelungen, selbst nicht Selmi, welcher viel ber den Gegenstand arbeitete, wohl chai'akterisierte Krper herzustellen. Die erhal- tenen Cadaveialkaloule waren mehr oder minder durch andere Substanzen, wie Kali- und Ammoniaksalze, Peptone u. a. verunreinigt. Daher i'hren wahrschein- lich die von vielen Autoren diesen L'tomainen zu- geschriebenen gemeinsamen Reaktionen her. Bei reinen Krpern konnte Brieger solche nicht auffinden. Dieser Autor hat grosse (Quantitten menschlicher Ijeichenteile (Ijunge, Herz, Leber, Milz, Magen, Dick- und Dnn- darm) verschieden lang in lose bedeckten Fssern faulen lassen und daraus die Ptomai'ne entzogen. Ihre Menge wchst mit zunehmender Fulnis; ihre Bildung wird be- gnstigt durch Zufuhr \on Sauerstotf oder Luft. An- fangs treten die schon bekannten auf, nmlich Cholin, Neuridin, Trimethylamin ; dann erscheinen einige neue Ptomaine: Cadaverin, Cs Hu N2 (von Ladenburg spter als Pentamethylendiamin, NH2. (CH-ijri. NH2 erkannt) eine mit Wasserdmpfen flchtige, coniinhnliche Base, welche gut krystallisierende Salze bildet; das Putrescin, C4 H12 N2 (wahrscheinlich diuiethyliertes Aethylendiamin) im freien Zustande eine wasserklare Flssigkeit von s[)ermhnlichem Cieruche, endlich das aprin von der Zusammensetzung des Cadaverins. Alle diese zuerst auftretenden l'tomaine sind ])hysiologisch wenig wirk- sam; nur Cholin und Trimethylamin wirken in grsserer ^Icnge giftig. Sehr heftige Gifte entstehen erst im weiteren Verlauf der Leichenfulnis, nach wenigstens siebentgiger Verwesung. Diese Gifte konnten leider nur teilweise isoliert werden, da sie einerseits nur in sehr kleinen Mengen auftreten, andrerseits leicht zer- setzt werden. Ei'st nach vierzehntgiger Fulnis war (MUS von ihnen in hinreichende!' Menge vorhanden, um seine Platiuchloi-iddoppelvei-bindung darstellen und physio- logische Experimente vornehmen zu knnen. A'on viel heftigeier Wirkung auf den Organismus als dieses, vor- lutig noch nicht genauer analysierte, ist ein zweites Ptomai'n, das Mydalein, (von udaXioq = durch Nsse verdorben) welches, soweit aus dem beschrnkten Material festgestellt werden konnte, ein Dianiin ist. Es ist ein heftiges Gift. .5 wy einer klcini^n Katze eingespritzt, bcwii-ktcn Pu])illencnveiterung, Thrncn- und Speichel- fluss, i>rofuse Diarrhen und Erbrechen, Schwciss, Lethai'gie, Paralyse der Extremitten, dann krampfhafte Zuckungen der Bauch- und Rflckenmuskeln, endlich Athemnot und '^fod. Hi'i seiir langsamer Verwesung, ohne erhebliche Sauei^stoHzufuhr und Ixsi niedriger Temperatur erhielt l')i-i(iger nel)en (^-adaverin und Putrescin ein giltiges PldmaTn, C Hu NO2 und nicht giftiges Mydin, CkHh NO (von fj.')dw = faulen.) Aus Pfei'defleisch konnte unter denselben Umstnden isolieit wei'den ein sehr giftiger Krpei', Gi7 Hn NO2, der sauer reagiert, also kein eigent- liches PtomaTn ist, dann das mit hnlichen aber lang- sameren Wirkungen ausgestattete Mydatoxin und das giftige Metliylguanidin, C2H7N3. Durch die Reindarstellung aller erwhnten Verbin- dungen ist der Nachweis geliefert, dass die Fulnis- bakterien giftige Substanzen aus normalen tierischen Ge- weben zu erzeugen im stnde sind. Von besonderem Interesse ist es, diejenigen Krper kennen zu lernen, welche dm-ch den Lebensprozess der pathogenen Bak- terien entstellen. Dahin zielende Versuche stellte Brieger in der Weise an, dass er Reinkulturen von pathogenen Bakteiien auf Fleisch einwirken Hess und nach einiger Zeit nach seiner Methode die Basen zu isolieren suchte. Die A^ersuche blieben nicht erfolglos. So gelang es dem erwhnten Forscher, durch vierzehntgige Einwirkung von Koch-Eberth' sehen Typhusbacillen auf Fleischbrei gif- tiges Typhotoxin C7H17NO2 zu erhalten, welches Tiere in einen lhmungsartigen, lethargischen Zustand versetzt. Auch die Tetanusbacillen, welche den Wundstarr- krampf (Tetanus), den gefrchtetsten Feind aller Ghi- i'urgen hervorrufen, verursachen ihre gefi'chtete Wirkung durch Bildung eines Ptomains. Brieger hat sowohl durch p]insaat dieser Bakterien auf Rindfleisch, als auch direkt aus einem amputierten menschlichen Arm ein giftiges PtomaTn, das Tetanin C13 H30 N2 isoliert. Die Wirksamkeit dieser Base wurde bei Musen, ivaninchen und Meerschweinchen geprft, und die Erregung von Wundstarrkrampf konstatiert. Zu den Stoffwechsel- produkten der Koch'schen Kommabacillen, den Gholera- errogern gehren neben Cadaverin und Putrescin Metliyl- guanidin und eine Base C3 Hs N2, beides Krampfgifte, ferner Trimothylamin und eine nicht analysierte Base, welche die Versuchstiere unter stetiger Herabsetzung der Temperatur tdtet. Auch aus anderen patliogenen Bakterien die be- treffenden Gifte zu erhalten, sind von verschiedenen Autoren Versuche angestellt worden, die noch nicht zu definitiven Resultaten gefhrt haben. Die Versuche haben eine grosse Bedeutung, in theoretischer sowohl als spterhin auch in praktischer Hinsicht; in theoretischer insoweit, als durch sie dargethan wird, dass durch die pathogenen Bakterien im Krper chemische Umwl- zungen hervorgerufen werden, welche die lldung von specifisclien Giften zur Folge haben; in praktischei-, als es einmal mglich sein wird, Antidote gegen die P>akteriengifte aufzufinden, wio man deren gegen andere Gifte besitzt. In Beziehung zu den Ptomainen stehen die von (Jautier als Leucomaine bezeichneten Krper. Whrend die Ptomaine an der Fulnis von Protein- stott'en ilii'en Ursprung nehiiicn, entstehen jene bei ge- wissen, unter Sauerstotl'mangel stattfindenden physiologisch noriiialeii Zerleguiigc^n eiweisshaltiger Gewebsteile. Sie sind nahe verwandt dem Kroatinin. Gautier isolierte das Xantho-, Cruso- und Amphikreatinin, ferner i'scudoxanthin und einige, andere basische Krper, deren Formeln noch nicht festgestellt sind. Nr. 8. Natiirwissen.seliaftliche Wochensclirift. 03 Kleinere Mitteilungen. Einige Notizen ber das fosse Vorkommen von Helix pomatia in Deutschland.*) Ilelis pomatia, die Wein- bergscliiifckc, wird aus iiit'lin'irii 'rutiablageningen Sd- und Mittel- deutsclilaiids als Mitglied der Ijetreffendeu Fauna ang'eflu't, so aus ( 'annstatt bei Stuttgart, aus dem von 'l'aubacli und Burg'tonna bei Weimar, sowie einigen Tutiblagerungen des Mainthales (nacli S an db erger). Diese letzteren sind nach S an db erger 's Angaben ziemlich jungen Datums (Verb, der plij's.-nied. Ges. zu Wiirzburg, XIX, Nr. 0, 1880); dagegen geboren die betr?tt'enden Ablagerungen von (Jannstadt, Taubacb, und Burgtonna der Diluvialzeit an; namentlich interessant ist es, dass A. I'ortis die Helix pomatia bei Taubach gesammelt hat, wo Rhinoceros Merckii, Elephas anti- quus, Cervus elephas, Cervus capriolus, Sus scropha ferus eine Holle spielen. (Vgl. A. Portis, Palaeontographica, 1878, Bd. "25, Lief. 4.) Dageg'en scheint Helix pomatia denjenigen Diluvialablag-erungen, in welchen die Lemminge, Eisfi'hse und Schneehhner als Repr- sentanten einer arktischen Fauna oder die Pferdespringer (Alactaga) und Ziesel (Spermophilus) als Reprsentanten einer subarktisclien Steppenfauna hervortreten, vllig fremd zu sein. In den von mir eingehend und jahrelang untersuchten, liiss- artigen Ablagerungen des Gypsbruches bei Thiede unweit Braun- schweig, in welchen die Fos.silreste der Lemminge eine Hauptrolle spielen, sowie in den hnlichen Ablagerungen der Gypsbrche von Westeregeln unweit Magdeburg, in denen ich sehr zahlreiche Reste von Steppennagern, namentlich von Alactaga und Spermo- philus, gesammelt habe, ist mir niemals ein Gehuse oder auch nur ein Fragment von Helix pomatia unter die Hnde gekommen. Eben- sowenig fand ich einen Fossil- rest dieser Schnecke in dem kon- chylien reichen Lss von Gan = dersheim, auch nicht in dem- jenigen Lss, welcher die Basalt- felsen des Unkelsteins bei Remagen am Rhein berdeckt, und aus welchem G. Schwarze so zahlreiche Reste von diluvialen Sugetieren gewonnen hat. Auch in dem Hhlenlehra der oberfrnkischen Hohlen bei Neumhle (unter dem Rabenstein) habe ich Helix pomatia nicht gefunden, wenig- stens nicht in denjenigen Schicli- ten, welche Reste von Lem- beiden Draper zu iliren falschen Schlssen verleitet hat. Zur Hei-- stellung des Spektrums bedienten sich Trowbridge undllutchins nicht eines Systems von Prismen, sondern eines grossen konkaven Ro wland'schen Gitters. Nahezu fnf Monate photographierten sie an jedem gnstigen Tage das Sonnenspektrum, das sie nut dem Spektrum des elektrischen Funkens in der Luft verglichen. Die hellen Linien, welche Henry Drap er beobachtet, und die schon Vogel fr' blosse Zwischenrume zwischen zarten dunkeln Linien erklrt hatte, verschwanden bei der starken Dispersion des erwhnten Gitters, es war aber auch kein Zusammenhang zwischen dunkeln Sonuenhnien und Sauerstoltlinien erkennbar, und berhaupt zeigte sich zwischen dem Funkenspektrum in der Luft und dem Sonnen- spektrum zwischen den Wellenlngen ?. = 37-19'8 (Ultraviolett) unil ,), = ;')03o-85 (Grenze von Grn und Blau) keinerlei L'eberein- stimmung. Bezglich des Kohlenstoft's sind Trowbridge und Hutchins der Ansicht, dass das kanellierte Spektrum dieses Krpers ein Bei- spiel von der Umkehrung der Linien eines Dampfes in demselben Dampfe bilden. Sie haben nmlich in vielen Fllen eine auffallende Uebereinstimmung zwischen den Rumen, welche die feinen hellen Linien der Kanellierungen trennen, und den dunkeln Linien des Sonnenspektrums erkaimt; so Hessen sich in den Kanellierungen bei X = .S883'7 in dem Intervall von 10 Wellenlngen 28 solche Coinci- denzen nachweisen. Die genaimten Forscher stellen daher die Hypothese auf, dass an der Stelle der Sonnenatmosphre, wo der Kohlenstotf verdampft und die eigentmliclie Anordnung der umge- kehrten liinien entstellt die Tem|)eratur sich derjenigen des Volta- schen Flammenbogens nhert. (Gretschel und Borneniann: .Tahrbueh der Ertindungen.) mingen , hielten. Es natrlich Pfeifhasen etc. ent- :: ist dieses auch sehr denn Lemminge uiul Weinbergsschnecken passen schlecht zusammen I Nacli meiner Ansicht ist Helix pomatia erst whrend des Mittelalters nach der nord- deutscheTi Tiefebene eingefhrt worden freiwillig nach Norden vorgerckt. In Mittel- und Sddeutschland ist viale Ablagerungen nachgewiesen; es zweifelhaft, ob sie dort whrend der i Fragen und Antworten. hie Prpariermikroskoii in etwa /.. der natrlichen Grsse und da ist sie wohl auch sie zwar fr gewisse dilu- erscheint mir jedoch sehr anzen Diluvial- oder Plei- stocn-Periode allgemein verbreitet war. Whrend des Hhepunkts der Glacialzeit drfte dieses kaum der Fall gewesen sein. Pi'of. Dr. A. Nehring. *) Vergl. hierzu ,, Natur w.Wochenschr'.' III S. 17 tf. u. 88. Red. Der auch auf Neu-Seeland vorkommende Haus-Sper- ling, Passer domesticus, legt dort in ganz eigentmlicher Weise seine Nester an. (i. L. lirant zu Waihou (Auckland, Neu-Seeland) berichtet darber in der Nature". Diese Vgel haben die Gi^wuhn- heit, in tiefen Einschnitten der Landstrassen und an den Abhngen Von Flussufern, die aus einem leichten bimsteinartigen Sand bestehen, Hhlen zu verfertigen, die denen der Uferschwalbe, Hirundo riparia, hnlich sind. In einigen Fllen waren die Hhlen 6 Fuss tief. K. Kein Sauerstoff auf der Sonne. Aus dem Auftret(>n heller Linien in der Photographie des Sonnenspektrums hat Henry Draper vor einig-en Jahren auf die Anwesenheit von Sauerstotf in der Sonnenatmosphre geschlossen, whrend sein Bruder gewdsse feine dunkle Linien im Sonnenspektrum auf den Sauerstotf beziehen wollte. Durch neuere Experimente, welche die Professoren Trow- bridge und Hutchins ausgefhrt haben, ist erwiesen, dass das Eine so irrig ist, wie das Andere, und dass lediglich der Mangel an hinlnglich starker zerstreuender Kraft ihrer Instrumente die Wie prpariert man getrocknete Pflanzenteile, namentlich Blten, um die bei der Bestimmung not- wendigen Beobachtungen daran machen zu knnen? Soll ein bereits getrock- neter PflanzenteU untersucht werden, so emptielt es sich oft, wenn derselbe z. B. eine Blte ist. ihn lngere oder krzere Zeit in AVasser aufzuweichen oder aufzukochen. Oefter sind harte Samen zu durchschneiden, und auch in diesen Italien ist es nicht selten anzuraten, die- selben aufzuweiclien oder mit heissem Wasser zu behandeln. Bei der Untersuchung vieler Verhltnisse erscheint die An- wendung einer drei- bis fnfmal vergrssernden Handlupe not- wendig; zuweilen ist eine strkere, etwa zehnmalige Vergrsserung erforderlich. Es ist in vielen Fllen praktisch ein Lupenstativ, Prpariermikroskop, von der Form der beigefgten Abbildung, zu verwenden. Bei der Zerlegung des auf das Tischchen desselben gelegten Objektes ruhen die Hnde auf sogenannten Backen, welche an den beiden Seiten des Stativtisehchens in der Weise, wie es die Abbildung zeigt angebracht sind, whrend die Arme bei|uem auf dem Arbeitstisch aufliegen. Das Objekt wird hierliei neben das mittlere Loch des Tischchens gelegt, also bei auffallendem Licht betrachtet. Manche Eigentmlichkeit speciell durchsichtiger Or- gane, z. B. der Verlauf der Adern" in den Kelchblttern von Polygala lsst sich jedoch besser bei durchfallendem Lichte er- kennen. Man legt hier das Organ auf ein Glastfelchen (Objekt- trger), so dass es gerade ber dem Lo<-h im Tischchen zu liegen kommt und beleuchtet dasselbe durch den unten an dem Prparier- mikroskop befindlichen Spiegel. Auch so lsst sich gut an dem Objekt lierumprparieren. Will man Einzelheiten des r)bjektes besser sehen, so ist es ratsam, ein Trpfchen Wasser hinzuzufgen und das Ganze mit einem ganz dnnen, kleinen (ilasplttchen (Deck- glschen) zu bedecken. Zum Freiprparieren der Organe unter der Lupe sind einige, wenigstens zwei mit einem Heft versehene Stahl- (Prparier-) Nadeln erforderlich, von denen die eine am vorteilhaftesten s])itz wie eine Nhnadel, die andere abgerundet spatellornng und scharf- schneidig zu whlen ist. Weiterhin sind namentlich zur Anfertigung von (Querschnitten durch junge Frchte u. dergl. ein scharfes R4 Naturwissenscliaftliclie Woeliensclirift. Nr. 8. Messerchen, Skalpell, und ein Kasiermesser zu verwenden. Pineette nebst Schere mit einer feinen, gebogenen Spitze ver- vollstndigen die notwendige Ausrstung. H. P. Litteratur. Prof. Dr. Franz Melde: Chladni's Leben und Wirken nebst einem chronologischen Verzeichnis seiner litterarisehen Arbeiten. Mit einem Bildnisse Chladni's und fiint' Fitruren im Texte. 2. Aufl. 8 o. 80 Seiten. Marburg 1888. X. F. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. Preis 1,50 Mark. Eine Scliilderung des usseren Lebens und der geistigen Be- deutung eines Mannes, der als Forscher auf dem Gebiete der Wissen- schaft sich hohe Verdienste erwarb, der auf bestimmten Gebieten derselben sogar balinbrechend gewesen ist, kann stets als ein all- gemeinerer Beachtung wrdiger Gegenstand angesehen werden. Solche erleuchtete Geister treten nur selten auf und ihnen allein verdankt die "Wissenschaft ihre eigentlich grossen Fortschritte. Es giebt daher eine solche Scliilderung zugleich einen Abriss eines Teiles der Geschichte der Wissenschaft selbst." Mit diesen Worten beginnt Prof. Melde seine Schilderung des Lebens und Wirkens Chladni's, die wir mit grossem Interesse gelesen haben. Der Ver- fasser, selbst ein bedeutender Kenner und Forscher der Akustik, ist auch wie wenige berufen, eine solche Darstellung zu geben und die Verdienste Chladni's um die Lehre vom Schall, sowie seine epochemachenden Entdeckungen zu wrdigen. Whrend al)er jeder Gebildete die Klangfigui'en" kennt und Chladni's Namen mit der Akustik in Zusammenhang bringt, drfte nicht allgemein genug be- kannt sein, dass dieser eigentmliche Mann auch ber die Meteore oder Weltspne", wie er sie nannte, zuerst eine klare und heute allgemein anerkannte Ansicht aufgestellt hat: er behauptete zuerst den kosmischen Ursprung der Meteore und di-ang mit seiner Ansicht gegen alle Widersprche schliesslich durch; atich diese Verdienste rckt der Verfasser in das richtige Licht. Die kurze, aber nichts- destoweniger grndliche Darstellung der wissenschaftlichen Leistungen Chladni's ist mit einer Charakteristik desselben und einer Schil- derung der Hauptereignisse seines Lebens dur-chfloehten, welches ein anziehendes imd trettendes Bild von dem Nomadenleben" und dem tief eingewurzelten Forschungstriebe dieses Mannes gewhren. A. G. Beck, G. Ritter v. , Itinera principwn S. Coburgi. Die bota- nische Ausbeute von den Reisen Ihr. Hohheiten der Prinzen von Sachseu-Coburg-Gotha. I. Reise der Prinzen Philipp u. August um die Welt (1872 1873). IL Reise der Prinzen August und Ferdinand nach Brasilien (1879). Mit Bentzung des handschriftl. Nachlasses H. Ritter Wawra v. Ferusee. 2. Tl. gr. 4". (VI, 205 S. m. 18 Taf.) Preis kart. 40^/^. Gerold. Wien. Grobben, C, Die Pericardialdrse der LamelUhranchiaten. Ein Beitrag znr Kenntnis der Anatomie dieser Molluskenklasse. (Sep.-Abdr.) (90 S. mit 6 Tafeln.) Preis 12 M 40 4. Holder. Wien. Haeekel, E. , Die Radiniarien (Rhizopoda radiaria). 3. und 4. (Scblussj-Tl. 41 Preis kart. 45 ^/i5-. G. Reimer, Berlin Halavats, J., Der artesische Brunnen von Szentes. (Sep.-Abdr.) (30 S. m. 4 Tafeln.) Preis 1 Jt 50 4. F. Kilin, Budapest. Hanausek, E. , Kurze Dai-legung der wichtigsten analomischen, physikalischen und chemischen Verhltnisse der Pflanzetikrper mit besonderer Rcksicht auf deren Amvendunt) in der Waaren- hinde und Technologie. 3. Aufl. (VIII, 72 'S.) Pr.is 2 M. Holder. Wien. Handmann, B., Die Neogenablagerungen des sterreichisch- ungarischen Tertir-Beckens. (71 8. m. 8 Tafeln.) Preis 2 Ji 40 .(. Aschendortf, Mnchen. Hartwig, J., Der Zimmergarten. Ergnzungsbd. zu H. Davidis' Kclien- und Blumengarten t Hausfrauen. (80 S.) Preis 75 ..j; kart. 1 JC. J. Baedeker, Leipzig. Hasse, C, Ueber fakultafwe Sterilitt. 2 Tle. 5. Aufl. (83 n. 00 S. mit '! Tafeln.) Preis 2 ^fC. Heusers Verlag, Neuwied. Hastenpflug, R., Veher Vaginal-Myome. (32 S.) Preis 1 ^IC. Plile, .lena. Hein, E., Ueber die trockene Destillation des buttersauren Bart/ums. (48 S.) Preis 1 JC. Grfe & Unzer. Knigsberg. Heitmann, G., Transvaal, das Land, seine Bewohner und seine Verhltnisse. 12". (XI, 112 S. m 1 Karte.) Preis 1 Jt. G. Wi'igel, Leipzig. Hepperger, J. v., Ueber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Gravitation. (Se^.-Abdr.) (26 S.) In Komm. Preis 70 ^ Fre.Ttag, Leipzig. Herpell, G., Das Prparieren und Einlegen der Hufpilze f. das Herharium. 2. Ausg. (72 S. m. 2 Taf.) Preis 2 JC. Fried- lnder & Sohn, Berlin. Kremser, 'V., Die Vernderlichkeit der Lufttemperatur in Nord- deutschland. Abhandlungen des Knigl. preussischen meteoro- logischen Instituts. 1. Bd. Nr. 1. 40. Preis 2.//^. Asher & Co., Berlin. Lueder. J., Beitrge zur Lehre von der Leukmie mit besond. Bercksirht. der Steinhildung. (28 S.) Preis 60 4. Vanden- hoeck & Ruprecht. Gttingen. Magitot-Paris, E., Die Cysten des Oberkiefers in ihren Beziehungen zum Sinus. Uebers. v. B. Manassewitsch-Genf. Abhandlungen zahnrztlicher auslndischer Autoritten. 3. Heft. Preis 1 JC. Heuser's Verl., Neuwied. Markoff. A., Taljle de valeurs de Pintregrale. sie t=dt. (XXVIL 98 S.) St.-Petersbourg. Preis 2 JC. Voss, Leipzig. Martens. W., (leschichtlich-geographisches Wrterbuch. (175 S.) Preis 2 JC 50 .^. Ferd. Hirt. Leipzig. Martig. E.. Anschauungs-Psychologie mit Anwendung auf die Er- ziehung. (VIII. 293 S.) Preis 3 JC. Schmid, Francke & Co., Berlin. Strubell, A., Untersuchungen ber den Bau und die Entunck- lung der Rbennematoden Heterodera Schnachtii Schmdt. (52 S. mit 2 Tafeln.) Bibliotheca bistorico-naturalis-zoologica. Original- Abbandlungen aus dem Gesamtgebiete der Zoologie. Hrsg. v. R Leuckart u. C. Chun. 2. Heft. 4". Preis 10 JC. Fischer' Karlsruhe. > Gegen Einsendung des Betrages (aticfi in Jirief- marJten) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Kerlin \W. . Die Kxpeditioii 1er ,,Katnrwis)^eii!4chaftliclieii Wochenschrift". Briefkasten. ^ Hr. Pastor H. Schrder. Das Abblttern der Ziegelsteine, resp. deren langsame Zerstrung, lsst sich auf versi-biedene Ur- sachen zurckfhren. a) Die Ziegel knnen mangelhaft, d. h. zu schwach gebrannt sein und vferliereu dann durch die wechselnden Einflsse der Witterung allmhlich ihren Zusammenhans': sie brckeln ab. b) Ist zur Fabrikation der Ziegel sehr magerer, d. h. besonders viel Sand enthaltender Thon verwendet worden, so knnen dieselljen selbst bei normalem Brande den Einflssen der Witterung schleclit wiederstehen, und es tritt auch hier eine Zerstrung ein. c) In vielen Ziegelthonen finden sich kleine Knollen von Kalk- mergeln (kohlensaure Kalke) vor. Werden diese nicht durch Schlmmen des Thones ausgeschieden, so tritt nach dem Brande der Ziegel sicher eine Zerstrung ein, weil die eingeschlossenen kleinen, aus gebranntem Kalke bestehenden Stckchen durch Auf- nahme von feuchter Luft ihr Volumen vergrssern und den Stein dann zersprengen. d) Sollte sich aussen an den Ziegelsteinen ein weisses Salz bilden, so ist dieses schwefelsaures Kali und Natron (von Laien Salpeter genannt). Es lsst sich dagegen nichts machen, weil das Kali und Natron in bedeutenden Mengen im Ziegelthone schon vor- handen ist. Der Ziegelstein wii-d zwar durch das Auswittern der Salze, wenn der ]3rand normal ist, nicht zerstrt, aber selbst der beste Verputz von Portland-Cement und Sand wrde abgestossen werden. Bei a) und b) wrde wahrscheinlich ein guter Verputz von I'orthind-Cenicnt und ca. drei Teilen Sand von Nutzen sein. 1 W. Zicracli, Cementtechnikcr. Inhalt: S. .Schwendener: l'elicr Richtungen und Ziele der mikroskopiscli-btanischen Forschung. (Fortsetzung) Dr. M. Bragard: Ueber Ptomalne. Kleinere Mitteilungen: Einige Notizen ber das fossile Vorkommen von Helix pomatia in Deutsililand. Der Ilaus-Sperling, Passer domesticus, auf Neu-Sceland. Kein Sauerstott' auf der Sonne. Fragen und Antworten: Wie pr- pariert man getrocknete Pflanzenteile, namentlicli lilten, um die bei der Bestimmung notwendigen lii'oliarlir.uii^i-ii daran machen zu knnen"? (Mit Alibild.) Litteratur: l'rof 1). I''ranz Melde: Cliladni's Leiien und Wirken nebst einem chronologisclii'n \'cr- zeiclinis seiner litterarischen Arlieitcn - BUcherschau. Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6. Verlag: Hermann Riemann. Berlin XW. 0. Dnick: Gebrder Kiesau, Berlin 8W. 12. Ilierxn eine Keiia;;c, welche wir b<'Monxxxxxxxxxxxx\xxx\xxxxx\x\xxx\xxxx\xxxx\xxxxxxx\x\xvxxxxxxxvxx\xxxx In uti^rnii VVrhiL'c crscliicn ; der Anorganischen und Organischen Chemie al- Ijeitfuleii und zn Urpi'titidiii-n fr Mediziner, Pbarmazeuten, Cbemiker etc. von Dr. Hugo Amsel, Chemiker an d. Kaiser! Versuclisstation liir l-^lsass-Lotln-ingen. l'',in liiiilrlMi von H51 Seiten in klein ( )i'tav. Preis 3,60 Mark, in Leinwand gebunden 4,50 Mark. Ein kurzes Repetitorium. in priiciser und bersichtlicher Fassung Alles besprechend, was die moderne C'heraie an feststehenden llesul- taten aufzuweisen hat, in erster Linie fr den Mediziner zum tentamen physicum, fr den Pharmazeuten zum Staats- examen, fr den Naturwissenschaftler zum examen rigo- rosum bestimmt, ebensowohl aber auch nach eigenen Studien oder nach grndlichem Unterricht zur Repetition geeignet. E. Friedlnder & Sohn. Berlin NW., Carl-Strasse IL Natiir*ae Novitatetri. [129 Bibliographie nnwr Erscheinungen aller Lnder auf den (jrehiete der Naturgeschichte und der exacten Wissenschaften. Herausgegeben rnn R. Friedlnder iV Sohn, Berlin NW.. Carlsfrassr II. Jhrl. Abonnenienfsiireis fr '25 Nummern portofrei M. 4, Die Naturae Novitates sind die in jeder BeziebuiiL;- voll- stndigste und zuverlssigste Bibliographie der Naturgeschichte und der Exacten Wissenschafien, sii' zeii;i-n nicht nur allr im l.aulc der letzten li Tage erschienenen selbstiindiyen Zi-ifschriften, Werke, Ab- handlungen, Dissertationen an. sie fhren auch bei neu erscheinenden Theilen eines Werkes die frher veriilfentlichten mit allen bibliogra- phischen Details auf. Sie bringen nirht nur die einzeln erschienenen Werke, sondern auch die in Zeitschriften etr. herausgegebenen Ab- handlungen zur Anzeige. Wilh. Schlter in Halle a|S. Naturalien- u. Lehrmitteitiandlung. 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Die Einheit der Naturkrfte ';'" '*'t' ' "i nii philosoplne von P. AngelO Secchi. Antoris. lebiMsetzunL' von l'rof Dr. Schulze. 2. Aufl. 2 Hde. Mk. 12, ; in einen Halbtiaiizband geb. Mk. 14.. ^ (128 -5^ Terlag ron Otto Salle in liraitnschtreig. f-s- Durcti alle Buctihandlunqen auch zur Ansicht zu beziehen. Jlan abonniert bei allen rostmtern und Buchhandlungen auf das im IX. .Tahraang erscheinende: Botanisches Centralblatt. Referierendes Organ fr das G-esamtgebiet der Botanik des In- und Auslandes. Ilerausegeben unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrten von Dr. Oscar Uhlworm und Dr. G. F. Kohl in Kassel. in Marburs;-. Zn<;lei<-Ii <>r;;an [127 Botanischen Vereins in Mnchen, der Botaniska Sllskapet in Stock- holm, dl I Gesellschatt tr Botanik zu Hamburg, ib i botanischen Sektion der Schlesischen Gesellscliaft tr vaterlndische Kultur im Breslau, der Botaniska Sektionen af Naturvetenskapliga Studentsllskapet i Upsala, dei k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, d' s Botanischen Vereins in Lund und dei Societas pro Fauna et Flora Fennica in Helsingfors Das Blatt ist ber die ganze Erde verbreitet und erhht sich der Absatz fortwhrend. Preis halbjhrlich (2 Bnde) 14 Mk. Verlag von Gebr. Gott helft in Kassel. Verlag von Julius Springer in Berlin N. Elemente der Botanik Tim Dr. H. Potonie. Mit 5:39 in ileii Text i^cdnicktiMi Aliliililungcii. Preis: Mk. 2,80, gebunden Mk. 3,60. Inhalt: Kinlluiing. Morpliologin: I. Urundljegrill'e, 2. Entwicke- lungsgescliichte, 'S. Aeussere Gliederung der Pflanzen, 4. 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